Architektur und GebÀude in Leipzig

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Verzeichnis der Abbildungen:
Alte Börse-Leipzig
Amtsgericht-Leipzig
Augusteum-Ansicht-Leipzig
Augusteum-Leipzig
Augustusplatz-Ansicht-Leipzig
Augustusplatz-Leipzig
Barthels Hof-Leipzig
Bezirksschule-Leipzig
Bornerianum-Leipzig
BĂŒrgermeisterhaus-Leipzig
BĂŒrgermeisterhaus-Romanus-Leipzig
BĂŒrgerschule-Bezirkschule-Leipzig
Feuerwehrhauptdepot-Leipzig
Forsthaus-Burgaue
FĂŒrstenhaus-Erker-Leipzig
FĂŒrstenhaus-Leipzig
GÀrtnerstÀnde-Innenansicht-Leipzig
Gewandhaus-Leipzig
Handelslehranstalt-Leipzig
HauptpostgebÀude-Leipzig
Höhere Schule fĂŒr MĂ€dchen-Leipzig
Johannes Stift-Hofansicht-Leipzig
Johannes Stift-Leipzig
Kaserne-Möckern
Kinderkrankenhaus-Leipzig
Komödienhaus-Leipzig
Königliches Gymnasium-Leipzig
Königliches Konservatorium der Musik-Leipzig
Konzertsaal-Leipzig
Kunstgewerbeschule-Kunstakademie-Leipzig
Landgericht-Leipzig
Markthalle-Leipzig
Markthalle-Portal-Leipzig
Museum-Leipzig
Museum-Seitenansicht-Leipzig
Museum-Vorderansicht-Leipzig
Museum-Vorderfassade-Leipzig
Nikolaikirche-Leipzig-1595
PaketpostgebÀude-Leipzig
PaketpostgebĂ€ude-SĂŒdwest-Leipzig
Paulinerbibliothek-Leipzig
Paulinerkloster-Leipzig
Petersthor-Leipzig
Pfarrhaus-Rendnitz
Pleißenburg-Hof-Leipzig
Pleißenburg-Steinmetzzeichen
PolizeigebÀude-Leipzig
Predigerhaus-Leipzig
Rathaus-Entwurf-Leipzig
Rathaus-Leipzig
Rathaus-Leipzig-1595
Rathaus-Rendnitz
Reichsbank-Leipzig
Rote Colleg-Leipzig
Rote Kollegium-Leipzig
Schlachthof-Viehof-Leipzig
Siechenhaus-Leipzig
StÀdtische Gewerbeschule-Leipzig
Stadtkern-Leipzig
Stadtplan-Leipzig-1749
Stadtplan-Leipzig-1842
Stadttheater-Leipzig
Theatrum Europaeum-Leipzig-1637
Thomasgymnasium-Leipzig
Thomasturm-Nikolaiturm-Rathausturm-Johannisturm-Leipzig
UniversitÀtsbibliothek-Eckbau-Leipzig
UniversitÀtsbibliothek-Hinteransicht-Leipzig
UniversitÀtsbibliothek-Leipzig
UniversitÀtsbibliothek-Lesesaal-Leipzig
UniversitÀtsbibliothek-Vorderansicht-Leipzig
UniversitÀts-Frauenklinik-Leipzig
Wage-Leipzig
Zeughaus-Leipzig-17. Jahrhundert

Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Beschreibung der einzelnen RathĂ€user SĂŒddeutschland

TextĂŒbersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Oberrhein.

Ensisheim.

1535-1547.

Woltmann, Gesch. der Kunst i. Elsaß, S. 299 f. Kraus, Kunst u. Altert, i. Els.-Lothr., II, 78 f. Hausman und Polaczek, DenkmĂ€ler der Baukunst im Elsaß, S. 102 ff. (Hier die Vermutung, daß das von 1506 an erneuerte Rathaus von Basel vorbildlich gewirkt hat.) Stiehl, S. 75 f. Lambert und Stahl XXXI. Taf. 20, 21. — 1637 und 1735 restauriert.

Material: Gelber Sandstein aus Rufach.

Das zweistöckige, ein Walmdach tragende GebĂ€ude besteht aus zwei rechtwinklig aneinanderstoßenden FlĂŒgeln, deren Innenseiten eine Ecke des Kirchplatzes bilden. An der Außenseite des freiliegenden FlĂŒgels fĂŒhrt die Hauptstraße des Ortes entlang.

Dieser reichere Teil des GebĂ€udes, der den großen Saal enthĂ€lt, besteht im Erdgeschosse aus einer Halle, die sich in weiten Spitzbogentoren, zweien auf der Stirnseite, je dreien auf den Langseiten, öffnet. Ihr reiches, mit farbigen Rosetten besetztes Sterngewölbe wird von zwei freistehenden Pfeilern — der eine umgeben von sechs mehrfach eingeschnĂŒrten und ornamentierten SĂ€ulen—und von glatten an die Außenpfeiler sich anlehnenden SĂ€ulen getragen. An der Fassade liegen den breiten, starken Pfeilern Pilaster vor mit reich profilierten GebĂ€lkköpfen, ĂŒber denen sich das durchlaufende Gesims der Saalfenster weit vorkröpft Außerdem gliedert die Mauer ĂŒber den Toren ein Gesims, das einen oblongen rechtwinkligen Rahmen um die Pilasterköpfe bildet. An dem oberen leichteren Geschoß tragen die Pilaster Faltwerk. Ein dĂŒnner ĂŒber die Pilaster fortgefĂŒhrter Gurt grenzt einen Mauerstreifen zwischen Fenstern und Dachgesims ab, der möglicherweise bemalt war. An der Stirnseite des Saalbaues werden außerdem die Felder ĂŒber- und unterhalb des Gurtes noch einmal durch schlanke, vielfach gegliederte KandelaberhalbsĂ€ulen halbiert. Die zu dreien zusammengenommenen rechteckigen Fenster, von denen das mittlere jedesmal erhöht ist, nehmen an der Stirnseite die Breite der Felder ein; die Fenster der ĂŒbrigen Seiten sind z. T. von verschiedener Zusammensetzung und sitzen unregelmĂ€ĂŸig in den breiteren Feldern. — An der Straßenfront kragt sich ein kleiner polygoner, vom Saal aus zugĂ€nglicher Balkon auf spĂ€tgotischer Konsole vor.

Am einfacher gehaltenen QuerflĂŒgel ist nur der Gurt unterm Dachgesims durchgefĂŒhrt. Vertikalglieder, abgesehen von den Eckpfeilern, fehlen. Aus diesem FlĂŒgel tritt gegen den Platz ein polygoner Turm vor, in dem eine bequeme breite Treppe unter einem Sterngewölbe den Zugang zum Obergeschoß vermittelt. Der Turm schließt mit dem Fassadengesims und trĂ€gt einen achteckigen Spitzhelm. Die Treppenfenster ruhen auf schrĂ€gem Gesims. Das niedrige Stichbogenportal wird von KandelaberhalbsĂ€ulen und einem hohen, neuerdings mit einer BĂŒste versehenen Aufsatz gerahmt

Das Erdgeschoß enthielt in seinem geschlossenen Teil „einen als RĂŒstkammer anzusprechenden, mit großer Einfahrt (von der Straße) zugĂ€nglichen Raum und einen kleinen Markthallensaal, ohne Verbindung mit dem Obergeschoß“1). Über beiden lag der große, jetzt mehrfach geteilte Versammlungssaal als einziger Nachbar des Hauptsaales. Dieser existiert noch in seinen ursprĂŒnglichen Abmessungen, ansehnlich breit mit einer ziemlich hohen geraden Balkendecke.

Molsheim.

Erste HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts.

Hausman und Polaczek, a. a. O., S. 103, Taf. 92. — Das Datum an der Uhr, 1607; bezieht sich auf die Umrahmung und den Helm. Jetzt Amtsgericht.

Der rechteckige, zweistöckige Bau, der sich mit der Breitseite dem Marktplatz zuwendet, trĂ€gt ein hohes, steiles Satteldach mit dreistöckigen Giebeln ĂŒber den Schmalseiten. Die Front, die im VerhĂ€ltnis zum Dach niedrig erscheint, zeigt eine symmetrische Gliederung. Eine doppellĂ€ufige Freitreppe fĂŒhrt zu dem quadratischen Podest vor der niedrigen BogentĂŒr. Über dem Podest erhebt sich, vorn auf zwei kurze kannelierte Pfeiler gestĂŒtzt, ein viereckiges UhrtĂŒrmchen, das in seinem oberen Teil spĂ€teren Datums ist, jedoch wohl einen ursprĂŒnglichen ĂŒber das Dachgesims aufsteigenden Aufbau ersetzt Oberhalb der Uhr, deren figĂŒrliche Umrahmung ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammt, ist es gleich der geschweiften Kappe mit Schiefer verschalt.

Symmetrisch zu dieser zentralen Anlage lĂ€uft auf beiden Seiten, ĂŒber den TreppenansĂ€tzen beginnend, ein Altan vor dem Obergeschoß entlang; der sĂŒdliche biegt rechtwinklig um die Frontecke herum und setzt sich auf der freiliegenden Giebelseite fort. Der Altan wird von krĂ€ftigen Renaissancekonsolen getragen. Die BrĂŒstung besteht — gleich dem TreppengelĂ€nder — aus spĂ€tgotischen MaßwerkfĂŒllungen.

Colmar ist hiermit jedenfalls das jetzige Kornhaus in Sulz gemeint, das frĂŒher als Rathaus gedient haben wird. Gemeinsam ist die Anordnung einer doppelten Freitreppe vor oblonger Front und das HerauffĂŒhren der Podestverdachung ĂŒber das Dachgesims (in Sulz als Dacherker). Doch ist die Verwandtschaft nicht viel nĂ€her als mit anderen Ă€hnlichen Anlagen am Oberrhein.

Das Erdgeschoß, das als Markthalle diente, öffnet sich nach allen vier Seiten in breiten Bogentoren. Das Obergeschoß, das allein den Saal enthielt, hat große, rechteckige Fenster, je zwei zwischen Mittelbau und AltantĂŒren, zwei breitere, dreiteilige an der SĂŒdseite.

Die hohen GiebelwĂ€nde sind durch Gurte und durch flache kannelierte Pilaster geteilt. Den Kontur bestimmen große derbe Voluten, die dem 17. Jahrhundert angehören mögen.

MĂŒlhausen.

1552.

Woltmann, a. a. O., S. 300 ff. m. Abb. LĂŒbkel, 272 f. Kraus, a. a. O., II, 450 ff. (Weitere Lit. ebenda). Stiehl S. 19 f. Auf den Fundamenten des 1551 durch Brand zerstörten gotischen Rathauses „angeblich in ganz den nĂ€mlichen VerhĂ€ltnissen und Formen“ errichtet.

Drei nach oben niedriger werdende Stockwerke von oblongem Grundriß unter einem nicht allzu hohen Satteldach1). Vor der dem Markt zugewendeten Breitseite fĂŒhrt eine doppelte Freitreppe zum Hauptgeschoß. Die Richtung der ziemlich steil ansteigenden Treppenbalustraden wiederholt sich in den flachen, von schlanken SĂ€ulen gestĂŒtzten DĂ€chern2), die auf die niedrige geschweifte Kappe des rechteckigen Podestes hinlaufen. Von hier fĂŒhrt eine von Pilastern und GebĂ€lk gerahmte BogentĂŒr auf die Diele. Gegen den Markt öffnet sich der Vorplatz in einem auf SĂ€ulen ruhenden Bogen. Die BrĂŒstungsmauer trĂ€gt das Stadtwappen.

Die Durchlochung der Fassade ist eine unregelmĂ€ĂŸige. Im Erdgeschoß, das ehemals eine Halle einnahm, sind es neben den Spitzbogentoren einteilige Öffnungen mit derber Einfassung. Die zierlicher profilierten Fenster des Obergeschosses, die ebenfalls nicht mehr die ursprĂŒnglichen Dispositionen haben, sind zu zweien und zu dreien zusammengenommen; an der einen Giebelseite öffnet sich der Hauptsaal in zwei vierteilige Fenster, unter jedesmaliger Erhöhung des mittleren. Die BrĂŒstungsgesimse sind durchgezogen.

Die zweistöckigen Giebel ĂŒber den Schmalseiten werden von Viertelkreisscheiben und Voluten, nach oben von einem Halbkreistympanon eingefaßt.

Die eigentliche Gliederung der Fassade besteht in der Bemalung, die sich auch auf die Giebelseiten erstreckt. Das hohe Erdgeschoß ist durch eine Rustikamauer als Sockel charakterisiert. Das Hauptgeschoß ist als flachgedeckte auf SĂ€ulen ruhende Loggia gedacht, hinter deren Balustrade allegorische Figuren herabsehen. Zwischen die Fenster des niedrigeren dritten Stockwerks hat man gedrungene Nischen mit den Figuren der Tugenden angeord-net, von Pilastern als scheinbaren StĂŒtzen des Dachgeschosses flankiert. Der Hauptton der gemalten Architektur ist rotbraun, der der Figuren goldgelb. In dem mit grĂŒnen Ziegeln durchsetzten Schindeldach, aus dem vier „wohlgegliederte“ Kamine in symmetrischer Anordnung aufsteigen, setzt sich die Farbigkeit der Fassade fort.

Boersch.

Nach 1550.

Kraus, a. a. O. I, 32. Hausman und Polaczek a. a. O. 103, Taf. 94. — Treppenturm 1572. Erker 1615.

Ein oblonges, dreistöckiges GebĂ€ude mit einem Satteldach, die Giebel einfach abgeschrĂ€gt. Die Stockwerke sind durch Gurte getrennt. In der Frontmitte tritt ein halbrunder Treppenturm vor, er ĂŒberschneidet um ein Geschoß das Dachgesims und trĂ€gt einen Spitzhelm. An der einen Frontecke sitzt ein zweistöckiger Erker auf zwei Konsolen. Seine FensterbrĂŒstungen sind gefeldert und ornamentiert. Er schließt mit einer Maßwerkbalustrade. Das Erdgeschoß öffnete sich ehemals in mehreren breiten Rundbogentoren.

Straßburg.

(„Neuer Bau“ Hotel du Commerce.)

1582—1585.

Woltmann, a. a. O., S. 302 f. Kraus, a. a. O. I, 552 f.

O. Winkelmann, der Erbauer des alten Straßburger Rathauses,

1. d. Zeitschr. f. Geschichte des Oberrheins N. F. 8, S. 579 ff. Straßburg und seine Bauten 1894, S. 288 f. Leitschuh, Straßb. 1903, S. 72 f. Hausman und Polaczek, a. a. O., S. 104, Taf. 97. Bezold, a. a. O., Fig. 84. — Als Erbauer galt frĂŒher Daniel Specklin (Woltmann, Bezold, S. 105). Neuerdings vermutet man als Autor des Entwurfes Joh. Schoch, den Baumeister des Heidelberger Friedrichsbaues (Winkelmann a. a. O., Hausman, ElsĂ€ss. Kunstdenkm., S. 26). Nach Leitschuhs Meinung hat Wendel Dietterlin, der die Malereien im Inneren ausfĂŒhrte, auch die Fassade entworfen. Als ausfĂŒhrende Steinmetzen werden genannt Jörg Schmitt v. Schaffhausen und Paul Maurer v. ZĂŒrich. — Die Stadt ließ das GebĂ€ude errichten, ohne eine bestimmte Verwendung dafĂŒr zu haben, nur um „den Platz in besseren Wohlstand zu bringen“. AllmĂ€hlich erst siedelte die Stadtverwaltung in die neuen RĂ€ume ĂŒber. Das Erdgeschoß wurde vermietet. — Im Hof befindet sich eine spĂ€tgotische TĂŒr (1509) von einem Ă€lteren vor dem Neubau vorhandenen Bau (Statsmann, z. Gesch. d. deutschen FrĂŒhrenaissance i. Straßb., 1906, S. 73). Mehrfach wiederhergestellt. Namentlich wĂ€hrend der französischen Revolution demoliert.

Eine dreiflĂŒgelige Anlage von oblongem Grundriß, ein vierter FlĂŒgel wurde im 19. Jahrhundert hinzugefĂŒgt. Die lange Hauptfront liegt am Gutenbergplatz. Über drei Stockwerken sitzt ein niedriges, mit drei Reihen Gaupen besetztes Walmdach1). An der Fassade ist eine regelmĂ€ĂŸige Gliederung durch Pilasterordnungen durchgefĂŒhrt, wobei die Form der TrĂ€ger und Gesimse von Geschoß zu Geschoß leichter und zierlicher wird. Das Erdgeschoß kontrastiert mit Pfeilerarkaden und Rustika zu den oberen Stockwerken, die beide rechteckige Öffnungen und glatt verputzte BrĂŒstungswĂ€nde zeigen2). Die Achsenteilung ist jedoch die gleiche und die oberen Vertikalglieder haben im Erdgeschoß ihre Vorbereitung. Auch der in den Obergeschossen stattfindende StĂŒtzenwechsel kĂŒndigt sich im Erdgeschoß an, indem den stĂ€rkeren kannelierten Pilastern krĂ€ftige toskanische Pilaster unterstellt sind, wĂ€hrend sich die schlankeren, durch vertiefte FĂŒllungen noch zierlicher wirkenden TrĂ€ger mit Konsolen begnĂŒgen.

Die dreiteiligen Fenster nehmen die ganze Breite der Felder ein, so daß sie als ein nur durch die Pilaster unterbrochenes horizontales Band wirken gleich den durch die flachen Pilastersockel geteilten BrĂŒstungen. Im Hauptgeschoß tragen die Fenster eine niedrige Volutenverdachung, im obersten stoßen sie unmittelbar an das Dachgesims.

Die RegularitĂ€t der Fassade hĂ€lt allein das Portal nicht inne; acht Bogenöffnungen liegen links, sechs rechts von ihm. Das erklĂ€rt sich daraus, daß die Fassade nicht vollstĂ€ndig frei am Platz,, sondern zum Teil in der StraßenmĂŒndung liegt. Vom Platz aus gesehen erscheint das Portal fast zentral. DieÄdikula-Umrahmung um die mit mit einem Stichbogen schließende Öffnung nimmt mit ihren FreisĂ€ulen fast die Breite zweier Fenster ein. Die Dreiecksbekrönung reicht ins obere Stockwerk hinauf.

Die Erdgeschoßhalle zeigt „FrĂŒhrenaissance und Formen der Nachgotik“1). Die Grundrißeinteilung der oberen Geschosse, die durch eine Wendeltreppe verbunden waren, wurde erst nach Fertigstellung der Fassade festgestellt.

Kaysersberg.

1604.

Ein dreistöckiger Putzbau mit einem Walmdach, die Breitseite der Straße zugewendet. Einfache, rechteckige Fenster auf durchlaufenden Gesimsen. In der Frontmitte sitzt ĂŒber der breiten, reichgewandeten RundbogentĂŒr, bis zu deren Schlußstein seine reich profilierte Konsole hinabgefĂŒhrt ist, ein rechteckiger, zweistöckiger Erker, der in der Höhe des Dachgesimses von einem Volutenaufsatz bekrönt wird. Hinter der rechten Frontecke, etwas zurĂŒcktretend, ist ein schlichter, polygoner Treppenturm angebaut mit einem sich wenig ĂŒbers Hauptdach hebenden Spitzhelm.

Links von dem Mittelportal befand sich eine zweite, jetzt zum Fenster gestaltete Bogenöffnung von gleicher Art, die auf eine ursprĂŒngliche Halle im Erdgeschoß hinweist. Im Hauptgeschoß finden sich zwei SĂ€le, die ĂŒbrigen RĂ€ume sind verbaut. Den Hof umschließt auf zwei Seiten eine offene Holzgalerie mit zierlicher Balustrade und geradem GebĂ€lk auf gewundenen SĂ€ulen.

Gernsbach.

1617.

LĂŒbke, I, 293. Bezold, S. 52. Bluntschli, S. 53. Am Portal das Datum 1618. Abb. Ortwein, Abt. 39, Bl. 1—6. Ein Joh. Jac. KĂ€st hat es fĂŒr sich als Familienhaus gebaut und nach seinem Wegzug der Stadt als Rathaus geschenkt.

Der schlanke, dreistöckige Bau aus rotem Sandstein bildet mit einer Giebelfront und zwei gleichfalls schmalen seitlichen Fronten die Ecke zwischen zwei „nicht eben breiten Straßen“. Die RĂŒckseite schließt an PrivathĂ€user an.

Aus der Ecke zwischen Giebelseite und der durch das Portal ausgezeichneten Nordfront kragt sich auf schlichter Konsole, als zierliches SchmuckstĂŒck gestaltet, ein zweistöckiger polygoner Erker vor. Er schließt in der Höhe des Hauptgesimses und trĂ€gt eine achtseitige geschweifte Kappe. Asymmetrisch ĂŒber der Portalfront sitzt ein einstöckiger Dacherker.

Die GeschoßansĂ€tze werden durch Gurte bezeichnet. Das krĂ€ftiger gebildete Dachgesims markiert auch die Basis des Giebels. SĂ€mtliche Gesimse, auch die BrĂŒstungs- und Verdachungsgesimse der zunĂ€chst liegenden Fenster, greifen um den Erker herum, so daß sich ĂŒber und unter seinen allseitigen Öffnungen rechteckige Felder ergeben, die mit Kartuschen und Bandwerk gefĂŒllt sind. Die Fassadenwand wird belebt durch die Rahmen der breiten rechteckigen Fenster: schmales Rollwerk an den VertikalrĂ€ndern und durchbrochene, reich profilierte Dreiecke mit kleinen Vasen in der Mitte als Bekrönung.

Der Giebel, in zwei Fenstergeschosse und einen mit einem Rundloch versehenen Aufsatz geteilt, hat die gleichen Gesimse und dieselbe Art Fenster wie die Fassade. Der Nachdruck liegt auf den durch Beschlagwerk, derbe Voluten und Obelisken gebildeten RĂ€ndern. Ähnliche Voluten hat der niedrige, mit einem Halbkreis zwischen Obelisken schließende Dacherkergiebel.

Die stattliche Umrahmung des Rundbogenportals besteht aus auf Sockeln ruhenden toskanischen FreisĂ€ulen, ĂŒber denen sich das in der Wand sitzende GebĂ€lk vorkröpft. Die Bekrönung, ein Relief in einer Kartusche, eingefaßt von großen fragmentierten Voluten, von einem Dreieck verdacht, ĂŒberschneidet das Gesims des Erdgeschosses. Im Innern bildet eine Wendeltreppe die Verbindung der Stockwerke.

Schwaben.

——-
Rottweil.

1521.

Kunst- u. Alt. Denkm. i. WĂŒrttemberg (Schwarzwaldkr.) II, 320 f. Ansicht der Hauptstraße mit dem Rathaus ebenda.

„Ein stattliches dreistöckiges SteingebĂ€ude im spĂ€tgotischen Stil, in den sich schon Renaissanceformen eingedrĂ€ngt“ Das oberste Geschoß, das den Saal enthĂ€lt, wird durch ein Gesims gegen die unteren abgegrenzt. Die rechteckigen, von RundstĂ€ben eingefaßten Fenster der oberen Stockwerke sind zu vieren zusammengenommen unter Erhöhung des mittleren Paares.
Heilbronn,

LĂŒbke I, 390f. Bezold, S. 51 f. 1535 brannte das alte Rathaus ab. 1580 findet sich als Datum an der Uhr, aus dieser Zeit stammt die Vorhalle. 1593 am Giebel im Hof, wohl gleichzeitig der zurĂŒckliegende FlĂŒgel.

Der dreigeschossige ungegliederte Rumpf von oblongem Grundriß trĂ€gt ein hohes Walmdach. An der Marktfront erstreckt sich vor dem Erdgeschoß eine gewölbte Vorhalle, die sich nach vorn in fĂŒnf Stichbogen auf gedrungenen jonischen SĂ€ulen öffnet. Zu beiden Seiten schließen Freitreppen an, die an den Ecken der Front beginnen und zu dem ĂŒber der Halle sich hinziehenden Altan hinauffĂŒhren. Die LĂ€ngserstreckung wird betont durch die steinerne AltanbrĂŒstung: durchbrochene BandwerkfĂŒllungen zwischen Pfosten, die durch Figuren ausgezeichnet, auf starken Konsolen ruhen. Ähnliche FĂŒllungen zeigen die TreppengelĂ€nder.

Dem horizontalen Vorbau begegnet als vertikaler Akzent in der Mittelachse der Fassade die Kunstuhr. Sie beginnt mit einer im zweiten Stock eingebauten astronomischen Tafel, die von korinthischen HalbsĂ€ulen und Gesimsen umrahmt wird. Über dem in Fassadenhöhe abschließenden Gesimse folgt ein Dacherker mit dem Zifferblatt, von Pilastern und kleinen Posaunenengeln in Nischen flankiert. In dem giebelförmigen Aufsatz darĂŒber ein kleinerer Mondkalender zwischen Pilastern und Voluten, dann eine freihĂ€ngende Glocke zwischen skul-pierten Pfosten und ein figĂŒrlich ornamentales SchlußstĂŒck als zierliche Bekrönung.

Die breiten rechteckigen Fenster mit noch gotischem Kehlenprofil, im unteren Geschoß mit steinernen Pfosten, sind von ungleicher GrĂ¶ĂŸe und nicht regelmĂ€ĂŸig auf der glatten FlĂ€che verteilt. Die beiden rechtwinkligen AltantĂŒren sitzen symmetrisch zur Uhr. Die zwei an den Enden der Balustrade aufgerichteten Ritterfiguren unter Baldachinen sind, ebenso wie das im oberen Stock eingelassene Wappen, vom gotischen Rathaus ĂŒbernommen.

Das Innere wurde vor kurzem vollstĂ€ndig erneuert. Die große Diele, die man vom Altan aus betritt, mit dicken Holzpfeilern unter der flachen Balkendecke, ist die alte. —

Der kurze FlĂŒgel, der in den neunziger Jahren des 16. Jahrhunderts an die rechte Schmalseite angebaut wurde, liegt, um den einheitlichen Eindruck der Ă€lteren Fassade nicht zu stören, bescheiden zurĂŒck in gleicher Fluchtlinie mit dem spĂ€teren OberamtsgebĂ€ude. Er ist dreistöckig, von gleicher Höhe wie das Rathaus. Das breite rundbogige Durchgangsportal zum Hof ist an die linke Ecke gerĂŒckt. Es hat einen Rahmen von gebĂ€nderten Pilastern und verkröpftem GebĂ€lk mit einer flachen Giebelbekrönung, einem Adler zwischen Beschlagwerk und Voluten. In den ungegliederten Obergeschossen sitzen je drei rechteckige Fensterpaare dicht beieinander. Über dem krĂ€ftig ausladenden Hauptgesims erhebt sich in der ganzen Breite des FlĂŒgels ein einstöckiger Giebelerker. Das rechteckige Fensterfeld wird von korinthischen SĂ€ulen eingefaßt und von einer SĂ€ule halbiert. Über ihren Sockeln lĂ€uft ein Gesims, auf dem die zwei rechteckigen, nach der Mitte gerĂŒckten Fenster aufsitzen. Die Umrahmung des Erkers besteht aus Beschlagwerk, das in Voluten und Obelisken ausgeht.

Von gleicher Art ist die Umrahmung des zweistöckigen Dacherkers im Hof. Flache Pilaster flankieren die Öffnungen, zwei rundbogige SpeichertĂŒren ĂŒbereinander, die untere von rechtwinkligen Fenstern begleitet. Zu Seiten der oberen TĂŒr liegt Beschlagwerk mit zackigem Volutenkontur. Der Erker schließt mit einer Sonnenuhr und einem Obelisken ĂŒber einem mĂ€nnlichen Kopf in kreisrunder Umrahmung.

Augsburg.

1616—1620.

Wilh. Vogt, Elias Holl, Bamberg 1890. Weitere Lit. ebenda, p. 75. — 1614 trĂ€gt der damals 41jĂ€hrige Elias Holl dem Ratsherrn Rembold beim Mittagessen den Plan eines neuen Rathauses vor. Er bekommt im Februar 1615 den Auftrag, das alte Rathaus abzubrechen und ein schönes neues an dessen Stelle zu errichten. Damit man das Glockenwerk des alten Rathauses wĂ€hrend des Neubaues nicht außer TĂ€tigkeit zu setzen braucht, ĂŒberfĂŒhrt Holl die Glocken auf den benachbarten, zu diesem Zweck erhöhten Perlachturm am 1. Mai 1615. Holl reicht mehrere Visierungen ein. Am 25. August 1615 wird der erste Stein des sĂŒdlichen FlĂŒgels gelegt. 1618 werden die TĂŒrme aufgesetzt. Am 3. August 1620 findet die erste Ratswahl im neuen Hause statt. Material: Ziegel, verputzt. Fensterrahmen und Gesimse in Kalkstein.

Das Rathaus liegt an dem langen Straßenzug, der sich von SĂŒden nach Norden bald breit, bald eng, in leichten Biegungen durch die Stadt zieht. SchrĂ€g gegenĂŒber der Fassade, die an der Fluchtlinie der NachbarhĂ€user festhĂ€lt, erweitert sich die Straße zu einem kleinen Platz, der jedoch nach seiner Lage und seinen VerhĂ€ltnissen nicht unmittelbar zum Rathaus gehört. Der nördlichen Front liegt in geringer Distanz der Perlachturm gegenĂŒber, wĂ€hrend die SĂŒdseite vom Nachbarhaus aus durch eine Treppe getrennt wird, die zu der in einiger Entfernung hinter dem Rathaus entlangfĂŒhrendeh Straße hinabgeht. Denn das Rathaus sitzt in stark abschĂŒssigem GelĂ€nde, so daß die rĂŒckwĂ€rtige Seite um zehn Meter höher ist als die Hauptfront.

Auf keiner Seite sonderlich viel Spielraum, aber nirgends derart eingebaut, daß das Wandsystem unterbrochen werden mĂŒĂŸte, steigt das Rathaus, im Grundriß ein dem Quadrat genĂ€hertes Rechteck, in die Höhe. Ein festgebundener Körper ohne Vorbau, ohne ausgelegte FlĂŒgel. Doch, geben sich in der Ă€ußeren Gestalt die Hauptteilungen des Inneren klar kund. Die Westfront nach der Straße zeigt gleiche Gliederung wie die Ostfront, ebenso wie Nord-und SĂŒdfront ĂŒbereinstimmen. Das breite MittelstĂŒck der westlichen Hauptfassade, ein schwaches Risalit, das durch die Art seiner Durchlochung und durch das HinauffĂŒhren ĂŒber die Seitenteile, durch ein Satteldach und Giebelbekrönung ausgezeichnet wird, deutet auf den Hauptraum, der in der Mittelachse das GebĂ€ude durchquert und an der Ostseite die gleiche Gliederung hervorruft. Die Nord- und SĂŒdseite haben
gleichfalls Mittelglieder, die sich ebenfalls als schwache Risalite mit besonderer Fensterordnung abzeichnen. Sie weisen auf die Treppenanlagen, ĂŒber denen die TĂŒrme aufsitzen. Man hat die Breite der TreppenhĂ€user so genommen, daß die Fassadenteile rechts und links den entsprechenden Seiten der West- und Ostfront gleichen, so daß die Mittelglieder aller vier Seiten gleichmĂ€ĂŸig flankiert und zugleich quadratische Grundrisse fĂŒr die vier Eckteile gewonnen werden.

Die Gliederung dieser Eckteile ist diese: In dem hohen Erdgeschoß, das sich durch ein Gesims von den oberen Stockwerken abgrenzt, zwei Reihen von je vier nahezu quadratischen Löchern ĂŒbereinander. Über dem Gesims zwei Reihen rechteckiger, lĂ€nglicherFenster, die zu den Zimmern des zweiten und dritten Stocks gehören, und unter dem Dach viereckige Öffnungen eines Bodengeschosses, von gleicher Art wie im Erdgeschoß. Über dem Dachgesims lĂ€uft eine Balustrade, deren eng gestellte Baluster an den Ecken und in den Seitenmitten durch Pfosten, die mit Kugeln1) besetzt sind, unterbrochen werden.

Im Mittelbau ist die Durchlochung eine stĂ€rkere. Die Fenster, jedesmal sechs, reihen sich enger aneinander, und zwischen den Reihen sind die Mauerintervalle geringer oder durch Bekrönungen beschnitten. Die Halle im Erdgeschoß öffnet sich an der Westfassade in dem großen Portal, das jederseits von zwei langen Rundbogenfenstern begleitet wird. Dem entsprechen sechs solche Fenster im Osten. Über dieser Halle liegt ein Saal, niedrig im Vergleich zu seiner Ausdehnung, von derselben Höhe wie die EckrĂ€ume, mit denen er auch in der Fensterform, abgesehen von derGiebelbekrönung, ĂŒbereinstimmt. Das wird anders im folgenden Geschoß, das den Hauptraum des Hauses, den sogenannten »goldenen Saal“ enthĂ€lt. Erreicht ĂŒber das Dachgesims hinaus und nimmt noch die untere Fensterreihe des Aufbaues fĂŒr sich in Anspruch. Seine unteren Fenster strecken sich soweit hinauf, daß ihre Bekrönungen zugleich die Postamente der nĂ€chst höheren Fensterordnung abgeben. Diese sind zu ovalen Öffnungen umgestaltet.

Auf ihren rechteckigen Rahmen sitzen durchbrochene Segmentbogen, die mit ihren Scheiteln ans Dachgesims stoßen. Der zweistöckige Bau ĂŒber dem Dachgesims wird durch eine glatte StreifenUmrahmung in sechs lĂ€ngliche Felder geteilt, welche die Fortsetzung bilden fĂŒr die von unten auf betonte, allein durch die Anlage der Fenster hervorgebrachte vertikale Gliederung. Die untere Reihe gehört — wie gesagt — noch zum Saal; die obere zu einem Raum, der unmittelbar ĂŒber der unteren Reihe einsetzt und eine von SĂ€ulen getragene flache Decke hat, der sogenannten „Modellkammer“. Der vor dem Satteldach sitzende Giebel hĂ€lt sich ebenfalls an die vertikale Teilung der Fassade. Das große, ehemals mit dem Reichsadler geschmĂŒckte Mittelfeld hat die Breite von zwei Fensterfeldern, mithin die des Portals. Die von glatten Pilastern eingefaßten Seitennischen entsprechen je einem Feld. Ein Dreieck liegt ĂŒber dem GebĂ€lk des MittelstĂŒckes, ein grĂ¶ĂŸeres, daß die Nischen mit einbegreift, bildet den Ă€ußeren Rahmen. Hinter der Dreiecksspitze erhebt sich als schließliche Krönung ein aufrechter Pinienzapfen, das Wahrzeichen Augsburgs.

Die vollkommen sich entsprechenden zwei Treppen erhalten ihr Licht durch drei Paar schlanke Rundbogenfenster, die in der Höhe der breiten Podeste also zwischen den Fensterreihen der EckrĂ€ume sitzen. Die untersten zwei durchschneiden das Erdgeschoßgesims.

Die TĂŒrme beginnen ĂŒber den TreppenhĂ€usern mit quadratischen Sockeln, die von derselben Höhe sind wie der Mittelbau und von der gleichen Gliederung in den Streifenrahmen und Fenstern. Auf die Vierecke folgen schlanke Achtecke; die hier wiederkehrende Streifenumrahmung der acht Felder wird verstĂ€rkt durch Eckpilaster und ein schlicht herumgefĂŒhrtes GebĂ€lk. In jedem der schmalen Felder sitzt ein Rundbogenfenster und ein Rundloch darĂŒber, beide rechteckig umrahmt, das obere von durchbrochenem Giebel bekrönt. Flache Dreiecke umgeben die Basis der achtseitigen, bauchigen Helme.

Drei Stufen fĂŒhren zum Hauptportal, dessen Breite zwei Fensterfeldern entspricht und dessen Archivolte die Fensterhöhe erreicht. Es hat einen stark vorspringenden Rahmen in den toskanischen SĂ€ulen und dem breiten GebĂ€lk, ĂŒber dem ein vom zweiten Stock aus zugĂ€nglicher Balkon ausladet. Dieses Eingangstor und das Wappenfeld des Giebels sind die einzigen Sonderexistenzen an der Fassade. — Zwei symmetrisch sitzende kleine TĂŒren mit Dreiecksverdachung dienen als besondere ZugĂ€nge zu den SeitenrĂ€umen.

Das Hauptportal ist die rechte EinfĂŒhrung in die großen Abmessungen der Halle, des »Flöz“. Er wird durch acht Pfeiler, die Kreuzgewölbe tragen, in drei Schiffe geteilt. In der Mitte der Langseiten liegen die ZugĂ€nge zu den Treppen, die unter flachen Tonnen gradlĂ€ufig, aber noch ziemlich steil hinauffĂŒhren. Der Raum ĂŒber der Halle, der „obere Flöz“, ist niedriger. Dieser Eindruck wird verstĂ€rkt durch die flache Kassettendecke, die von korinthischen SĂ€ulen — in gleicher Anordnung wie die Pfeiler unten — gestĂŒtzt wird. Um so ĂŒberraschender wirkt der Saal im dritten Geschoß. Breite und Tiefe sind dieselben. Doch erscheint er weitrĂ€umiger durch das Fehlen der FreistĂŒtzen. Seine Höhe vollends ist etwa die der zwei unteren Geschosse zusammen. Die LichtfĂŒhrung geschieht, wie in den unteren Stockwerken, von den Schmalseiten her. Über sechs hohen Fenstern, die niedrige BrĂŒstungen haben, folgen sechs ovale Öffnungen und unter der Decke noch eine gleiche Zahl quadratischer Löcher. Diese setzen sich auch an den Langseiten fort. Außerdem liegen hier in der Höhe der ovalen Öffnungen rechteckige Fenster einer ĂŒber den SeitengemĂ€chern laufenden Galerie.

WĂ€hrend die Eingangshalle an der Schmucklosigkeit des Außenbaues festhĂ€lt, werden im oberen Flöz StĂŒtzen, Decke und TĂŒreinfassungen reich in Form und Dekorierung. Aber viel bedeutender ist die Steigerung im „goldenen Saal.“ Die WĂ€nde sind in der ganzen Höhe durch Malereien regelmĂ€ĂŸig gegliedert: zwischen den TĂŒren ornamentierte, von Pilastern flankierte Felder, zwischen den dunkeln Gangfenstern Nischen mit großen Figuren; ein breiter Fries mit Putten, FruchtkrĂ€nzen und Wappen darĂŒber. Konsolenpaare tragen ĂŒber ver-kröpftem Gesims die schwere Kassetten decke, in deren Hauptfelder GemĂ€lde eingelassen sind1). Die ĂŒbrigen Felder sowie die Rahmen sind mit reich vergoldeten Ornamenten besetzt. Statt der zwölf TĂŒren, die in den unteren Geschossen vom Mittelraum zu den SeitengemĂ€chern und Treppen fĂŒhren, sind es hier nur sechs, prĂ€chtiger gefaßt mit ausladender Bekrönung. Vor allem die Treppenportale sind schwer und ĂŒppig, im Gegensatz zu den schlichten Doppelbogen der TreppenzugĂ€nge unten sind sie als PrunkstĂŒcke der LangwĂ€nde höher und breiter als die seitlichen TĂŒren, von SĂ€ulen flankiert mit durchbrochenen GiebelaufsĂ€tzen und Figuren. — Die SeitenrĂ€ume nehmen dieselbe Entwicklung wie der Mittelbau. Im Erdgeschoß sind sie mehrfach geteilt als Wachtzimmer, Archiv und dergl. ohne besondere Dekoration. Im zweiten Stock haben die westlichen Zimmer (Rats- und Gerichtsstube) den quadratischen Grundriß, die Ostzimmer (Steuerstube mit Vorzimmer, Proviant- und Baustube) sind gleichmĂ€ĂŸig halbiert. Sie sind getĂ€felt und tragen Kassettendecken. Die GemĂ€cher neben dem goldenen Saal mit reicherer TĂ€felung und kostbaren Decken haben alle vier quadratischen Grundriß. Es sind die sogenannten FĂŒrstenzimmer, die nicht den VerwaltungsgeschĂ€ften dienen, sondern lediglich der ReprĂ€sentation. Von den an der genannten Galerie liegenden RĂ€umen, die niedrige, kassettierte Decken haben, wurde der eine als KĂŒche benutzt.

Franken und Hessen.
——–
Höchst.

Vor 1550.

Bau- und Kunstdenkm. d. östl. Taunus II, 27. Abb. d. frĂŒh. Zustandes ebda. „Die Bauformen weisen auf das 16. Jahrh. hin.« Jetzt in verĂ€ndertem Zustand in Privatbesitz.

Ein zweistöckiges Eckhaus von quadratischem Grundriß. Das hohe Dach schließt nach Norden und Westen mit Treppengiebeln, deren Stufen mit Kugeln besetzt sind. Zwei ebensolche Giebel erheben sich ĂŒber der SĂŒd- und Ostfront. Das Erdgeschoß öffnete sich auf der SĂŒdseite in vier Arkaden. Die Fenster des Obergeschosses sind rechteckig, gekuppelt. Die Wand ist ohne jede Gliederung, auch die Fassadengiebel trennt kein Gesims vom Unterbau.

Erbach.
—–
Hauptbau 1545.

Kunstdenkm. d. Großherzogt. Hessen, Kreis Erbach

Das zweistöckige Rathaus, von rechteckigem Grundriß, bildet eine Gruppe mit dem rechtwinklig sich anschließenden Torbau, der einst die kleine Stadt abschloß. In dem aus Werksteinen errichteten Erdgeschoß befindet sich eine Versammlungshalle, die sich nach der Torseite in Rundbögen öffnet. Dahinter liegen GefĂ€ngnisse, an der RĂŒckseite des Hauses gegen ein FlĂŒĂŸchen ein Anbau von 1551. Das Obergeschoß durch ein Gesims getrennt, ist in Fachwerk ausgefĂŒhrt und verputzt. Der Dachstuhl stammt aus dem 18. Jahrhundert. Eine Wendeltreppe fĂŒhrt zum Sitzungssaal. — Der zweistöckige Torbau besitzt an seiner der Stadt zugekehrten Westfront gotische Elemente. Dagegen hat die Ostfront 1593-94 ein Renaissancegesicht bekommen. Einmal durch die Besetzung der GiebelschrĂ€gen mit Voluten und fĂ€cherförmigen AufsĂ€tzen und ein verziertes Obeliskengebilde auf der Spitze; dann durch das, nicht in der Giebelachse sitzende, Bogenportal, das von Pfeilern und GebĂ€lk gerahmt wird.

Darmstadt.
—–
1555.

LĂŒbke II, 493.

Material: Haustein verputzt.

Von oblonger Grundform. Dreistöckig mit einem nicht allzu hohen Satteldach. Über der dem Marktplatz zugewendeten Breitseite sitzen nach den Ecken hin zwei breite Dacherkergiebel, durch Pilaster und Gurte gegliedert, von Voluten gefaßt. Zwischen beiden erhebt sich zentral ein GlockentĂŒrmchen aus dem Dachfirst. Die symmetrische Aufteilung der Fassade durchbricht der den linken Giebel ĂŒberschneidende viereckige Treppenturm, der mit einem Satteldach und Volutengiebel schließt. Das Erdgeschoß öffnete sich ursprĂŒnglich in Arkaden. Das große reichgerahmte Portal sitzt asymmetrisch zu den Giebeln. In den glattverputzten Obergeschossen breite rechteckige Fenster. Die Giebel ĂŒber den Schmalseiten haben die gleiche Fassung wie die Frontgiebel.

Kitzingen.
—–
1561.

Restauriert 1894, wobei die Giebel die Sgraffitobemalung erhielten.

Material: Bruchstein verputzt, Sandsteingliederungen.

Von unregelmĂ€ĂŸig trapezförmigem Grundriß, nach drei Seiten frei, die eine Langseite an einer Gasse, die zwei Giebelseiten an dem (verkleinerten) Marktplatz und an der Hauptstraße.

Auf das Erdgeschoß folgen zwei durch dĂŒnne Gesimse getrennte Stockwerke. An die nördliche Schmalseite lehnt sich, nicht in der Mittelachse, ein glatter, runder Turm, ein Drei viertelkreis im Grundriß. Er schließt in der Höhe des zweiten Stockwerkes mit einem krĂ€ftigen Gesims, sein ein-gezogener Spitzhelm ĂŒberschneidet die drei Giebelgeschosse. Diese, gleich denen des sĂŒdlichen Marktgiebels, werden durch schwach profilierte Pilaster begrenzt. Die Giebelstufen fĂŒllen Kreissegmente, die mit dem halbkreisförmigen oberen Abschluß und den auf den Pilastern sitzenden Kugeln einen anspruchslosen Kontur bilden. Die Fenster sind nur an den Giebeln symmetrisch, sonst in ungleichen AbstĂ€nden eingeschnitten, meist gekuppelt, an der Marktfront zu dreien gruppiert, wobei das Mittlere erhöht ist. Eine eingebaute Wendeltreppe an der Nordwestecke bekommt ihr Licht durch rautenförmige Öffnungen, die die Gesimse durchbrechen.

Die gradlĂ€ufige Haupttreppe liegt an der östlichen Ecke der SĂŒdfront, unmittelbar hinter der BogentĂŒr, die von Pilastern flankiert und von einer Inschrifttafel und einem Dreieck bekrönt wird. In der Frontmitte fĂŒhrt ein breites Tor zu der gewölbten Halle, die neben der Treppe das Erdgeschoß einnimmt. Die Teilungen der oberen Stockwerke sind nicht die alten. Im ersten Geschoß bestand eine grĂ¶ĂŸere Diele mit FreistĂŒtzen, im zweiten ist u. a. der gerĂ€umige getĂ€felte Ratssaal erhalten und, in Verbindung mit dem Turmraum, die KĂ€mmerei.

Rothenburg.
—–
1572—78.

1570 fanden Vorbereitungen zum Wiederaufbau des 1501 abgebrannten MarktflĂŒgels des got. Rathauses statt. Am 9. MĂ€rz 1570 ließ der Rat den Baumeister Nie. Hoffmann aus Halle, der damals in Schweinfurt das Rathaus baute, kommen, um mit ihm des Baues wegen zu verhandeln. Hoffmann fertigte einen Kostenanschlag ĂŒber die Steinmetzarbeiten zum Neubau „nach Ausweißung der Visirung“. Eine Visirung, d. h. ein Entwurf, war also schon vorhanden und zwar war diese vor Ankunft Hoffmanns von dem Rothenburger Steinmetzen Leonhard Weidmann gezeichnet worden, der dafĂŒr 15 Taler erhielt. Weidmann wollte wahrscheinlich den Bau nach seinem Entwurf selbst ausfĂŒhren, denn auch von ihm ist ein Kostenanschlag ĂŒber die Steinmetzarbeiten erhalten. Da er aber nach anderen Aufzeichnungen damals höchstens Anfang der Dreißiger war, mag er als zu unerfahren fĂŒr die Leitung eines solchen Baues gegolten haben.

Der Rat erbat sich am 5. Sept. 1572 vom Rat in NĂŒrnberg dessen Stadtmeister Wolf Löscher von Plauen „als einen feinen berĂŒmbten und erfarenen Stattmeister, der viel schöner BĂ€u verricht und gemacht haben soll“. Löscher fĂŒhrte den Bau von Ende Sept. 1572 bis 11. Aug. 1573, an welchem Tage ihn der Rat nach NĂŒrnberg an dortige Bauten zurĂŒckrief. Das Rathaus kam unter seiner Leitung höchstens bis auf Sockelhöhe, da die Abbruchs- und Fundierungsarbeiten viel Zeit beanspruchten. In den Baurechnungen wird er kurz als „Meister Wolf“ aufgefĂŒhrt, und hierauf mag die Meinung zurĂŒckzufĂŒhren sein, als habe der spĂ€tere NĂŒrnberger Stadtmeister Jac. Wolff, der Vater des NĂŒrnberger Rathauserbauers, das Rathaus in Rothenburg entworfen und ausgefĂŒhrt. Löscher war damals ein alter Mann, er klagt ĂŒber Leibesschwachheit und will selbst beurlaubt sein. Sein Verdienst um das Rathaus ist jedenfalls nicht erheblich. Nach Löschers Weggang wirkte der bis dahin als Polier beschĂ€ftigte Steinmetz Hans von St. Annaberg in Sachsen als Werkmeister bis zur Fertigstellung unter Dach, Ende 1576.

Leonh. Weidmann, der eigentliche Schöpfer des Baues, arbeitete vom Nov. 1572 bis zur Vollendung als Steinmetz in der HĂŒtte und wird eine Zeitlang auch als Polier in den Rechnungen aufgefĂŒhrt. Er war gleichzeitig Bildhauer und lieferte die hauptsĂ€chlichsten Bildhauerarbeiten fĂŒr den Bau (Ritterfigur auf dem SĂŒdgiebel, Adler und Stadtwappen in der „Ausladung“, d. h. ĂŒber den Arkaden).

Über den Arkadenbau berichtet der Stadtmeister Caspar FĂŒxlein unterm 16. Jan. 1673, daß drei Kreuzgewölbefelder des Vorbaues heruntergefallen und daß es sehr gefĂ€hrlich sei, bei nassem Wetter „auf dem obern gang zu gehen oder zu stehen“. Die daraufhin erfolgende Instandsetzung scheint sehr umfangreich gewesen zu sein. Es werden die ganze Balustrade, Hauptgesims, Fries und Architrav abgetragen und erneuert, auch einzelne KapitĂ€le und SĂ€ulen neu hergestellt worden sein, denn an einem der GewölbeansĂ€tze findet sich das Meisterzeichen FĂŒxleins mit der Jahreszahl 1681. Daß der Vorbau ĂŒberhaupt erst zu dieser Zeit entstanden — noch Stiehl nennt ihn spĂ€ter hinzugefĂŒgt —, ist nicht richtig. Er wurde mit dem Rathaus gleichzeitig aufgefĂŒhrt, sonst könnte spĂ€ter von keinen SchĂ€den und keiner Instandsetzung die Rede sein.

Eine Ansicht des gotischen Rathauses vor dem Brand findet sich auf einem GemĂ€lde des Herlin in Bopfingen (1472) und auf der Außenseite des 1. FlĂŒgels am Hochaltar der Jacobskirche in Roth. (Haack, Friedr. Herlin, Straßb. 1900, Tf. 10, danach unsere Abb. 37.) Im Rothenb. Archiv hat Herr HĂ€ffner den Entwurf zu einer Giebelfassade gefunden, der um 1570 fĂŒr den Rathausbau entstanden zu sein scheint. Er weicht von der ausgefĂŒhrten Fassade ab und ist nicht bezeichnet.

Der dreistöckige Bau aus hellem gelben Sandstein, das hohe Satteldach ziegelgedeckt, schließt sich mit der westlichen Langseite seines rechteckigen Grundrisses an den gotischen FlĂŒgel. Die östliche Langseite liegt am Marktplatz, die sĂŒdliche Giebelfront an der breit einmĂŒndenden Herrengasse, die nördliche Schmalseite an einem kurzen Durchgang kommt nicht zur Geltung.

Die Hauptansicht ist gegenĂŒber der SĂŒdostecke. An dieser Ecke sitzt ein Erker, der mit seinem obersten Stock ein StĂŒck des großen SĂŒdgiebels abschneidet. UngefĂ€hr in der Mitte der Marktfront durchbricht ein Treppenturm, der wenig aus der Fassade vortritt, das Dach, seiner Funktion nach von stĂ€rkerer Figur und höher als der Erker. Der Marktseite liegen Arkaden vor, die mit einem Altan schließen. Da der Platz sich nach Norden zu betrĂ€chtlich hebt, ist auf der sĂŒdlichen HĂ€lfte ein Stufenunterbau notwendig, der in das steigende GelĂ€nde allmĂ€hlich hineinlĂ€uft.

An der SĂŒdseite sitzt, nicht ganz in der Achse des Giebels, ein großes Rundbogenportal, stark akzentuiert durch eine Ädikulaumrahmung: kannelierte jonische SĂ€ulen auf hohen Sockeln, ein breites GebĂ€lk; ĂŒber der Giebelverdachung auf Postamenten drei Vögel, die das Erdgeschoßgesims ĂŒberschneiden. Links daneben eine kleine rechteckige TĂŒr mit einer Giebel-Verdachung auf Konsolen. Zu Seiten der TĂŒren je ein Fenster. Rechts oben ein viereckiges Loch, das ein GegenstĂŒck an der Ostfront neben der Erkerkonsole hat. Im Gegensatz zu dem sockelmĂ€ĂŸigen Erdgeschoß sind die beiden Obergeschosse durch Gesimse und Fensteranordnung gleichartig horizontal geschichtet. Die je nach ihrer Bestimmung verschieden krĂ€ftig gebildeten Gesimse erscheinen zum Stockwerkbeginn und als Abschluß gegen den Giebel, als durchgezogene BrĂŒstung und als Verdachung der gruppierten Fenster. Auf der SĂŒdseite sind es zwei Gruppen von zwei und vier Fenstern. Auf der in gleicher Weise gegliederten Ostfront sind die Fenster nördlich und sĂŒdlich vom Turm zu zweien, neben dem Erker zu dreien zusammengenommen. Die der Mauer vorgelegten rechteckigen Rahmen sitzen auf den BrĂŒstungsgesimsen auf. — An dem Giebel ist eine regelmĂ€ĂŸige Gliederung, die im Erdgeschoß gar nicht, in den Obergeschossen nur in horizontalem Sinne vorhanden war, vollkommen durchgefĂŒhrt. Die vier Stockwerke werden durch BrĂŒstungsgesimse unter den rechteckigen Öffnungen in sich noch einmal geteilt. Durchlaufende halbrunde StĂ€be, ĂŒber denen sich die Gesimse verkröpfen, geben die vertikale Gliederung, so, daß in der Mittelachse Fenster zu sitzen kommen. Es ergibt sich eine regulĂ€re Anordnung rechteckiger Felder mit gleichmĂ€ĂŸiger Durchlochung. Die Außenwinkel jedes Geschosses sind ausgemauert, von Voluten eingefaßt. In kleinen Kugeln klingen die RundstĂ€be aus. Die Spitze des Giebels bildet ĂŒber einem Dreieck die Figur eines Ritters.

Der entsprechende Nordgiebel hat die gleiche Umrahmung und die gleiche horizontale Teilung. Vertikalglieder fehlen. An dieser RĂŒckseite sitzt in der Erdgeschoßmitte ein großes Bogenportal, wie das SĂŒdportal allein fĂŒr das isolierte Erdgeschoß bestimmt. Rechts davon eine kleine rundbogige TĂŒr fĂŒr eine Wendeltreppe, die ihr Licht bekommt durch drei rautenförmige Fenster, die die Stockwerkgesimse durchschneiden. Außerdem gibt es hier in den Obergeschossen je drei Fenster, von denen zwei gekuppelt sind.

Der Erker springt mit fĂŒnf Seiten eines Achtecks aus der Ecke vor. Er ruht auf einer reich profilierten Konsole mit einem geschweiften Wulst als Hauptform. Seine drei Geschosse entsprechen den zwei oberen Fassadengeschossen und der unteren GiebelhĂ€lfte. Die horizontalen Teilungen stimmen mit denen der Fassade und des Giebels ĂŒberein. Die herumgreifenden Gesimse binden ihn fest an den GebĂ€uderumpf. Nach allen fĂŒnf Seiten öffnen sich Fenster. Die Felder ĂŒber und unter den Öffnungen sind mit Halbbalustern, an den Ecken mit fazettierten Steinen besetzt. Die Stirnbinde unter der eingeschnĂŒrten Zwiebelkuppel enthĂ€lt Rundlöcher. Die Vermeidung jeder kahlen FlĂ€che und die starke Durchlochung macht den Erker als vorgekragten, halb in der Luft hĂ€ngenden Bauteil leicht und zierlich.

Der Treppenturm schiebt sich mit drei Seiten eines ebenfalls achteckigen Grundrisses aus der Fassade heraus, in die gleiche Fluchtlinie mit dem Erker. Er wird von den Arkaden ĂŒberschnitten, durchbricht das Dach und hat auf seinem nunmehr freien achteckigen Stamm eine geschweifte Haube, die in einer Laterne ausgeht. Seine Fenster laufen im Gegensatz zu den Fassadenfenstern in den zwei unteren Reihen schrĂ€g, dem Gang der Wendeltreppe folgend. Die oberste Reihe, oberhalb des Treppenlaufs, sitzt auf horizontalem Gesims auf. Sonst ist der Turm nicht gegliedert.

Die große DachflĂ€che wird durch Gaupen belebt.

Die Arkaden öffnen sich gegen den Markt in neun, nach den Seiten in einem Bogen. Sie sind in die in krĂ€ftiger Rustika behandelte Mauer so eingeschnitten, daß breite massige Pfeiler stehen geblieben. Diesen liegen auf Sockeln ruhende toskanische HalbsĂ€ulen vor, um welche RustikabĂ€nder herumgreifen. Das GebĂ€lk ĂŒber den SĂ€ulen trĂ€gt die den Altan umziehende Balustrade. Die vasenförmigen Baluster werden in der Fortsetzung der SĂ€ulen und ĂŒber den mit Wappen verzierten Schlußsteinen der Bögen von Pfosten abgelöst. Das MittelstĂŒck der Arkaden vor dem Portal ist durch einen Giebelaufsatz ausgezeichnet, der die Balustrade ĂŒberschneidet, als Krönung einen Doppeladler zwischen zwei allegorischen Figuren trĂ€gt.

Die Umrahmung der RundbogentĂŒr im Turm ist von der gleichen Art wie die des sĂŒdlichen Portals. Nur sind es hier toskanische SĂ€ulen und ĂŒber dem GebĂ€lk sitzt eine Inschrifttafel zwischen kleinen jonischen SĂ€ulen, von Beschlagwerk und SĂ€ulen umgeben. —

Über die Wendeltreppe geht es zu den Obergeschossen, in beiden liegt ein gerĂ€umiger Vorplatz, in den der Treppenturm mit fĂŒnf Seiten seines Polygons hineinschneidet3). Die nicht allzu hohe flache Balkendecke wird von zwei freistehenden SteinsĂ€ulen gestĂŒtzt, das eine Mal von jonischer, das andere Mal von dorischer Bildung. Von der unteren Diele fĂŒhrt eine kleine TĂŒr auf den Altan. Nördlich und sĂŒdlich schließen sich Amtszimmer und Nebengelasse an, zu dem grĂ¶ĂŸten, dem hellen sĂŒdlichen Eckzimmer, gehört der Erker. Die TĂŒren in der Diele sind, den Außenportalen entsprechend, von SĂ€ulen eingefaßt und haben Giebelverdachung. An dem nördlich an den Vorplatz anschließenden Flur mĂŒndet jene Nebentreppe, deren diagonal orientierte Fenster gelegentlich der Nordfront erwĂ€hnt wurden. Der Vorplatz nimmt die ganze Tiefe des Neubaus ein. Mehrere VerbindungsgĂ€nge fĂŒhren in den Ă€lteren Teil hinĂŒber, der als Hauptraum den großen Saal enthĂ€lt.

Schweinfurt.
—–
1570—72.

F. Stein, Monumenta sunfurtensia hist. Schweinf. 1875. LĂŒbke, I, 457. Stiehl, S. 126ff. — Anno 1569 hat Meister Niklaus Hofmann, Steinmetz von Hall in Sachsen, dem das Rathaus von Steinwerk zu machen angedingt, erstlich Stein zu hauen angefangen.« Am 17. MĂ€rz 1570 fand die Grundsteinlegung, am 19. Mai 1572 die Einweihung statt.

Material: Haustein verputzt, Sandsteingliederungen.

Das Rathaus liegt an der nördlichen Schmalseite des tiefen Marktplatzes in der westlichen Ecke. An der Westfront mĂŒndet eine Straße ein, östlich schließen PrivathĂ€user an. An die RĂŒckseite stĂ¶ĂŸt ein langer Saalbau, der hofartig von HĂ€usern umschlossen wird.

Der dreistöckige nahezu rechteckige Kern des GebĂ€udes trĂ€gt ein hohes Satteldach mit Giebeln nach Osten und Westen. Aus diesem Kern entwickeln sich mehrere Ausbauten. An der Westfront, gegen die Straße springt, seitlich orientiert, ein dreistöckiger Erker vor. Aus der Marktfront schiebt sich in der Mitte, ungefĂ€hr in halber Fassadenbreite, ein weit ausladendes Risalit vor, dreistöckig mit einem Giebel an der Stirn. Sein Erdgeschoß nimmt eine breite rundbogige Torfahrt ein, die im Zuge der von Westen nach Osten am Rand des Platzes entlangfĂŒhrenden Straße liegt. Vor der Mittelachse des Risalits wĂ€chst aus einem rechteckigen Vorbau und einem quadratischen Altan darĂŒber ein polygones ErkertĂŒrmchen auf, das ĂŒber die Giebelspitze emporsteigt und in zwei Laternenkuppeln endigt.

Die Fassade rechts und links vom Risalit ist gleichmĂ€ĂŸig gegliedert. Neben einem großen, von ornamentierten Pilastern und GebĂ€lk umrahmten Bogenportal, das zum Erdgeschoßgewölbe fĂŒhrt, sitzt nach der Mitte zu eine kleinere TĂŒr, durch die man ĂŒber Wendeltreppen zu den AmtsrĂ€umen gelangt. In den rautenförmigen Treppenfenstern und den Fensterpaaren ĂŒber dem großen Portal waltet dieselbe Symmetrie.

Die zum grĂ¶ĂŸten Teil gekuppelten Fenster ruhen auf Gesimsen, der einzigen horizontalen Gliederung der Wand, die auch um das Risalit herumlĂ€uft. Vielfacher gegliedert ist das zierliche ErkertĂŒrmchen. Außer den Fenstergurten hat es Gesimse in der Fußbodenhöhe der Stockwerke und nochmals BĂ€nder oberhalb der Fenster. Alle sind leicht verkröpft ĂŒber den Eckgliedern, dĂŒnnen Pilastern und HalbsĂ€ulen in der Giebelzone. In den oberen Geschossen öffnen sich Fenster nach allen fĂŒnf Seiten und schließen sich mit den Fenstern des Risalits zu einem breiten horizontalen Bande zusammen.

Gegen das Dach schließt ein wohlgebildetes Konsolengesims und eine aus MaßwerkfĂŒllungen und Pfosten bestehende BrĂŒstung. Sie setzt sich ĂŒber den Seiten des Risalits und um den Erker der Westfront fort. An den drei Giebeln erscheint sie als geschlossene BrĂŒstungsmauer.

Der westliche Erker ĂŒberschneidet mit einem niedrigen Geschoß die Giebelbasis und reicht mit seinem geschweiften Dach bis zur halben Giebelhöhe hinauf. Er wird mehrfach durch Gurte geteilt gleich dem Fassadenerker, außerdem gliedern ihn schlanke flache Pilaster.

Die Giebel ĂŒber der West- und Ostseite (letzterer durch ein angebautes Dach fragmentiert) sind fĂŒnfgeschossig. Sie sind gleichmĂ€ĂŸig gegliedert durch HalbsĂ€ulen und durch Gesimse in Stockwerkhöhe und unter den Fenstern. Die HalbsĂ€ulen endigen in kurzen FreisĂ€ulen, die vielleicht Figuren tragen sollten. Einfache Voluten begrenzen die RĂ€nder. Der vom Erker ĂŒberschnittene Marktgiebel zeigt die nĂ€mliche Teilung.

Das Erdgeschoß, unabhĂ€ngig von den Obergeschossen, enthĂ€lt Lagergewölbe. Am Fuß des Erkers liegen Wachtstuben. Die Wendeltreppen fĂŒhren gleichmĂ€ĂŸig in den oberen Stockwerken auf eine flachgedeckte Diele, die man in spĂ€terer Zeit durch Abtrennung mehrerer Amtsstuben beschnitten hat. Zwischen den in den Raum eingebauten Treppen liegt der Zugang zu dem Risalitzimmer, das in Verbindung mit dem Erker durch fĂŒnfzehn Fenster Licht empfĂ€ngt. Der Saal im RĂŒckflĂŒgel, dessen LĂ€nge etwa der Fassadenbreite entspricht, ist von der Diele sowie durch einen besonderen Aufgang vom Hof aus zugĂ€nglich. In seinem heutigen Zustand kommt er nicht zur Geltung.

Marktbreit.
—–
1579.

LĂŒbke, I; 458. Ortwein; Abt. 54; Bl. 11. Stiehl, S. 94. — Der Torbau 1600. Steinmetz H. Hessebrodt und Zimmermeister Leonhard Görz.

Material: Grauer, ehemals verputzter Bruchstein. Sandsteingliederungen.

Das Rathaus liegt mit seiner einen Langseite unmittelbar an dem Breitbach, der den Ort nördlich begrenzt. Der an die Nordostecke stoßende Torbau ĂŒberbrĂŒckt das FlĂŒĂŸchen und bildet zugleich den Abschluß der an der Front vorbeifĂŒhrenden Straße, die sich durch die große Durchfahrt hindurch ins Freie fortsetzt. Die anderen Seiten des rechteckigen Baues liegen ebenfalls an Straßen.

Das Erdgeschoß, durch die Unebenheit des GelĂ€ndes von verschiedener Höhe, schließt mit einem Gesims gegen die zwei Obergeschosse, die ohne Teilung aufsteigen. Dagegen ist der dreistöckige Fassadengiebel vor dem hohen Satteldach durch ein GerĂŒst von FreisĂ€ulen und verkröpften Gesimsen regelmĂ€ĂŸig gegliedert. Die schlanken SĂ€ulensockel ruhen an der Giebelbasis auf starken Konsolen. Breite krĂ€ftige Voluten bilden die RĂ€nder. Die TrĂ€ger endigen in Kugeln. Zu oberst steht als figĂŒrliche Krönung ein heiliger Georg.

Der rĂŒckwĂ€rtige Giebel ist lediglich durch horizontale Gurte geteilt, hat schlichtere Voluten und einen halbrunden Abschluß: An der Langseite sitzt ein Speicherausbau mit Ă€hnlich gebildetem Giebel.

Die Fenster, unregelmĂ€ĂŸig angeordnet, haben steinerne Pfosten, im oberen Geschoß sowie am Torbau VorhangschlĂŒsse.

Das fĂŒr sich abgeschlossene Erdgeschoß enthielt Verkaufs- und Vorratsgewölbe. Eine an der sĂŒdlichen Langseite eingebaute steinerne Wendeltreppe und eine von der Hauptfront zugĂ€ngliche hölzerne Stiege fĂŒhren auf eine gerĂ€umige Diele mit niedriger von vier geschnitzten HolzsĂ€ulen getragener Balkendecke. Durch eine kleine, von Pilastern und kannelierten SĂ€ulen gerahmte, mit farbigen Intarsien geschmĂŒckte TĂŒr tritt man in die an der SĂŒdostecke liegenden Rats- und Schreibstuben. Die WĂ€nde, die tiefen Fensternischen und die flache, kassettierte Decke des Eckzimmers sind vollstĂ€ndig getĂ€felt. Das dunkle Holz trĂ€gt Reste alter Bemalung. — Im dritten Geschoß sind zwei weitere RĂ€ume an der SĂŒdwestseite von der Diele abgetrennt.

Der Torbau, »ein an sich selbstĂ€ndiger Bau, wohl von demselben Meister«1), differiert in der Stockwerkhöhe mit dem HauptgebĂ€ude. Das Erdgeschoß mit der stattlichen, von derber Rustika umgebenen Bogenöffnung schließt mit krĂ€ftigem GebĂ€lk. Das Obergeschoß, das sich in zwei gekuppelten Fensterpaaren öffnet, grenzt sich mit einem starken Gesims gegen den Giebel ab. Dieser wird in zwei Geschossen durch breite Pilaster geteilt. Die untere Ordnung ruht auf fazettierten Sockeln. Ein Gurt lĂ€uft unter den Fenstern. Im oberen Stock eine Uhr. Der Volutenkontur ist zackig, lebhafter als am großen Giebel. Auf jeder Seite des Torbaues erhebt sich ein eben solcher Giebel vor dem Dachstuhl, der eine Durchdringung zweier SatteldĂ€cher darstellt, mit einem schlanken GlockentĂŒrmchen auf der Vierung.

Kidrich.
—–
1585. (?)

Bau- und Kunstdenkm. d. Rheingaus 203 f. m. Abb.

Material: Verputzter Bruchstein. Sandsteingliederungen.

Zwei Stockwerke unter hohem Satteldach. Die Breitseite an einem Platz, der Kirche des Dorfes gegenĂŒber. Aus dem Obergeschoß treten — nach den Ecken der Front auseinandergerĂŒckt — zwei rechteckige Erker auf je drei Konsolen vor, mit kleinen geschweiften Giebeln. Eine BogentĂŒr fĂŒhrt zur Treppe, ein Bogentor zum Erdgeschoß. Die Fenster sind rechteckig, gekuppelt. Die Wand ist nicht gegliedert, dagegen sind die Erker durch Gesimse und den Zusammenschluß der Fenster horizontal geteilt. Der eine der schmucklosen Giebel der Schmalseiten endigt in einem Kamin mit durchbrochenem Aufsatz.

Grettstadt.
—–
1590.

AltfrÀnkische Bilder 1903.

Ein zweistöckiger Bau von oblongem Grundriß mit hohem Satteldach. Er steht frei in der Ecke eines Platzes. Vor der dem Platz zugekehrten Langseite liegt eine einarmige flachĂŒberdachte Freitreppe Das quadratische Podest vor der EingangstĂŒr zum oberen Stock ist erkerartig umschlossen und trĂ€gt in der Höhe des Dachansatzes einen vierseitigen Spitzhelm. Das Obergeschoß ist auf den Langseiten in Fachwerk ausgefĂŒhrt, die beiden Giebelfrontensind massiv: Die Ecken in Haustein, die durch dĂŒnne Gurte geteilten FlĂ€chen verputzt. Die dreistöckigen Giebel sind nur durch Stockwerkgesimse gegliedert und wenig durchlocht. An den RĂ€ndern lange, krĂ€ftig geschweifte Voluten.

Lohr.
—–
1601.

LĂŒbke, I, 456. Dach und Giebel modern.

Ein dreistöckiger „Quaderbau“, dessen von Kreuzgewölben ĂŒberdecktes Erdgeschoß sich mit großen weiten Arkaden auf reich gegliederten Pfeilern öffnet. Eine Arkade jeder Seite ist durch Vorgesetzte SĂ€ulen ausgezeichnet. An der rechten Langseite tritt ein polygoner Treppenturm vor, der mit zwei Geschossen und einer geschweiften Haube ĂŒber das Fassadengesims hinaufsteigt. Die StockwerkansĂ€tze sind an Turm und Fassade durch Gesimse bezeichnet. Die regelmĂ€ĂŸig angeordneten Fenster sind gekuppelt, noch gotisch profiliert. In beiden Obergeschossen ist der Grundriß der gleiche. Ein gerĂ€umiger Vorsaal, dessen flache Holzdecke auf zwei runden FreistĂŒtzen ruht, liegt vor dem Sitzungssaal.

Sulzfeld.
—–
1609.

Von rechteckiger Grundform. Zwei Seiten sind eingebaut, an einer Langseite lĂ€uft eine Straße. Die schmale Fassade wendet sich einem kleinen Platz zu. Hier erhebt sich ĂŒber dem dreistöckigen Rumpf, der glatt verputzt ohne jede Gliederung mit schlicht eingelassenen Fenstern aufsteigt, ein zweistöckiger reich verzierter Giebel. Er wird durch hoch-sockelige, ornamentierte Pilaster und dĂŒnne sich verkröpfende Gesimse in gleichmĂ€ĂŸige Felder geteilt und bekommt durch Beschlagwerk, durch stark entwickelte Voluten und schlanke Obelisken sowie durch ein nach oben abschließendes, von Voluten eingefaßtes, von einem Obelisken bekröntes Wappenschild einen höchst lebhaften Umriß, mit dem er ĂŒber die nahe Stadtmauer hin nach dem Main sieht. — Der rĂŒckwĂ€rtige Giebel, der das Satteldach nach hinten abschließt, hat einfache Staffeln.

Neben dem Giebel sind es die beiden Portale, die sich durch ihre reiche Umrahmung von der ruhigen Fassadenwand abheben: der in der Mittelachse sitzende breite Zugang zum Erdgeschoß und links davon die kleinere TĂŒr zur Treppe. Das Tor, im Rundbogen schließend, wird von kannelierten Pilastern flankiert, ĂŒber deren breitem GebĂ€lk ein von Voluten umklammertes Wappen aufsitzt. TĂŒrlaibung, Zwickel und Pilaster sind mit fazettierten Quadern durchsetzt, abwechselnd mit dicken Kugelknöpfen; den gleichen Schmuck hat der Fries. — Das zierlichere Treppenportal, das mit einem Korbbogen schließt, begleiten auf hohen Sockeln ruhende, korinthische FreisĂ€ulen. Über dem ver-kröpften GebĂ€lk erhebt sich ebenfalls ein Wappen zwischen Voluten. Der Fries ist mit Bandwerk durchsetzt, die Bogenzwickel mit Masken.

Das Erdgeschoß enthĂ€lt Lagergewölbe und KramlĂ€den an der Straßenseite. Die Treppe an der linken Frontecke fĂŒhrt gradlĂ€ufig hinauf. Das erste Geschoß, jetzt zu Schulzwecken benutzt, ist verbaut, im zweiten1) schließt sich an den Vorplatz nach dem Markt zu das getĂ€felte Ratszimmer an, auf der anderen Seite Schreibstube und KĂŒche.

NĂŒrnberg.
—–
1616-22.

Mummenhof, das Rath. i. N. 1891. (Weitere Lit. ebenda). M. weist nach, daß der bisher als Autor genannte Eucharius Holzschuher wohl «Baumeister des Rats“ aber nicht Architekt im eigentlichen Sinn und Bauleiter gewesen ist. Er war lediglich Deputierter des Rats fĂŒr Bauangelegenheiten, ein Verwaltungsbeamter, gegenĂŒber den «Werkleuten“. Der »Werkmeister“ und Erbauer hieß Jacob Wolff.

Es sind drei Projekte erhalten:

1. Das erste bringt die dem alten Rathause benachbarten PrivathĂ€user, die wegen Raummangels bereits zu Verwaltungszwecken zugezogen waren, unter ein Dach und lĂ€ĂŸt den gotischen Saalbau vollstĂ€ndig intakt.

2. Das zweite will ebenfalls den Saalbau, in etwas verÀnderter Form, beibehalten, setzt aber daneben eine ganz neue vierstöckige Fassade mit drei Dacherkern (Abb. 19).

3. Das dritte (ausgefĂŒhrte) konservierte den Saal, kleidet ihn aber nach außen völlig in das neue Fassadengewand2.

Wie weit Wolff an dem zweiten Projekt beteiligt ist, lĂ€ĂŸt sich nicht feststellen.

Am 10. Juni 1616 fand die Grundsteinlegung statt. Vollendet wurde der Bau 1622.

Material:UrsprĂŒnglich weißer, sehr stark nachgedunkelter Sandstein.

Ein glattes GefĂŒge, nur an den Ecken Kettenquadern, die sich auch an den Dachbauten fortsetzen. Patinierte KupferdĂ€cher. Die Hauptfront streckt sich an einer wenig breiten Straße hin, die nach Norden zum BurghĂŒgel nicht unerheblich ansteigt.

Der ursprĂŒngliche Plan war, das GebĂ€ude vierflĂŒgelig auszubauen. Doch kam außer dem WestflĂŒgel nur ein Teil des in stumpfem Winkel anstoßenden NordflĂŒgels zur AusfĂŒhrung. Der SĂŒdflĂŒgel, der von dem Saal eingenommen wird, behielt nach SĂŒden und Osten die alte Fassung. Neu umkleidet wurde nur die SĂŒdwestecke in der Tiefe des Turmaufsatzes. Die FlĂŒgel umschließen einen Hof, dessen Ostseite z. T. von einem Ă€lteren Bau herrĂŒhrt, z. T. den nordöstlichen modernen Erweiterungsbauten angehört.

Die westliche Hauptfassade hat ĂŒber einem Sockelgeschoß zwei Obergeschosse mit langen gleichmĂ€ĂŸigen Fensterreihen. Über dem Kranzgesims zieht sich eine Balustrade am Rand des nicht hohen Dachstuhles hin, aus dem drei «turmartige AufsĂ€tze“ in der Mitte und an den Ecken aufwachsen. —

Das Sockelgeschoß tritt in entschiedenen Kontrast zu den Obergeschossen. Es hat die starke Steigung der Straße auszugleichen. An der SĂŒdwestecke erreicht es die halbe Höhe der Fassade. Hier ist Platz fĂŒr zwei Fenster ĂŒbereinander auf der nördlichen HĂ€lfte nur fĂŒr eine Reihe quadratischer Löcher. Ferner sind die drei Portale, der steigenden Straße gehorsam, in der Öffnung und Rahmung verschieden groß, so daß das Mittelportal kleiner ist als das SĂŒdportal. Das Mittelportal sitzt unter dem mittleren Dachaufsatz, die beiden anderen symmetrisch dazu1).

Das Sockelgeschoß schließt mit einem glatten Gesimsband, auf dem die sechsunddreißig Fenster des folgenden Geschosses unmittelbar aufruhen, in regelmĂ€ĂŸiger Ordnung dicht aneinandergereiht. Ein breiter Mauerstreif darĂŒber und wieder ein schlichtes Gesimsband, auf dem sich die zweite Reihe Fenster in gleicher Weise anschließt. Entgegen den unteren Fenstern ist jedes zweite abwechselnd mit einem Giebel oder einem Kreissegment bekrönt, die in den Fries des breiten Kranzgesimses hineinstoßen. Das auf enggereihten Konsolen ausladende Gesims und die Balustrade, die vor den Dachbauten durchgefĂŒhrt ist, geben einen gewichtigen horizontalen Abschluß. Die enggestellten Baluster werden von Pfosten abgelöst, die vor den an das GelĂ€nder geschobenen Dachbauten, deren Pilastergliederung entsprechend, dichter zusammenrĂŒcken.

Der mittlere dieser Dachbauten hat ein quadratisches, sechs Fenster breites Grundgeschoß. Aus seinem flach anlaufenden Dach erhebt sich ein zweifenstriges, ebenfalls quadratisches Stockwerk, dem in gleicher Weise, nochmals verjĂŒngt, eine sechseckige Laterne mit Rundbogenöffnungen folgt und ein sechsseitiger Zwiebelhelm. — Die ungefĂ€hr halb so hohen Eckbauten haben ĂŒber drei-fenstrigem, ebenso gegliedertem Unterbau ein viereckiges TĂŒrmchen mit breitem Bogenfenster nach jeder Seite und einem vierseitigen geschweiften Helm.

Die im Korbbogen schließenden Portale erhalten vor ihrer breiten flachen Pfeilerrahmung einen starken Akzent durch toskanische SĂ€ulen, ĂŒber denen sich das oberhalb der Archivolte laufende GebĂ€lk vorkröpft.

DarĂŒber ein ausladendes, von einem Wappenschild durchbrochenes Dreieck mit Figuren auf den SchrĂ€gen. Die drei Wappenschilde ĂŒberschneiden das Erdgeschoßgesims; die ungleiche Höhe des Geschosses wird durch die Pfeiler und SĂ€ulensockel ausgeglichen.

Die aus der Mauer vortretenden Fensterrahmen sitzen derart auf dem BrĂŒstungsgesims auf, daß sie nur drei Seiten der Öffnung umschließen. Übrigens ist die Breite der Fenster gleich der halben Höhe und bei der oberen Reihe betrĂ€gt die Entfernung vom Segmentbogen resp.Drei-ecksscheitel zur Öffnung eine Fensterbreite. Außerdem stehen die Fenster beider Geschosse in einem bestimmten VerhĂ€ltnis zueinander: Es fĂ€llt nĂ€mlich die verlĂ€ngerte Diagonale einer unteren Öffnung mit der einer oberen benachbarten zusammen. Mithin umgibt die Mauer die Öffnung in verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gleicher StĂ€rke. — Durch eine ĂŒberwölbte Pfeilerhalle, an die sich zur Rechten die Schatzgewölbe anschließen, kommt man auf den Hof. Er liegt infolge des alten Saalbaues nicht symmetrisch zur Fassade, sondern mehr nördlich. Seine Nord-, SĂŒd- und Westfront rĂŒhren von Wolff her. Das Erdgeschoß behĂ€lt, im Gegensatz zu italienischen Höfen, den SockelCharakter der Straßenfront. Die ungeteilte Mauer öffnet sich nur in breiten Bogentoren, rechtwinkligen Löchern und TĂŒren, die zu Nebentreppen fĂŒhren. Die Obergeschosse sind dagegen gleichmĂ€ĂŸig in Arkaden aufgelöst, fĂŒnf auf den Schmalseiten, neun auf der Langseite. Glatte Pfeiler, deren untere Ordnung auf dem ĂŒber Konsolen verkröpften Erdgeschoßgesims ruht und ein vorspringendes Gesims trĂ€gt, deren obere Ordnung mit einem breiten dorischen GebĂ€lk gegen das Dach schließt, bilden die rechteckigen Rahmen, an die sich die kĂŒrzeren, durch Archivolten verbundenen Pfeiler anlehnen. Die (heut verkleinerten und verglasten) Öffnungen haben DockengelĂ€nder, von derselben Form wie die Balustrade ĂŒber der Fassade. An der SĂŒdseite des Hofes liegt die breite gradlĂ€ufige Haupttreppe. Außer ihr fĂŒhrt eine besondere Treppe zum ersten Stock im nördlichen FlĂŒgel, der außerdem noch die sogenannte «schöne Treppe“ enthĂ€lt.

In dem Zwischengeschoß, das sich aus dem hohen Sockelbau auf der Seite des alten Saales ergibt, befanden sich die Losungsstuben. In dem Stockwerk darĂŒber liegen die der Verwaltung dienenden Zimmer nebeneinander an einem Korridor, der sich nach dem Hof in den erwĂ€hnten Arkaden öffnet. Das zweite Geschoß, der ReprĂ€sentation gewidmet, enthielt sechs z. T. saalartige RĂ€ume, die ungleich kostbarer und prunkvoller ausgestattet waren als die Zimmer im ersten Stock.

Aus dem Buch: Das deutsche Rathaus der Renaissance (1907), Author Grisebach, August.

TextĂŒbersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Siehe auch:
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Vorwort
Die Bedeutung des Rathauses im Stadtbild
Beschreibung der einzelnen RathĂ€user SĂŒddeutschland Teil I
Beschreibung der einzelnen RathĂ€user SĂŒddeutschland Teil II
Beschreibung der einzelnen RathÀuser Norddeutschland
Beschreibung der einzelnen RathĂ€user Norddeutschland – Niedersachsen und die OstseelĂ€nder
Beschreibung der einzelnen RathĂ€user Norddeutschland – Ober-Sachsen. Brandenburg. Schlesien
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – FachwerkrathĂ€user
Die allgemeine Entwicklung des Rathauses – Die Fassade
Die allgemeine Entwicklung des Rathauses – Grundriß und Aufriß
Das Deutsche Rathaus der Renaissance – Die lokalen Sondercharaktere

Hadmut Danisch: Es gibt 4000 Geschlechter

Hadmut Danisch sagt

Leute, ich muss es zugeben, ich lag mit meiner Bewertung der Gender Studies total daneben.

Ich bin untröstlich.

Nun beschĂ€ftige ich mich seit 3 Jahren mit Gender Sch
, Ă€h, Gender Studies, und war bisher der Meinung, dass die Zahl der Geschlechter laut Gender Studies so um die 60 liegt. Was ich schon fĂŒr reichlich hielt, nachdem es ja Genderistinnen gibt, die von 16 Geschlechtern ausgehen, weil es 4 Geschlechtseigenschaften gĂ€be, die je mĂ€nnlich oder weiblich sein könnten, und 24=16. Dann kam Facebook mit 60 Geschlechtern daher und ich dachte, die mĂŒssen es ja wissen, denn wer wĂŒsste auf dieser Welt mehr ĂŒber uns alle als Facebook.

Ein Leser weist mich nun aber darauf hin (erschĂŒtterten Dank!), dass es in der Tat 4.000 Geschlechter gibt.

Als Quelle gibt er den allseits unbeliebten Kopp-Verlag an, nicht ohne jedoch darauf hinzuweisen, dass man, bevor man „Uuuuhhhh” rufe, einfach mal nach 4000 Geschlechter googlen möge.

Die Ergebnisse sind wirklich erschĂŒtternd.

Huffington Post schreibt darĂŒber:

Dabei existierten auf der Bandbreite zwischen Mann und Frau 4000 wissenschaftlich anerkannte Variationen.

In einem Kommentar zu einem ZEIT-Artikel behauptete „Lucie V.” das schon 2008.

Anscheinend selbige Lucie V. ĂŒbrigens auch auf dem Berliner Hauptstadtportal auftaucht, ebenfalls mit den 4000 Geschlechtern. Und bei der Tagesschau sowieso. Ich habe das Buch von Birgit Kelle zwar gekauft, muss aber zugeben, noch nicht zum Lesen gekommen zu sein, was bedauerlich ist, denn die Google-Suche liefert, dass auch darin steht, dass es – laut Lucie V. – 4000 Geschlechter gibt. Da muss was dran sein, denn sogar unsere zentrale Wissenschafsinstanz, die evangelische Kirche, bringt das.

Nun gut.

Mich interessieren da vor allem die praktischen Auswirkungen.

Denn konsequenterweise mĂŒsste das Rathaus in Berlin Friedrichshain damit ja nun 4000 verschiedene Toiletten bekommen.

Das ist toll. Denn man kann sein Geschlecht ja frei wÀhlen und Àndern.

Arbeitete man da im Rathaus, und unterstellt man, dass man etwa 220 Tage im Jahr arbeitet, könnte man jeden Tag auf einer anderen Toilette pinkeln gehen und hÀtte auch nach 18 Jahren noch nicht alle Toiletten gesehen.

Was mir jetzt noch fehlt ist eine Taxonomie fĂŒr 4000 Geschlechter.

Ich bin dafĂŒr, dass man die Gender Studies-PrĂŒfung nur dann besteht, wenn man die alle fehlerfrei und vollstĂ€ndig aufzĂ€hlen kann.

(Eine Frage hĂ€tte ich aber doch noch: Es heißt da ĂŒberall, es wĂ€re „wissenschaftlich anerkannt” oder sowas. Welche Wissenschaftler haben das wo anerkannt?)

Ich danke dem Leser fĂŒr die Belehrung.