Adel und Kaisertum

Taurec sagt

Hallo!

Leider ist der europäische Adel von JENEN weitestgehend unterwandert und genetisch ausgetauscht.
Es sind nun JENE im neuen Gewand.

Nach der weitgehend √ľberfl√ľssigen Religionsdiskussion w√§re eine Diskussion √ľber Verschw√∂rungsquatsch mit unaussprechlichen Voldemortgestalten ‚Äď bar jeder Argumentation, reine Glaubenss√§tze bar jeder Beweisbarkeit ‚Äď, was uns noch gefehlt h√§tte. :ohoh:

Der Adel hat sich in den Gebieten, die nicht unter kommunistische Herrschaft gerieten, durch Adelsverb√§nde etc. in gro√üen Teilen genetisch erhalten, erodiert aber unter den gesellschaftlichen Umst√§nden der Geldherrschaft langsam dahin. Es gibt keine Adelsprivilegien mehr, und sofern sich die Familien nicht an sich selbst informell gegebene Hausgesetze halten, findet auch Vermischung mit B√ľrgerlichen und damit Ausd√ľnnung statt.

De facto wurde der Adel abgeschafft, da sich seine Funktion wesentlich durch das Dasein in einer ständischen Ordnung bestimmt. Wie jeder Stand, jede soziale Schicht, jeder Beruf hatten der Adel und seine Unterbestandteile eine bestimmten Platz mit Aufgabe im Gesamtorganismus der Kultur. Diese Gesellschaftsordnung wurde, nachdem sie durch Vitalitätsverlust am Ende des Lebenszyklus der Kultur innerlich morsch geworden war, von antitraditionalen Zersetzungskräften zielgerichtet zerstört.

Angenommen, es k√§me tats√§chlich ein Imperator an die Macht, der zuf√§llig Adelskreisen entstammt, w√§re dadurch nicht die alte Monarchie wiederhergestellt, selbst wenn Titel, Ornat, Riten usw. unver√§ndert aus dem Heiligen R√∂mischen Reich √ľbernommen werden w√ľrden. Es fehlt die gesamte Gesellschaftspyramide √ľber Edelleute, Klerus, Krieger, B√ľrger, Z√ľnfte, H√§ndler, Freibauern bis zu den Leibeigenen und Tagel√∂hnern hinab. Diese Ordnung kann nicht von oben verordnet werden, sondern bildet sich √ľber Generationen organisch von unten, auf b√§uerlichem Fundament mit dem Hochadel als letztem Bestandteil, wenn sich die Gesellschaft wie eine langgezogene Ziehharmonika aus den Urst√§nden der Vorzeit in die Hochkultur ausdifferenziert. Titel wie Kaiser, K√∂nig, Graf usw. folgen erst als Kirsche auf dem Kuchen und sind die √§u√üerliche Verfestigung l√§ngst bestehender Machtverh√§ltnisse.

Was bei einem k√ľnftigen Kaisertum ohne kompletten Neubeginn gesch√§he, w√§re die Verkehrung dessen. Darin unterscheiden sich C√§sarismus und Zivilisation von Monarchie und Kultur. Der Imperator herrscht √ľber eine formlose (also hierarchisch und sozial unstrukturierte) Masse. Er h√§lt sich nicht durch √§ltere, ererbte Rechte, sondern durch pure Gewalt in Form der Herrschaft √ľber Kriegshaufen oder solche, die Kriegshaufen unter sich haben. Dadurch kann er seine Konkurrenten auf dem planierten gesellschaftlichen Schlachtfeld der sp√§ten Zivilisation √ľberwinden und herrscht, bis er von seinesgleichen abgel√∂st wird. Die Umst√§nde √§hneln jenen des sp√§ten r√∂mischen Reiches und ‚Äď sich daraus entwickelnd ‚Äď der V√∂lkerwanderung, als noch weitgehend formlose germanische Stammesverb√§nde sich √ľberall festsetzten und Reiche gr√ľndeten.

Es ist gut m√∂glich, da√ü w√§hrend des Zusammenbruchs Diktatoren an die Macht gelangen, die mit Hilfe staatlicher Reststrukturen hart durchgreifen und mit gewissem Erfolg f√ľr Ordnung sorgen. Das w√§re in unserem Zyklus die Imperatur im spenglerschen Sinne. Dauerhaft ist unsere Zivilisation aber nicht zu erhalten, was vor allem daran liegt, da√ü eine Bev√∂lkerung von einigen hundert Millionen auf diesem Kontinent nicht autark ern√§hrt werden kann. Sobald das √ľberkomplexe globale Produktionssystem, dessen Laufen untrennbar mit dem Finanzsystem zusammenh√§ngt, zum Stehen kommt, verschwindet diese Massenbev√∂lkerung binnen weniger Jahre. Ein Niedergang √ľber 400 Jahre bei allm√§hlichem Bev√∂lkerungsr√ľckgang wie in der Sp√§tantike, nach welchem der C√§sarismus einer primitiven Monarchie weicht, ist bei uns nicht zu erwarten.

Nach einem Massensterben und der Verw√ľstung Europas befinden wir uns √ľbergangslos in einem dunklen Zeitalter, das den Jahrhunderten von 400 bis 800/900 √§hnelt. M√§nner und ihre Familien, die es zu dieser Zeit schaffen, sich durch eigene Bef√§higung (und Skrupellosigkeit) zu behaupten, bilden die Grundlage f√ľr einen k√ľnftigen neuen Adel, der erst √ľber Generationen entstehen mu√ü. Diese Familien bleiben dann aber wie z. B. die Kapetinger f√ľr 1000 Jahre an der Spitze der Kultur.

Ein neues Kaisertum nach dem Untergang w√§re f√ľr einige Zeit wohl eine recht wackelige Sache nur, da die Gesellschaftsordnung innerhalb dieses Reiches noch l√§ngst nicht verfestigt w√§re. Wir h√§tten erst Kleinverb√§nde aus zusammengerotteten √úberlebenden, die sich gegeneinander behaupten m√ľssen. Daraus entstehen wehrhafte Stammesverb√§nde mit teils b√§uerlicher, teils kriegerischer Kultur und Kriegsherrn an der Spitze, die √ľberschaubare Regionen beherrschen, w√§hrend ein Kaiser eine sehr weit entfernte, beinahe mythische Gestalt mit eher abstrakter religi√∂ser Ausstrahlung w√§re.
Das ganze k√ľnftige Kaisertum ist wom√∂glich nur eine ideelle Einrichtung, um eine abstrakte Reichsidee zu erhalten, bis es irgend jemandem nach Generationen gelingt, damit auch dauerhaft reale Macht zu verbinden. Bis dahin w√§re ein Kaiser nur ein Kriegsherr unter vielen, der auf seine unmittelbare Umgebung beschr√§nkt ist, wie der Papst nach dem Untergang Westroms, und sich gegen andere Kriegsherrn behaupten mu√ü, so da√ü die Kaiserw√ľrde einige Zeit von einer Hand zur n√§chsten weitergereicht wird, wenn es wieder einem gelingt, seinen Konkurrenten zu beseitigen.

Irlmaiers wohl nur aus der Volkssage reflektierte fromme Vorstellung eines liebensw√ľrdigen Bauernkaisers in Lederhosen k√∂nnte realit√§tsfremder kaum sein.

Gruß
Taurec


‚ÄěEs lebe unser heiliges Deutschland!‚Äú

‚ÄěMan mu√ü das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklop√§dien, auf Schulen und Universit√§ten, √ľberall ist der Irrtum oben auf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gef√ľhl der Majorit√§t, die auf seiner Seite ist.‚Äú

Faktoren der Gegenwart : Das monarchische Prinzip

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Einer Wiederbelebung1 der religi√∂sen Gewalten steht in der Gegenwart die der dynastischen zur Seite. Die Beharrlichkeit hat eben doch viel gr√∂√üeres Gewicht in der Geschichte, als ein von Revolutionen gro√ügef√ľttertes Geschlecht annahm. Schon glaubte man, das Beispiel der neuen Welt werde auch auf der alten z√ľnden, g-iaubte, der Tag eines geeinigten republikanischen Europas sei nicht allzufern, und was ist aus all jenen Tr√§umen geworden ? Die Herrscherh√§user stehen fester, als vor 1866 und 1870. Es gibt einige Ausnahmen: Serbien, Norwegen, Portugal; aber man denke dagegen an Spanien, an Deutschland, an Italien, Belgien, Rum√§nien, und man wird zugeben: die Macht der Throne ist gewachsen. Das Wachstum zeigt sich in erster Linie bei England. Zwar ist auch die Queen nicht ohnm√§chtig gewesen; sie hat bei Ernennungen, wie denen Sir A. Greys zum High-Commissioner von S√ľdafrika, zum Statthalter von Neuseeland, ihre Stimme geltend gemacht. Allein ihr Einflu√ü war nichts gegen den K√∂nig Eduards. Wichtigste diplomatische Verhandlungen, den Vertrag mit Portugal wegen Flottenst√ľtzpunktes auf den Azoren und in Lissabon, die Ann√§herung an Frankreich, die ‚ÄěEinseifung‚Äú Italiens, wahrscheinlich auch den Dreibund-Vertrag betreffs Abessiniens, die B√ľndnisse mit Japan und Ru√üland hat ganz wesentlich der K√∂nig ins Werk gesetzt. Auch Vittorio Emmanuel scheint in hervorragender Weise sein eigner Minister des √Ąu√üern zu sein. Die Bl√ľte Rum√§niens ist v√∂llig von der Hohenzollerndynastie abh√§ngig, die Belgiens war es zu einem gro√üen Teile von der Geschicklichkeit des soviel angefochtenen Koburgers, Leopolds II. Von den kleinen Balkanstaaten k√∂nnte man fast sagen: Montenegro ist Nikita, Bulgarien ist Ferdinand. In Spanien hat das K√∂nigtum jetzt mehr zu bedeuten, als seit einem Jahrhundert. Auch in Deutschland stehen die einzelnen Dynastien, vom Kaisertum nicht zu reden, gegenw√§rtig ohne Frage fester, als zur Zeit des ‚ÄěHessenfluchs‚Äú*) und des Kart√§tschenprinzen. Also gegen√ľber der ungeheuren Zunahme der Volksmacht und der Masse auch eine Erstarkung der Herrschermacht. Eine Antwort, wie sie der preu√üische Gesandte v. Radowitz dem Zaren Nikolai I. auf dessen Mobilisierungsnachricht gab: Das h√§tten Sie auch k√∂nnen bleiben lassen! ‚ÄĒ die w√§re in unserem h√∂fischeren Zeitalter kaum mehr m√∂glich. Insonderheit in Deutschland erstirbt man von Tag zu Tag mehr in Ehrfurcht, sogar in der freien und Hansestadt Hamburg. Zum guten Teil mag die Kr√§ftigung der Dynastien von der Kr√§ftigung und Vergr√∂√üerung der Reiche selbst herr√ľhren, wie denn auch der Pr√§sident der Vereinigten Staaten jetzt von ganz anderem Pompe umgeben ist, als noch zur Zeit Clevelands oder Garfields.

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