Zentrale „China“

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Die chinesische Telephonzentrale in San Francisco. (Aussen- und Innenansicht.)

In den Vereinigten Staaten leben derzeit 61,000 Chinesen und 111,000 Japaner, davon entfallen auf den Staat Californien 28,000 Chinesen und 72,000 Japaner. Bemerkenswert ist hierbei, dass die chinesische Bevölkerung des Landes in den letzten zehn Jahren um 15 Prozent abgenommen und die japanische um 55 Prozent zugenommen hat.

San Francisco ist der Hauptsammelpunkt der Gelben, dort haben sie noch ihre eigene „Stadt“, ihre eigenen Viertel, in denen sie abgesondert von den Weissen ihr Leben nach ihren heimatlichen Bräuchen und Gepflogenheiten leben. Das bedeutet indessen nicht, dass sie sich allen modernen EinflĂĽssen und den amerikanischen Neuerungen verschliessen. Ganz im Gegenteil: in ihrer scheinbaren Teilnahmslosigkeit sind sie scharfe Beobachter und mit dem ihnen eigenen raschen Auffassungsvermögen nehmen sie von ihren weissen Mitmenschen alles an, was ihnen gut und wertvoll erscheint, um es später nach ihrer Heimat zu verpflanzen. Sie, die Jahrhunderte und Jahrtausende in selbstzufriedenem Nichtstun stillgestanden hatten und von Fortschritt nichts wussten, nichts wissen wollten, sind ausserordentlich gelehrige SchĂĽler — sie lernen rasch und grĂĽndlich. Es ist als ob die lange Ruhe ihren Geist geschärft und ihren Fleiss gestärkt habe.

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Ein Besuch in der chinesischen Stadt Kiautschou

aus dem Kunstmuseum Hamburg


Bekanntlich ist unsere deutsch-asiatische Kolonie durch die Besitzergreifung des Landes durch Admiral von Diederichs am 14. November 1897 begründet worden. Die direkte Veranlassung hierzu bot die Ermordung zweier Missionare in der Stadt Kiautschou. Das gesamte deutsche Gebiet hat hiernach seinen Namen erhalten. Die Stadt Kiautschou gehört aber nicht zum deutschen Schutzgebiet, sondern liegt in der „Neutralen Zone“, etwa 80 Kilometer von der Hauptstadt unseres Gebietes, Tsingtau, entfernt.

Um nun auch diese Stadt, die unserer Kolonie den Namen gegeben hat, kennen zu lernen, fuhr ich eines schönen Tages mit der Schantung-Eisenbahn früh 7 Uhr ab und traf ein. Kiautschou liegt eine Viertelstunde vom Bahnhof und ist mit einer hohen, zinnengekrönten Mauer ringsum eingeschlossen. Ich hatte die kühne Absicht, auf dieser Mauer einmal vollständig um die Stadt herumzuwandern, sie aber, besonders an den Toren, zu sehr eingestürzt war, konnte ich nach einer Stunde Wegs nur gerade bis zur Hälfte gelangen. Hier musste ich schliesslich mein Beginnen aufgeben, denn an einer vollständig demolierten Stelle war das Erklettern der Fortsetzung der Mauer mir nicht mehr möglich und zu gefährlich. Auch die regelmässig gebauten Zinnen fehlten oder waren baufällig. Was dem Zahn der Zeit getrotzt hatte, stand schief und krumm und drohte einzustürzen.

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