Anfang in der alten Welt

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Verzeichnis der Abbildungen:
Alfred the Great
Alfred-Poem
Armor-Weapons
Cannon-Gunpowder
Caravan-Desert
Castle
Castle-Crusader
Cellini-Statue
Columbus-Plan
Columbus-Ship
Duke William-England
Empire-Roman
English-Cathedral
Havana-Cuba
Hunnen-Germane
Hunter
Knight-Horseback
Knight-King
Knights-Crusade
Knights-Tournament
Magna-Charta
Map-England
Marco Polo-China
Marco Polo-Khan
Medieval-Town
New World-Discovered
Montserrat-Spain
Queen Isabella-Columbus
Robin Hood-Nottingham
Roman Warrior-Roman Citizen
Roman-Emperor
Roman-Teuton
Scythe-Peasant
Soldier-Roman
Teutonic-Warrior
Teutonic-Warrior-Attack
Town-Walled
Viking-Ship
Vinland-Viking
William Caxton-Printing
Wotan

Weltkriege der Gegenwart : Spannung zwischen Union und Japan

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Inzwischen bereiteten sich gro√üe Dinge auf dem Stillen Ozean vor. Es kam zu einer gef√§hrlichen Spannung zwischen Japan und den Vereinigten Staaten von Amerika. Es war ja gerade nicht das erstemal, da√ü die beiden M√§chte sich in die Haare zu geraten drohten, aber noch nie war die Gefahr so brennend gewesen. Die erste Verstimmung griff 1897 Platz, als trotz der AngliederungHawais an die Union die Japaner, deren Einwanderung auf der Inselgruppe solche Ausdehnung gewonnen hatte, da√ü die Mannen des Mikado allen andern Nationen auf Hawai an Zahl √ľberlegen wurden, Anspr√ľche erhoben, deren Erf√ľllung die Washingtoner Regierung schlechterdings nicht gew√§hren konnte. Nur drei Jahre darauf √§nderte sich schon das Bild. Die Nordamerikaner gingen ganz vergn√ľgt mit den Japanern zusammen gegen China. Und als vollends ein chinesischer Boykott gegen amerikanische Waren einsetzte, da schwoll die Liebe der Yankees zu den Kindern des Morgensonnenlandes weiter an. Die Liebe gedieh vollends zur Siedehitze, als die ersten mandschurischen Siege Japans kund wurden. ‚ÄěSie schlagen unsere Schlachten‚Äú, so jubelten die Yankees. Es ist unerfindlich, woher sich auf einmal bei den Amerikanern die √úberzeugung eingepflanzt hatte, da√ü die Russen ihre Feinde seien. Wahrscheinlich liegt die Bef√ľrchtung russischer Konkurrenz in China zugrunde, denn sonst war man stets mit dem Zarenreiche ganz besonders gut ausgekommen. Aber auch den Yankees siegten die Japaner zu sehr. Schon taugte die Besorgnis auf, da√ü die √ľberm√ľtig gewordenen Japaner sich √úbergriffe im Stillen Ozean erlauben w√ľrden. So war die Stimmung, als Unruhen in Kalifornien ausbrachen. Die Kalifornier waren durch die bedenklich steigende Einwanderung japanischer G√§rtner, Handwerker, Tagel√∂hner und Dienstboten in Aufregung geraten, und sie suchten den Zustrom einzud√§mmen. Dazu reichten indes die vorhandenen Gesetze nicht aus. Also versuchte man es mit der Gewalt. Das rief jedoch seinerseits hei√üe Entr√ľstung in Japan hervor. Ein Streit schien unvermeidlich. Man mu√ü es hier Roosevelt lassen, da√ü er mit gro√üer Gewandtheit und Besonnenheit den Streit vermieden hat. √úberhaupt ist Roosevelt in seinen Reden immer viel sch√§rfer gewesen als in seinen Taten. Man kann ihm daraus den Vorwurf machen und hat ihn auch gemacht, da√ü er mehr spricht als handelt; auf der anderen Seite jedoch entspringt hieraus der Vorteil, da√ü seine Handlungen viel vorsichtiger, viel besonnener sind als seine Reden. Er, der Rauhreiter, der Imperialist, der stets hohe Worte von Tapferkeit und Kriegsmut im Munde f√ľhrte, der best√§ndig Vergr√∂√üerungen der Flotte, der steigendeAusgaben f√ľrK√ľstenbefestigung und eine Erweiterung des Milizsystems forderte, hat gerade bei der ersten Gelegenheit, als die Interessen der Union durch die Waffen gegen einen ernsthaften Feind verteidigt werden konnten, zu einem so radikalen Schritt sich nicht entschlie√üen k√∂nnen. Mag sein, da√ü er damit einen Beweis seiner Aufrichtigkeit lieferte, im Hinblick auf seine best√§ndigen Ermahnungen zu Friedenskongressen und Schiedsgerichten der V√∂lker; ebenso m√∂glich ist indessen, da√ü er nur deshalb den Krieg aufschob, weil Amerika gegen eine Invasion zu schlecht ger√ľstet war, und weil insbesondere die Unionsflotte der japanischen nachstand. Eine Invasion Nordamerikas w√§re vermutlich zwar ebenso schwer wie eine solche Englands ‚ÄĒ die Geschichte lehrt, da√ü alle die kleinen Heeresabteilungen, die in feindlicher Absicht nach Irland oder England hin√ľberkamen, binnen sehr kurzer Zeit aufgerieben wurden und sich ergeben mu√üten ‚ÄĒ, aber Tatsache ist einmal, da√ü die Furcht vor einer japanischen Invasion sich in den Gem√ľtern der Yankees unausrei√übar festgewurzelt hat. Genug, der Sturm zog vor√ľber. Er hatte indessen einen gro√üen und dauernden Erfolg: die Flotte der Yankees wurde au√üerordentlich verst√§rkt. Nun sind die Herren Yankees nicht gewohnt, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Wenn sie etwas T√ľchtiges zustande gebracht haben, so soll auch die ganze √ľbrige Welt das wissen. Wenn einem Buben eine sch√∂ne Uhr geschenkt wird, so zeigt er das gl√§nzende St√ľck sofort allen Freunden. Kaum war die neue Flotte der Vereinigten Staaten einigerma√üen fertig, so wurde ein m√§chtiges Geschwader zu einer Weltfahrt abgeordnet. Es ging um ganz S√ľdamerika, um das Kap Horn herum und legte in vielen H√§fen der einzelnen lateinischen Republiken an, um dort Eindruck und Stimmung zu machen. Gl√§nzende Verbr√ľderungsfeste wurden gefeiert. Hierauf wandte sich das Geschwader nach Kalifornien, segelte nach Hawai, Samoa und besuchte Ostasien. Nicht nur Japan, sondern auch China und vor allem die Philippinen. Nun tat Roosevelt einen Schritt, der in England recht unangenehm empfunden wurde: er schickte das Geschwader nach Australien. Dies war ein geschickter Schachzug. Die Yankees wurden mit rauschender Freude empfangen. Man pries in ihnen die Verteidiger der wei√üen Rasse gegen das Vordringen der gelben. Ohnehin beginnt Australien in seiner politischen Gebarung und seiner ganzen Lebensf√ľhrung amerikanisiert zu werden, und auch im Handel werden h√§ufig amerikanische Waren vor englischen bevorzugt. Die auffallenden Freundschaftsbezeugungen f√ľr Amerika waren zugleich eine Demonstration gegen England, das durch sein B√ľndnis mit Japan die Interessen der wei√üen Rasse verraten habe, und das seinen Kolonien, Australien wie Kanada wie S√ľdafrika verbieten will, Einschr√§nkungsma√üregeln gegen farbige Einwanderung vorzunehmen. Im √ľbrigen hatte die Reise der amerikanischen Flotte vollauf den gew√ľnschten Erfolg. Die Japaner, bei denen ohnehin der mandschurische Siegesrausch l√§ngst verflogen war, und die sich in harter Geldverlegenheit befanden, waren eingesch√ľchtert. Wenn auch ein Wettr√ľsten begann, so war doch in Zukunft die amerikanische Flotte der japanischen gewachsen. Nun aber sind die Vereinigten Staaten wohl vierzigmal so wohlhabend wie Japan. Gerade bei einem Seekriege spielt aber das Geld eine besonders hervorragende Rolle. Die Japaner werden sich daher mehr als dreimal besinnen, ehe sie den Strau√ü mit der finanzm√§chtigen Union wagen.

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Weltkriege der Gegenwart : Revolution in China

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Im Reich der Mitte mu√ü man zweierlei unterscheiden: die tiefe Unterstr√∂mung im Volke und die Wirbel und St√ľrme an der Oberfl√§che. Die Unterstr√∂mung g-eht ohne Zweifel auf eine Verwestlichung und Nationalisierung Chinas aus. Das ist eine Bewegung, die wohl einmal langsamer, einmal schneller vor sich geht, aber die gewi√ü nicht mehr zur√ľckged√§mmt werden kann. An der Oberfl√§che dagegen herrscht bald liberaler Reformeifer, bald wiederum die Reaktion. Das war schon so in den Tagen, als Kang-yu-wei auftrat und der Kaiser Kwang-s√ľ seiner Machtvollkommenheit durch seine Muhme entkleidet wurde (1898); das ist auch jetzt so nach dem Tode der beiden sich lebensl√§nglich hassenden Souver√§ne (1909). Ein Hauptpunkt ist dabei das Verh√§ltnis von Mandschu und Chinesen. Seit 267 Jahren ist eine Fremddynastie am Ruder. Sie steht nicht mehr so fest wie unter Kang-hi und Kien-lung, andrerseits ist sie durch vielfache und gef√§hrliche St√ľrme nich tall zusehr ersch√ľttert worden. Der ungeheure Aufstand der Taiping, der eine nationalistische Erhebung zugunsten der Mingtradition gegen die Mandschu bedeutete, wurde niedergeschlagen. Selbst das Sinken an Prestige, das durch die Kriege seit 1857 eintrat, wurde √ľberwunden. Der Ausgang des Boxerkrieges wurde dem Volke so dargestellt, als ob schlie√ülich die Fremden vor dem Glanze des Himmelssohnes erschrocken w√§ren und dem√ľtig um Verzeihung gebeten h√§tten f√ľr die Zerst√∂rungen, die sie angerichtet; als ob die Fremden gar von dem Himmelssohne selbst gerufen worden seien, um ihm als S√∂ldner gegen unzufriedene Landeskinder beizustehen. Derartige tendenzi√∂se Darstellungen waren im Grunde gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Genug, die Dynastie hat sich wieder einmal behauptet. Yuan-shi-kai, der doch der Kaiserin-Muhme beigestanden hatte, der aber anscheinend nicht respektvoll genug gegen den ungl√ľcklichen Kwang-s√ľ verfahren ist, mu√üte 1909 ruhig seine Absetzung und Verbannung √ľber sich ergehen lassen. Dabei war er kurz zuvor noch der Generallissimus von Tschili, verf√ľgte √ľber das beste, modern ausger√ľstete Heer (150000 Mann) von ganz China und h√§tte wohl daran denken d√ľrfen, selbst nach der gelben Seide des Himmelssohnes zu langen. Nichts zeigte mehr die immer noch dauernde Macht des regierenden Hauses, als die geringe Bewegung, mit der des gro√üen Organisators, Reformers und Japanfeindes Sturz im Volke aufgenommen wurde. Zwar meldeten sich genug Stimmen, die eine Wiedereinsetzung Yuan-shi-kais in seine √Ąmter rieten, aber der seiner W√ľrde sehr bewu√üte Regent, Prinz Tschun, mu√ü durch innere, der √Ėffentlichkeit zu wenig bekannte Vorg√§nge in seinen feinsten Gef√ľhlen als Mitglied des Herrscherhauses gekr√§nkt worden sein, so da√ü er sich zu einem solchen Schritt nicht verstehen wollte.

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Die Pest in China

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Die furchtbare Seuche, die ihre Wellenkreise mit rasender Schnelligkeit √ľber die ganze Manschurei und Nordchina zieht, wird diesmal auf die gelben und weissen Pelzj√§ger in der Manschurei zur√ľckgef√ľhrt, die dort den Steppenmurmeltieren Bobac nachstellen. Diese Bobac, eine Art Biber, sollen gef√§hrliche Pesttr√§ger und die Verbreiter dieser Seuche, die gegenw√§rtig als Lungenpcst auftritt, sein. Ob aber diese Pelztiere als die alleinigen Urheber dieser gef√§hrlichen Krankheit in Betracht kommen, muss zweifelhaft erscheinen. Die grossen Entfernungen zwischen der bev√∂lkerten Zone der Manschurei und den menschenleeren Grassteppen der Mongolei, in welchen diese Murmeltiere in Mengen leben, bilden, bei dem schnellen Verlauf der Krankheit, einen nat√ľrlichen Sicherheitsg√ľrtel; der an dir Pest erkrankte J√§ger erreicht niemals die bewohnte Zone.

Als ein ganz besonders gef√§hrlicher Krankheitsverbreiter gilt auch unter den Chinesen die Laus. Dieser abscheuliche Blutsauger ist ein treuer Begleiter des Durchschnittschinesen. Besonders im Winter schleppt der Chinese in den Haaren, in den dickwattierten Kleidungsst√ľcken oft unglaubliche Mengen dieses Ungeziefers mit sich herum. Es ist daher viel wahrscheinlicher, dass gerade dieses Ungeziefer mit zu der schnellen Verbreitung der Pest beigetragen hat.

Am meisten von der Seuche bedroht ist gegenw√§rtig die Provinz Schantung. Russische und chinesische Agenten werben in Schantung allj√§hrlich etwa eine halbe Million Arbeiter an, die s√§mtlich √ľber Tschifu nach der Manschurei und Sibirien verschickt und bei den dortigen Bahnbauten, in der Landwirtschaft oder in den Bergwerken besch√§ftigt werden. Infolge der Betriebsst√∂rungen, die durch den Ausbruch der Pest eingetreten sind, streben nun die √§ngstlich gewordenen Arbeitslosen panikartig ihrer Heimat Schantung zu. Deutlich zeigt sich der Weg, den die Leute auf ihrer R√ľckwanderung genommen haben. Tschifu ist bereits von der Seuche erfasst, und mit unheimlicher Geschwindigkeit hat sie sich √ľber ganz Schantung verbreitet. F√ľr das deutsche Schutzgebiet Kiautschou besteht dadurch eine grosse Gefahr und bedarf es strenger Absperrungsmassregeln, um eine Einschleppung der Seuche nach Tsingtau zu verhindern.

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“

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