I. Graphische Ausstellung des Deutschen KĂĽnstlerbundes im Deutschen Buchgewerbe

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Museum Leipzig
9. Februar bis 21. April 1907

Bei der Ersten Graphischen Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes im Deutschen Buchgewerbemuseum zu Leipzig bedeutet, wie schon die Bezeichnung der Ausstellung sagt, das Buchgewerbemuseum mehr als das Lokal. Denn nur in Verbindung mit einem Institut, das wie das Museum des Deutschen Buchgewerbevereins darauf angelegt ist, größere Ausstellungen zu veranstalten, und das für solche Zwecke beträchtliche Mittel aufzuwenden hat, konnte diese umfassende Übersicht über die moderne deutsche Graphik gegeben werden. Man weiß ja, wie stiefmütterlich sonst die Graphik auf unseren Kunstausstellungen behandelt wird. Beiden geringen Verkaufsgebühren, die sie abwerfen, sind graphische Ausstellungen wenig einträglich.

Von den Künstler verbänden allein wird man daher ihre öftere Veranstaltung, besonders in größerem Umfange, nicht gut verlangen dürfen. So ist es Sache der in Frage kommenden Museen, hier einzugreifen, die ideale Forderung einzulösen, die sonst unerfüllt bliebe. Das Deutsche Buchgewerbemuseum aber fühlt sich hierzu in erster Linie berufen, nicht so sehr in Rücksicht auf Kunst und Künstler als vielmehr in Rücksicht auf das Gewerbe, dem seine Arbeit gewidmet ist.

Denn die Graphik ist diejenige Stelle, an der das Buchgewerbe mit der freien Kunst zusammenhängt, jenem großen Reservoir, aus dem alles das gespeist wird, was wir angewandte Kunst nennen. Die Veranstaltung einer großen graphischen Ausstellung, bei der die Verbindung zwischen Publikum und Künstler so bequem wie möglich zu geben war (was vor allem den Wegfall von Eintrittsgeld bedeutet), die Veranstaltung einer solchen Ausstellung also erschien dem Museum als eine lockende Aufgabe. Es lag nahe, sich hierbei die unberechenbaren Vorteile nutzbar zu machen, die eine so bedeutende Organisation bietet, wie sie der Deutsche Künstlerbund darstellt. Und diese Vorteile, als da sind eine Jury, gebildet aus hervorragenden Künstlern, der Villa-Romana-Preis und all die Imponderabilien, haben das Museum für die Opfer, die es an Geld und Mühe auf die Ausstellung verwandt hat, reichlich entschädigt. Künstlerbund sowohl wie Buchgewerbemuseum können mit Befriedigung auf diese gemeinsame Veranstaltung blicken, die in gewisser Weise ein Novum darstellt und allenthalben Beifall findet.

Die Ausstellung umfaßt rund 800 Arbeiten von etwa 160 Künstlern. Macht für den Einzelnen im Durchschnitt fünf. Da nun aber mehrere Künstler mit weniger Werken auf traten, ergab sich die Möglichkeit, besonders interessante und neue Erscheinungen mit einer stattlichen Anzahl von Arbeiten zur Geltung zu bringen und so eine umfassendere Vorstellung von ihrem Wesen und Wollen zu geben, als es bei den zwei bis drei Blatt der üblichen Vertretung möglich ist. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorzug der Ausstellung. Die Anordnung der Arbeiten in den völlig neu hergerichteten Ausstellungssälen ist nach Kunstzentren getroffen worden. Zu dieser Bequemlichkeit tritt noch die, daß jedes Werk mit einem Zettel versehen ist, der außer Künstlernamen und sonst erforderlichen Bemerkungen auch den Preis angibt. Ein kurzer Führer, der für 20 Pfg. abgegeben wird, dient zur Orientierung. Dem stark hervortretenden Bedürfnis nach Erläuterung der Ausstellung sucht die Museumsleitung durch Führungen und Vorträge zu genügen.

Bevor wir nun unseren Gang durch die Ausstellung antreten, seien hier einige allgemeine Überlegungen gegeben. Es wird bei unserer Wanderung viel von Farbe die Rede sein. Und zweifellos ist der Zug nach Farbe das am stärksten hervortretende Merkmal neuerer deutscher Graphik. Soll man nun daraus, entsprechend einer weit verbreiteten Auffassung von der Farbe, auf naturalistische Absichten in der Graphik schließen? Doch wohl nicht. Denn die Farbe ist an sich in nichts naturalistischer als die Form, kann ebenso wie diese Träger des Stilprinzips sein, ist das ja, was die Graphik betrifft, z. B. Hand in Hand mit der Form in ausgezeichneterWeise in der japanischen Kunst gewesen. Und wer wollte angesichts der breit hingesetzten Farbflächen, wie sie die Holzschnitte der Münchner oder Wiener zeigen, von Naturalismus reden! Breit hingesetzte Farbflächen — das Wort führt uns weiter.

Es ist gar nicht so sehr die Farbe als vielmehr die Fläche, was unsere moderne Graphik kennzeichnet. Ob die Münchner Neumann, Bechler, die Österreicher Klemm,Thiemann, Reichel große farbige Flächen gegen einander setzen oder Czeschka—Wien und Nolde —Soest große schwarze Flächen gegen weiße, läuft wohl schließlich auf ein und dasselbe hinaus. In beiden Fällen handelt es sich um das Betonen der Fläche, um einen breiten Flächenstil im Gegensatz zu dem strichigen Linienstil früherer Zeit. Und dieser Flächenstil, mit dem eine gewisse Tiefenwirkung (man möchte sie koulissenhaft nennen) durchaus vereinbar ist, entspringt der Absicht, auch auf weitere Entfernung klar zu wirken, auf Entfernungen, die über Armeslänge hinausgehen. Das, was unserer neueren Graphik das Gepräge gibt, ist mit einem Worte der Zug nach der Wand. Aus der Mappengraphik ist Wandgraphik geworden.

Ich glaube gern, daß es Leute gibt (hie und da muß man sich selbst dazu zählen), die angesichts dieser — nun sagen wir aufdringlichen, geräuschvollen Wandgraphik sich nach den intimen Reizen jener feinen Blätter sehnen, die die Hand des Amateurs den sorgsam verwahrenden Mappen entnahm. Und im Punkte Farbe werden sie es lieber mit den leichtgeschminkten Blättern eines Bartolozzi halten als mit den Arbeiten der Neumann und Klemm, die sie Plakate schelten werden. Nun die Sehnsucht ist billig und das Schelten auch. Es kommt darauf an, eine so verbreitete Erscheinung wie die Farbe, die Fläche in der Graphik zu verstehen, sie in Zusammenhang mit anderen, bedeutenderen Erscheinungen unserer Zeit zu bringen. Der Hinweis auf Japan ist zu bequem und zu leichtfertig, womit natürlich nicht bestritten sein soll, daß hie und da Japan wertvolle Anregungen gegeben hat. Auch handelt es sich ja nicht so sehr um die Farbe als um die Fläche, um die starke Sprache überhaupt, die auch von weit her noch verständlich sein will.

Um das Geheimnis, das allen, die zu dem Kunstleben unserer Tage innere Fühlung haben, ohnehin kein Geheimnis ist, zu verraten: es handelt sich bei der Farbe, der Fläche in der Graphik um eine Äußerung des allgemeinen Strebens unserer Zeit, nach »Architektur«. Auf »Architektur« ist alles abgesehen, und so wollen denn auch die Blätter der graphischen Kunst nicht mehr eine kleine Welt nur für sich sein, sie suchen Zusammenhang, wollen (um den terminus technicus zu brauchen) »angewandt« sein. Es ist kein Zufall, daß die farbige, flächige, dekorative Graphik gerade in Deutschland am stärksten in Blüte steht, und in Deutschland wiederum in München und Wien, den Hauptstätten der jungen dekorativen, architektonischen Bewegung.

Es mag viel Irrtum, besser Übertreibung in unserer modernen Graphik sein. Da aber diese ihre Übertreibung nichts anderes ist als ein Zeugnis dafür, daß auch sie, die Graphik von dem besten Kunstwollen unserer Zeit beseelt ist, so mag sie ihr vergeben sein. Ist erst das Endziel, die Architektur erreicht, so wird auch die Graphik von selber zu intimerem Wirken zurückkehren. Bis dahin aber wollen wir uns durch die Einwände einer schließlich ja doch nur nebelhaften Normal-Graphik-Ästhetik die Freude an den mannigfachen geschmackvollen Erzeugnissen unserer Tage nicht verkümmern lassen.

Wir beginnen unsere Wanderung durch die Ausstellung, die selbstverständlich nicht nur »Wandgraphik« enthält, mit Berlin. Besonders stark und eindrücklich ist hier Käthe Kollwitz vertreten. Die Jury hat ihr einstimmig den Villa-Romana-Preis zuerkannt. Sie ist die Frau eines Armenarztes im Norden Berlins, hat Mühe und Leiden kennen gelernt. Aber es ist nicht dieses sich ergebende, lähmende Leiden, was sie schildert, sondern ein Leiden, das auf die Kraft drückt, um sie mit desto stärkerer Wucht aufschnellen zu lassen. Der Aufstand der gepeinigten Kreatur ist ihr Thema. Es ist interessant, ihren »Weberaufstand« mit dem Drama Hauptmanns zu vergleichen. Auf einem Blatte der radierten Folge »Bauernkrieg« zeigt sie einen vorstürzenden Haufen, die Massen und Linien über das Blatt hinzüngelnd wie eine ausgebrochene Flamme, sich vorfressend wie ätzende Säure. Aus der Technik das Letzte für den Empfindungsausdruck herausgeholt.

Noch jemand anders aus Berlin N. kommt zu Worte, Heinrich Zille, der jenseits von Gut und Böse die Welt mit den Augen des Ironikers betrachtet. Man pflegt seine Zeichnungen mit den rundlichen Frauen und Kindern (Kinder sind’s demnächst um so viel mehr als Frauen auf dem Bilde sind), man pflegt diese Zeichnungen roh zu nennen. Ich möchte das nicht tun, habe das Gefühl, daß dieser Mann viel Feinheit hat, so viel Feinheit, daß es ihn reizt, sie am rohesten Objekt zu erproben. Aus Feinheit roh. Es gibt solche Menschen, und es sind nicht die übelsten. Erfreulich jedenfalls diese Ironie, .die selbst davor nicht zurückschrickt, die Leute vom l’art pour l’art aufs Glatteis zu locken. —

Neben den Zyklen der Kollwitz Louis Corinth, auch mit einem Zyklus, der in der Mitte der neunziger Jahre entstanden ist und »Tragikomödien« heiĂźt. Corinth hat offenbar gedacht: fĂĽr Leipzig längst gut genug. Aber er hat damit nicht recht gedacht und schickt uns vielleicht ein andermal Arbeiten, die ihn mehr auf der Höhe, wenn auch nur seiner Höhe zeigen. Max Slevogt bedeutet auch in seinen Radierungen mehr. — Von Landschaftern ist Walter Leistikow mit einigen Zeichnungen und Radierungen vertreten, auch sie (schon rein äuĂźerlich) zum Teil leider nicht mehr ganz frisch. Aber man wird auch in ihnen den Entdecker der Grunewald– und Havelland-Schönheit als den Meister des feinen Ausschnittes erkennen, des Ausschnittes, der ja der Erscheinung erst die eigentliche Plastik gibt, der sie abrundet, daĂź sie eine Welt fĂĽr sich wird, ein Bild.

Paul Baum zeigt einige Seestücke, in jener, aus Frankreich stammenden, punktelnden Art, die auf schwarz-weiß beschränkt sicherlich etwas totes hat, durch das Hinzutun von ein wenig Farbe aber ungemein lebendig wirkt. — Emil Orlik, in Prag geboren, dann abgesehen von anderem mit Münchner, Wiener, Berliner, Pariser, Londoner, Amerikanischer und Japanischer Kultur getränkt, ausgestattet mit der ganzen Reizbarkeit, die den Sprößlingen eingekeilter, auf den Aussterbeetat gesetzter Nationen eigentümlich ist, weniger ein Kulturfaktor als eine interessante, allerdings recht interessante Note — besagter Emil Orlik zeigt einige Holzschnitte, zum Teil mit der Hand koloriert, zum Teil, und diese glücklich, einfacher auf schwarz und weiß gestellt, am feinsten das Bildnis Hodlers, das in aparter Weise die Bildung der Holzplatte mit zur Wirkung heranzieht. Auch Robert Leonard liebäugelt mit Japan und zwar durch die Brille Toulouse-Lautrecs.

Seine mattfarbigen Lithographien, worunter ein Damenporträt und ein Atelierinterieur, sind von der Leichtigkeit jenes merkwürdigen Franzosen freilich noch weit entfernt, verraten aber doch eine nicht alltägliche Begabung. Als Gast bei den Berlinern ist Edvard Munch erschienen, der Skandinavier, der zur Zeit in Kosen haust, ein Mann der interessanten Ansätze, nicht der Erfüllung, eine Ulrik Brendel-Natur, wie sie in Ibsens Buche steht. Auch Emil Rudolf Weiß, jetzt in Berlin, vertreten aber nur mit älteren Arbeiten aus seiner Karlsruher Zeit, scheint das, was er einst für die Graphik versprach, nicht halten zu wollen. Im übrigen seien von den Berlinern noch genannt: Paul Bach, Max Beckmann, Philipp Franck, Margarete Havemann, Dora Hitz, die beiden Hübner und Karl Walser.

Aus München hat Franz Stuck einige Akte und Radierungen gesandt, Hugo Freiherr von Habermann einen interessanten Kalenderentwurf in Pastell, Heinrich Zügel einige gut beobachtete Tierstudien und Hermann Schlittgen ein paar Zeichnungen, darunter eine Tänzerin, ausgezeichnet in Bewegung und Mimik.

Walter Georgi und Rudolf Sieck, der Lyriker, sind in bekannter Weise vertreten. Julius Diez amĂĽsiert mit seinen klassizistisch frisierten Persiflagen. Von Schwarz-WeiĂź – Blättern seien erwähnt die wirkungsvollen Aquatintalandschaften von Richard Kaiser und die an Rembrandt und den Landschaftern seiner Zeit geschulten Radierungen von Adolf Schinnerer. — Im ĂĽbrigen steht MĂĽnchen ganz und gar unter dem Zeichen der Farbe, der in breiten Flächen nebeneinander gesetzten Farben. Die vorherrschende Technik ist der Holzschnitt. Hans Neumann schildert mit Vorliebe den noblen russischen Windhund, aber er vermag doch nicht die ganze Vornehmheit zu geben, die dieser »Aristokrat« besitzt. Dickstämmiger Kiefernwald, mooriges Röhricht sind kaum das rechte Milieu fĂĽr diesen Elegant In der Idee glĂĽcklicher ist das Blatt, auf dem der Hund daliegt, mit feiner Nase hinaufwitternd zu einem Dämchen, von dem man nur FĂĽĂźe und Rocksaum sieht. Aber was nutzt die reizvolle Idee, wenn sie hausbacken vorgetragen wird. Sehr elegant dagegen in Idee und Darstellung, in Form wie Farbe ist der Hund auf der Terrasse.

Neumann und Gustav Bechler, der landschaftliche Motive zeigt, darunter einen Blick aus dem Fenster auf’s Schnee-Gebirge, sind die Hauptvertreter der Münchner Wandgraphik. Auf intimere Wirkung bedacht ist Daniel Staschus mit fein abgewogenen, in Farbenholzschnitt gegebenen Landschaftsstimmungen. Im übrigen seien von den Münchnern noch genannt: Laura Lange, Karl O. Petersen, Karl Schmoll von Eisenwerth und last not least Olaf Lange, ein homo novus, der in Radierungen von raffiniertem Farbenreiz orientalisierende Visionen vorführt.

In der Gruppe Dresden steht voran Robert Sterl mit einer Anzahl Lithographien, Schilderungen aus dem Hafenleben. Kommt man von der ins Auge springenden Wandgraphik der Münchner, so wird man geneigt sein, über diese sich zurückhaltenden Blätter hinwegzusehen. Bei genauerer Betrachtung aber findet man in ihnen jene intime Monumentalität, die der Graphik so wohl ansteht. Ich denke dabei besonders an die großgesehene Silhouette eines Pferdes mit seinem Knecht, die in sehr wirksamer Weise in den Raum gesetzt ist. Neben den Lithographien zeigt Sterl zwei kleine Pastellzeichnungen, »Baggerer« und »Elbschiffer«, von äußerster Farbigkeit, farbig, nicht bunt.

Mit Farbzeichnungen sind auch Hans Unger und Otto Fischer vertreten, dieser zudem mit einer Reihe von Radierungen aus Hamburg. Radierte Ansichten von Dresden zeigt Walter Zeising, der »sächsische Whistler«, flĂĽchtige Impressionen aus Paris und aller Welt der geschickte Radierer Willy Wolf Rudinoff, mattfarbige Holzschnittlandschaften Siegfried Berndt. Den Dresdnern angeschlossen ist Emil Nolde—Soest, ein Mitglied der Dresdner Gruppe »BrĂĽcke«. Aber während einiges aus dieser Vereinigung verdammt nach wild gewordenem SpieĂźbĂĽrgertum aussieht, scheint mir Nolde ein KĂĽnstler von starker, eigenwilliger Phantastik zu sein. Einige seiner ganz auf den Gegensatz schwarzer und weiĂźer Flächen gestellten Holzschnitte, so »Der König und der kleine Mann«, »Die Prinzessin und der Bettler«, »Der Sturm«, verraten nicht bloĂź den Woller, sondern auch den Könner. Andere, weniger ĂĽberzeugende Blätter wird man als holzschnitt – technische Skizzen und Versuche zu betrachten haben.

Aus Stuttgart hat Leopold Graf von Kalckreuth einige Studien und Radierungen gesandt, Carlos Grethe feine Seestimmungen in Zeichnung, Aquatinta und Lithographie, Bernhard weiche Schabkunstblätter, Joh. Vinc. Cissarz einige Zeichnungen, darunter ein wirkungsvolles, auf die duftige Silhouette hin gesehenes Aquarell einer Marine. Unter den Jüngeren fällt besonders Georg Lebrecht mit farbigen Zeichnungen auf, ferner Franz Mutzenbecher mit einigen, freilich noch etwas zaghaften Radierungen und einer Zeichnung »Spukgeschichten«, in der spukhafter Eindruck durch rein malerische Mittel erzielt wird, durch das gespenster lakenhafte Zerflattern des Lichtes in’s Dunkle.

Karlsruhe ist durch die Lithographien von Hans von Volkmann und die kräftigen Schwarz – WeiĂź – Holzschnitte von A Ibert Haueisen (Jockgrim) und Wilhelm Laage (Cuxhaven) vertreten. Altmeisterliche Reife zeigen die trefflichen Bildnisradierungen von Hans Brasch jr.

Die Gruppe Düsseldorf erhält durch die kraftvollen Holzschnittbildnisse Dehmels und Hartlebens von Peter Behrens ihre Akzente.

Leipzig, das in Max Klinger den größten der lebenden Graphiker besitzt, tritt auf dieser Ausstellung nicht dementsprechend hervor. Die älteren Rechte des Städtischen Museums, das den Meister zu seinem fünfzigsten Geburtstage durch eine große Sonderausstellung ehren wollte, waren zu achten. Unsere Ausstellung gibt nur drei Zeichnungen von Klinger, weibliche Köpfe für die Wandbilder, die der Künstler im Aufträge des Staates für die Aula der Leipziger Universität schafft.

Neben Klinger steht Otto Greiner, in Leipzig geboren aber in Rom lebend, mit dem in Form wie in Farbe gleichbedeutenden Pastellbildnis einer Römerin, seiner Frauj und der Rötelzeichnung eines weiblichen Aktes, der in seinem an den späten Michelangelo gemahnenden Bewegungsreichtum und in der fein vertreibenden Modellierung den Plastiker verrät. Von den Jüngeren seien Paul Horst-Schulze, Richard Grimm und Marie Gey-Heinze genannt.

Aus Weimar hat Ludwig von Hofmann einige Pastelle gesandt und die im Insel-Verlage erschienene Lithographienfolge »Tänze«. In diesen schönen Blättern ist jene feine Leichtigkeit, die des Betrachters Phantasie so wunderbar anregt, diese fruchtbare Skizzenhaftigkeit, die nur der geben kann, der über ein vollausgereiftes Formverständnis verfügt, diese künstlerisch so wertvolle Leichtigkeit nach dem Verständnis der Form — nicht zu verwechseln mit der Leichtigkeit vor dem Verständnis der Form. Unter dem Weimarer Nachwuchs fallen Alexander Olbricht und Marg. Geibel mit reizvollen Arbeiten auf.

Hamburg besitzt in Arthur Illies einen Künstler von fein kultiviertem Farbengeschmack. Seine farbigen Zinkätzungen, darunter duftige Blumenstudien, sein kräftiges Holzschnittbildnis Detlevs von Liliencron gehören zum besten, was die Ausstellung bietet. Worpswede ist durch Fritz Overbeck und Hans am Ende vertreten, außerdem durch zwei Jüngere ohne den obligaten Erdgeruch Georg Tappert und Carl .

Auf Weidemeyer mit seinen graziösen Holzschnitten »Mädchen« und »Tänzerin« seien kunstsinnige Verleger besonders aufmerksam gemacht, Magdeburg, die Stadt der Cichorie und der Allegorie, besitzt in Richard Winckel und Wilhelm Giese zwei Künstler von beachtenswertem Geschmack und Können.

Doch nun genug der Namennennung. Nur noch einige Worte über die Österreicher, die in das reichsdeutsche Konzert eine sehr interessante Note bringen. Die dekorative Tendenz, der Wille »angewandt« zu sein, der Zug nach der Wand ist hier am stärksten, stärker noch als in München, ausgeprägt. Es sind Dinge da — so eine (übrigens recht geschmackvolle) farbig schablonierte Landschaft von Franz von Zülow,die bis auf die natürlich fehlende Transparenz genau wie ein Glasfenster wirkt — also Dinge, vor denen sich einem das Wort »kunstgewerblich« förmlich auf drängt.

Und es ist sehr be zeichnend, daĂź einige mitausgestellte wirkliche Bleiverglasungs-EntwĂĽrfe von Kolo Moser auch nicht im mindesten als nicht hierher gehörig empfunden werden. Man vergleiche nur die mit peniblem FleiĂźe radierten Schwarz-WeiĂź-Blätter von Rudolf Jeltmar mit den fast knalligen Farb-holzschnitten der Prager Walter Klemm und Karl Thiemann, und man wird den ganzen Unterschied haben zwischen der alten, auf intime Betrachtung, man könnte sagen auf’s Gelesen werden abzielenden Mappengraphik und der vom Zuge nach der Wand beherrschten neueren dekorativen Graphik. Die höchst geschmackvollen Farb-holzschnitte von Carl Reichel, die in Schablonen – Spritzverfahren gegebenen Tierstudien von Ludwig Jungnickel, die Holzschnitte von Carl Moll und Carl Otto

Czeschka vervollständigen das Bild, das wir in den Hauptumrissen von der österreichischen Graphik gegeben haben. Wie Kinder einer anderen Welt wirken die von nervöser Hand gezeichneten Akte Gustav Klimts für die Ausgabe von Lukians Hetärengesprächen, die der Leipziger Verlag von Julius Zeitler mit geschmackvoller Sorgfalt bereitet hat

So bietet die neuere deutsche Graphik ein buntes, bewegtes Bild. Es mag viel Irrtum, besser Übertreibung darin sein. Da aber, wie bereits gesagt, diese ihre Übertreibung nichts anderes ist als ein Beweis dafür, daß auch sie, die Graphik, vom besten Kunstwollen unserer Zeit, von dem Willen nach Architektur beseelt ist, so mag und muß sie ihr vergeben sein. —

Bildverzeichnis:
Franz von Stuck-Männlicher Akt
Franz Stuck-Weiblicher-Akt-Zeichnung
Franz Stuck-Weiblicher-Akt-Zeichnung-II
Franz-Stuck-Weiblicher-Akt-Zeichnung-III
Franz Stuck-Weiblicher-Akt-Zeichnung-IV
Otto Greiner-kauernder-Akt
Otto Greiner-Weiblicher Akt
Otto Greiner-nackter-Mann
Otto-Greiner-Studie-zum-Gemälde-Odysseus-und-die-Sirenen-II
Otto Greiner-weiblicher-Akt
Otto Greiner-Studie-Kind

Siehe auch:
Die Kunst vor Gericht
Moyssey Kogan
George Minne
Wirtschaft und Kunst
EindrĂĽcke von der BrĂĽsseler Welt-Ausstellung
Bernhard Hoetger-Bildhauer
Georg Kolbe-Bildhauer
Eine Deutsche Welt-Ausstellung?
Haus „Rheingold“ in Berlin
Wettbewerb fĂĽr das Bismarck-National-Denkmal
Sascha Schneider auf der Dresdner Kunstausstellung
Otto Greiner
Modelle zum Völkerschlacht-Denkmal
Die Lebensfrage der Kunst
Die Landschaft ist ein Seelenzustand
Vom Wert der Anschauung
Ein Kriegerdenkmal
Fritz Boehle
Ratschläge vorm Verkauf von Kunstbesitz
Die Kunst nach dem Kriege
Ein Deutsches Ledermuseum
Heldenhaine und Ehrenhaine
Kriegs-Gedächtnis-Male
Krieger-Denkmäler
Constantin Meunier-Denkmal der Arbeit
Die Anfänge einer neuen Architektur-Plastik
Neue Brunnen und Denkmäler von Franz Metzner
Monumentale Kunst
Franz Metzner-Steinmetz und Bildhauer
Bildhauer Georg Kolbe
Zum Denkmals-Problem
Sascha Schneider-Bildhauer und Maler
Die Wiener Plastik und Malerei
Vom Vorstellen und Gestalten des Kunstwerks
Anton Hanak-Bildhauer
Hermann Geibel-Bildhauer
Ausstellung Richard Teschner-Wien 1920
Gaston BĂ©guin
Max Klinger-Dem Grossen Toten
Etwas ĂĽber Kunstbesitz

Quellen des Behagens

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Vom Sammeln.

Drei gute Genien wirken am Behagen im Hause vor Allem, drei freundliche Geschwister: Sie heißen Ordnung, Geschmack und Sammelfreude. Die Sammelfreude sucht und schafft herbei, der Geschmack wählt und wertet, die Ordnung weist jedem seinen Platz, waltet und erhält. Vom Sammeln sei hier die Rede. Der Sammeltrieb (oder die Sammelfreude) ist ein wichtiger Kulturfaktor : Er verbindet Natur und Menschenwerk mit dem Menschen, er verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart und die Gegenwart mit der Zukunft, er schlägt Brücken von Seele zu Geist und von Geist zu den Seelen. Er bereichert, belehrt, er hebt die Achtung vor göttlichen und menschlichen Schöpfungen, er mehrt Wissen und Erkenntnis. Seine Wurzeln liegen tief im Gemüt, wenn er sich auch oft als einen Sohn des Verstandes ausgibt.

Nichts erscheint ihm zu gering, er ist so recht ein Beamter der Alliebe, die ihn bestellt hat und besoldet, ihre vielfältigen Kinder zu vereinen, zu hüten und zu bewahren. Wo er nicht zu einer sinnlosen Leidenschaft, zur törichten Habgier, zur eigennützigen Gewinnsucht entartet, da bringt er nur Segen und Anregung. Wenn er auch nicht im eigentlichen Sinne zu den erzeugenden Tätigkeiten gehört, so kann man ihm doch nicht eine gewisse Fruchtbarkeit abstreiten: Sammlungen, feinsinnig und von hoher Warte zusammengestellt, können wie lebende oder sagen wir künstlerische Organismen, die Generationen nicht nur entzücken, sondern auch befruchten. Bei Bildung dessen, was man Stil nennt, hat er einen hervorragenden Anteil. In dieser Hinsicht ist er ein naher Verwandter der Kunst, die er so gerne beschützt.

In jedem umfangreicheren Menschen ist er hoch entwickelt, aber er lebt auch in den schlichtesten Seelen. Alle großen Künstler sind leidenschaftliche Sammler, von denen angefangen, die die Schatzkammer ihres Gedächtnisses mit Hilfe ihrer scharfen Sinne mit den Abbildern der Dinge und der Ereignisse füllen, bis zu den großen Eroberern, die die Museen ihres Vaterlandes mit den Schätzen der Kunst und der Natur aus aller Welt füllen.

Was sammelte ein Goethe nicht alles? Man gehe nach Weimar und forsche in dem behaglichen schlichten Tempel des Genius nach: Er sammelte Stiche und Holzschnitte, Erinnerungen und Naturalien, Fayencen und Statuen, er sammelte sich selbst. Es gab fĂĽr ihn, den umfangreichsten aller Deutschen, so viele GrĂĽnde immer mehr’und immer aufs neue zu sammeln. Und wie er, so taten es und tun es noch alle die GroĂźen, die da wissen, was es heiĂźt: Sein Leben und das Leben der Menschheit zu leben.

Will man den Sammeltrieb in Kategorien einteilen, so mag man von einem ästhetischen reden, einem, der auf das Aneignen solcher Werte bedacht ist, die dem Empfinden Erregungen und Anregungen bereiten, von einem wissenschaftlichen, der darauf ausgeht, wohlgeordnetes Material für geistige Arbeiten zu beschaffen, einem praktischen, der sich damit beschäftigt, Werkzeug und Vorbild zu technischen Zwecken zu gewinnen, und endlich einen zärtlichen, der seine Genüge findet, wenn er Dinge, die für ihn mit einer lieben Erinnerung an Orte, Zeiten und Menschen verknüpft sind, um sich häuft.

Endlich könnte man auch noch von einem phantastischen Sammeltrieb reden, doch bei näherer Betrachtung ist er im Grunde nur eine Spielart des ästhetischen oder wissenschaftlichen odei eine Perversion eines der beiden. Vielleicht könnte man auch von einem Sammeltrieb der Sinne, des Verstandes, des Gemüts und der Kräfte sprechen. Für eine häusliche Kultur ist das Sammeln von höchster Wichtigkeit. Man vergegenwärtige sich ein Haus, wo nur angeschafft und beschafft wird und halte sich dagegen ein Hauswesen vor Augen, wo liebevolle Sammelgeister walten.

Hier seelenlose Nüchternheit, geschäftliche Tapeziererherrlichkeit im besten Falle, dort reiches geordnetes Leben, geistige Gastlichkeit und freundliche Fülle — hier kalte Unpersönlichkeit, dort Persönlichkeit und Menschlichkeit. Am behaglichsten werden sich immer die Häuslichkeiten ausnehmen, wo jeder Sammeltrieb ein Feld hat: Eine schöne Bücherei, Jagdtrophäen, Waffen, Bildnisse verehrter Helden. Was ist das Zimmer des Hausherrn ohne solche Beigaben oder ähnliche? Was ist das Zimmer der Hausfrau — und wäre es vom raffiniertesten Raumkünstler ausgestattet, ohne den zärtlichen Sammelgeist, der nicht müde wird, Bildnisse von Lieben um sich zu versammeln und kleine mysteriöse Nichtigkeiten zu verteilen? Es würde eben das Beste, das Weiblich-Persönliche fehlen. Alle feineren Raumkünstler tragen klug erwägend diesem Sammeltriebe Rechnung, indem sie diesen Dingen liebevoll schützende und rechtfertigende Einheiten gestalten.

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Die Wiener Plastik und Malerei

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

I. PLASTIK.

In engem Zusammenhang mit der Ausgestaltung der modernen Innen- und Aussen-Architektur schliesst sich die Plastik der Baukunst und dem Kunstgewerbe an. An Stelle des früher vorwiegend monumentalen Karakters tritt der dekorative und ausgesprochen ornamentale Zug bei der Wiener Bildnerei in Stein oder Holz deutlicher heraus. In dieser Richtung und im Verein mit der modernen Baukunst sind ihr vielleicht wichtige Aufgaben gesetzt. Das Gesetz, wonach die innere und äussere ornamentale Ausstattung dem Stile der architektonischen Grundform entsprechen muss, dem das Bauwerk angehört, bahnt einer neuen zeitgemässen Aesthetik der Zierformen den Weg zur Freiheit. Die Ornamentik muss dahin streben, durch die entsprechende Anordnung und Formgestaltung des künstlerischen Schmuckes die praktischen Zwecke, welche die zu verzierende Grundform im Ganzen und in ihren einzelnen Theilen zu erfüllen hat, nicht nur nicht zu beeinträchtigen, sondern zu lebensvollem Ausdruck zu bringen. Sie soll auch in ihren stofflichen Eigenschaften — die ja zum Theil erweitert und verändert werden — der zu verzierenden Grundform entsprechen und ebensowenig, wie diese, dem Stoffe Eigenschaften andichten, die er nicht besitzt.

Die daraus folgenden Schlüsse und die der Plastik zufallenden Aufgaben ergeben sich von selbst. Für Standbilder scheint der Sinn etwas abzunehmen, was wohl zunächst weniger auf die moderne Geschichtsauffassung die das Einzelwesen hinter die soziale Zeitströmung zurückschieben möchte — als vielmehr darauf zurückzuführen ist, dass (von bestelltem Patriotismus und Byzantismus abgesehen) geeignete Helden augenblicklich minder zahlreich vorhanden sind, als der gute Wille ihnen Standbilder zu errichten. So entwickelt sich der dekorative Zug fast ungehindert nach allen Seiten, und die Monumentalplastik feiert nur noch in überlebensgrossen Schlachtrossen und Feldherren »aus Bronze und fürstlichem Geblüt« etwas schwerfällige Triumphe.

Weder die Gestalten der Verewigten noch die Lebensgefühle der Beschauer werden durch offizielle Denkmäler erhöht und bereichert, die mit mehr Vorsicht als Mannesmuth in den sanften Bahnen der Konvention gravitätisch einherschreiten. Der Mitwelt gegenüber bleibt ihre Sprache, und wäre sie in Erz oder Marmor gegraben, todt und stumm.

Dagegen ist die schmĂĽckende Plastik eine von jenen Neusten, die sich natĂĽrlicherweise »grenzenlos erdreusten«. Auf der Jubiläumsausstellung im Prater hatte sie zum erstenmal Gelegenheit gefunden, sich auszutoben. Auf diesem Tummelplatz der allerlustigsten und allertraurigsten Einfäile konnte selbstverständlich von einem modernen Stil noch nicht gesprochen werden. Aber Anregung war da und viel Freude an der Farbe, die in hellen Tönen an den Fassaden entlang flimmerte, durch einzelne krassere Buntheiten unterbrochen. Von all‘ den Gebäuden, die einen sommerlang dort glänzten, hat nur die »Urania« den grossen Abbruch ĂĽberlebt, weil sie zu volksbildenden Zwecken erhalten bleiben soll.

Weithin leuchtet das Weiss und Blau dieses Gebäudes mit seinem Giebelfeld von in symbolischen Arabeskenlinien verschlungenen Sternbildern des nächtlichen Himmels. Aber auch an anderen Pavillons trat der bildhauerische Zug lebhaft hervor, z. B. bei dem Brauherrn-Pavillon« und dem »Pavillon der Stadt-Erweiterung«, welche beide von dem begabten und phantasievollen Wilhelm Hejda in freizügiger Weise geschmückt worden waren. Den plastischdekorativen Theil der Aussenseite des Ausstellungsgebäudes der Sezession hat Othmar Schimkowitz, der einige Jahre in den Vereinigten Staaten gearbeitet hatte, entworfen und durchgebildet, symbolische Masken, Thierkörper und dergl. Schimkowitz hat auch mit dem jungen Architekten Pletschnik zusammen das Modell zu einem Guttenberg-Denkmal entworfen, das vor einiger Zeit im Oesterreicliischen Museum für Kunst und Industrie ausgestellt war und berechtigte Aufmerksamkeit erregte.

An tĂĽchtigen Vertretern der Plastik hat Wien von jeher keinen Mangel gelitten.

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Ein Kriegerdenkmal

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

von Professor Hugo Eberhardt zu Offenbach A.M.

Auf dem Friedhof zu Offenbach liegen zehn brave Landsturmmänner begraben, die in treuer Pflichterfüllung bei heimatlicher Kriegsarbeit ihrem Berufe zum Opfer gefallen sind. Es galt die 10 Grabstätten in einem Grabmal mit Denkmalcharakter zusammen zu fassen, und das hatte so zu geschehen, daß die Einzelgräber als solche dennoch erkennbar waren. Die Aufgabe wurde gelöst durch eine gesimsgekrönte Pfeilerumfriedigung aus Kirchheimer Muschelkalk, rechts und links je eine rasenbedeckte Gräberreihe mit 5 Gräbern, geteilt durch einen Plattengang, auf dessen Mitte sich eine mit Adlern geschmückte monumentale Steinvase erhebt.

Beiderseits zwischen den Pfeilern nehmen zehn auf der Abbildung mit Kränzen belegte Abdeckplatten des rauhbossierten Sockels die Namen der im Dienste des Vaterlandes Gebliebenen, hier zur letzten Ruhe bestatteten, auf. Das Gesims erhielt nach Fertigstellung der gezeigten Aufnahme noch eine ringsum laufende Inschrift. Die Pfeiler sind gekrönt durch reiche Kapitelle mit Männer- und Frauenköpfen darstellend, Mut, Beharrlichkeit, Trauer und Schmerz.

Die Bildhauer-Arbeiten des Denkmals entstammen der Hand Karl Hubers, Offenbach a. M.

An den Pfeilern rankt die dünnzweigige Klematis hoch und hüllt die ruhig-graue friedliche Grabstätte in einen zarten durchsichtigen, aber farbenstarken violetten Blütenschleier.

Das Wesen der Größe ist aber auf allen Stufen dasselbe: daß man aus dem Vielfältigen der Sichtbarkeit das Eine heraussieht, in dem die entscheidende Bedeutung steckt. Das andere braucht man nicht fallen zu lassen, aber es soll sich so weit unter-ordnen, daß die führende Stimme klar heraustönt. Es ist gleichgültig, was es sei, ein bloßer Kopf, oder eine Historie: immer müssen diese Verhältnisse der Neben- und Unteroidnung gewahrt bleiben und das Auge fähig gemacht sein, unmittelbar und leicht das Wesentliche zu fassen.

Siehe auch:
MĂĽnchener Kunstausstellung-Glaspalast 1927
Die Kunst und die Gegenwart
Die Lebensfrage der Kunst
Die Landschaft ist ein Seelenzustand
Vom Wert der Anschauung
Modernes Sammlertum
Zur Neuaufstellung des Völkerkunde-Museums in München
Friedrich Stahl
Holzschnitte von Josef Weiss
Europa und die Ostasiatische Kunst