Zentrale „China“

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Die chinesische Telephonzentrale in San Francisco. (Aussen- und Innenansicht.)

In den Vereinigten Staaten leben derzeit 61,000 Chinesen und 111,000 Japaner, davon entfallen auf den Staat Californien 28,000 Chinesen und 72,000 Japaner. Bemerkenswert ist hierbei, dass die chinesische Bevölkerung des Landes in den letzten zehn Jahren um 15 Prozent abgenommen und die japanische um 55 Prozent zugenommen hat.

San Francisco ist der Hauptsammelpunkt der Gelben, dort haben sie noch ihre eigene „Stadt“, ihre eigenen Viertel, in denen sie abgesondert von den Weissen ihr Leben nach ihren heimatlichen Bräuchen und Gepflogenheiten leben. Das bedeutet indessen nicht, dass sie sich allen modernen Einflüssen und den amerikanischen Neuerungen verschliessen. Ganz im Gegenteil: in ihrer scheinbaren Teilnahmslosigkeit sind sie scharfe Beobachter und mit dem ihnen eigenen raschen Auffassungsvermögen nehmen sie von ihren weissen Mitmenschen alles an, was ihnen gut und wertvoll erscheint, um es später nach ihrer Heimat zu verpflanzen. Sie, die Jahrhunderte und Jahrtausende in selbstzufriedenem Nichtstun stillgestanden hatten und von Fortschritt nichts wussten, nichts wissen wollten, sind ausserordentlich gelehrige Schüler — sie lernen rasch und gründlich. Es ist als ob die lange Ruhe ihren Geist geschärft und ihren Fleiss gestärkt habe.

Ein Beweis für die Modernisierung der Gelben ist die „Zentrale China“ in San Francisco. In der Chinesenstadt am goldenen Tor steht ein kleines, ganz im chinesischen Stil gehaltenes Gebäude — man könnte es ein Denkmal der Verschmelzung einer der ältesten Sprachen des Orients und einer der modernsten Erfindungen des Occidents nennen: eine chinesische Telephonzentrale.

Das Heim dieser Zentrale ist eines der schönsten Beispiele chinesischer Baukunst ausserhalb des chinesischen Reiches. Es ist eine Pagode, ein Steinhau, der ebensosehr durch seine Form wie durch die lebhaften Farben auffällt. Der Chinese legt besonderen Wert auf den Oberbau seines Hauses; der Reichtum und die Vornehmheit des Besitzers wird durch die Zahl der Dächer gekennzeichnet, die sich in verjüngender Form übereinander auftürmen.

Wie im Aeusseren ist der chinesische Charakter des Telephongebäudes auch im Inneren festgehalten; die Ausstattung ist streng chinesisch und von einem Reichtum, den man sonst in einer Telephonzentrale vergebens suchen wird. Für die Täfelung und Verschalung ist Ebenholz verwendet worden; die Verzierungen sind in Gold ausgeführt. Die eine Wand des grossen Saales, dessen Decke mit Drachenhildcm und chinesischen Mustern in leuchtenden Farben bemalt ist, schmückt ein Toni, ein Schrein, der den passenden Rahmen für das kunstvoll geschnitzte Schaltbrett und die zierlichen gelben „Hallomädchen“ bildet.

Diese Telephonistinnen, ausgesuchte Schönheiten nach chinesischem Geschmack, besitzen alle eine vorzügliche Erziehung und beherrschen die chinesische wie die englische Sprache vollkommen. Die Zahl der täglichen Anrufe beläuft sich auf 7000 bis 8000; es ist eine Eigentümlichkeit der Chinesen, dass diese Anrufe nicht vermittels Nummern, sondern mit Namen erfolgen. Die chinesischen Telephonmädchen müssen also die Nummer der angerufenen Person oder Firma im Gedächtnis haben, und bemerkenswert dabei ist, dass bei der Zentrale China die „falschen Verbindungen“ viel seltener sein sollen als bei anderen Zentralen. Die Gelben sind eben gelehrige Schüler, sie lernen rasch und gründlich.

Das Bild einer Telephonstation in der japanischen Hauptstadt Tokio zeigt, dass wir den Japanern im Telephonwesen in nichts voraus sind. Sie haben sich diese Erfindung genau so zu eigen gemacht wie jede, die sio für praktisch und wertvoll halten.

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