Die Mutter der Teddy-Bären

aus dem Kunstmuseum Hamburg.

Zum 75. Geburtstag Gretle Steiffs.

Wer kennt ihn nicht, den drolligen braunen Zottelbaren und seine vielen jüngeren Geschwister, die braven Eselein, die possierlichen Affen und wer sie sonst noch sein mögen, diese Vertreter des Tierreichs, die das helle Entzücken der Jugend zwischen 3 und 95 Jahren bilden!

Nun geht es aber mit diesem Teddybären genau so wie mit vielen anderen Dingen, die wir ständig um uns sehen. Wir benutzen sie, wir spielen mit ihnen, wir freuen uns ihrer — aber niemals fällt es uns ein, zu fragen, von wannen sie kommen oder wem wir es zu verdanken haben, dass sie überhaupt da sind. Gerade der Teddybär hat jedoch eine so interessante Geschichte, dass sie entschieden erzählt zu werden verdient. Kein besserer Tag aber liesse sich finden, um von der Entstehung dieses Bären und seiner zahlreichen Genossen zu berichten, als der heutige, der fünfundsiebzigste Geburtstag der wackeren Schwäbin, die ihn trotz körperlichen Ungemachs mit heiterm, fröhlichem Sinn schuf.

Lebte da in Giengen an der Brenz Fräulein Gretle Steiff. Um sich zu beschäftigen, begann sie — sie war gelähmt — so um das Jahr 1880 herum aus Stoffresten kleine Elefanten zu nähen, die sie ihren Freundinnen schenkte. Diese sollten sie als Nadelkissen verwenden. Die Freundinnen bedankten sich, freuten sich — aber sie dachten sich weiter nichts dabei! Den richtigen Blick für diese kleinen Tuchelefanten des Fräul. Steiff hatte nun ihr Bruder, der Baumeister Fritz Steiff.

Er brachte die niedlichen Tiere auf den Markt von Heidenheim, wo sie einen unerwarteten Absatz fanden. Erfolg macht Mut. Es wurden also immer mehr Elefanten berge stellt und auch stets gut abgesetzt. Das Publikum riss sich darum, aber ihre Erzeugerin war nun weniger von ihnen entzückt. Die Elefanten standen nicht allzu fest auf den Beinen. Sie fielen wohl auch so manchmal um. Es fehlten ihnen die Knochen. Sie bestanden nur aus Haut und Fleisch, d. h. aus Tuch, das mit Watte ausgestopft war. Also musste man ihnen Knochen geben. So konstruierte der Bruder ein eisernes Gestell, und nun war die Sache schon besser.

Erfolg macht Mut! Der Zoologische Garten birgt ja nicht nur Elefanten, sondern auch noch allerlei sonstiges Getier. So begann man in Giengen denn auch andere Vierfüssler herzustellen, insbesondere, seit der Neffe von Fräulein Steiff die Kunstgewerbeschule in Stuttgart besuchte. Der modellierte die Tiere, und in Giengen wurden sie in Stoff nachgebildet. Eines schönen Tages schickte er auch das Modell eines Bären, der durch Hagenbeck nach Stuttgart gekommen war. Auch dieser wurde naturgetreu kopiert — aber Fräulein Gretle Steiff hatte so ihre Bedenken! Der Bär war nicht so billig herzustellen wie die übrige Zoologie, der würde wohl kaum einen Käufer finden. Als aber Freund Fritz auf dem Markt erschien, da waren die Amerikaner wie verrückt danach. Sie nannten ihn „Teddybär“ und bestellten gleich im ersten Jahre 12,000 Stück davon. Das war 1904. Im Jahre 1907 aber trat bereits eine Million von Teddybären die Reise über das grosse Wasser an.

Das ist die Geschichte vom Teddybären! Aus dem einfachen Stübchen aber, in dem Fräulein Gretle Steiff ihre ersten Elefanten nähte, hat sich rasch eine grosse Fabrik entwickelt, in der so ziemlich alles nicht nur naturgetreu, sondern auch charakteristisch und humoristisch hergestellt wird, was da kreucht und fleucht, der Mensch und seine verschiedenen Abarten eingeschlossen!

Siehe auch:
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Pommern – das Land am Meer
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Bismarck und seine Hunde
Die neuen Reichsmünzen
Paul von Hindenburg
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Die Deutsch-Amerikaner und das Kaiserreich
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