Die Waldgeister und ihre Sippe

TextĂŒbersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Der Baumkultus der Germanen und Ihrer NachbarstÀmme

Mythologische Untersuchungen

Kapitel II.

Kapitelgliederung:
§ 1. Uebersicht
§ 2. Holz- und MoosfrÀulein
§ 3. Wildleute in Böhmen
§ 4. Wildleute in Hessen, Rheinland, Baden.
§ 5. Wildleute in Tirol: Fanggen.
§ 6. Wildleute in GraubĂŒnden: WaldfĂ€nken.
§ 7. Wildleute in Tirol: Selige FrÀulein
§ 8. Wildleute: die rauhe Else der Wolfdietrichssage
§ 9. Wilde Leute: Norggen
§ 10. Wilde Leute: Bilmon, Salvadegh, Salvanel in WÀlsch-Tirol
§ 11. FreibÀume
§ 12. Wildleute: Delle Vivane, Enguane
§ 13. Wilde Leute der keltischen Sage
§ 14. Dames vertes
§ 15. Wildfrauen in Steiermark
§ 16. St. Walpurgis
§ 17. Weiße Weiber, Ellepiger, Meerfrauen
§ 18. Die schwedischen Waldgeister
§19. Die russischen Waldgeister
§20. Peruanische und brasilianische Waldgeister
§21. RĂŒckblicke und Ergebnisse

§ 1. Uebersicht.

Der Erörterung der Baumseele lassen wir die Besprechung der Waldgeister folgen. War der einzelne Baum beseelt, so mußte man sich den Wald von einer Vielheit dĂ€monischer Wesen erfĂŒllt denken. Dieselben erscheinen jedoch nicht mehr als die immanenten Psychen der Baumleiber, sondern als selbstĂ€ndige freiwaltende Persönlichkeiten, deren Leben an dasjenige der BĂ€ume gebunden ist, und deren Verrichtungen zum Teile aus der Vorstellung des anthropomorphisierten Baumes geflossen sind, die aber gemeinhin außerhalb der BĂ€ume wohnen und handeln. Man könnte es gewissermaßen als ein abgekĂŒrztes Verfahren von Seiten der Phantasie bezeichnen, wird es aber natĂŒrlich finden, wenn schon einige wenige dieser Baumgeister ausreicheu, um collectivisch den ganzen Wald zu vertreten, und wenn in die Vorstellung und den Glauben, die man von ihnen hegt, ZĂŒge ĂŒbergehen, welche in plastischer Anschaulichkeit den Eindruck verkörpern, den nicht sowol der einzelne Baum als die Gesammtheit der BĂ€ume mit ihren LebensĂ€ußerungeu auf die menschliche Seele ausĂŒbt. So gelten nicht allein die mannigfachen Stimmen und Töne, die im Walde laut werden, sondern auch die Bewegungen der Aeste fĂŒr Anzeichen von dem Dasein der Waldgeister, fĂŒr Formen ihrer LebenstĂ€tigkeit. Was wir oben S. 42 wahrnahmen, bestĂ€tigt sich hier; im Rauschen der BlĂ€tter, im Sausen und Brausen der erregten Luft macht sich die Baumseele, die Seele des Waldes selbst bemerkbar, es schweben die Waldgenien im Wirbelwinde und Sturme dahin und ziehen als JĂ€ger oder Gejagte in der wilden Jagd einher.

Der grĂŒne Wald ist die großartigste, ĂŒppigste und augenfĂ€lligste Entfaltung von Pflanzenwuchs; deshalb wird der Waldgeist, indem er in abermaliger Begriffserweiterung generellen Character annimmt, zum DĂ€mon der Vegetation; so daß er sogar in dem Leben der Kulturpflanzen waltend, Korn und Flachs hervorbringend gedacht wurde. Und sei es nun, daß von hier aus eine Uebertragung stattfand, oder daß aus dem Pflanzenwuchs in Feld und Alpenwiese sich ganz gleichmĂ€ĂŸig ebenfalls die Gestalten von VegetationsdĂ€monen entwickelten, genug auch außerhalb der WĂ€lder keimt der Volksglaube Berg- und Feldgeister, welche mit geringer Abweichung den geisterhaften Waldleuten zum Verwechseln Ă€hnlich sehen. Der gemĂŒtliche und geistige Reflex localer NaturverhĂ€ltnisse allein scheint alle diese Wesen durch individuelle Besonderheiten unterschieden zu haben. Die Holz- und Moosleute in Mitteldeutschland, Franken und Baiern, die wilden Leute in der Eifel, Hessen, Salzburg, Tirol, die Waldfrauen und WaldmĂ€nner in Böhmen, die Tiroler Fanggen, FĂ€nken, Nörgel und selige FrĂ€ulein, die romanischen Orken, Enguane, Dialen, die dĂ€nischen Ellekoner, die schwedischen Skogsnufvar, endlich die russischen Ljeschie bilden auf diese Weise eine einzige Sippe mythischer Gestalten. Es wird unsere Aufgabe sein, im Folgenden die Zusammengehörigkeit dieser Gestalten darzutun, um zugleich an ihnen die characteristischen EigentĂŒmlichkeiten in Eigenschaften und Verrichtungen zu beobachten und uns zum Bewußtsein zu bringen, welche die Tradition diesen Wald- und Feldgeistern zuschreibt. Etwas ausfĂŒhrlicher werden wir in dieser Auseinandersetzung bei einigen Sagen verweilen mĂŒssen, denen wir spĂ€ter im grauen Altertume bei Faunen, Satyrn, Panen und Silenen wiederbegegnen und einen wesentlichen Beitrag zum VerstĂ€ndniß der Natur dieser Wesen verdanken werden.

Wir beginnen mit einem an eine Volkssage oder Volksvorstellung angelehnten altnorwegischen Sinnspruck, der wirksamer den nĂ€mlichen Gedanken ausdrĂŒckt, wie unser Sprichwort

„Kleider machen Leute“.

Das nordische Epigramm lautet:

„Meine Kleider gab ich auf dem Felde zweien BaummĂ€nnern. Sie dĂŒnkten sich Helden, als sie Gewande hatten; der SchmĂ€hung ausgesetzt ist der nackende Mann“.1

Der einsame laub- und rindenlose Baum ist hier deutlich zu einem freibeweglichen koboldartigen Wesen geavorden; wie denn von hilfreichen Zwergen,

Hausgeistern und Kobolden in Deutschland vielfach die Sage vorkommt, daß man zum Lohn ihrer Dienste und aus Mitleid mit ihrer Nacktheit ihnen Kleider schenkt; sobald sie das sehen, dĂŒnken sie sich zu vornehm zu arbeiten und verschwinden. Diesen aus der Baumseele hervorgegangenen nordischen BaummĂ€unern stehen deutsche Waldgeister ganz parallel.

§ 2. Holz- und MoosfrÀulein.

Wolbekannt ist in Mitteldeutschland eine Klasse geisterhafter Wesen,1 welche im Riesengebirge als RĂŒttelweiber, im Böbmenwalde und in der Oberpfalz als HolzfrĂ€ulein, WaldfrĂ€ulein, Waldweiblein, im Orlagan und Harz als Moosweiblein, Holzweihel, um Halle als Lohjungfern, (von loch = lucus GebĂŒsch) bekannt sind und denen sich entsprechende mĂ€nnliche Gestalten WaldmĂ€nnlein, MoosmĂ€nnlein zugesellen.2 Die letzteren sind seltener, als die Moosweibchen und ganz in GrĂŒn gekleidet. In der Gegend von Saalfeld bilden Handwerker, besonders Drechsler diese Wesen als PĂŒppchen nach und

stellen sie zum Verkauf; zumal zu Weihnachten stellt man in Reichenbach noch kleine MoosmĂ€nner auf den Tisch. Als Oberhaupt der MoosfrĂ€ulein wird an der Saale die Buschgroßmutter genannt. Die Moosleute beiderlei Geschlechts haben einen behaarten Körper, jedoch ein altes runzeliges Gesicht, das an mehreren Stellen gleich alten BaumstĂ€mmen ganz mit Moos bewachsen ist. Eine OberpfĂ€lzer Sage sagt, das Holzfralerl sah ganz moosig aus. wie Wickelwerg, klein und ohne bestimmte Gestalt: eine Harzer aus Wildemann beschreibt die Moosweiblein als ganz in Moos gekleidet, das sie wie eine Decke oder ein Fell umgab.1

Ihr Leben ist an das Leben der WaldbĂ€ume gebunden. So oft ein Mensch ein BĂ€umchen auf dem Stamme driebt. d. h. so lange umdreht, bis Rinde und Bast abspringeu, muß eines von den Waldleuten sterben. Es ist mithin der Trieb der Selbsterhaltung, der sie veranlaßt den Menschen, mit welchen sie Zusammenkommen, als gute Lehre einzuschĂ€rfen: „SchĂ€l’ keinen Baum“,2 oder „Reiß nicht aus einen

fruchtbaren Baum.” 1 Unter dem fruchtbaren Baum ist hier noch ganz altertĂŒmlich nicht der Obstbaum zu verstehen, sondern der Waldbaum, welcher Eckern (d. h. Frucht, goth. akran2) trĂ€gt, Eiche oder Buche. Das Verbot des BaumschĂ€lens gewinnt durch die vorhin besprochenen Strafen ebensowol einen tiefen und realen Hintergrund, als es unserer Auseinandersetzung darĂŒber zur BestĂ€tigung gereicht. Wenn es zuweilen heißt, daß die HolzfrĂ€ulein lange gelbe Haare haben,3 so darf vergleichsweise darauf hingewiesen werden, daß in dichterischer Sprache nicht selten das Laub der BĂ€ume als deren Haar bezeichnet wird.1

Lassen diese Angaben noch die Ansicht durchblicken, als wenn die Waldleute den BĂ€umen des Waldes als deren Elementargeister immanent seien, so zeigen andere Aussagen sie in freier TĂ€tigkeit, so jedoch, daß noch mehr als ein Characterzug eine fortwĂ€hrende Erinnerung an ihr Baumleben bewahrt. Sie wohnen in hohlen BĂ€umen, nach andern in MooshĂŒtten, betten ihre Kinder auf Moos oder in Wiegen von Baumrinde, schenken grĂŒnes Laub, das sich in Gold verwandelt, und spinnen das zarte Miesmoos, das oft viele Schuhe lang von einem Baume zum andern gleich einem Seile hĂ€ngt. Denn davon haben sie ihr Gewand. Daher sollen sie auch wunderbare nie endende GarnknĂ€uel an ihre Lieblinge vergaben.5 Anderes Tun von ihrer Seite characterisiert sie — wie es scheint — als Genien eines grĂ¶ĂŸeren Vegetationsgebiets oder der Vegetation ĂŒberhaupt

Denn wie anders wĂ€re der Zug: zu deuten, daß man z. B. in der Oberpfalz beim LeinsĂ€en einige Körner fĂŒr das HolzfrĂ€ulein in die BĂŒsche des nahen Waldes warf? War die Leinsaat aufgegangen, so verfertigte man bei Gelegenheit des JĂ€tens aus den Restchen von Flachsstengeln ein HĂŒttehen und rief:

Hulzfral! dan is daĂș Dal!
Gib an Flachs an krÀftiuga Flaug,
Nau hob i un du gnaug.1

Auch bei der Ernte lĂ€ĂŸt man im Frankenwalde drei HĂ€nde voll Flachs fĂŒr die Holzweibel auf dem Felde liegen.2 Zu Neuenhammer in der Oberpfalz bindet man beim Ausraufen des Flachses vom Felde 5—6 Halme, die man stehen lĂ€ĂŸt, oben in einen Knoten zusammen, damit das Hulzfral sich darunter setze und Schutz finde.

Auch kleidet sich das Hulzfral in Flachshalme.3 Man traf einst ein solches zur Erntezeit ganz in Flachshalme eingewickelt auf einem Baumstumpf im Wahle sitzen; Erntearbeiter nahmen es mit nach Hause. Es sprach eine unverstÀndliche Sprache und winselte so lange, bis man es wieder an seinen Ort brachte.4

Jener FlachsbĂŒschel, welcher vielfach (z. B. Pilsen in Böhmen) auf dem Acker stehen bleibt,5 wird mitunter z. B. KĂŒps bei Kronach in Oberfranken) in Gestalt eines Zopfes geflochten und jubelnd umtanzt, wobei die jungen Leute rufen:

Holzfrala, Holzfrala!
Flecht ich dir a Zöpfla
Auf dei nackets Köpfla.8

Panzer bringt aus dem Coburgischen eine Variante bei, welche besagt, daß man schamhaft bemĂŒht sei, dem durch das Abernten des Flachsfeldes entblĂ¶ĂŸten Mutterschoße der Holzfrau eine HĂŒlle zu bereiten.7 Aber nicht allein bei der Flachsernte,

auch bei der Heu- und Kornernte bedenkt fromme Einfalt die Holzweibchen. Im Amte Sonneberg bei Meiningen, ĂŒberhaupt im Meininger Oberland, bei Calmbach in Oberfrankeu u.s.w.1 lĂ€ĂŸt man, wenn das Grummet eingefahren wird, ein kleines HĂ€ufchen Heu auf der Wiese liegen und sagt, das gehöre den HolzfrĂ€ulein oder dem HulzfrĂ€le fĂŒr den gebrachten Segen. Endlich ist aus dem Böhmenvahle, der Oberpfalz und Oberfrankeu auch die Sitte bezeugt, auf dem Fruchtacker einige reife Aehren der Ernte, einen BĂŒschel, als dem HolzfrĂ€ulein, der Holzfrau, dem WaldfrĂ€ulein zugehörig stehen zu lassen,1 dann soll man im nĂ€chsten Jahre desto mehr Segen in seine Kornscheuern einheimsen. Und nicht minder bleibt zu Guttenberg B. A. Stadtsteinach in Oberfranken auf jedem Obstbaum etwas von der Frucht fĂŒr das HolzfrĂ€ulein hangen.3

Deutlich erkennt man in diesen GebrĂ€uchen die folgenden Anschauungen: Wie wir oben dieselben Geister bald den Baum, bald niedere Pflanzen bewohnen, von ihnen ausgehen und zu ihnen zurĂŒckkehren sahen, so zeigt das nĂ€mliche Wesen, welches in der Vegetation des Waldes wirksam ist, sich auch in dem Leben des Korn- und Flachsfeldes und der Graswiese regsam. Es lebt in ihnen und lebt ihr Leben mit. Daher sind die Flachshalme die HĂŒlle seines Leibes, darum entblĂ¶ĂŸt ihm das Ausraufen der Halme Kopf und Schoß. Aber danebenher lĂ€uft wieder die andere Wendung dieser Vorstellung, daß es im Fehle wohne und den Halmen guten Schutz zum Wachstum gebe. Daher bereitet ihm fromme Sorgfalt ein HĂŒttchen. Man darf

alle diese Bilder und mythischen Vergleiche nicht bis ins Einzelne ausmalen; zu ihrem Wesen gehört eine reizvolle Unbestimmtheit. Der geistige Eindruck, den die Natur macht, hat sich in ihnen zu lebendigen Gestalten verkörpert, welche einzelne ZĂŒge der bildlich augeschauten Notwendigkeit entlehnen, mit den ĂŒbrigen aber durch eine freie Schöpfung der ergĂ€nzenden Phantasie beschenkt sind. Die einmal gewordene Gestalt lebt, da sie im Volksglauben eine ertrĂ€umte RealitĂ€t besitzt, weiter und entwickelt, verĂ€ndert sich in den Köpfen der GlĂ€ubigen. Es kann uns daher nicht auffallend sein, neben den dargelegten Anschauungen der andern Auffassung zu begegnen, daß das Holzweibchen EigentĂŒmerin des Flachses, Getreides, Grases sei und deshalb ihm wenigstens ein Anteil, ein BĂŒschel, eine Handvoll gelassen werden mĂŒsse, wĂ€hrend der Mensch das Uebrige in seinem Nutzen verwendet. Ueber diese in analogen ErntegebrĂ€uchen vielfach hervortretende Meinung verweise ich einstweilen auf KonidĂ€monen.

Mehrfach wird erzĂ€hlt, daß die HolzfrĂ€ulein mit Menschen Verbindungen schlossen.1 Das ist vielleicht ein Reflex des tiefen unwiderstehlichen Eindrucks, den die Waldnatur auf das GemĂŒt ausĂŒbt. Auf einer jĂŒngeren Entwickelungsstufe zeigt sich der Glaube an die Moosweibchen (HolzfrĂ€ulein) in der Angabe, daß sie zur Erntezeit aus ihrem Walde herauskommen, um die MĂ€henden zu necken oder beim Heumachen allerlei Mutwillen zu treiben, oder um den Menschen beim Heuen und Kornschneiden als rĂŒstige Arbeiter zu helfen.2 Dachte man sich ehedem einmal die Gaben der Ernte als ihr Werk, so war es ein Schritt zu der Annahme, daß sie auch der Erntearbeit Segen verliehen und so mochte sich die Vorstellung von persönlicher Mithilfe dabei her-

vorbilden. Immerhin kann dieser Zug trotz relativ jungem Alters in sehr frĂŒhe Zeit hinaufreichen. Ihm schließt sich aber eine ganze Reihe von andern ErzĂ€hlungen an, nach welchen unsere Waldleutchen in den Dienst der Bauern treten, fleißig das Vieh im Stalle besorgen und fĂŒttern, auf der MĂŒhle mahlen und Brod backen,1 wogegen man ihnen die Ueberbleibsel der Mahlzeiten hinstellt. So lange sie im Hause weilen, ist GlĂŒck und Segen bei den Bewohnern. Man darf sie aber nicht mit einem neuen Kleide fĂŒr die nur Ă€rmlich und dĂŒrftig verhĂŒllte oder ganz unbedeckte BlĂ¶ĂŸe ihres haarigen Leibes beschenken, denn dann verschwinden sie augenblicklich.2 Ebenso verschwinden

sie, wenn man in ihrer Gegenwart einen Fluch ausstĂ¶ĂŸt. Alle diese ZĂŒge, die Pflege der Haustiere, die Mitarbeit hei den hĂ€uslichen Verrichtungen, das Verschwinden bei Empfang eines neuen Gewandes und die Entgegennahme von Speiseresten als tĂ€gliches Opfer sind ZĂŒge, welche in deutscher Sage allen Kobolden und Hausgeistern gemein sind. Wir entnehmen aus dieser Tatsache einstweilen nichts anderes, als die unbestreitbare Wahrheit, daß auch die Waldfrauen (Moosweibchen, HolzfrĂ€ulein, HolzmĂ€nnlein u. s. w.) in Hausgeister ĂŒbergehen, wie der Baumgeist. Auf die KrĂ€uter des Waldes verstehen sich diese Wesen gut und helfen damit den Menschen bei Krankheiten. Zur Zeit der Pest kamen die HolzfrĂ€ulein aus dem Walde und riefen:

Eßt Bimellen und Baldrian, so geht euch die Pest nicht an. Und einem Tagelöhnerweibe hilft eine Waldfrau in der Kindesnot mit der schönen blauen Blume Nimmerweh.1 Auch die Moosweiblein von Wildemann teilten Wanderern Wurzeln und KrĂ€uter zur Nahrung und Gesundheit mit.2 Nicht minder lehrt das Moderwitzer Moosweiblein Heilmittel gegen Krankheiten der Schafe.3

Aus diesen

Beispielen geht hervor, daß die Moosleute und HolzfrĂ€ulein als krankheitabwehrende, gesundheitverleihende Wesen gedacht wurden. Im Verein mit dem Glauben an deren Rolle als segenbringende Hausgeister geht dieser Zug — wie spĂ€ter klar werden wird — auf die Grundvorstellung zurĂŒck, daß sie Geister des Wachstums seien, mithin auf die nĂ€mliche Anschauung, welche sie auch im Leben des Ackers wirksam sein ließ.

Der Glaube von den HolzfrĂ€ulein nimmt jedoch vermöge des ob. S. 39 entwickelten Gedankenprozesses zuweilen die Wenduug, daß diese Genien fĂŒr arme Seelen erklĂ€rt werden. Auf diese Eigenschaft bezieht sich der Brauch, fĂŒr die HolzfrĂ€ulein die bei den Mahlzeiten ĂŒbrig gebliebenen Brosamen in den Ofen zu werfen, die beim Herausschöpfen am Rande der SchĂŒssel hangen gebliebenen Tropfen, das am KĂŒbelreifen sitzen gebliebene Mehl ihnen zuzueignen.1 Wenigstens die erstere Sitte ist ein auch sonst in Norddeutschland wie in SĂŒddeutschland den armen Seelen dargebrachtes Opfer.2

Der Moosweibchen und zugleich der armen Seelen erbitterte Feinde sind die Geister der wilden Jagd, in der Oberpfalz auch die Holzhetzer genannt. Dieselben fahren bekanntlich im Sturmwinde und Ungewitter durch die Wipfel des Waldes daher. PrĂ€torius zeichnete vor 200 Jahren aus der Umgegend von Saalfeld die Sage auf, wie der wilde JĂ€ger unsichtbar mit seinen Hunden die Moosleute jagte. Der Schall seines Hornes und das Gebell der Hunde war weithin hörbar. Ein Bauer, dem sein Vorwitz eingab, in den JĂ€gerruf einzustimmen, fand am andern Morgen an seinem Pferdestall das Viertel eines grĂŒnen Moosweibchens aufgehĂ€ngt.3 So jagt schon der Sturmriese VĂĄsolt nach dem Eckenlied ein wildes FrĂ€ulein im Walde4, in Schlesien der NachtjĂ€ger die mit Moos bekleideten RĂŒttelweiber.5 Um Halle hetzt der wilde JĂ€ger, der ohne Kopf auf seinem Schimmel durch die Luft fĂ€hrt, mit vielen Hunden die Lohjungfern; im Voigtlande,

Orlagan, Franken und Oberpfalz jagt der wilde JĂ€ger die Holzweibchen oder HolzfrĂ€ulein und ihre MĂ€nnchen. Bald fĂ€llt der halbe Leib eines dieser Wesen, bald ein Fuß, mit grĂŒnem Schuh bekleidet, dem naehrufenden Spötter gleichsam als sein Jagdanteil aus den Wolken herab.1 Nur dann haben die kleinen Waldleute Ruhe, wenn sie sich auf einen Baumstumpf retten können, auf welchen der Holzhauer, wĂ€hrend der Baum fiel, „bevor er im Sturz mit der Spitze den Erdboden erreichte“ oder „wĂ€hrend der Zeit, daß der Schall des fallenden Baumes noch hörbar war, mit scharfer Axt drei Kreuze in einem Zwickel oder keilförmigen Dreieck einhieb. Deshalb unterlassen die Holzhauer es selten in der angegebenen Weise die Stöcke zu kreuzen, und man sah deren in der ersten HĂ€lfte des Jahrhunderts noch viele in den WĂ€ldern; Börner erwĂ€hnt namentlich die Waldungen des Saalufers, vornehmlich bei Hungers- oder Hunnenburg; Schwanthaler sah dasselbe in den Nadel Waldungen bei Bamberg. Es mĂŒssen aber jedesmal 2 Arbeiter dabei beschĂ€ftigt sein, weil einer es nicht so schnell fertig bringt. Durch jeden so gekreuzten Stock soll ein Holzweibel erlöst werden. Es setzt sich darauf, und dann kann ihm die wilde Jagd nichts anhaben; 2 nach andern werden die HolzfrĂ€ulein durch drei Kreuze auf den Stöcken unschĂ€dlich,3 nach noch andern können sie dann ihre Wohnung, die sie bis dahin im Baume gehabt hatten, behalten.4 Um den Holzweibeln vor ihrem Feinde noch mehr Schutz zu bieten, sind â€žĂŒber Mittag“ auch auf allen AckergerĂ€tschaften (Eggen und PflĂŒgen) dergleichen Kreuze angebracht worden.5 Auch zwischen den beim Schluß der Ernte auf dem Acker stehen gelassenen Flachshalmen sucht und findet die Holzfrau Sicherung

vor dem wilden JĂ€ger.1 WaldmĂ€nnlein und Waldweiblein vergelten den Holzhackern ihren Liebesdienst damit, daß sie dieselben zur Nachtzeit ohne Irrgang aus dem Forste geleiten, auch manchmal abgeworfene Hirsch- und Rehgeweihe finden lassen.2 Es scheint mir unverkennbar, daß die Bekreuzung der BaumstĂŒmpfe — selbst wenn sie etwa ursprĂŒnglich den nĂŒchternen praktischen Zweck gehabt haben sollte, die abgehauenen StĂ€mme als rechtmĂ€ĂŸig nach Anweisung durch den Bannwart gefĂ€llte zu bezeichnen — nur deswegen in der kurzen Zeit geschehen sollte, wĂ€hrend der Baum fĂ€llt, damit die Baumseele nicht entweiche, sondern noch rechtzeitig der geöftnete Baumleib durch ein magisches Siegel gleichsam wieder geschlossen und zugleich gegen Eindringlinge von außen her geschĂŒtzt werde. Nach vorhin mitgeteilten Sagen soll man ja den vom Tomtegubbe bewohnten Baum nie ganz umhauen; der Elf stirbt, wenn der Baum mit den Wurzeln ansgerissen wird; unter UmstĂ€nden lebt der DĂ€mon also auch noch im Baumstumpfe fort. Es ist mithin wol begreiflich, weshalb im bekreuzten Stocke (truncus) die Moosleute ihre Wohnung behalten können. Die wilde Jagd ist eine Personification des baumerschĂŒtternden Sturmwindes.

Wie nun der estnische Baumelf vor dem Gewitter erschreckt in die tiefsten Wurzeln zurĂŒckweicht, ist auch der Sturm, der manchen Stamm darniederstreckt, den Baumgeistern gefĂ€hrlich und veranlaßt sie, sich in ihre PflanzenhĂŒlle znrĂŒckzuziehen. Der unberĂŒhrte Baumstamm ist keinen Augenblick davor sicher, der Wut des Sturmriesen zum Opfer zu fallen, aber dem abgehauenen Baumstumpf kann derselbe nichts mehr anhaben. Dieses muß der anfĂ€ngliche Gedankenkreis sein, aus welchem nach mehrfachen Mittelgliedern die Vorstellung erwachsen ist, daß die Moos- und Holzleute auf bekreuzten StĂŒcken vor dem Wilden JĂ€ger Schutz fĂ€nden, und von da aus vollzog sich in Folge der Identifizierung der Holzfrau mit dem GetreidedĂ€mon die weitere Uebertragung des Schutzortes auf AckergerĂ€tschaften, wĂ€hrend das FlĂŒchten in die letzten Flachshalme wol nur wiederum besagt, daß der Genius der Pflanze sich beim Sturm in seine eigene Haut zurĂŒckziehe, wie die Schnecke in ihr HĂ€uschen.

1) SchĂŒnwerth II, 360.
2) Pau2er II, 70, 93.

Doch es erĂŒbrigt die Holzleute noch von einer neuen Seite kennen zu lernen. Einem Waldweibchen war der Schiebkarren gebrochen. Sie bat einen VorĂŒbergehenden ihr denselben auszubessern. WĂ€hrend dies geschah, steckte sie ihrem Helfer eifrig die herabfallenden SpĂ€hne in die Tasche. Der warf sie verĂ€chtlich heraus, einige wenige aber, welche er nicht beachtet, hatten sich am andern Tage in harte Taler verwandelt.1 Die nĂ€mliche Sage erzĂ€hlt man in allen wesentlichen StĂŒcken ĂŒbereinstimmend von Frau Gauden (GĂłde), Holla und Perchta, sie lassen sich ihr zerbrochenes GefĂ€hrt (Wagen oder Pflug) zimmern, oder einen Pfahl zuspitzen, oder arbeiten selbst daran, so daß die SpĂ€ne fliegen. Diese herabfallendeu Splitter werden schieres rotes Gold.2 GĂłde, Holla und Perchta fahren im Sturme daher. WĂ€hrend aber die Waldleute nach den vorhin angefĂŒhrten Sagen der wilden Jagd als Jagdobject dienen, sind diese mythischen Frauen solche Wesen, welche in ĂŒbereinstimmenden Ueberlieferungen als AnfĂŒhrerinnen der wilden Jagd an der Spitze derselben auftreten und ein gespenstiges Wild verfolgen, auch wol Menschenfuß und Menschenlende dem Spötter aus den Wolken zuwerfen. 3 Auf im Sturme waltende Wesen paßt — wie es scheint — sehr wol die Deutung, welche W. Schwartz den goldenen SpĂ€nen des zerbrochenen GefĂ€hrtes gegeben hat, indem er an die Aehnlichkeit des rollenden Donners mit dem Getöse rollender Wagen und an jene ditmarsische Auffassung des Gewitters erinnerte, wonach der „Alte da oben im Himmel wieder einmal fĂ€hrt und mit der Axt an die Kader schlĂ€gt“.4 Danach wĂ€ren also jene Sagen der Niederschlag eines großartigen Naturbildes. Im tobenden Gewittersturm wird der zerbrochene Wagen der wilden JĂ€gerin verkeilt, und die

goldgelben Bltze sind die herabfallenden SpĂ€ne.1 Sei nun diese Deutung richtig oder nicht, jedenfalls nötigt uns die Uebereinstimmung der beigebrachten Ueberlieferungen mit der Sage vom SchubkĂ€rrchen des Moosweibleins entweder in letzterer eine nur fĂ€lschliche Uebertragung eines ursprĂŒnglich fremden Mythenzuges anzunehmen, oder znzugestehen, daß auch die Moosweibchen im Sturme durch die Luft fahrend gedacht wurden. Dabei kann es uns zunĂ€chst ganz gleichgĂŒtig sein, ob sie als Jagdobject dienen, oder selbst als JĂ€gerinnen auftreten, falls in der Tat die fliegenden SpĂ€ne nur ein bildlicher Ausdruck fĂŒr gewisse VorgĂ€nge beim Gewittersturme sind. Nun haben wir nicht allein schon oben S. 12 gesehen, daß Geister, welche man im Baume hausend, dem Baum einwohnend sich vorstellte, gleichwol auch im Sturme daherzogen, sondern es giebt auch sonst noch Spuren, welche verraten, daß man im Winde die Umfahrt der Waldfrauen vernahm. In Westfalen sagt man beim Wirbelwinde „da fliegen die Buschjungfern.“2 Die Leute um Warnsdorf im nördlichen Böhmen glauben fest an das Dasein des Buschweibchens; es erscheint als steinaltes MĂŒtterchen, mit schneeweißen wild herabhĂ€ngenden Haaren und moosbewachsenen FĂŒĂŸen, auf einen Knotenstock gestĂŒtzt, und beschenkt mit gelben BlĂ€ttern, die zu Gold werden.

Wenn im FrĂŒhlinge und Herbste zerrissenes Nebelgewölk vom Gebirge aufsteigt, wenn „der Wald raucht“, so pflegt man zu sagen „das Buschweibchen kocht.“

Jene Nebelstreifen werden als der Hauch von seinem Heerde bezeichnet. Naht im April ein Hagelschauer, so ruft man „das Buschweibchen steigt ĂŒber das Gebirge.“3

§ 3. Wildleute in Böhmen.

Bei den Czechen entsprechen unsern Waldweibern die lesni panny Waldjungfern oder divé zeny wilde Weiber; sie lieben Musik (das Sturmlied)1 und Tanz (den drehenden Wirbel des Wirbelwindes), der von ihnen bei einem heftigen Sturme mit der ausgelassensten

Wildheit in der Luft ausgefĂŒhrt wird.1 Ihnen stehen WaldmĂ€nner zur Seite lesni muzove, welche MĂ€dchen rauben und sie zwingen mit ihnen in Ehe zu leben.2 Ein tanzlustiges MĂ€dchen hĂŒtete in einem Birkenwalde die Ziegen und spann dabei Flachs. Mittags erschien so die Waldfrau in weißem GewĂ€nde, dĂŒnn wie Spinngewebe, mit einem Kranze von Waldblumen in den bis zum GĂŒrtel hinabfließenden Goldlocken. Sie erfaßte das MĂ€dchen und tanzte mit ihr bis Sonnenuntergang schön und so leicht, daß sich das Gras unter ihren Fußen nicht bog, wozu die Vögel lieblich sangen. So geschah es drei Tage hinter einander. Um die VersĂ€umniß zu ersetzen, spann die Waldfrau dem MĂ€dchen den Rocken voll und gab dem Garne die Eigenschaft nicht abzunehmen, so lange man auch weifte, und sie fĂŒllte ihm die Taschen mit Birkenlaub, das sich in Gold verwandelte (die nĂ€mlichen ZĂŒge begegneten uns o. S. 76 bei den Moosweibchen). WĂ€re das MĂ€dchen aber ein Knabe gewesen, so hĂ€tte die Waldfrau ihn zu Tode getanzt oder zu Tode gekitzelt.3

§ 4. Wildleute in Hessen, Rheinland, Baden.

In Hessen entsprechen den Waldfrauen und WaldmĂ€nnern, nur ins Riesenhafte ĂŒbersetzt, die wilden Leute, welche im Walde zwischen den Basaltfelsen an der Kinzig ihr Wesen treiben. Die gewaltigen Steinmassen, welche im Bernhardswalde bei SchlĂŒchtern niederstarren, heißen nach ihnen wilde HĂ€user. Schon vor dem 11. Jahrhundert nennt eine hessische Urkunde bei Dronke, Traditiones Fuldenses p. 544 in jener Gegend einen Ort „wilderĂł wĂ­bĂł hĂșs“ „ad domum wilderĂł wĂ­bĂł.“ Vgl. Roth, Kl. BeitrĂ€ge zur Sprach-, Orts- und Namensforsclnmg 1850. I, 231. Landau, Gau Wetareiba. 1855. S. 128 in der NĂ€he von SalmĂŒnster, wo mehrere WildfrauenhĂ€user vorkommen. Förstemann, Altd. Namenb. II. 1534. Die wilden MĂ€nner sind am vergnĂŒgtesten, wenn der Sturmwind tobt und der Blitz aus den Wolken fĂ€hrt. Dann gehen sie hoch oben ĂŒber die Berge und rĂŒtteln

an den Wipfeln der BĂ€ume; aber sie freuen sich auch, wenn die Aronspflanze gedeihlich emporwĂ€chst, und wenn sie zwischen den Schachtelhalmen dahergehen können. Ihre großen schönen Frauen steigen in den MondnĂ€chten in die LĂŒfte, ihre Kinder schĂŒtzen die Kinder der Menschen, wenn sie im Walde Beeren suchen.1 Auf dem Hohenberg in Hessen sieht man die Spuren, wo sie saßen und wo sie HĂ€nde und FĂŒsse liegen hatten. Ihre Kleidung ist grĂŒn und rauh, gleichsam zottig, ihr Haar lang und aufgelöst. Das giebt ihrem Aussehen etwas schauerlich Wildes, so daß sich jedermann vor ihnen fĂŒrchtet. Dabei sind sie ganz zutraulich gegen die Menschen, raten und helfen ihnen, wo sie nur können. Oft werden sie von den rohen Bauern verfolgt, auch gefangen, aber sie rĂ€chen sich nie.

In einer Höhle am Rodenstein wohnten zwei wilde Weiber. Die eine war sehr schön. In sie verliebte sich ein JĂ€ger und sie gebar ihm bald ein Kind. Sie sind in die Zukunft eingeweiht. Wenn in der Gegend von Fulda jemand sterben sollte, dann kam eines aus dem Wildfrauenloch heraus und zeigte sich wehklagend in der KĂ€lte des Sterbehauses. Auch die Kunde der geheimen NaturkrĂ€fte wohnt ihnen bei. Sie wissen, wozu die wilden weißen Haiden und die wilden weißen Selben (Salbei) gut sind; und wenn die Bauern das wĂŒĂŸten, wĂŒrden sie mit silbernen Karsten hacken.2

In der Eifel wohnten die wilden Frauen ebenfalls in Felsgrotten, die das vulkanische Gestein gebildet hat. Dergleichen Grotten heißen zuweilen „das WildfrĂ€uleinhaus.“ Darin saßen sie und boten jedem ihre BrĂŒste, die sie ĂŒber die Schulter warfen, zum Trinken dar.3

Auch im Badischen haben wilde Leute im Wildeleutloch in einer Höhle des Eichelberges bei Oberflockenbach gewohnt, sie waren ganz haarig und fast unbekleidet. Sie halfen den Einwohnern der benachbarten Dörfer hei den FeldgeschĂ€ften, gradeso wie die HolzfrĂ€ulein. Der Felsen ĂŒber ihrer Höhle hieß Wildeleutstein, und auf ihm befand sich ein Trog, aus dem sie zu essen pflegten, die WildeleutschĂŒssel genannt.4

§ 5. Wildleute in Tirol: Fanggen.

In den AlpenlĂ€ndern haben sich die wilden Leute in verschiedene Gestalten gespalten. Als riesige Waldgeister erscheinen die Wildfrauen im Patznaum-, Stanzer- und Oberinnthale in Tirol unter dem Namen Fanggen (Sing. Fangga, Fanggin) Wildfanggen, wilde Weiber; ungeheure Gestalten, am ganzen Körper behaart und beborstet; ihr Antlitz ist verzerrt, ihr Mund ist von einem Ohre zum andern gezogen. Ihr schwarzes Haupthaar hĂ€ngt voll Baumbart (lichen barbatus) und reicht rauh und struppig ĂŒber den RĂŒcken. Ihre Stimme ist rauhe Mannesstimme, ihre dunklen Augen sprĂŒhen zu Zeiten Blitze. Joppen von Baumrinden und SchĂŒrzen von Wildkatzenpelzen bilden ihre Kleidung. Sie leben in Gesellschaft in WĂ€ldern, vorzĂŒglich nannte man als ihren Aufenthalt einen großen Urwald im Urgthal zwischen Landeck und Ladis und einen andern Urwald, den „Bannwald“ (vgl. o. S. 39) am Pillerberg im Oberinnthal.

Die in ein und demselben Walde hausenden Fanggen waren an diesen Wald gebunden; wurde der Wald geschlagen, so schwanden sie; starb ein Baum, oder wurde er gefĂ€llt, von dem eine Fangga den Namen trug, so war auch ihr Dasein dahin. Sie hatten nĂ€mlich noch jede ihren besonderen Namen als Hochrinta (hohe Rinde) Stutzforche (Stutzföhre) Rohrinta (Rauhrinde) Stutzemutze (Stutzkatze). Der im Sturm den Wald durchfahrende Riese, der wilde Mann, wird als Gemahl der Fangga genannt.1 Gleich ihm hat sie menschenfresserische Neigungen. Wenn die Fangga im Walde von Naßereit, welche von der GrĂ¶ĂŸe eines mittelmĂ€ĂŸigen Baumes war, kleine Buben zu fassen bekam, so schnupfte sie dieselben wie Schnupftaback in ihre Nase oder rieb sie an alten dĂŒrren BĂ€umen, die von stechenden Aesten starrten, bis sie zu Staub geraspelt waren.2 Wer erkennt in diesem Zuge nicht jenes Zutodekitzeln wieder, das von der böhmischen Waldfrau ausgesagt wurde, mithin eine Naturauffassung des Wirbelwindes? (s. o. S. 87). Andererseits sind die Fanggen unverkennbar eine Belebung der mĂ€chtigen BĂ€ume des Urwaldes im Hochgebirge, und ihre Grausamkeit ist Ausdruck des furchtbaren und ungeheuerlichen Eindrucks, den diese gewaltige Waldnatur auf das

1) Alpenburg, Mythen und Sagen Tirols S. 51. 52.
2) Alpenburg a. a. 0. 52.

GemĂŒt macht.1 So bestĂ€tigt es sich auch in diesem Falle, daß die Baumgeister als Verkörperungen von meteorischen Erscheinungen oder wenigstens als in diesen einen Teil ihrer LebensĂ€ußerungen betĂ€tigend gedacht wurden. Doch auch noch andere uns schon bekannte Wahrnehmungen erhĂ€rtet die Fanggensage durch neue BelĂ€ge. Auch die Fanggen spielen die Rolle von Hausgeistern. Wie die Holzweibchen (o. S. 80) treten sie freiwillig bei Menschen in Dienst und arbeiten fĂŒr diese, bis plötzlich das Bekanntwerden ihrer Herkunft und ihres Namens sie verschwinden macht. Eine fĂŒr unsere weitere Untersuchungen wichtige Sage, die darauf Bezug hat wollen wir mitteilen.

Bei einem Bauer zu Flies stand eine unbekannte Dirne im Dienst, welche riesenstark war und mehr arbeitete, als zehn andere zusammen, aber nichts vom Christentum wußte und wollte. Es war ein FanggenmĂ€dchen. Einst kam der Bauer vom Imstermarkt ĂŒber den Pillerberg nach Hause. Wie er nun durch den Bannwald kommt, die Joche der verkauften Oechslein ĂŒber die Schulter gehĂ€ngt, hört er mit einmal aus der Mitte des Waldes eine unbekannte sehr laute Stimme: JochtrĂ€ger, JochtrĂ€ger, sag’ der Stutzkatze (Stutzamutza), die Hochrinde (Hoachrinta) sei todt. Drauf wird alles wieder still. Von Angstschweiß triefend kommt der Bauer nach Hause und erzĂ€hlt das im Bannwalde erlebte Abenteuer seiner Frau und der Dirne, die gerade beim Mußessen sitzen. Als er die Worte erwĂ€hnt: „Sag’ der Stutzkatze, die Hochrinde sei todt“, springt die Magd mit dem hellen Geschrei „die Mutter! die Mutter!“ empor, lĂ€ĂŸt alles stehn und liegen und lĂ€uft dem Bannwalde zu. Niemals wurde sie mehr gesehen; aber bald verbreitete sich die Nachricht, daß Stutzkatze nun im Walde hause und das GeschĂ€ft ihrer Mutter, Kinder stehlen und fressen, fleißig fortsetze.2 Mit

unwesentlichen Varianten ist diese ErzÀhlung in Bezug auf Fanggen und verwandte Wesen, Holzweibchen und BuschnÀnnchen, Salige FrÀulein, Nörkel, Zwerge, katzengestaltige oder bockgestaltige Kobolde weit, bis in den Norden verbreitet.1 Mit

einiger Sicherheit ist daraus zu schließen, daß sie in dem Wesen der Wald- resp. Erdgeister begrĂŒndet sei.1

§ 6. Wildleute in GraubĂŒnden: WaldfĂ€nken.

Den Tiroler Fanggen entsprechen die GraubĂŒnder WaldfĂ€nken, die besonders in den deutschen TĂ€lern, im PrĂ€tigĂ€n, Schalfik, Churwaldental und Savien bekannt sind. Sie werden nicht ganz so unhold geschildert, als die Tiroler Fanggen und treten öfter paarweise auf. Auch den WaldfĂ€nken mißt die Sage gewaltige StĂ€rke, Körpergewandtheit, daneben Witz, genaue Wetter- und KrĂ€uterkenntuisse und den Besitz von Geheimnissen der Viehzucht bei. Ihre Weiher, welche hĂ€ufig auch Waldmutern (WaldmĂŒtter) genannt werden, sind in umgeworfene Felle gekleidet, die mĂ€nnlichen WaldfĂ€nken, oder „wilden MĂ€nner,“ ĂŒber und ĂŒber am ganzen Körper behaart und mit Eichenlaub bekrĂ€nzt. Ihre Behausung ist der Wald. Auch sie tragen einzelne Personennamen (weibl. RĂșchrinden u. s. w., mĂ€nnl. Giki, GĂ€ki u. s. w.) In den beiden Vorarlbergischen TĂ€lern Montavon und Klostertal endlich heißen die mĂ€nnlichen Wesen Fenggen und unter ihnen begegnen wieder weibliche Eigennamen wie Jochrmpla, Jochringgla, Muggastutz, Rohrinda, mĂ€nnliche wie Urhans. Sie werden zwar auch hĂ€ufig als riesige WildmĂ€nner und Wildfrauen,

beschrieben, am ganzen Körper mit struppigen Haaren bedeckt, so daß nur an den Wangen die Fleischfarbe kĂŒmmerlich durchschimmerte, oft aber schreibt man ihnen — wie zuweilen schon den WaldfĂ€nken in GraubĂŒnden — zwerghaften Wuchs zu und sie gehen dann ganz in Zwerge und Hausgeister ĂŒber, so zwar, daß sie nun zwar in Höhlen und Felslöchem (Fenggalöcher, Fenggatöbler, ’s wild Mannlis Balma), zuweilen hoch ĂŒber dem Waldwuchs auf hohen Alpenrevieren ihre Wohnung aufschlagen, im ĂŒbrigen aber dieselben Verrichtungen haben und Gegenstand derselben ErzĂ€hlungen sind, wie ihre riesenhaften Namensverwandten.1 Auch sie verraten noch deutlich Beziehungen zum Leben des Waldes. Sie sind so alt, als der und der Wald, ja ein Fangg im Kilknerwald in Gaschurn kommt herzugelaufen als man eine Tanne fĂ€llt und bittet, den Baum stehen zu lassen; er sei so viel Jahr alt, als derselbe Nadeln habe, und könne wenn er falle sein Alter nicht mehr zĂ€hlen.2

Es geht daraus hervor, daß die GrĂ¶ĂŸe der Gestalt keinen wesentlichen Unterschied zwischen diesen Geistern bezeichnet. Als besonders bemerkenswert aus dem Kreise der Sagen, welche sich an diese wilde Leute knĂŒpfen, will ich nur zwei besonders hervorheben. Die eine ist ein SeitenstĂŒck zu der bekannten ErzĂ€hlung von Odysseus Ueberlistung des Polyphem, aus deren weiter Verbreitung unter TĂŒrken, Arabern, Serben, RumĂ€nen, Esten und Finnen schon W. Grimm3 nachwies, daß sie eine alte auf Elementargeister bezĂŒgliche Volkssage sei, die Homer auf einen Helden ĂŒbertrug. Die Uebereinstimmung der WaldfĂ€nken-und Polyphemossage gewinnt an Bedeutung durch den Umstand, daß ein Waldgeist, und zwar der russische Ljeschi (s. u. § 19), gleich den Kyklopen nur ein Auge hat. Zu einem Holzhauer im Walde gesellt sich ein geschwĂ€tziges Fenggaweibchen und verdrießt ihn durch ihre neugierigen Fragen. Er giebt sich erst den falschen Namen Selb, 4 wĂ€hrend er doch Hannes heißt, und

als dann das Weiblein seinen Aerger noch weiter reizt, dabei aber im Eifer die Hand in eine Holzspalte bringt, zieht er schnell Axt und Keil heraus und klemmt die jĂ€mmerlich Schreiende auf diese Weise in den Baum ein. Auf ihren Angstruf kommt das wilde FenggmĂ€nnlein hinzu und fragt, wer ihm das getan habe: „O selb tĂĄn!“ Da lacht das wilde MĂ€nnlein und ruft: „Selb tĂĄn, selb hĂĄn!“ Dieselbe ErzĂ€hlung geht von WaldfĂ€nken, sowie von Nixen und Zwergen.1 Die zweite Tradition, von der wir reden zu wollen ankĂŒndigten, wird sich spĂ€terhin als besonders wichtig fĂŒr das Ganze unserer Untersuchungen herausstelleu und gleichfalls aus dem alten Griechenland und Italien nachweisen lassen. Sie wird ebensowol von den wilden MĂ€nnern der riesigen WaldfĂ€nken, als von den zwerghaften FĂ€nkenmĂ€nnlein erzĂ€hlt. Die FĂ€nkenmĂ€nnlein in ChurrhĂ€tien nĂ€mlich ĂŒbernehmen ganz ebenso wie in Mitteldeutschland die Busch- und MoosmĂ€nnchen, HolzfrĂ€ulein u. s. w. sehr gern und hĂ€ufig die Rolle der Hausgeister und Kobolde; sie besorgen im Stille das Vieh, fĂŒttern, trĂ€nken nnd striegeln es nach schönster Art oft ganz ohne Lohn, oft nur um ein paar KĂ€se, um ein NĂ€pfchen

Milch oder um den Schaum der Milch. Am liebsten jedoch verstehen sie sich zur Hut der Heerden auf den Alpen und in den Maisessen und werden daher öfters wilde KĂŒher oder wilde Geißler genannt. Schenkt man ihnen aber Kleider oder Schuhe zum Lohn, so werden sie, wie im gleichen Falle die mitteldeutschen Waldleute (s. o. S. 80) verscheucht. Solch ein wilder Mann (Geißler oder KĂŒher) wird regelmĂ€ĂŸig beschrieben als von großer KörpeistĂ€rke, behaarten Leibes und nur mit einem Schurz von Fellen bekleidet. In der Hand fĂŒhrt er eine mit den Wurzeln ausgerissene Tanne.1 Man trieb ihm die Geiße oder KĂŒhe der Ortschaft gemeinhin vor das Dorf entgegen bis zu einem großen Steine, solche Felsblöcke werden noch gezeigt und heißen gern „der Geißlerstein.“2 Dort nahm er schweigend die Tiere in Empfang und trieb sie weiter, man wußte nicht wohin. Abends waren sie alle zur bestimmten Zeit wieder mit strotzendem Euter beim Steine, so daß sie kaum gehen konnten. Offenbar sind diese wilden MĂ€nner nicht Personificationen einzelner BĂ€ume, sondern des gesummten Waldes mit dem Uebergang in Geister der gesammten Vegetation der Alpe. Dem wilden Geißler gleicht sich die finnische Waldjungfrau, welche in der Kalevala angerufen wird, das Vieh vor Schaden zu hĂŒten, resp. abends nach Hause zu treiben (vgl. o. S. 30 und Kalev. ĂŒbers, von Schiefner 1852 XXXII. v. 6O—100); andererseits ließe er sich fĂŒglich als ein Spiritus familiaris der Dorfschaft anffassen. Auf den Stein legt man ihm den ausbedungenen Lohn an Milch oder KĂ€se. Da er auf diese Weise mit den Leuten in keinen mĂŒndlichen Verkehr trat und niemals zu den Wohnungen kam, suchte man ihn zu fangen und zur Mitteilung seiner Geheimnisse zu bewegen. Es geschah dies, indem man ihn in Wein oder Branntwein berauschte. Die nĂ€heren UmstĂ€nde dieser Begebenheit werden mit kleinen Abweichungen erzĂ€hlt, zu deren Characteristik die folgenden Varianten nebeneinander erwĂ€hnt werden mögen. Zu Monbiel stellte man dem die HeimkĂŒhe leitenden MĂ€nnlein einen Schoppen Veltliner

auf den Stein. Es betrachtete den Wein lange und besann sich, ob es trinken solle. Endlich setzte es ganz vorsichtig die Lippen an. Da mundete ihm das GetrĂ€nk Ă€ußerst wol und es trank den ganzen Schoppen.1 Zur Zeit, als die Pest in GraumĂŒnden unzĂ€hlige Opfer forderte, starben keine wilden Weiblein und MĂ€nnlein und man kam zu dem Schlusse, daß sie ein Geheimmittel besitzen mĂŒssen. Ein Bauer wußte mit List dasselbe einem FĂ€nkenmĂ€nnlein zu entlocken, welches sich oft auf einem Steine zeigte, der eine bedeutende Höhlung hatte. Ihm war das LieblingsplĂ€tzchen des wilden MĂ€nnchens wolbekannt, er ging hin, fĂŒllte die Höhlung des Steines mit gutem Veltinerwein und verbarg sich in der NĂ€he. Das MĂ€nnchen war verdutzt, als es die Höhlung seines Lieblingssteines mit funkelndem Naß gefĂŒllt sah. Es beugte sich mehrmals mit dem Naschen ĂŒber den Wein, winkte mit dem Zeigefinger und rief „Nein du ĂŒberkommst mich nicht!“ Endlich kostete es doch und immer mehr und wurde lustig und lustiger und fing an allerlei Zeuges zu schwatzen. Da trat der Bauer aus seinem Verstecke hervor und fragte, was gut sei gegen die Pest, „Ich weiß es wohl,“ sagte das MĂ€nnchen, „Eberwurz und Bibernell; aber das sage ich dir noch lange nicht!“ Jetzt war der Bauer zufrieden und nach dem Gebrauche von Eberwurz und Bibernell starb niemand mehr an der Seuche.2 Vgl. o. S. 81.

Ein WaldfĂ€nke bei Conters hĂŒtete einst einen Sommer hindurch die Ziegen des Dorfes, sein Hirtenstab war ein Tannenbaum. Hatte er die Geißen Abends bis zu einer gewissen Stelle zurĂŒckgefĂŒhrt, kehrte er in den Wald heim. Vergeblich suchten ihn die Söhne von Conters zu fangen. Endlich fĂŒllten sie zwei Brunnentröge, aus denen er zn trinken pflegte, den einen mit rotem Weine, und den andern mit Branntwein. Der wilde Geißler sah zuerst den roten Wein und rief: „Röteli du verfĂŒhrst mi net!“ und labte sich dann mit Branntwein, da dieser die Farbe des Wassers trug. In der darauffolgenden Berauschung wurde er gebunden und, da die Sage ging, die FĂ€nken wĂŒĂŸten aus Milchschotten Gold zu bereiten und Ă€hnliches, so wollten ihn seine Peiniger nicht eher loslassen, bis er ihnen ein Geheimmittel entdeckt habe. Er versprach, wenn sie

ihm losbĂ€nden, einen guten Rat Die Burschen ließen ihn also frei. Da sagte er schelmisch:

Ists Wetter gut, so nimm deiu Oberwamms mit,

Wirds dann leidig, kannst tun wie du willst.1

Nach der Sage von Klosters im PrĂ€tigau waren es mehrere neugierige Burschen, die gern die nĂ€here Bekanntschaft des Geißlers gemacht hĂ€tten. Er hatte die Gewohnheit jeden Abend aus dem kleinen BrĂŒnnlein zu trinken, das zunĂ€chst dem Geißlersteine sich befand. Die jungen Leute sammelten im Dorfe manche Maß Kirschenwasser und fĂŒllten an einem heißen Sommertage unversehends das ganze BrĂŒnnlein damit. Der wilde Mann schöpfte mit der hohlen Hand. Anfangs mißfiel ihm der Trank, bald jedoch behagte er ihm; er trank in vollen ZĂŒgen und sank bald von der Wirkung des berauschenden Wassers bezwungen machtlos zu Boden. Schnell sprangen die Bursche aus ihrem Verstecke hervor, banden ihn mit Weiden und Stricken und trugen ihn ins Dorf in eine festverschlossene Kammer, aus der er um Mitternacht ausbrach, um sich nie wieder sehen zu lassen. Mit ihm war der Wolstand des Dorfes dahin.2 In der Ueberliefernng von Klausen ist es wiederum ein Brunnentrog, den man dem riesigen, mit zottigen Haaren ĂŒberwachsenen Wildmann mit Branntwein fĂŒllt. Die Sage von Afing erzĂ€hlt, daß der Wilde auf einen ausgerissenen Baum gestĂŒtzt Tags oder in stiller Nacht die HolzfĂ€ller im Hauserwalde störte und ihnen das Wasser aus dem Troge des Schleifrads austrank. Um ihm dies zu verleiden, fĂŒllten sie den Trog mit Branntwein, und als er berauscht war, hieben sie ihm den Kopf ab.3

Was den Namen des Fanggen, FĂ€nken oder Fenggen betrifft, so hat ein Kenner der deutschen und romanischen Volksdialekte

des Alpengebiets Chr. Schneller die Vermutung ausgesprochen.1 daß er aus der Mundart der benachbarten ladinischen Gemeinden entlehnt und zwar aus dem Feminin zu Salvang d. i. Sylvanus abgekĂŒrzt sei, mit welchem Worte man dort den wilden Mann zu bezeichnen pflegt. Dieser Meinung stehen zwar einige, doch wie ich glaube, nicht durchschlagende sachliche GrĂŒnde entgegen; nicht allzu sehr ins Gewicht fallen dĂŒrfte, daß bei den Ladinern das Ferm. Salvangga bereits ansgestorben und dafĂŒr eine andere Bezeichnung der wilden Weiber aufgekommen ist. Dagegen mĂŒĂŸte der Uebergang von v in f fĂŒr jene. Dialecte erst nachgewiesen sein, ehe wir uns entschließen können Schnellers ErklĂ€rung beizutreten.

§ 7. Wildleute in Tirol: Selige FrÀulein.

Ganz verschieden von den Wildfanggen scheinen auf den ersten Blick, aber auch nur auf den ersten Blick diejenigen Wesen zu sein, welche in Deutschtirol, namentlich im Vintschgau und Oberinnthal, unter dem Namen Selige oder Salige FrĂ€ulein, SalgfrĂ€ulein, Salinger, sonst auch als wilde Frauen oder wilde FrĂ€ulein, in WĂ€lschtirol als Enguane oder Belle (resp. Delle) Vivane bekannt sind, obwol auch in ihnen nach einem Worte Weinholds, 2 der die Seligen als die lieblichsten Schöpfungen unserer Mythologie characterisiert, Wald- und Bergfrauen3 nicht verkannt werden können, milde, schöne Geister des Waldes und Gebirges, die ĂŒber und unter der Erde segnend wirken, den Menschen hilfreich, die Tiere schĂŒtzend. In der Tat haben sie fast alle ZĂŒge mit den Moosleuten und Buschfrauen Mitteldeutschlands gemein, noch mehr stimmen sie zu den wilden Frauen in Oberbaiern und im Salzburgischen, welche wir als die Vertreterinnen der geographischen wie sachlichen Mittelglieder zu den SalgfrĂ€ulein an dieser Stelle beilĂ€ufig iu die Betrachtung mit hineinziehen werden, aber das Kolorit der Sage von den Seligen und die Scenerie, in der sie auf treten, ist verĂ€ndert und ihr Wesen verklĂ€rt und vergeistig!. In einzelnen FĂ€llen z. B. im Pusterthale ist jedoch ihre Gestalt noch nicht von diesem so zu sagen Ă€therischen Hauche

umwohnen.1 Irre ich nicht, so spiegelt sich in ihrer EigentĂŒmlichkeit getreu die Empfindung, welche hoch oben in der klaren, freien und reinen Bergluft zwischen den Gletscherfirnen die Seele des Landeseinwohners ergriff, der mit dieser Empfindung das anererbte Material der Wildeleutsage durchströmte und so aus den Tiefen seines vorstehenden und fĂŒhlenden Geistes dĂ€monische Personificationen zugleich der Vegetation und der sonstigen Natur auf den höchsten Höhen der Alpenwelt hervorgehen ließ. Sehr deutlich lĂ€ĂŸt der Vergleich der Sage von hessischen und bairisch-salzburgischen Wildfrauen gewahren, wie groß der Einfluß gewesen ist, den die Natur des Landes auf die Umgestaltung der Sage von den seligen FrĂ€ulein ausgeĂŒbt hat. Diese wohnen in den innersten TĂ€lern und Berggegenden; 2 ihre Behausung sind schimmernde Eis- und Krystallgrotten,3 die sich im Schoße der Berge zu prachtvollen RĂ€umen erweitern und oftmals talwĂ€rts von einem verborgenen Paradiese beblĂŒmter HĂŒgel und grĂŒner Wiesen umgeben sein sollen. Hier liegen sie als ihr Hausgetier die Gemsen, schĂŒtzen dieselben vor den JĂ€gern und bestrafen deren Verfolgung. Hat ein GemsjĂ€ger eines der Tiere getödtet, so jammern sie, daß er ihre Kuh erschossen habe, ZĂŒge welche ĂŒbrigens ebensowol auch an den Fanggen und anderen Wildfrauen haften.4 Nach den Seligen, die darauf hausen, ist ein Ferner im Sulzanerstock (zwischen den hintersten Alpen des Stubeitals) FrĂ€ulekopf genannt und die FrĂ€ulein selbst werden dort hĂ€ufig auch als SchneefrĂ€ulein bezeichnet, weil sie nicht allein die Alpweiden segnen und den Hirten gutes tun, sondern auch den letzteren Winke zum frĂŒhen Abfahren geben, wenn große Schneewetter einzufallen drohen.5 Oft sieht man

hoch oben an den höchsten Gipfeln WĂ€sche, schneeweiße GewĂ€nder oder KindstĂŒchel wie weiße Wölkchen schweben, oder an den Sonnenstrahlen, die sich durch dichtes Waldlaub oder Felsklausen stehlen, zum Trocknen aufgehĂ€ngt. Wenn die WĂ€sche an den FelswĂ€nden sichtbar wird, giebt es schönes Wetter, deutlich also sind es Nebel oder lichte Wölkchen, worin man die Gewebe der Seligen zu erkennen meinte.1 Blondlockig, blauĂ€ugig, in blendendes Weiß oder Silberzindel gekleidet, wie der Schnee, der die Berggipfel deckt und das Eis der Gletscher, und von Gestalt himmlisch schön, sitzen diese da oben und lassen einen wunderlieblichen Gesang ins Tal hinabschallen, der manchem guten Burschen das Herz mit unnennbarer Sehnsucht dehnt, wie hoch oben auf sonniger schneebeglĂ€nzter Höhe, wo man mit sich und Gott allein ist, das GefĂŒhl der Unendlichkeit die Brust weitet. Nur sittlich reine Menschen dĂŒrfen den FrĂ€ulein nahen. Da mehrere Berichterstatter z. B. Hammerle und Alpenburg, wie es scheint, durch sentimentale Auffassung verleitet wurden, diese Sagen mehr zu idealisieren, als sie es in Wirklichkeit sind, so wollen wir zur Kennzeichnung derselben dem objektiv berichtenden Zingerle eine der vielen Geschichten nacherzĂ€hlen, welche im Volksmunde von den Saligen in Umlauf gehen.

Bei Graun im Obervintschgau steht ein Mittelgebirg, die „Salge“, hier sollen vor alten Zeiten die „SalgfrĂ€ulein“ gehaust haben. Sie wohnten unter diesen Steinblöcken in weiten prachtvollen RĂ€umen und waren den Menschen hold und freundlich. Oft saßen sie abends weiß gekleidet auf einem großen Stein unter dem alten LĂ€rchbaum und sangen Lieder. Eines Abends ging ein Hirt vorĂŒber, der von dem schönen GesĂ€nge so bezaubert wurde, daß er stille stand, sich auf einen Stein setzte und bis tief in die Nacht hinein den SalgfrĂ€ulein zuhörte. Erst als diese mit untergehendem Monde verschwanden, gedachte er seiner Heerde und seines jungen Weibes und ging heim. Seitdem aber war er einsilbig und schwermĂŒtig und, ohne seinem

Weibe etwas davon zu sagen, ging er nun oft auf die Salg, um dem Gesange zu lauschen. Endlich wurden die schönen FrĂ€ulein mit ihm vertrauter und fĂŒhrten ihn in ihre Grotten, wo ganze Reihen von Gemsen an Krippen standen. Sein Weib bemerkte, daß er öfter des Nachts, sich entfernte und ausblieb. Um zu erfahren, wohin er gehe, befestigte sie einst heimlich an einem seiner Wammsknöpfe einen Garnfaden, behielt aber den daran hangenden KnĂ€uel zurĂŒck. Dem leitenden Faden folgend erreichte sie die Höhle der Saligen, in deren Mitte sie ihren Mann vorfand. Da fing sie an zu weinen und zu klagen und verwĂŒnschte den Tag ihrer Hochzeit und die SalgfrĂ€ulein, die sofort unter den Steinen verschwanden, um nicht wieder gesehen zu werden.1

Von den WaldfrĂ€ulein in Falkwand bei Stuls und noch ausfĂŒhrlicher von den wilden Weibern im Untersberge hei Salzburg wird dieselbe Geschichte etwas abweichend erzĂ€hlt. Eine der wilden Frauen, welche oftmals aus dem Untersberge gegen das Dorf Anif herabkam und sich auf dem Felde in die Erde Löcher und Liegerstatt machte, hatte so schöne lange Haare, daß sie ihr bis auf die Fußsohlen herabfielen. Ein Bauer verliebte sich hauptsĂ€chlich um dieses Umstandes willen in sie und legte sich in Einfalt zu ihr in ihre LagerstĂ€tte, ohne etwas UngebĂŒhrliches zu tun. Am zweiten Abend fragte sie ihn, ob er eine Frau habe. Er leugnete, aber am dritten Abend ging seine Frau ihm nach, fand ihn und rief, die Wildfrau erblickend:

„O behĂŒte Gott deine schönen Haare! Was tut ihr da mit einander?“

Da verwies die wilde Frau dem Bauer seine LĂŒge, schenkte ihr einen Schuh voll Geld uud ermahnte ihn seinem Weibe treu zu bleiben. 2

In der norddeutschen Ebene knĂŒpft sich die noch rohe ErzĂ€hlung an solche Zwerge (Schanhollen u. s. w.), welche nur mit localer Aenderung entschieden den Waldleuten der oberdeutschen Sage entsprechen. Hier schlĂ€ft der Bauer im Arme der Zwergin, deren langes Haar bis auf die Erde hinabhĂ€ngt. Behutsam hebt seine mit Hilfe des GarnknĂ€uels nachgekommene Gattin es auf und legt es zur schönen EigentĂŒmerin aufs Bett.3

Die Deutung dieser ErzĂ€hlung wĂŒrde an diesem Orte zu Erörterungen fĂŒhren, welche von unserm gegenwĂ€rtigen Zwecke seitab liegen; wir entnehmen aus ihr nur ein Zeugniß von der Uebereinstimmung der SalgfrĂ€uleinsage mit derjenigen von den wilden Frauen resp. Waldweibern. Wie die HolzfrĂ€ulein (o. S. 76) nie endende GarnknĂ€uel spenden, schenkt die wilde Frau in der Felshöhle bei Widrechthausen ein solches dem WidrechthĂ€user Bauer, als ihn dessen Frau bei ihr schlafend gefunden und zum Zeugniß, daß er ihr eine Haarlocke abgeschnitten hatte.1 Auch die selige Jungfrau aus der Lecklahne begabt zum Abschied mit solchem wunderbaren ZwirnknĂ€uel, als sie aus dem Dienste eines Bauern plötzlich scheidet, weil man ihren Namen erfahren.2 Auch ein Brodlaib der, so lange mau davon kein Redens macht, nicht ein Ende nimmt, wird als ihr Geschenk erwĂ€hnt.3 Gleich den HolzfrĂ€ulein, Fanggentöchtern u. s. w. sind sie, ohne Lohn und Gabe zu nehmen und ohne Namen und Herkunft zu verraten, hilfreich in der Bauernwirtschaft und, wo sie weilen und schaffen, stellt sich Segen und Ueberfluß ein. Alles gedeiht, aber sie verschwinden und mit ihnen Gedeihen und Reichtum, sobald man in ihrer Gegenwart flucht (vgl. ob. S. 81), nach ihnen schlĂ€gt, ihnen Speise vorsetzt oder ihren Namen nennt; oder sie werden durch Ansage eines Todesfalls unter den Ihrigen (s. ob. S. 90) abberufen.4 Im Stalle sammeln sie die verschĂŒttete Milch und trinken dafĂŒr wol — andere Nahrung verschmĂ€hen sie — aus der Milchbutte, in der dann aber die Milch nicht ab, sondern zunimmt.5 Fast in jedem Hause wohnte ehedem ein solches geisterhaftes Wesen.6 Sie bewĂ€hren sich somit vollkommen als gute Hausgeister. Zuweilen gehen sie auch mit irdischen MĂ€nnern eine Ehe ein und gebĂ€ren Kinder, verschwinden aber, wenn das Gekeimniß ihres Namens oder ihrer Herkunft verletzt wird. Dann kehren sie jedoch noch immer

an gewissen Tagen zurĂŒck, um ihre Kinder zu waschen, zu kĂ€mmen und zu kleiden.1

Mau erinnere sich, daß wir auch diesem Zuge bereits bei der Bidschower Sage von der Nymphe eines Weidenbaumes begegnet sind (ob. S. 69); er wird sonst auch von Nachtmahren 2 und von den Seelen verstorbener MĂŒtter erzĂ€hlt, welche noch ĂŒber das Grab hinaus ihre Liebe bewĂ€hren.3 Seelen Abgeschiedener und Pflanzengeister sahen wir ja schon mehrfach in einander ĂŒbergehen (S. 40.44). Auch noch ein weiterer Zug, daß die Saligen zuweilen vom Berge niedersteigend in den Spinnstuben sich sehen lassen, und wundersam spinnen, sowie Spinnen und Weben lehren,4 wird anderswo unmittelbar von Baumgeistern berichtet.5 Noch eine weitere Aussage gemahnt unmittelbar an die (ob. S. 36) entwickelten Baumsagen, nach welchen vermöge der Sympathie zwischen Pflanze und Mensch jeder Hieb, der die Baumnymphe trifft, ebenso tief als ins Holz in Fleisch und Bein des Frevlers eindringen soll. Wenn das Heu gemĂ€ht wurde, gesellten sich die FrĂ€ulein gerne den Menschen zu und halfen bei der Arbeit. Wenn der MĂ€hder das Rodnerinnenlocken ĂŒbte, d. h. dreimal mit dem Wetzstein ĂŒber die Sense strich, so kam bei diesem schrillen, weithin hallenden Tone jedesmal ein SalgfrĂ€ulein in die Wiese herunter und zerstreute

die Mahden. Ein Bauer, dem dies auch geschah, verguckte sich in das unbekannte MĂ€dchen. Als im Herbste die Heuernte zu Ende ging und die Selige das letzte Fuder faßte, machte der ungeschickte Liebhaber ein Schlof in das Bindseil und band das MĂ€dchen am Fuße fest. Das FrĂ€ulein, in dem Bestreben sich loszumachen, brach das zarte Bein und verschwand weinend. Anderen Tages brach das BĂ€uerlein auch ein Bein und blieb lebenslĂ€nglich lahm .Sein Geschlecht muß es noch bis heute bĂŒĂŸen, denn allemal je ein Glied der Familie muß lahm gehen.1 Endlich teilt die Ueberlieferung von den SalgfrĂ€ulein mit derjenigen von den Busch- und Holzweibchen auch noch den Characterzug, daß sie von dem wilden JĂ€ger gejagt werden, der hier aber der wilde Mann heißt und ganz wie die uns schon bekannten wilden MĂ€nner in Hessen und in GraubĂŒnden (die FankenmĂ€nner) beschrieben wird. Er ist ein gewaltiger Mann, von weitem gleicht er einer Fichte, die ganz mit Moos (Baumbart) ĂŒberkleidet ist. Wenn er auf dem Wege eines Stockes benötigt, so reißt er grade einen Baumstamm aus und der Wurzelstock dient als Staggel unten dran. Bei schönem Wetter trĂ€gt er einen Mantel, um bei schlechtem — wie er sagt — tun zu können, was er wolle. 2 Wer ihm, wenn er wie die Windsbraut daherstĂŒrmt, zuruft: „Halt und fach (fange)! mir die Halba und dir die Halba!“ oder „Jag toll! und bring mer moarga o a Viartl davon!“ oder „Wilder Mann hual, nimm dein Tual!“, dem braust bald der Wind mit fĂŒrchterlichem Toben um seine HĂŒtte, er vernimmt ein herzzerreißendes Wehgeheul in den LĂŒften und die erbetene HĂ€lfte eines seligen FrĂ€uleins hĂ€ngt

ihm am TĂŒrpfosten. Nur wenn sie sich auf einen im Fallen des Stammes schnell durch 12 AxtschlĂ€ge mit drei Kreuzen bezeichueten Baumstrunk setzen können, finden die Seligen vor dem wilden Manne Schutz, alles dieses den thĂŒringischen und frĂ€nkischen Waldweibchen entsprechend. Im Vintschgau giebt es noch manchen Holzknecht, der nicht versĂ€umt, derartige Kreuze einzuhacken.1 Beziehen sich diese Mythen deutlich auf Baumgenien, so weisen andere auf einen Zusammenhang mit der niederen Pflanzenwelt der HochalpentĂ€ler hin. Unter den Saligen begegnen jene von Fanggen und FĂ€nken uns bekannten Namen Stutzamutza u. s. w., in der Hinterdux jedoch nennt man die im Innern des Duxer Ferners hausenden FrĂ€ulein „Talgilgen,“ d. h. Maiblumen (Lilien des Tales). Sollte das nur ihre frĂŒhlingsfrische Schönheit ausdrĂŒckeu? Im Kanton Glarus heißt so ein BergfrĂ€ulein hei Schwanden WĂ­dewĂ­bli (Weidenweiblein), ein anderes bei Engi PulsterewĂ­bli (Huflattichweiblein).2 Im Kanton St. Gallen ruft man den Kindern, um sie vom PflĂŒcken der unreifen HaselnĂŒsse abzuhalten, zu:

„’s HaselliussfrĂ€uli chumt.“

Das Letztere ist wol eine Personification engerer Art, als die vorhergehenden. Und wenn in Montavon eine Art Baldrian (Valeriana celtica) WildfrĂ€ulekrut heißt,3 so hĂ€ngt das deutlich damit zusammen, daß die wilden Frauen auch als heilkundig gedacht wurden, wie die Harzer Moosweiblein und oberpfĂ€lzischen HolzfrĂ€ulein (S. 81. 97). Schon ein altes Zeugniß dafĂŒr besitzen wir im Gudrunepos (Str. 529); Wate hat von einem „wilden wĂ­be“ die Heilkunst gelernt und heilt mit guten Wurzeln die Wunden auf dem Schlachtfelde.4 Auch im Ecken liet grĂ€bt das von Fasolt gejagte „wilde vrouwelĂ­n“ eine Wurzel,

zerreibt sie in der Hand und bestreicht damit den wunden Dietrich von Beru und sein Roß, davon das Weh verschwand und alle MĂŒdigkeit wich.1 Nach deu ĂŒber die mitteldeutschen HolzfrĂ€ulein gepflogenen Erörterungen darf jedoch das Folgende wol wieder auf eine unmittelbare Beziehung der Saligen zur Vegetation gedeutet werden. Wenn Alpenburg recht berichtet ist, so ĂŒberwandeln die Seligen zur Zeit der Flachs blute unter AnfĂŒhrung ihrer Königin Hulda die Flachsfelder, richten geknickte Stengel auf und segnen Kraut und BlĂŒten.2 Der Flachsbau, Spinnen und Weben ist der Gegenstand ihrer besonderen FĂŒrsorge.3 VorzĂŒglich aber wenn der Flachs gejĂ€tet, das Gras der Wiese gemĂ€ht, das Korn des Feldes geschnitten wird, stellen die Seligen oder wilden Frauen sich ein, helfen heuen oder Aehren schneiden, oder eilen vom wilden Mann gejagt vorĂŒber.4 Den MĂ€hdern auf den Bergwiesen stehlen sie gerne die KĂŒchlein und Krapfen vom Kohlenfeuer und wenn das Heu im Winter mit Schlitten von den Alpen geholt wird, hockt ihrer wol ein ganzes Dutzend hintenauf und fĂ€hrt mit,5 auch ruhen sie gern in Heuschupfen.6 In Martell werden den Arbeitern auf den Bergwiesen immer die sogenannten „MahdkĂŒchel“ mitgegeben, angeblich fĂŒr einen zufĂ€lligen Besuch der weißen FrĂ€ulein. Auch erscheint jeder Arbeiter beim Mahle in Feiertagskleidern, was wie das spĂ€te Mittagsessen sonst nicht gebrĂ€uchlich ist. Alles dies geschieht, wie die Leute sagen, „der FrĂ€ulein wegen.“7 Sowol die Mitarbeit bei der Ernte, als das Brod- oder Kuchenstehlen sind uns bereits wolbekannte ZĂŒge (ob. S. 75). Sollte das Schlafen im Heuschober

und das; unsichtbare Mitfahren mit dem von der Alpe heimgefĂŒhrten Heu eine Erinnerung daran enthalten, daß die FrĂ€ulein als VegetationsdĂ€monen af das Gras mehr oder minder gebunden seien, oder liegt diesen ErzĂ€hlungen ein rein menschliches Motiv zu Grunde? Zur VervollstĂ€ndigung der WildfrĂ€uleinmythen sei noch dieses angefĂŒhrt, daß sie (resp. die Seligen) Wöchnerinnen, die nicht aufgesegnet sind, mit sich nehmen;1 daß sie Kinder rauben, die spĂ€ter (grĂŒngekleidet) in ihrer Gesellschaft gesehen werden.2 Diese Eigenschaft teilen sie mit der mehr riesenhaften wilden Frau, der Fangg. Eine solche, die des wilden Mannes GefĂ€hrtin ist, heißt in Passeier LangtĂŒttin, von ihren langen BrĂŒsten, die sie den Kindern, ihnen nachlaufend, darbietet. Aus der einen fließt Milch, Eiter aus der anderen (vgl. ob. S. 88).3

§ 8. Wildleute: die rauhe Else der Wolfdietrichssage.

Wir bemerkten (ob. S. 100), daß die wilden Frauen in baierischer Ueberlieferung noch eine rohere und ursprĂŒnglichere Gestalt bewahrten, als die Tiroler SalgfrĂ€ulein. Ein in Baiern um 1221 verfaßtes StĂŒck in spielmĂ€nnischer Poesie, das zweite Lied im Wolfdietrich B. gewĂ€hrt in der Episode von der rauhen Else die Verflechtung einer Wildfrauensage in einer dem Zeitgeschmack huldigenden Umdichtung, jedoch mit Bewahrung mancher noch sehr altertĂŒmlicher ZĂŒge, in das Epos. Wolfdietrich wacht auf einem grĂŒnen Anger im Walde beim Feuer, indeß seine GefĂ€hrten schlafen. Da kriecht auf allen Vieren, wie ein BĂ€r, ein ungeschlachtes behaartes Waldweib, die rauhe Else herbei und fordert ihn auf, sie zu minnen. Da er sie entrĂŒstet zurĂŒckweist, verzaubert sie ihn, so daß er in derselben Nacht zwölf Meilen lĂ€uft, bis er unter einem schönen Baume die rauhe Else abermals trifft. Sie wiederholt die Frage: „Wilt du mich minnen?“ er die Weigerung. Da wirft sie zornig einen stĂ€rkeren Zauber auf den Mann, so daß er schlaftrunken auf den grĂŒnen Rasen niedersinkt und sie ihm zwei Haarlocken vom Kopfe und die Nagelspitzen von den Fingern schneiden kann. Jetzt ist er ihr verfallen. Sie macht ihn zu einem Toren, so daß er ein

halbes Jahr ohne Besinnung im Walde „wild laufen“ muß und KrĂ€uter von der Erde als Speise aufrafft. Endlich gebietet Gott dem Weibe durch einen Engel die Verzauberung rĂŒckgĂ€ngig zu machen, widrigenfalls ihr der Donner in dreien Tagen das Leben nehmen werde (oder dir nimt der doure in drĂ­n tagen dĂ­nen lip). Alsbald stellt sie sich Wolfdietrichen wiederum dar und jetzt willigt er ein, sobald sie getauft sein werde. Sie fĂŒhrt ihn zu Schiffe ĂŒber Meer in ein Land, drin sie als Königin schaltet (Troja), lĂ€ĂŸt sich da in einem Jungbrunnen taufen, legt in demselben ihre rauhe Haut ab und steigt mit dem neuen Namen Sigeminne aus demselben als die schönste aller Weiber hervor.1 Nach dem Dichter zog sie schon drei Jahre dem Helden nach, den sie zum Manne wollte, ihr neuer imperativisch gebildeter Name soll daher den Triumph der Liebe ansdrĂŒcken und ist nicht mit J. Grimm Myth.2. 405 mit waltminne (lamia) merminne (sirena) zusammenzustellen.

Unverkennbar sind die Spuren mehrerer Wandlungen, welche die ErzĂ€hlung durchgemacht hat, ehe sie in die HĂ€nde des letzten Bearbeiters geriet. KönigswĂŒrde, Königssitz in Troja, Bewerkstelligung des Zaubers durch ein Ă€ußeres Mittel (Ueberwerfen), Namengebung sowie eine spĂ€tere EntfĂŒhrung der Sigeminne durch einen Zwergkönig2 mögen Erfindungen des Dichters von Wolfdietrich B. sein, einer frĂŒheren Bearbeitung gehört das Bad im Jungbrunnen an, doch auch dies ist kein ursprĂŒnglicher Bestandteil der Sage, welche unzweifelhaft nur dies wußte, daß die anfangs in rauher, behaarter Gestalt auftretende Jungfrau dem Helden endlich in liebreizender Schönheit nahte, falls nicht dies den ursprĂŒnglichen Schluß der ErzĂ€hlung bildete, daß Gott dem Waldweibe, in dessen Gewalt der Held geraten war, befahl denselben loszulassen. In der Drohung mit dem Donner bricht, wie J. Grimm (Namen des Donners 322 Kl. Schr. II, 425) mit Recht bemerkte, ein alter Sagenzug durch; der erste Urheber der Episode wußte noch, daß die Waldfrauen, deren eine seine Verse verherrlichten, dem Volksglauben nach gewöhnlich von dem Gewitter verfolgt

werden (vgl. den estnischen Baumelf ob. S. 68) wie die Seligen vom Stumriesen. Weicht schon dieser Zug von den bisher aufgefĂŒhrten deutschen Sagenformen ab, so noch mehr, daß das Waldweib den Ritter irre laufen lĂ€ĂŸt (vgl. ob. S. 61 die Sage vom Apfelbaum bei Falsterbro) und daß dasselbe von seiner Seite die geschlechtliche Verbindung mit Menschen sucht. Die Vergleichung der schwedischen Skogsnufvar wird uns jedoch Zug fĂŒr Zug gewiß machen, daß wir es in diesen aus der dichterischen Verarbeitung herausgeschĂ€lten Volksanschauungen mit eurer uralten in Deutschland seit Jahrhunderten verschollenen Form der Ueberlieferung zu tun haben.

§ 9. Wilde Leute: Norggen.

Wie in GraubĂŒnden und Vorarlberg die riesigen FĂ€nkennĂ€nner in die zwerghaften Fenggen ĂŒbergehen, kennt der Tiroler Volksglaube neben dem ungeheuren wilden Mann, der die Seligen verfolgt, ein harmloses „WildmĂ€nnl.“ Diese „wilden MĂ€nnlein“ fĂŒhren hĂ€ufig den wĂ€lschen Namen der Norgen1 (Nörglein, Orgen, Orken, oder Lorgen d. i. ital il orco, franz. ogre, Ferm. it. orca fr. ogresse aus lat. Orcus, in orco, ein Name, der nach der Predigt des h. Eligius (Myth.1 XXX) schon im 7. Jahrhundert unter den Romanen des Frankenlandes ein Wesen des Volksglaubens bezeichnete und dem Begriffe nach, dem deutschen ,.UnnerĂ©rdschen“ Zwerg u. s. w. entsprechen wird. Es ist aber fast nur der Name von den WĂ€lschen entlehnt, denn der Orco der Ladiner, ein tĂŒckischer Berggeist, der den Menschen schlimm mitspielt, und sich in alle Gestalten wandeln kann, wird in vielen und wesentlichen StĂŒcken verschieden von dem Ork und Nörkele der Deutschtiroler geschildert.2 Letzterer ist halb Zwerg, halb Kobold und zeigt sich als solcher gern von der neckischen Seite. Die Norgen sollen vom Himmel gestĂŒrzte Engel sein, welche im Fall an Bergen und BĂ€umen hangen blieben und noch jetzt in hohlen BĂ€umen und andern Löchern und Berghöhlen wohnen. 3 Sie hĂŒten dem Bauer

auf der Alp oder im Stalle das Vieh, spielen den MĂ€gden manchen Possen, gehen davon, sobald man sie mit nettem GewĂ€nde beschenkt, stehlen Kinder, hocken dem Wanderer auf und machen sich so furchtbar schwer, daß mancher der Last erlag, oder Krankheit davon trug. Ihre Töchter, die beim Bauer dienen, werden auf die schon bekannte Art durch Ansage, daß der Vater todt sei, heimberufen (vgl. ob. S. 90).1 Sie tragen sich gern in GrĂŒn, in Bergmoos2, grĂŒne Jacke und grĂŒne Hosen3 oder grĂŒne StrĂŒmpfe gekleidet.4 Sie sind also, abgesehen davon, daß bei ihnen, etwa von ihrem ladinischen Namensvater dem Orco her, die schalkhafte Seite des Koboldcharacters mehr herausgebildet ist, den Fenggen GraubĂŒndens ganz gleich. Oft erwĂ€hnt von diesen wilden Manneln oder Nörgeln ist der folgende Zug, der ĂŒbrigens auch von den Seligen berichtet wird.5 Bei herannahendem Regenwetter lĂ€ĂŸt sich das Nörgl jauchzend auf einer Anhöhe sehen und dient als Wetterprophet. Im FrĂŒhling oder SpĂ€therbst, zur Zeit der Aussaat erscheint dem Bauer das befreundete wilde MĂ€nnlein und bezeichnet ihm die Zeit, wann er das Feld bebauen solle. Entweder giebt es durch sein persönliches Erscheinen dieses Zeichen oder indem es einen Pflug, oder eine Egge auf den Acker stellt.6 Aelter wol und ursprĂŒnglicher ist die erstere Angabe.

In Navis erschien immer zur Zeit der Aussaat ein wildes MĂ€nnlein und die Bauern konnten darauf rechnen, daß sie, sobald es sich zeigte, aussĂ€en und eine gute Ernte hoffen durften. Auf den Voldererberg kam alle FrĂŒhjahr ein Mannl. Niemand wußte wie es hieß oder woher es kam; und doch stand es mit den Bauern auf bestem Fuß, gab ihnen manchen Rat und bestimmte genau die Tage, an denen sie diese oder jene Arbeit bestellen sollten. So lange der Bauer dem Winke des wilden MĂ€nnleins

(Norgleins) folgt, erfreut er sich jedesmal einer reichen Ernte. Als er einstmals aber, da der Norg oder sein Zeichen lange ausbleibt, auf eigene Hand aussĂ€t, oder einlhimst, kommt hinterher noch ein Unwetter, das die ganze Ernte vernichtet. Der wilde Mann verschwindet fĂŒr immer mit den Worten: „HĂ€ttet ihr mich viel gefragt, hĂ€tte ich euch viel gesagt.“1

§ 10. Wilde Leute: Bilmon, Salvadegh, Salvanel in WÀlsch-Tirol.

In WĂ€lschtirol zumal um Folgareit sprechen die Deutschen vom wilden mon, Bilmon oder Bedelmon (wilden Mann), der in Höhlen wohnt als wilder JĂ€ger zur Zeit des HeumĂ€hens jagt und, wenn man von ihm einen Jagdanteil verlangt, einen halben Menschenleib an die HaustĂŒre wirft.2 Er lehrt HolzschlĂ€ger die Kunst KĂ€se zu machen, als man ihn einst, berauscht und so gefangen hat.3 WĂ€re er nicht zu frĂŒhe entkommen, so hĂ€tte er noch manche schöne Dinge gelehrt, besonders aus Milch Wachs zu machen. Das von ihm gejagte Weib heiratet einen Menschen, der sie rettet, verlĂ€ĂŸt denselben, weil er ihr mit der linken statt der rechten Hand den Schweiß getrocknet hat, kehrt aber zurĂŒck, um ihre Kinder zu waschen und zu kĂ€mmen (vgl. o. S. 104-),5 oder sie eilt davon, weil ihr Mann mit seinem Wagen durch den Wald fahrend plötzlich eine Stimme hört: „Sag der Mao, daß Mamao gestorben ist“.5 Die Frauen der wilden MĂ€nner, die wilden Weiber, heißen in Folgareit und Trambileno zuweilen Franberte, sie fĂŒhren den Wanderer gerne in den WĂ€ldern irre, indem sie plötzlich StĂŒcke Leinwand durch den Wald spinnen und ihm den Weg sperren (Nebel). Dieser wilde Mann wird von den Ladinern in den nĂ€mlichen TĂ€lern von Folgareit nnd Trambileno l’om salvadegh (= franz. lÂŽomme sauvage aus salvage, lat. homo silvaticus) genannt. Die entsprechende weibliche Form lĂ€ĂŸt

sich bereits im 10. Jahrhundert aus des Burchard von Worms Decretensammlung p. 198 (Myth.1 XXXVIII.) erweisen:

Deutlich ist „agrestis femina“ Uebersetzung des deutschen Ausdrucks „wilde Frau“. (Vgl. weiter unten die Sagen von der schwedischen Skogsnufva und o. S. 108 die rauhe Else.) In Valsugana um Borgo heißt der Salvadegh Salvanel. Man erzĂ€hlt hier von ihm ebenfalls, daß er mitten in WĂ€ldern Höhlen bewohnt, den Hirten die Milch stiehlt und, als man ihn einst durch 2 mit Wein gefĂŒllte MilchgefĂ€ĂŸe fĂ€ngt und bindet, die Bereitung von Butter, KĂ€se und Lab leimt. Er raubt kleine Kinder, besonders MĂ€dchen. Wenn ein Baum absteht und auf einer Seite des Stammes an einer schon von der FĂ€ulniß ergriffenen Stelle ein wĂ€sseriger Saft abfließt, so sagen im wĂ€lschen Etschlande die Bauern, er habe den Salvanel.1 Salvanel entsprĂ€che latein. Silvanellus, d. h. doppeltem Diminutiv von Silvanus. In Fassa Enneberg und der Gegend des Kreuzkofels fĂŒhren die wilden MĂ€nner den Namen Salvangs (Sing. Salvang Plur. Salvegn) = lat. Silvani, Silvanii. Sie waren stark, haarig und hatten lange NĂ€gel an den behaarten Fingern. Man fĂŒrchtete sich vor ihnen, weil sie gerne Kinder abtauschten. Deshalb trifft man noch jetzt an alten HĂ€usern der dortigen Gegend nur kleine runde Fenster, die sich bequem mit einem Schubladen schließen lassen.2 Die wilden Weiber der Salvegn heißen in Fassa Bregostane, in Enneberg Gannes2 3 (ĂŒber Fangga s. o. S. 99).

Noch wilder, den Fanggen Deutschtirols Àhnlich, denkt sich das Volk um Mantua die gentc salvatica, Geister halb Mensch, halb Tier mit einem SchwÀnze hinten, welche Menschen mit sich in den Wald tragen und auffressen. Ein ins Saatfeld gesteckter Popanz aus alten Lumpen, von dem man den Kinder sagt, er

werde sie forttragen, wird ebendaselbst als Salbanello bezeichnet.1 Niemand wird sich hier dem ZugestĂ€ndniß entziehen können, daß in allmĂ€hlichen UebergĂ€ngen ein grader Weg von den Baumgenien und mitteldeutschen Waldleuten uns bis an den römischen Silvanus und Fannus herangefĂŒhrt hat. Wir werden davon Act nehmen dĂŒrfen, um uns dieses ZugestĂ€ndnisses an einem andern Ort zu erinnern, wenn wir vou ganz anderer Seite den nĂ€mlichen Endpunkt erreicht haben werden.

§ 11. Wilde Leute: Pilosus, Schrat, SchrÀtlein.

FĂŒrs erste liegt uns jedoch die Pflicht ob, die Bedeutung noch eines andern sehr scheinbaren Zeugnisses fĂŒr die Uebereinstimmung anderer Waldgeister mit den Panen und Satyrn auf ihren wahren Wert hinabzustimmen. Wir sahen, daß die Moosleute und wilden MĂ€nner als am ganzen Leibe behaart geschildert werden. Bei romanischen, deutschen und slawischen Schrifstellern des M. A., namentlich Glossatoren ist die Rede von geisterhaften Wesen „Pilosi, qui graece panitae, latine incubi appellantur“, von denen dann verschiedene den Hausgeistern, Kobolden und Zwergen zukommende Geschichten erzĂ€hlt werden.2 Daraus darf aber keinesweges etwa ein Zeugniß entnommen werden, daß die ErzĂ€hler dieser Sagen die betreffenden Hausgeister u. s. w., denen sie den Namen Pilosi, satyri u. s. w. beilegen, als den Faunen oder Panen in Gestalt oder Verrichtungen genauer entsprechend bezeichnen wollen. Vielmehr drĂŒckt dieser Name fĂŒr sie nur den allgemeinen Begriff aus, im Anschluß an Jesaias 13, 21 in der VulgataĂŒbersetzung. Letztere Stelle liegt allen den erwĂ€hnten Glossen zu Grunde oder schwebt den meist kirchlichen Schriftstellern vor. Deutlich aber lĂ€ĂŸt sich an einem einheimischen Namen, der zuweilen zur Verdeutschung von pilosus gebraucht wird, der schon oft beobachtete Uebergang vom Waldgeist in den HĂŒter und SchĂŒtzer des Hauses aufs neue beobachten. Althochd. Glossen Myth.2 447 gewĂ€lmten scratun, pilosi; waltschrate satyrus3 auch mhd. begegnet „ein wilder walt-

schrat.“ Nach Kornmann mons Veneris 1644 p. 161 wurde der rötliche Saft, den die Schmetterlinge an die BĂ€ume ansetzen, fĂŒr das Blut der vom Teufel verfolgten und verwundeten Schretlein gehalten. Man glaubte, daß sie jene Blutspuren zurĂŒcklassen, wenn sie, um vor dem Bösen sich zu retten, in das Innere der BĂ€ume hineinschlĂŒpfen. Die Schrate oder Schretel, Schretlein u. s. w. stellten sich also unsern vom wilden JĂ€ger gejagten Moosleuten und den estnischen vom Donner verfolgten Baumelfen (s. o. S. 68) nahe zur Seite. Zu bemerken ist aber, daß in Niederbaiern Schratl den Wirbelwind bezeichnet.1

Schon von alter Zeit her wird den Schraten gleichzeitig auch die Rolle von Hausgeistern und Kobolden zuerteilt Vgl. schretlin penates. Vocab. v. 1482 srate lares mali. Sumerl. 10, 66. Jedes Haus hat ein Schrezlein; wer es hegt, dem giebt es Gut und Ehre u. s. w. Michel Beham 8, 9; screti penates intimi et secretales. Wacehrad mater verbor. Namentlich ist der Skrat bei den Inselschweden und ebenso durch Entlehnung von diesen in der Form Krat bei den Esten ein Hausgeist oder Kobold, der auch mit dem fliegenden Drachen identifiziert wird, welcher seinem Besitzer Getreide und andere Dinge durch die Luft zutrĂ€gt.2 Ob in Ekkehards Waltharius die fĂŒr den in langer Waldwanderung an Aussehen verwilderten Helden gebrauchte Vergleichung „saltibus assuetus Faunus“, „Silvanus Faunus“ jenes deutsche Waltschrate ĂŒbersetzt, wie Grimm meint, mag dahin gestellt bleiben. Der Schrat wird gewöhnlich zwerghaft, in KindesgrĂ¶ĂŸe gedacht; aber das Beispiel des Tiroler wilden Mannes lehrt, daß daneben sehr wol eine riesige Gestaltung desselben Wesens herlaufen konnte. Wir sahen die gente salvatica vorhin in Tiergestalt ĂŒbergehen; schon frĂŒher begegnete uns ein dem SalgfrĂ€ulein entsprechendes weibliches Wesen, eine Diale mit ZiegenfĂŒĂŸen (o. S. 95).

§ 12. Wildleute: Delle Vivane, Enguane.

Im Grödener Tale heißen die Seligen Belle Vivane, in Fassa Delle Vivane. Eine solche hockte jedesmal einem Bauer auf den Wagen, wenn er Holz von der Alpe nach Hause fĂŒhrte, und fuhr bis zu einer

1) Panzer, Beitr. II, 209.
2) Rußwurm, Eibofolke § 373 ff.

gewissen BrĂŒcke mit. Dem Rate einer klugen Alten folgend wußte der Bauer sie zu fangen und zu bestimmen, sein Weib zu werden. Sie willigte ein, wenn er sie nie Geiß nennen wolle. Als er dies nach Jahren in der Leidenschaft eines Wortwechsels dennoch tat, tanzte plötzlich alles im Zimmer, es entstand in dessen Mitte ein Staubwirbel und darin verschwand sie.1 Im Nonsberg und Valsugana in WĂ€lsch-Tirol heißen die Seligen Angane (Enguane, Eguane); von ihnen werden die bekannten Wildfrauensagen erzĂ€hlt, ihr Verfolger aber ist ein wilder JĂ€ger Namens Beatrik, der zu Roß und mit vielen kleinen HĂŒndchen, besonders zu Weihnachten daherstĂŒrmt. Wir nennen ihn hier besonders, um zu erwĂ€hnen, daß er einst einem Hirten befiehlt einen Bock von der Spitze eines HĂŒgels zu holen, zu schlachten, zu kochen und dann mit zu essen. Nach dem Essen warf der Beatrik die abgezogene Haut des Bockes auf die wol aufgehobenen Beine, da war der Bock lebendig und ging zur TĂŒre hinaus, aber er hinkte ein wenig, weil der Hirte ein Beinchen vom Fuße verschluckt hatte.2 Es ist dieselbe Mythe, welche in der jungem Edda vom Gewittergotte Thorr, in Oberdeutschland von der Wiederbelebung eines Hasen, einer Gemse, einer Kuh durch das wilde Heer (Nachtvolk), Zwerge, wilde Frauen oder Hexen, in den Niederlanden und England von Erneuerung eines Ochsen, Kalbes oder Schweines durch die wilde JĂ€gerin Herodias oder durch Heilige berichtet wird.3

§ 13. Wilde Leute der keltischen Sage.

Haben wir einmal im Verfolg der verschiedenen Gestalten der Waldgeister die germanische Grenze nach der romanischen Seite hin ĂŒberschritten, so sei gleich des wilden Mannes und des wilden Weibes in der Artussage gedacht, zweier Figuren, welche wahrscheinlich aus der keltischen Ueherlieferung der Bretagne ihren Ursprung ableiten. Es sind Riesen von grausiger Gestalt, ellenbreit ein Haupt, ebergleichen StoßzĂ€hnen, roten Augen und ĂŒber die Ohren hinabhangendem rußfarbenem Haare. Das Weib ist nicht minder schrecklich, als der Mann. Es zeichnen sie kaum die LĂ€nge ihres Haares und ihre weit herabhangenden BrĂŒste aus [ir brĂŒste nider hiengen, di siten si beviengen gelĂ­ch zwein grĂłzen taschen dĂĄ]. Der Mann trĂ€gt einen mĂ€chtigen Eisenkolben als Waffe. Sein GeschĂ€ft ist, in dem mĂ€rchenhaften Walde von Breziliande als Hirte die wilden Tiere des Waldes, Wisende und Auerochsen zu weiden, die ihm bebend als ihrem Meister gehorchen.1

§ 14. Dames vertes.

Dem ersten Anscheine nach völlig von diesen keltischen Wildleuten verschieden weisen die weißen oder grĂŒnen Frauen der Franche-ComtĂ© (Dames bauches, Dames vertes) doch auch Verwandtschaft mit dem wilden Weihe in Deutschland auf. GrĂŒne Frauen haben u. a. in einem Walde hei Relaus DĂ©p. du Jura ihren Aufenthalt An einer gewissen Eiche (chĂ©ne des bras) zĂŒnden sie Feuer an, da hört man sie singen und schreien. Auf engem Waldpfade begegnen sie den Menschen und locken sie mit unwiderstehlichen Reizen in das tiefste und entlegenste Dickicht; da schwindet der Zauber; die holdseligen Liebhaberinnen wandeln sich in erbarmungslose

Furien, welche ihr Opfer eben so eifrig verfolgen, als sie es zuvor augezogen hatten. Die großen und schönen grĂŒnen Frauen in den WĂ€ldern beim Dorfe Veyria sind so mutwillig, die VorĂŒbergehenden beim Arme zu fassen und sie zu einem Hange ĂŒber die Ortsgrenzen hinaus zu verleiten. Da verirren sie sich mit ihnen vom rechten Wege und dieselben kommen zum Verdruß der eifersĂŒchtigen MĂ€gdlein von Veyria erst spĂ€t wieder. Im Tale von Salins im Walde von Andelot bei Pont d’Hery befindet sich eine Grotte „ chambre de la dame verte“ genannt. Auf dem großen Wege unfern davon lĂ€ĂŸt sich die grĂŒne Dame oft genug sehen. Einst traf sie ein fĂŒnfzigjĂ€hriger Mann aus Andelot, Cousin, der den Spitznamen Badaud (Einfaltspinsel) fĂŒhrte, wie sie grade ihr Strumpfband befestigte. Er bot ihr seine Dienste an; sie tat, als nehme sie sein Anerbieten an und schlug ihm einen kleinen Spaziergang in den Schonungen und WĂ€ldern vor. Da er hoffnungsvoll und eifrig darauf einging, nahm sie seinen Am, drĂŒckte ihn fest an sich und schleppte ihn dann atemlos durch Dorn und Hecken, BrĂŒcker und SĂŒmpfe, wobei sie sich anstellte, als merke sie nichts. Als der UnglĂŒckliche endlich um Gnade bat, war sie so gefĂ€llig ihn ĂŒber beackertes Land, oder spitze Felsen laufen zu lassen. Er hatte ein BĂŒndel auf dem Markte gekauften Flachses bei sich. „Laß uns deinen Flachs spinnen,sagte sie, „Badaud, laß uns deinen Flachs spinnen!“ Und allenthalben wurde hier etwas Flachs von den Dornen gekĂ€mmt, blieb dort etwas an den BaumĂ€sten hĂ€ngen. „Laß uns deinen Flachs spinnen!“ wiederholte sie und von seinem BĂŒndel blieb auch kein Faden ĂŒbrig.

In der Umgegend von Salins erscheint die grĂŒne Frau oft den Einwohnern von Aresches und ThĂ©sy, auch sieht man sie am Quell von Alon. Einem jungen Vorwitzigen Petit Poulot, der sie um den schlanken Leib faßte, um mit ihr zu schachern, gab sie eine derbe Lection, die ihn fĂŒr lĂ€ngere Zeit zum Gespötte seiner Bekannten machte. Die ĂŒber die Combe-ĂĄ-la Dame unweit ClĂ©mont vom Jahrmarkt von St. Hippolyte zurĂŒckkehrenden Bursche finden sich plötzlich im wilden Waldesdickicht umringt von einer Schaar junger neckischer und niedlicher Damen (aussiespiĂ©gles que jolies); an ihrer Spitze, die andern um eines Hauptes LĂ€nge ĂŒberragend die grĂŒne Frau. Sie trieben mit den Burschen ihr Spiel, allerlei Koboldstreiche, fĂŒhrten sie vom Wege ab uud brachen endlich in helles GelĂ€chter aus, welches als vielfaches Echo spöttisch wiederhallte. Zwischen NeufchĂĄtel und RĂ©mondan heißt ein Berg ,,la rĂłche de la Dame Verte“.

Da verbirgt sich die grĂŒne Frau, wenn es regnet, in engem Versteck hinter Buchen und einem dichten Vorhang biegsamer Schlingpflanzen. Auch auf einer Wiese an den Ufern der Braine zwischen SeilliĂ©res und Vers wird eine grĂŒne Dame sichtbar, die sich auf Kosten der jungen Leute in diesen Orten lustig zu machen liebt. In den sieben Quellen inmitten eines sehr einsamen Tales bei Greye sieht man die grĂŒnen Frauen fröhlich ihre WĂ€sche waschen. Am liebsten lĂ€ĂŸt sich die grĂŒne Dame in GebĂŒschen am Rande der Wiesen, am Abhange gegen einen Weiher und am Ufer der Quellen sehen und gerne stĂ¶ĂŸt sie den Gast, den sie an sich gelockt hat, ins Wasser. Dr. Gaspard aus Gigny (DĂ©p. du Jura) weiß noch sehr wol aus seiner Jugend des folgenden Umstandes sich zu erinnern. Wenn man in der weiten Prairie das Gras mĂ€hte, so behaupteten die Arbeiterinnen, welche das Heu streuten und umwendeten, fast regelmĂ€ĂŸig die „Dame verte“ ganz in ihrer NĂ€he haben vorĂŒbergehen zu sehen. Dies geschah zumal auf der sogenannten Rosenwiese und in der NĂ€he der „Grotten“, wo sie und ihre GefĂ€hrtinnen sich vereinigen sollen. Schwankten die KrĂ€uter und Halme (epis) im Winde, so sagte man, die grĂŒne Dame und ihre GefĂ€hrtinnen seien da, die mit ihren leichten FĂŒĂŸen darĂŒber hinwandelnd Blumen und Aehren niederbögen. Und bei aller TĂŒcke in ihrem Wesen leisten doch auch sie dem nahen Dorfe gewissermaßen den Beistand eines guten Hausgeistes. Zu Maisires im Tale von Loue (DĂ©p. du Doubs) erschien die grĂŒne Frau am Vorabende eines das Dörfchen verheerenden Brandes durch die Kornfelder und BaumgĂ€rten wandelnd; doch niemand beachtete ihre stumme Mahnung.1 Vgl. o. S. 108 die rauhe Else, die feminae agrestes silvaticae o. S. 113, und weiter unten die schwedischen Skogsnufvar. Hinsichtlich der WĂ€sche vgl. S. 101.112. Am bemerkenswertesten jedoch ist der Umstand,

daß dieselben Frauen, welche das Leben des Waldes erfĂŒllen, auch im Winde durch oder ĂŒber die Grashalme der Wiese, die Kornhalme des Ackerfeldes (und die Wipfel der ObstbĂ€ume) wandeln. Vgl. ob. S. 77 die HolzfrĂ€ulein. Die Promenade durch Dom und Hecken erinnert sehr an die Stumnatur anderer Waldgeister. Das Flachsspinnen gleicht dem Garnspinnen der Holzfrau o. S.

§ 15. Wildfrauen in Steiermark.

Von der Abschweifung ins romanische Ausland kehren wir auf deutschen Boden zurĂŒck. In Steiermark hetzt eine ganze Genossenschaft von wilden JĂ€gern (das wilde Gjaid) in einem halb pflĂŒg-, halb schiffartigen Schlitten fahrend und von den gleich Rossen vom Schmied beschlagenen Geistern böser DienstmĂ€gde 1 gezogen die Wildfrauen. Diese sind verwunschene Menschen, welche von der RĂŒckseite hohl, oder muldenartig gestaltet sein sollen. Sie wohnen in einem bewaldeten Kogel (Berggipfel) und waschen in kleinen Lachen ihre WĂ€sche rein und weiß, die man sie zum Trocknen aufhĂ€ngen sieht.2 Das VerstĂ€ndnis dieser seltsamen Beschreibung der Wildfrauen liefert vielleicht eine Schilderung der Frau Holle in hessischen Hexenacten; die an der Spitze des wilden Heeres daherfahrende „Frau Holt were von vorn her wie ein fein weibsmensch, aber hinden her wie ein hohler Baum von rohen Rinden“. 3 Sind die Wildfrauen Waldgenien, so liegt es doch wol am nĂ€chsten, daran zu denken, daß (wie bei der Melusine das menschengestaltete Oberteil ihr geistiges Wesen, der fischfömige Unterleib ihre Zugehörigkeit zum feuchten Elemente ausspricht) der hohle RĂŒcken, einem vom Alter morsch

gewordenen Baume entlehnt, ihr Naturelement andeuten sollte.1 Wollte man jedoch dieser Deutung Raum geben, so mĂŒĂŸte erst erwiesen sein, daß der hohle RĂŒcken ein ursprĂŒngliches Zubehör der Wildfrauengestalt und nicht etwa ein aus der Beschreibung anderer Geister hergenommenes Merkmal gewesen sei. An dieser Stelle kommt es nur erst darauf an, dem Leser ein Material ĂŒber Waldgenien vorzufĂŒhren, welches ihn spĂ€ter befĂ€higt ĂŒber die Natur derselben ein begrĂŒndetes Urteil herauszubilden.

§ 16. St. Walpurgis.

In den meisten dieser oberdeutschen Ueberlieferungen tritt die Beziehung der gejagten Frauen zur Korn- oder Heuernte, welche wir bei den HolzfrĂ€ulein und den Seligen beobachteten (ob. S. 77), ganz zurĂŒck. In einer niederösterreichischen Tradition aus der Gegend von Mank kommt dieselbe wieder zum Vorschein. Die neun Tage vor dem 1. Mai heißen WalpurgisnĂ€chte und auch andere Tage, besonders die Erntetage, sind der h. Walpurga gewidmet In diesen Zeiten wird die heilige Walpurga, ein weißes Weib mit feurigen Schuhen und goldener Krone, in der Hand einen Spiegel und eine Spindel tragend, von bösen Geistern auf weißen Rossen durch die tiefen Wiesen und WĂ€lder unaufhörlich verfolgt. Vor ihnen flĂŒchtet sie sich gerne in die geöffneten Fenster eines Bauerhauses und verbirgt sich hinter dem Fensterkreuz. Einem Bauer, der bei Nacht sein Getreide heimfĂŒhrte, begegnete die h. Walpurga auf ihrer Flucht und bat ihn um Schutz. Er band sie in eine Garbe ein, bis die wilden Verfolger vorĂŒbergetost waren. Beim Ansdreschen ergab diese Garbe Goldkörner.1

Rochholz ( Drei Gangöttinnen, Leipzig 1870) hat vergeblich versucht nachzuweisen, daß WĂ€lpurgis eine altgermanische Göttin war, aus deren Sagenkreis u. a. die vorstehende Ueberlieferung als Rest geblieben. Aus Tatsachen, die wir im Laufe unserer Darlegung mitzuteilen, auch fĂŒr die ErklĂ€rung der vorliegenden Sage nutzbar zu machen gedenken, wird vielmehr hervorgehen, daß der Name Walpurga nur von dem Kalendernamen der Zeit hergenommeu ist, in welche der Volksglaube die Jagd auf das geisterhafte mit dem HolzfrĂ€ulein, Seligen u. s. w. im ĂŒbrigen identische Weib verlegte.

§ 17. Weiße Weiber, Ellepiger, Meerfrauen.

Im norddeutschen Flachland und DĂ€nemark, soviel ich weiß auch in England, treten die Waldgenien als solche sehr zurĂŒck. Zwar fehlt es nicht an SeitenstĂŒcken zu vielen der von den Holzleuten und wilden Leuten erzĂ€hlten Sagen, aber in diesen werden an Stelle jener Wesen die sogenannten Unterirdischen, oder weißen Weiber oder Meerfrauen (Haffruer) handelnd oder leidend angefĂŒhrt, oder es ist ein einzelnes weißes Weib (Frau, Jungfrau, Wetterhexe, Haffru, Ellepige) der Gegenstand der Verfolgung von Seiten des wilden JĂ€gers (Wode, Frau Wauer, in DĂ€nemark Un, d. i. Zusammenziehung aus Oden, Grönjette, Kong Valdemar) und es wird wol hinzugesetzt, daß es seine Buhle1 sei, die er sieben Jahre lang verfolgt habe und wenn er sie heute nicht erreiche, so sei sie erlöst.2 Dabei kehren mehrere

uns bereits bekannte charakteristische ZĂŒge wieder. Die gejagten Wesen haben lange fliegende (einmal wird auch gesagt gelbe) Haare.1 Der Wilde hĂ€ngt, sie, wenn er sie erlegt, mit denselben zusammengeknĂŒpft quer ĂŒber sein Roß. Auch die BrĂŒste des verfolgten Weibes werden als lang und groß hervorgehoben, wovon sie auch Slatte Langpatte heißt.2

Als characteristische ZĂŒge, die vielleicht von Bedeutung sind, dĂŒrfen vielleicht noch die folgenden hervorgehoben werden. Die verfolgte Frau muß wie auch der wilde JĂ€ger einen Kreuzweg passieren, der ihre Fahrt unterbricht; im Laufe auf der Flucht wird sie kleiner und kleiner, bis sie zuletzt nur auf den Knien lĂ€uft.3

Was auch immer die Bedeutung der Sage von der Jagd des wilden JĂ€gers auf die einzelne Frau, oder eine Schaar elbischer Wesen sei [beide Formen der Tradition sind im Grunde nicht verschieden 4], jedenfalls ist die Verwandlung der Ver-

folgten in Meerfrauen ein durch die geographische Lage der dĂ€nischen Inseln veranlaßtes MißverstĂ€ndnis und ebenso scheinen unter den UnnerĂ©rdschen und weißen Weihern (witte wĂ­wer) hier DĂ€monen gedacht zu sein, welche vor andern Geistern gleichen Namens durch noch deutlich erkennbare Beziehungen zur Pflanzenwelt sich hervortun. Sie wohnen zwar meistens auf freiem Felde unter BĂŒschen oder in der Erde, oder in kleinen Erdkugeln (dem flachlĂ€ndischen GegenstĂŒck der Tyroler Berghöhlen) und wĂ€ren danach wol als Feldgeister zu bezeichnen, aber zuweilen hausen sie auch in Waldlichtungen, oder unter den Wurzeln alter BĂ€ume. Und wenn man, was doch wol sehr wahrscheinlich ist, die witte WĂ­wer in Mecklenburg von den witte WĂ­wer auf dem benachbarten RĂŒgen nicht trennen darf, so bietet die folgende Sage einen directen Belag dafĂŒr, daß sie teilweise mit den Baumseelen zusammenfallen. Bei Mönchgut stand eine Eiche. Als die witten WĂ­wer von dort vertrieben wurden, vertrocknete die Eiche und sie sagten, wenn die Eiche wieder ausschlĂŒge, wĂŒrden auch sie wieder kommen. Zeitsehr. f. d. Myth. II, 145. Da es ferner nicht ungewöhnlich ist, das Laub der BĂ€ume als Haar aufzufasseu (ob. S. 76), so liegt es nahe mit MĂŒllenhoff (a. a. 0. und Torr. XLVI; XLVII) die langen (gelben) Haare der verfolgten Wesen auf ein charaeteristisches Zubehör von Moosleuten oder Waldfrauen, mit andern Worten auf das gelb gewordene durch den Sturmriesen im Herbste von den BĂ€umen gejagte BlĂ€ttergrĂŒn zu deuten. Hierauf wĂŒrde auch der Name des Verfolgers binweisen, wenn man den GrönjĂ€tte auf Möen als Riesen d. h. entweder den riesigen DĂ€mon oder den Vernichter, Verfolger des GrĂŒns fassen dĂŒrfte.1 Das einzelne gejagte Weib

wĂ€re dann wol als eine Personification der ganzen Vegetation zu verstehen, deren ĂŒppige Nahrungskraft und ZeugungsfĂŒlle durch die ungeheure (von der jĂŒngeren Volkssage schließlich ins Unschöne ĂŒbertriebene), Entwickelung ihrer BrĂŒste angedeutet wird. Im Herbste wird sie von Tag zu Tage kleiner und kleiner. Sie war des sommerlichen Gottes Buhle; jetzt entzieht sie sich ihm, vor ihm fliehend, wĂ€hrend der sieben Wintermonate (der 7 Jahre der Sage); als Kreuzweg muß die Jahreswende (Mittwinter, Wintersolstiz resp. Neujahr) ĂŒberschritten werden.1 Wir kommen auf diese Deutung weiterhin noch einmal zurĂŒck.

Zuweilen wird die vom wilden JĂ€ger in DĂ€nemark gejagte Frau gradezu als Ellepige (Elfenmaid) oder Ellefru bezeichnet.2 Die Elfen (Ellefolket) wohnen im Erlenbruch, der Mann erscheint als alter Kerl mit breitem Hut; blĂ€st er Menschen an oder gerĂ€t ein Tier auf die Stelle, wo er mit den Seinigen weilte, so fallen sie in Siechtum. Die Weiber tanzen bei Mondschein ihren Reigen im grĂŒnen Grase, von vorne jung und verfĂŒhrerisch schön, sind sie hinten hohl wie ein Backtrog.3 Der letzte Zug kehrt aber auch in dĂ€nischen Sagen wieder, welche Waldfrauen in einer ganz Ă€hnlichen Weise schildern, wie die weiterhin zu besprechenden schwedischen Skogsnufvar. Eines Tages ging ein Kind mit seiner Mutter zu Walde, da sah es ein großes Weib, das rauchte Taback. Was ist das fĂŒr eine ? fragte der Junge. Laß du sie nur gehen, sagte, die Mutter; da wandte sich das Weib und zeigte einen hohlen RĂŒcken.4 Wol nur irrtĂŒmlich ist in der folgenden Sage, die sonst genau den Skogsnufvarsagen entspricht, am SchlĂŒsse auch ein mĂ€nnlicher Elf eingefĂŒhrt. Auf der Insel Möen ging Margarete Per Mikaels als kleines MĂ€dchen einmal durch den Buchenwald bei Stevns, da begegnete ihr ein großes Weib mit schwarzer Haube und langen Fingern, die wurde grĂ¶ĂŸer und grĂ¶ĂŸer. Margarete lief vor ihr, spĂŒrte aber bald

ihre langen Finger auf der Schulter, das Laub wirbelte in den Baumwipfeln, und das Kind fiel um und blieb liegen, bis das unheimliche Wesen sich bei Sonnenuntergang in eine schwarze Kuh verwandelte. Margarete war von da an drei Jahre verstörten Geistes. Einst als die KirschbĂ€ume, blĂŒhten, pflĂŒckte Margarete alle BlĂŒten ab und lag dann 9 Tage zu Bette, in der neunten Nacht erschien ein MĂ€nnchen, das war ein Els und wollte das Kind mit sich fortnehmen; da sie aber fest schlief, vermochte er ihr nichts anznhaben. Ein Els ist ein Wesen mit hohlem RĂŒcken, das hat Macht ĂŒber solche, bei deren Taufe es nicht ganz richtig zugegangen.1 Margarete blieb immer verstört; im Walde empfand sie stets einen unwiderstehlichen Zug zu der Stelle, wo jenes Weib ihr begegnet war. 2

§ 18. Die schwedischen Waldgeister.

Wie die dĂ€nische Inselnatur der ĂŒberlieferten Sage durch Verwandlung der gejagten Frau in eine Meerfrau ihren Stempel aufdrĂŒckte, so auch die starre Gebirgsformation Skandinaviens. Um die Waldgeister Schwedens wahrhaft zu verstehen, muß man nach eigener Erfahrung den Eindruck sich zum Bewußtsein gebracht haben, den die unermeßliche Wildniß des schwedischen Urwaldes auf GemĂŒt und Phantasie ausĂŒbt; man muß den dunkeln, oft grausigen Skog kennen, dieses meilenweit ununterbrochene chaotische Gemisch von Laub- und Nadelholz (meist Fichten, Kiefern, Birken und Erlen) von FelstrĂŒmmern und umgestĂŒrzten BaumstĂ€mmen und einem Stein und Stock pilzartig ĂŒberwuchernden Teppich von Moos und niederem PflanzengestrĂŒpp. Da hat man nach wenigen Minuten Pfad und Richtung verloren. Hie und da leitet dich wol ein vom weidenden Vieh getretener Gang, immer aber in die Irre; du brichst “durch den Pflanzenpelz, der die Untiefen ĂŒberzieht, zerreißest deine Kleider, deine Haut an GestrĂŒpp und Felskanten und verzichtest auf jedes weitere Vordringen.3 Wie

in Deutschland sind in Schweden mĂ€nnliche und weibliche Waldgeister bekannt. Der Mann heißt in Schonen Skouman, Skougman (Waldmann). Er sieht ans wie ein Mann, stiert man ihn aber an, so wird er so hoch als der höchste Baumstamm.1 Er fĂŒhrt die Menschen im Walde in die Irre und wenn sie vor Furcht weinen, lacht er; Ha ha ha!2 Wenn der Berguhu im Walde sich hören lĂ€ĂŸt, sagt man, der Skougman sei draußen und schreie.3 Im ĂŒbrigen ist er sehr sinnlich und strebt gerne nach Verbindung mit christlichen Frauen. Im SmĂĄland heißt der Skogman Hulte, er fĂ€hrt in Sturm und Unwetter daher und kann jeden Baum niederwerfen. Die Skogsnufva, Skogsfru aber ist das Weib des Skogman oder des Hulte. Die Skogsnufva4 wird zur Familie der Trolle gerechnet, welche

so ziemlich unsern Unnererdschen entsprechen, dieselben sind zumeist klein von Wuchs, gebieten ĂŒber Wald und Wild, See und Fische, Wetter und Wind, vertauschen Kinder mit ihren WechselbĂ€lgen; zu ihnen zĂ€hlen in Schonen auch die ob. S. 61 erwĂ€hnten Pysslingar. Wohnen sie in Berghöhlen, so heißen sie Bergtroll. Im Wirbelwinde fahren sie einher und da ein solcher im Sommer hĂ€ufig entsteht, bevor ein Gewitter losbricht, heißt es, daß der Donner (Gofar) die Trolle verfolge.1 An die Stelle des Gattungsnamens Troll tritt zuweilen RĂĄ (Neutr.) Plur. RĂĄde und die Skogsnufva heißt SkogsrĂĄ, wie es ebenfalls ein SjörĂĄ (SeerĂĄ) giebt. Die Skogsnufva ist ein bösgesinntes, leichtfertiges und unheilvolles Wesen. Sie nimmt das Aussehen aller Tiere, BĂ€ume und anderer Naturdinge an, welche im Walde vorkommen. Ihre wahre Gestalt ist diejenige eines in Tierfelle gekleideten alten Weibes mit fliegendem Haar und langen BrĂŒsten, die ĂŒber die Achseln geschlĂ€ngt sind. Im RĂŒcken trĂ€gt sie einen langen Kuhschwanz, oder sie ist hohl, wie ein alter fauler Baumstock oder ein zu Boden geworfener Stamm, oder Backtrog. Dem JĂ€ger zeigt sie sich gerne als eine schöne und verfĂŒhrerische Jungfrau, aber nur von vorne; auf der Hinterseite kann sie nach den meisten Sagen ihre Ungestalt

nicht verbergen. SchĂŒtzen und andere, welche ihre Wege im Urwald haben, hören oft die Skogsnufva trĂ€llern, lachen, wispern und flĂŒstern in Busch und Dickicht, denn sie kann jede Art Laut annehmen. Spricht sie aber, so geschieht es stets mit heiserer Stimme. Ihre Erscheinung kĂŒndigt sie im voraus mit einem scharfen eigentĂŒmlichen Wirbelwinde an, der die BaumstĂ€mme bis zum Zusammenbrechen schĂŒttelt. Hört man — wie es zuweilen geschieht — am einsamen Waldbach einen klatschenden oder schnalzenden Laut, so sagt das Volk: „Da wĂ€scht die Waldfrau“, und werden im FrĂŒhlinge schneeweiße Flecken und Stellen tief hinten im dunkeln Walde sichtbar, so „ist das die Skogsnufva, welche ihre Kleider ausbreitet“ (vgl. die Wildfrauen in Tirol S. 101. 112). Wer sich aber tiefer hineinbegiebt in den wilden Wald, mag sich wol vorsehen, denn die Skogsnufva sucht auf jede Weise Macht ĂŒber ihn zu erhalten.

Oft hört man sich laut bei Namen rufen, dann antworte man bei Leibe nicht „ja“, sondern „he!“ denn die Waldfrau rief und mit der Antwort „ja“ giebt man sich in ihre Gewalt. Dann lacht sie laut auf, so daß es im ganzen Walde wiederhallt. Wer so in ihrer Macht ist, den macht sie irre (förvillar) auf mehr als eine Weise. Er findet sich nicht wieder aus dem Walde heraus, sondern geht und geht und kommt immer wieder auf die nĂ€mliche Stelle. Zuletzt ist er so sinnverwirrt, daß er nicht mehr sein eigen Haus erkennt. Oder der eine Stunde lang vom rechten Wege ab die Kreuz und Quer durch Hag und Dom Genarrte glaubt endlich in tiefem Morast zu waten und schĂŒrzt die Kleider auf. Da hört er plötzlich das Lachen der Skogsnufva im Walde wiederhallen und sieht sich auf trocknem Boden.1 Das einzige Gegenmittel ist, Wamms, MĂŒtze, oder StrĂŒmpfe umkehren, oder das Vaterunser rĂŒckwĂ€rts beten. MilzsĂŒchtige, melancholische Menschen, welche die Einsamkeit suchen, stellen in dem Rufe, daß die Skogsnufva sie locke oder Macht ĂŒber sie bekommen habe. (Vgl. die Saligen o. S. 101 ff.) Von dieser Verzauberung kann man nur frei werden, wenn man nach der Anordnung eines „klugen Mannes“ dreimal durch einen Eichenkloben kriecht, der mit Holzkeilen und Holzaxt ohne Eisen gespalten

1) Nicolovius, Polkelifvet i SkyttshÀrad i Sk&ne S. 101,

ist. Bei Menschengedenken ist noch ein Bursche im Ljudersocken, der davon „Skogsnisse“ genannt wurde, von der Skogsnufva verwirrt und durch den beschriebenen Act von ihr befreit worden, der (nach S. 32) die Identification mit einem Baume, bedeutet. Im mittleren Oesterbotten erzĂ€hlt man, zuweilen werde das im Walde weidende Vieh, oder werden Menschen in einem fĂŒr sterbliche Augen unsichtbaren, aber in der Tat dichten und undurchdringlichen Flor oder Netze gefangen, welches sie wie ein Dach umhĂŒllt, so daß sie sich — so lange sie unter des SkogsrĂĄ Einfluß stehen — weder rĂŒhren, noch um Hilfe rufen können. Doch der Kirchenglocken Klang bricht den Zauber augenblicklich1 und deshalb kann dieser nie lĂ€nger als eine Woche wĂ€hren. Wem dies begegnet, der heißt „skogtagen, walderfaßt“. Oft stĂ¶ĂŸt er morgens aufwachend sofort auf das ersehnte Ziel und sieht, daß es ihm zur Seite lag. Zuweilen offenbart sich ihm das SkogsrĂĄ leibhaftig als altes Weih, großer Vogel, oder als polternder Greis mit starkem Barte. Man erzĂ€hlt manche factische Beispiele von Skogtagning, meistens auf KĂŒhe und Kinder, zuweilen auch auf Ă€ltere Personen bezĂŒglich. Das Volk pflegt sich dabei allgemein auszudrĂŒcken „skoje halder d. h. der Wald hĂ€lt fest“; wird aber gefragt, ob es der Wald selbst sei, der festhalte, so erhĂ€lt man zur Antwort „Nein die Skogsrá“ („nej skogsrĂĄde“).2 Nur die JĂ€ger suchen und gewinnen zuweilen des Waldweibes Freundschaft, denn sie ist es, die allem Wilde im weiten Skog gebietet und wer mit ihr gut steht, kann schießen, so viel er will. Alte SchĂŒtzen pflegen deshalb eine KupfermĂŒnze (Slant, SechsstĂŒber) oder etwas Speise fĂŒr die Skogsnufva (das SkogsrĂĄ) auf einen Baumstubben oder einen Stein als Opfer niederzulegen. Oder man geht Ostermorgens um Sonnenaufgang auf so viele

GrundstĂŒcke, als man beschicken kann, bricht auf jedem einen kleinen Baum ab und sagt: Ich opfre dieses fĂŒr mich, damit ich das Jahr hindurch GlĂŒck und Frieden bei der Jagd habe.1 (Vgl. unten das Zaubermittel, den russischen Waldgeist herbeizurufen.) Geht man drei Donnerstage hintereinander nĂŒchtern auf die Jagd, so trifft man wol die Skogsfru selbst und erhĂ€lt von ihr das Recht so viel zu treffen, als man Lust hat; beim Fortgehen darf man sich aber nicht nach ihr umsehen.2 Dem SchĂŒtzen, den sie gern hat, fĂŒhrt sie zuweilen selber das Wildpret in den Weg. Dem Förster (Skogvaktare) Vestholm in FryktdelshĂĄrad in VĂ€rmeland begegnete einst die Skogsfru wie sie einen großen Elennochsen (elgoxe) am Home fĂŒhrte. Sie rief: „Schieß! schieß! (skjut, skjut!)“ doch er wagte es nicht.3 Wem aber das Waldweib nicht hold ist, den narrt sie in Gestalt, eines Rehbocks, oder er jagt bei aller MĂŒhe vergeblich. Ein SkogsrĂĄ untersuchte, da sie schliefen, die BĂŒchsen zweier JĂ€ger, die ihr Nachtquartier im Walde genommen hatten. Das eine Gewehr lohte sie: „gut! gut! gut! (bra, bra, bra).“ Der EigentĂŒmer schoß am nĂ€chsten Tage viele AuerhĂ€hne. Das andere tadelte sie: „fi! fi! fi!;‘ Derjenige, dem es angehörte, machte nur FehlschĂŒsse.4 E. M. Arndt erfuhr von einem seiner FĂŒhrer, er sei einmal mit sieben andern aufs TjĂ€derspiel (Auerhahnjagd) ausgewesen. Als sie nun da saßen und auf den Vogel lauerten, fuhr ein SkogsrĂĄ aus einem Baume in hellstem Glanze an ihnen vorbei. Sie sahen so viele AuerhĂ€hne, wie noch nie, aber sie schossen an jedem vorbei, und fingen nicht einen. Ein andermal fuhr das RĂĄ mit Sausen aus der Luft herab, mit gewaltigen breiten SprĂŒngen auf ihn zu und beschĂŒttete

ihn mit Regen aus einer wirbelnden Wolke, wĂ€hrend es sonst allenthalben still und heiter war. Vierzehn Tage blieb sein Schießen behext, bis er endlich so glĂŒcklich war ein SkogsrĂĄ sausend vorbeifahren zu hören und sein Messer darĂŒber zu werfen; so wurde sein Bann gelöst.1 Einzelne Tiere, Hirsche, Rehe, Hasen und AuerhĂŒhner eignet sich die Skogsfru ausschließlich zu; sie heißen Freitiere (Fridjur, vgl. ob. S. 3h die FritrĂĄd) und niemand kann sie schießen, es sei denn mit einer besonders bereiteten Ladung. Zielt jemand auf solch ein dem SkogsrĂĄ, zugeeignetes Tier, so kommt es ihm nachher immer vors Gewehr, er kann hundertmal danach schießen und trifft es nie. Gelingt ihm aber auch auf die angegebene Weise der Schuß, so verdirbt jedenfalls seine BĂŒchse und ist verhext und unbrauchbar. (Vgl. die Gemsen der Seligen ob. S. 100). Nur selten ist die Begegnung des Waldweibes mit Menschen ganz harmlos. Kersten Klemens Tochter aus Nykalvatten im FryktdelshĂĄrad (VĂ€rmeland) traf zweimal die Skogsjungfru im Walde. Sie trug einen blauen Rock, der bis auf die Knie reichte, ein weißes Kopftuch und rauhe HemdsĂ€rmel mit schönen SĂ€umen an der Hand. Sie sah so freundlich aus, daß Kersten sich Ă€rgerte sie nicht angeredet zu haben und sich dies fĂŒr das drittemal vornahm. [Siehe Nachtrag S. 615.]

Dem Köhler, der Nachts einsam bei dem schwelenden Meiler wacht, oder dem JĂ€ger, der sich um Mitternacht an einem Waldfeuer ausruht, naht sich die Skogsfru gerne in liebreizendem Körper und sucht ihn zur ZĂ€rtlichkeit zu verlocken. LĂ€ĂŸt er sich von ihr betören, so sehnt er sich fortan Nacht und Tag danach ihr im Walde zu begegnen und kommt schließlich ganz

von Sinnen.1 Oder das tĂŒckische Waldweib schreit laut auf und ruft ihren unholden Gatten, der herbei stĂŒrzt und den Liebhaber zu Boden schlĂ€gt. 2 Dabei ist sie freilich nicht immer im Unrecht. Einen Herbstabend kam ein SkogsrĂĄ zu einem Kohlenmeiler und wĂ€rmte sich. Dem rohen Köhler fiel es ein, ihr einen Feuerbrand in die Kleider zu stecken, worauf sie einen Jammerschrei ausstieß und ihren Mann rief, so daß der ganze Wald erbebte und die Baumwipfel ĂŒber ihr sich zusammenbogen. Erschreckt eilte der Köhler heim und konnte andern Tages kaum den Platz, da sein Meiler stand, finden.3

Wem fiele nicht auf, daß diese Geschichte natĂŒrlich mit verĂ€nderter Scenerie genau der ErzĂ€hlung von dem in eine Baumspalte eingeklemmten Wildweibe in Tirol (ob. S. 95) entspricht? In Ă€hnlicher Weise endet die ErzĂ€hlung auch des JĂ€gers von seinem Abenteuer fast in allen FĂ€llen. Grade als sie vor dem Feuer hochmĂŒtig dastand und ihre schöne Gestalt zeigte, — so erzĂ€hlt er wol — nahm ich einen Brand aus der Flamme und schlug ihr damit auf die Hand, indem ich ihr zurief: „Fahre hin in den Wald, du böser Geist!“ Da fĂŒhr sie mit einem lauten Wimmern dahin, und ein furchtbares Unwetter entstand, so daß die BĂ€ume sich mit den Wurzeln aus der Erde zu heben schienen, und als sie uns den RĂŒcken zuwendete, war sie anzuschauen, wie ein hohler Baum, oder wie ein Backtrog.4 E. M. Arndt hörte von seinem schon erwĂ€hnten FĂŒhrer, als derselbe einmal auf der Auerhahnjagd sich ein Feuer anzĂŒndete und aß, trat eine Jungfrau zu ihm in großem Schmuck, grĂŒĂŸte ihn freundlich, winkte und lockte. Sie war klein von Wuchs, hatte blonde Locken, aber — o weh! — Klauen statt der NĂ€gel. Er fragte, ob sie mit ihm essen, oder am Feuer sich wĂ€rmen wollte; sie nickte freundlich. Da nahm er behutsam das Ende seiner Axt, legte

Speise darauf, und reichte sie ihr,1 denn die HĂ€nde wollte er nicht gegen ihre Klauen setzen. Sie nahm es nicht, sondern lĂ€chelte und verschwand grade wie eine Fackel, die man wirft. Ein WaldwĂ€rter (Skogsvaktare) trank auf einem Fichtenstamm sitzend einen Schluck Branntwein. Da setzte sich die Skogsfra auf die andere Seite des Baumes. Er fragte: „Trinkt die Jungfer? (Super mamsell?)“ Sie schĂŒttelte den Kopf und verschwand.2 Ein Bursche in Finntorp, der eine Braut in Billing hatte, lud dieselbe zu einem Stelldichein auf den Ladbacken. Sie blieb aber aus und die Skogsfru des Berges zog ihre Gestalt (lhmn) an, tat mit dem JĂŒngling schön und bot ihm eine Bretzel. Er aß mit großem Wolgeschmack. Kaum hatte er jedoch den letzten Bissen heruntergesehluckt, so lachte sie aus vollem Halse, so daß es im Walde krachend wiederhallte, und verschwand zwischen den Felsen; im Verschwinden sah er den ausgehöhlten RĂŒcken und langen Schwa z. In der Meinung, das MĂ€dchen, welches sein Herz gewonnen hatte, sei ein SkogsrĂĄ, vermied er dasselbe fortan.3 Zuweilen kommt es zu einer engem Verbindung zwischen der Waldfrau und einem Menschen, welcher Kinder von grĂ¶ĂŸerem Wuchs und höherer Kraft als andere Menschen, nach andern dagegen abscheuliche Mißgeburten entspringen. Doch wird der Liebhaber dieses VerhĂ€ltnisses bald ĂŒberdrĂŒssig, und er sucht dann wol Hilfe hei einem „Klugen.“ Allein er wird das SkogsrĂĄ gemeinhin nur los, wenn er eins ihrer Haupthaare um seine BĂŒchse wickeln und sie damit schießen kann. Dann hört man einen entsetzlichen Aufschrei, ein furchtbares Tosen im Walde, und er sieht sie niemals wieder. Ein JĂ€ger tat nie einen Fehlschuß, weil er mit einem SkogsrĂĄ im Bunde stand und sich von ihr jedesmal die BĂŒchse laden ließ. Endlich faßte er Widerwillen gegen sie, hat sie, ihm das Gewehr mit tödtlichem Meisterschuß zu laden und erschoß sie. Seitdem hatte er keine Ruhe

mehr, weder im Schlafen noch Wachen.1 In alten Zeiten war ein Bauer, ohne ihre Herkunft zu wissen, mit einer Waldfrau die Ehe eingegangen. Sie lebten manche Jahre glĂŒcklich und zeugten Söhne und Töchter. Als sie einst gemeinsam im Walde daran arbeiteten, einen fertig gebrannten Kohlenmeiler auseinander zu reißen, fand sich, daß sie den Speisesack vergessen hatten. Er ging nach Hause, denselben zu holen. Da sprach die Hausfrau: „Kommst du zurĂŒck, so schlage drei SchlĂ€ge in den und den Baum da,“ und damit bezeichnete sie eine Tanne, welche eine gute Strecke von ihnen entfernt stand. Der Bauer versprach ihrem Wunsche nachzukommen. Ob er das aber vergaß oder fĂŒr unnötig hielt, genug bei seiner ZurĂŒckkunft sah er zu seinem großen Schrecken, wie sie die Kohlen mit bloßen HĂ€nden aus dem Meiler riß und mit ihrem langen SchwĂ€nze auslöschte. Sofort drehte er um und tat drei SchlĂ€ge mit seinem Axthammer auf die Tanne (slog tre slag i fallen med yxhammaren), worauf das Weib sich sofort wieder in gewöhnliche und in allen Teilen gleichartige Menschengestalt verwandelte. [Nur auf Grund weitern Materials wollte ich es unternehmen zu entscheiden, ob jene drei AxtschlĂ€ge nur den Zweck haben die Skogsfru von der AnnĂ€herung ihres rĂŒckkehrenden Mannes zu benachrichtigen, oder ob sie zu deren Verwandlung in einer inneren Beziehung stehen]. Seitdem dachte der Bauer darauf seine Frau los zu werden. Endlich gah ihm ein kluges Weib ihren Rat und zugleich einen großen Zauberbeutel als Amulet um den Hals zu hĂ€ngen. Er fĂ€hrt mit Frau und Kindern zu Schlitten ĂŒber einen See, angeblich tun sie auf eine Hochzeit zu fĂŒhren. In Sees Mitte liest er mehrere Worte, die die Alte ihm aufgeschrieben, und sofort kommt eine Menge von Wölfen zum Vorschein. Eiligst spannt er das Pferd aus und reitet davon, wie Ă€ngstlich auch die Gattin ihm nachruft: „Kehre um, wenn nicht um meinetwillen, so doch um Snorpipas willen, sonst fressen die Wölfe uns auf!“ Snorpipa (Schnarrpfeife) hieß ihr jĂŒngstes Töchtercheu. In ihrer Not rief sie dann aus LeibeskrĂ€ften nach ihrer Schwester StrĂĄssa. Der Troll in der Grube (Erzgrube?) StrĂĄssa war nĂ€mlich ihre Schwester. Dieselbe kam daher gefahren, so daß es

1) Aufgez. 1852 von M. H. Hultm, Hdschr. des Eeichsantiqnariums zu Stockholm.

in der Luft sauste und pfiff, und entrĂŒckte sie den Wölfen, die schon alle Kinder gefressen hatten. Den bösen Bauer verfolgte eine Trollkatze, vor deren Wuth ihn das Amulet schĂŒtzte, obwol die hinter ihm zuschlagende TĂŒr eines Hauses, in das er sich rettete, in StĂŒcke sprang. Als er einst badend das Amulet ablegte, drehte ihm ein Troll den Hals um.1 So fest haftete der Glaube an Liebschaften von Menschen mit Waldfrauen, daß z. B. am 22.—23. Dezember 1691 vom HĂĄradsgericht ein zwei und zwanzigjĂ€hriger Bursch ans dem MarkshĂĄrad zum Tode verurteilt wurde, „wegen unerlaubter Vermischung mit einem Skogs- oder BergsrĂĄ.“ Und noch am 5. August 1701 wurde Voloutair Maus Malm angeklagt und vor Gericht gezogen, weil er solle mit einem Skougr zu tun haben. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß diese schwedischen Traditionen den besten Kommentar zu des Burchard v. Worms (ob. S. 113) Aussage ĂŒber die Waldfrauen liefern. Wie in obiger Sage der Troll in der Erzgrube der Skogsfru Schwester ist, wird andererseits der Name SkogsrĂĄ auch auf Wesen ausgedehnt, welche auf Almen (saetter) ihren Aufenthalt haben. So weiß man in den Waldgegenden der Distrikte Ásker und LennĂ€s in Nerike noch viel von einem SkogsrĂĄ, zu erzĂ€hlen, welches von der Bergwiese Y-saetter den Namen Ysaetter-Kajsa (Ysaetter-KĂ€tchen) fĂŒhrte. Als einst diese Alme gemĂ€ht wurde und die Schnitter beim Abendbrod saßen, rĂŒhmte sich ein Bursch, er habe Lust mit der Ysaetter-Kajsa Streit anzufangen, und da wolle er ihr schon auf den Pelz geben. Kaum sprach er dies, so hörte man hinter ihm ein GerĂ€usch, und er erhielt von unsichtbarer Hand eine so derbe Ohrfeige, daß er Blut werfen mußte.2 Statt des SkogsrĂĄ d. h. der Personification des gesĂ€umten Waldes wird mitunter auch das RĂĄ eines einzelnen Baumes genannt und so zu sagen mit einem andern Geiste identifiziert.

Bei Badelund in Westmannland stand eine Tanne, die Klintatanne (Klintatall) auf kahlem Felsen, unter welchem im Berge der Tanne Schutzgeist (RĂĄ) wohnte. Das war ein Meerweib, welches man oft aus einer Bucht des nahen MĂ€larsees schneeweiße Rinder ĂŒber die Wiesen zum Baume treiben sah, dessen

1) Djurklou, Anteekuingar.

2) Djurklou a. a. 0.

Aeste niemand anzurĂŒhren wagte.1 Ueberhaupt stellen sich die BergsrĂĄ. SkogsrĂĄ und SjörĂĄ (BergrĂĄ, WaldrĂĄ und SeerĂĄ) einander sehr nahe und sind fast nur durch ihren Wohnsitz und einige damit zusammenhĂ€ngende Besonderheiten verschieden.

Die weiblichen SkogsrĂĄ kehren zuweilen auch in MĂŒhlen, StĂ€lle, Brennereien u. s. w. ein. Da kĂŒndigen sie ihre Gegenwart dadurch an, daß die Sachen irgendwo in Unordnung liegen. Dann deckt man an dieser Stelle einen Tisch mit ein wenig Speiseanriehtung und ruft mehrmals: „Findet sich da irgend ein RĂĄ, so komme hervor!“ Erweist man dem erscheinenden Geiste seine Liebe mit freundlicher und liebreicher Zusprache und höflicher Begegnung (weitergehender Vertraulichkeit bedarf es nicht notwendig) so erwidert derselbe das Wolwollen, indem er Botschaften verrichtet, dem Hause GlĂŒck schafft u. s. w.2 Kurzum auch die SkogsrĂĄ gehen in Hausgeister ĂŒber (vgl. die Dienstleistungen der Seligen ob. S. 90.103 und Moosleute S. 80).

Wie alle Trolle haben die SkogsrĂĄ Furcht vor dem Donner, der sie verfolgt und erschlĂ€gt. Oft hört man im Walde wĂ€hrend des Gewitters den Skogsman und die Skogsfru laut jammern.3 Doch auch der wilden Jagd dienen sie als Verfolgungsziel. Ein Schneider im NordmarkshĂĄrad in VĂ€rmeland liebte leidenschaftlich die Jagd. Als er einst Nachts auf dem Anstand lag, floh ein SkogsrĂĄ an ihm vorbei mit großen ĂŒber die Achsel geschlagenen BrĂŒsten, und das herabwallende Haar flatterte wild hinter ihr im Winde. Ihr folgte ein JĂ€ger mit zwei pechschwarzen Hunden. Bald kam er zurĂŒck und hatte das Wildpret erlegt. Die Beine des SkogsrĂĄ hatte er ĂŒber die Schulter geworfen, ihr Haupt imd ihre BrĂŒste schleppten auf dem Boden nach und troffen von Blut, das die Hunde begierig aufleckten. Der JĂ€ger fragte den Schneider, wie er dazu komme in seinem Walde zu jagen, und verbot es ihm.4 In SmĂĄland und andern Gegenden wird gradezu König Oden als der nĂ€chtliche JĂ€ger bezeichnet, der mit Jagdhorn und Spieß (resp. BĂŒchse) und mit zwei Hunden

daherfahrend sich zum Wilde unverĂ€nderlich eine Skogsnufva oder ein Bergtroll ausersehen hat, die vor ihm durch die Luft fliehen mit fliegendem Haar und ĂŒber die Achseln geschlĂ€ngten BrĂŒsten. Die Jagd geht ĂŒber Wald und Berg, wie Vogelflug oder Sturmeswehn. Von der nĂ€chtigen Fahrt heimkehrend hat Oden die getödtete Skogsnufva quer ĂŒber dem Rosse hĂ€ngen. Einem Soldaten, der ihm einst auf einer Fahrt begegnet, giebt er sich zu erkennen.

„Ich bin König Oden und vom AllmĂ€chtigen dazu gesetzt, alle Trolle und Trollwveiber (alla troll och pyskan s. o. S. 128) auszurotten.“

Da habt ihr wol viele Arbeit? meinte der Soldat, König Oden antwortete: „Ja, doch ich habe den Donner zu Hilfe“ (Ja men jag har ĂĄskan til hjelp).1 Statt des SkogsrĂĄ oder Bergtrolls wird zuweilen eine Riesin (jĂ€ttesa) mit eimergroßen BrĂŒsten als JagdstĂŒck, in anderen Sagen ihr eigener Gatte, oder (entsprechend der ob. S. 135 mitgeteilten Ueberlieferung) eine Schaar gespenstiger Wölfe als Verfolger genannt. Oefter sucht die Verfolgte in dem Fenster einer Heuscheuer mitten im Walde (hölada) Schutz und spottet da der Hunde oder Wölfe, wird aber von einem sie belauschenden Menschen unbarmherzig unter sie hinabgestossen.

§19. Die russischen Waldgeister.

Der russische Waldgeist Ljeschi (von ljes, poln. las Wald) wird allgemein in Menschengestalt mit Bockshörnern, Bocksohren und GeißfĂŒĂŸen gedacht, die Finger enden in lange Klauen, Kopf und Körper werden von rauhen und zottigen Haaren bedeckt, die hĂ€ufig von grĂŒner Farbe sind. Er kann aber mancherlei Gestalten annehmen und seine GrĂ¶ĂŸe willkĂŒrlich verĂ€ndern. Geht er im Felde, so verkleinert er sich bis zur GrĂ¶ĂŸe des Grases; geht er im Walde, so erreicht er die Höhe der BĂ€ume.2 Die Einwohner der Gouvernements Kiew und Tschernigoff teilen deshalb die Ljeschie in zwei Klassen. Die einen, die eigentlichen Waldljeschie, sind graufarbige Riesen, die andern, welche nicht minder Ljeschie (Waldgeister) heißen, sind Wesen des Kornfelds, DĂ€monen des Getreidewuchses selbst. Vor

der Ernte haben sie dieselbe Höhe, wie die noch grĂŒnen Halme, nach der Ernte schrumpfen sie zusammen, bis sie nicht höher sind, als das Stoppelfeld. Man darf daraus schließen, daß auch die eigentlichen Waldljeschie als DĂ€monen der Waldvegetation zu denken sind.

HĂ€ufig aber nehmen die Ljeschie völlig menschliche Gestalt an, nur daß sie niemals Augenbrauen und Wimpern und hĂ€ufig gleich den Kyklopen nur ein Auge haben. Sie tragen dann das Gewand eines Bauern aus Schaffell, aber ohne GĂŒrtel; statt dessen sind die beiden Rockzipfel in einander geschlungen. Wirbelwind und Sturm sind das Element, in welchem der Ljeschie seine Anwesenheit offenbart. Nach dem Glauben der Bauern entpringen die VerwĂŒstungen der Orkane dem Kampfe dieser Waldgeister gegeneinander, wobei sie BaumstĂ€mme und FelsstĂŒcke schleudern. HĂ€lt der Ljeschie Rundgang durch sein Reich, so brĂŒllt der Wald, und die BĂ€ume zittern. Oder der Waldgeist springt spielend von Ast zu Ast und wiegt sich selbst in den Zweigen, wovon er an einigen Orten Zuibotschnik (vgl. Zuibka Wiege) genannt ist. In solchen Stunden macht er alle Arten von LĂ€rm. Er kreischt und lacht, er klatscht in die HĂ€nde, er wiehert wie ein Pferd, brĂŒllt wie eine Kuli, bellt wie ein Hund. Sein Lachen kann man meilenweit in der Runde hören. Wenn bei Sturmwetter das Knarren der Aeste, das Krachen der StĂ€mme wiederhallt, so vernimmt der russische Bauer kein Echo, sondern den Ruf der Ljeschie, welche einen unvorsichtigen JĂ€ger oder Holzhauer auf gefĂ€hrlichen Grund zu verlocken trachten, um ihn zu Tode zu kitzeln, sobald sie ihn in ihrer Gewalt haben. [Wir begegneten dem nĂ€mlichen Zuge bereits ob. S. 87]. Nachts schlĂ€ft der Ljeschie in irgend einer HĂŒtte in der Tiefe der WĂ€lder, und findet er etwa seinen Zufluchtsort von einem verspĂ€teten Wanderer bereits besetzt, so streicht er als Wirbelwind ĂŒber die HĂŒtte, rĂŒttelt an der TĂŒr und hebt das Dach, indeß ringsum alle BĂ€ume sich biegen und winden und ein furchtbares Geheul durch den Forst schallt Und wenn der ungebetene Gast alle diese Winke verachtet und sich nicht entfernt, lĂ€uft er Gefahr am nĂ€chsten Tage sich in den WĂ€ldern zu verlieren, oder in einen Morast zu versinken. Im Gouvernement Archangel erzĂ€hlt man, hei einem der erwĂ€hnten KĂ€mpfe mit zwei andern Geistern seiner Klasse ĂŒber die Rechte auf einen gewissen Wald wurde ein Ljeschie einmal ĂŒberwunden und von jenen an den HĂ€nden so fest znsammengeschnĂŒrt, daß er sich nicht rĂŒhren konnte. So fand ihn ein reisender Kaufmann und band ihn los. Zum Dank sendete er seinen WoltĂ€ter in einem Wirbelwinde heim und tat nachher noch manches andere fĂŒr ihn (vgl. ob. S. 68 die Geschichte des estnischen Baumelfen).

Als ehedem die WĂ€lder noch grĂ¶ĂŸer und dichter waren, denn heutzutage, verlockte der Ljeschie bestĂ€ndig die Wanderer und fĂŒhrte sie vom rechten Wege ab in die Irre. Bald versetzte er die Grenzsteine, bald nahm er die Form eines Baumes an, nach welchem die Nachbarn die Richtung zu bestimmen pflegten. Zuweilen verĂ€nderte er sich in das Aussehen eines Wanderers und verflocht den VorĂŒbergehenden in eine Unterhaltung. Der VerfĂŒhrte plauderte unbefangen, bis er plötzlich gewahr wurde, daß er sich mitten in einem Sumpf oder Waldbach befinde. Dann hörte er ein lautes GelĂ€chter und wenige Schritte von sich sah er den Ljeschie grinsend in seiner wahren Gestalt. Auch vernimmt der Waldwart mitunter bei Nacht das Weinen eines Kindes und Seufzer, welche deutlich von einem Sterbenden herzurĂŒhren scheinen. Da tut er gut, schleunig nach Hause zu eilen, ohne auf diese Stimmen zu achten. Denn folgt er ihnen, so gerĂ€t er wahrscheinlich in einen reißenden Strom, der daherrauscht, wo frĂŒher kein Wasser war. Wo immer der Ljeschie geht, lĂ€ĂŸt er keine Spur hinter sich zurĂŒck, er verdeckt den Abdruck seiner FĂŒĂŸe mit Sand, Laub oder Schnee. Tritt aber jemand zufĂ€llig in seine noch frische FĂ€hrte, so wird derselbe irre gefĂŒhrt und findet nicht leicht den rechten Weg wieder. In dieser Not ist es das beste Mittel, das Futter von Hemd, Schuhen oder Pelz nach außen zu kehren. Doch auch abgesehen von dieser Irreleitung der Wanderer macht sich der Waldgeist noch in mancherlei anderer Weise auf Kosten derselben lustig; er blĂ€st ihnen Sand in die Augen, schlĂ€gt ihnen die MĂŒtze vom Kopfe, lĂ€ĂŸt ihre Schlitten am Boden fest frieren.

„Geh nicht in den Wald,“

hört man oft sagen,

„der Ljeschie spielt dir da einen Possen.“

Schlimmer ist, daß er oft Krankheit verursacht, so daß von jemandem, der nach der RĂŒckkehr aus den Waldungen unpĂ€ĂŸlich wurde, die sprichwörtliche Redensart gilt:

„Er hat den Pfad der Ljeschie gekreuzt“

Um geheilt zu werden, trĂ€gt er Brod und Salz in einen reinliehen Lappen gebunden in den Wald und legt es unter Gebet als Opfer fĂŒr den Ljeschi ins Moos in der festen Ueberzeugung bei der Nachhausekunft von seiner Krankheit befreit zu sein. Den Hirten, die im Walde ihre Heerde weiden, saugt der Ljeschi gerne das Euter der KĂŒhe aus. Sie mĂŒssen deshalb mit ihm in gutes Einvernehmen zu kommen suchen. Im Gouvernement Olonetz glaubt man, der Hirte mĂŒsse jeden Sommer dem Ljeschi eine Kuh geben, geschehe das nicht, so zerstöre der Waldgeist die ganze Heerde. Im Gouvernement Archangel hĂ€lt man dafĂŒr, wenn man das GlĂŒck habe, dem Ljeschi zu gefallen, so behĂŒte er die ganze Heerde auf der Weide (vgl. ob. S. 30 die finnischen Baumnymphen).

Andererseits stehen alle Vögel und Tiere des Waldes unter dem Schutz des Ljeschi. In Kleinrußland soll er insonderheit der Schutzhelm der Wölfe sein. Gemeinhin gilt als sein Liebling der BĂ€r, sein Diener, der bei ihm wacht, wenn er zuviel von dem starken GetrĂ€nk genommen hat, das er so sehr liebt, und ihn vor den Angriffen der Waldgeister behĂŒtet. [Nachtrag S. 615.]

Wenn die Eichhörnchen, FeldmĂ€use und einige andere Tiere in Schaaren ihre periodischen Wanderungen antreten, erklĂ€rt das Volk, die Waldgeister treiben ihre Heerde von einem Wald in den andern. Unter solchen UmstĂ€nden hĂ€ngt auch der Erfolg des Waidmanns von seinem VerhĂ€ltniß zum Ljeschi wesentlich ab. Er legt, um denselben fĂŒr sich zu gewinnen, ein StĂŒckchen Brod oder Pfannkuchen mit Salz bestreut auf einen Baumstumpf (vgl. o. S. 130), wie denn die Ljeschie zuweilen auch Kuchen von den im Wald arbeitenden Dorfleuten fordern (vgl. oh. S. 107) und, nachdem sie solche erhalten, sich mit schrecklich tönender Stimme entfernen. Im Gouvernement Perm weihen die Landleute einmal im Jahre dem Ljeschi ihre Gebete und bringen ihm dabei ein PĂ€ckchen BlĂ€ttertaback dar, worin er ganz vernarrt ist. In einigen Distrikten eignen ihm die JĂ€ger das erste Tier zu, welches sie fangen, indem sie dasselbe fĂŒr ihn in einem Eichwalde zurĂŒcklassen. Ein gewisser Zaubersegen, der von JĂ€gern öfter gebraucht wird, ruft die Teufel und Ljeschie, an, ihnen die Hasen in den Schuß zu treiben, und die magische Gewalt dieses Spruches soll so groß sein, daß die Waldgeister gehorchen. Wer den Ljeschi selbst herbeibesclnvören will, soll eine Anzahl junger Birken abhaueu und mit den Wipfeln nach innen in einen Kreis legen. Dann muß er im Kreise stehend laut rufen: „Großvater! (djeduschka)“; sofort wird der Waldgeist erscheinen.1

Oder er soll sich auf einen Baumstumpf stellen, mit dem Gesichte nach Osten, soll sich niederbĂŒkend zwischen seinen Beinen durchsehen und dabei sagen:

„Onkel Ljesehi erscheine, nicht als grauer Wolf, nicht als schwarzer Rabe, nicht als brennendes Feuer, sondeni als meines gleichen!“

Dann fangen die BlĂ€tter der Espe an zu zittern, wie wenn ein sanfter Wind durch sie hinstreiche, und der Ljesehi wird sichtbar in Menschengestalt. Bei solchen Gelegenheiten geht er gerne einen Handel mit seinem Beschwörer ein und ist bereit jede Art von Beistand zu gewĂ€hren, wenn ihm dafĂŒr des andern Seele zu Teil wird (aus christlichem Teufelsglauben entlehnt). Nach diesen Beschwörungsformeln wurde der Waldgeist doch wol aus den Birkenwipfeln oder dem Baumstumpf hervortretend, also in diesen weilend gedacht. WĂ€hrend in Deutschland und Skandinavien die Waldfrau die Hauptrolle spielt und hĂ€ufig allein auf tritt, kennt die russische Sage umgekehrt vorzugsweise den mĂ€nnlichen Waldgeist. Zuweilen jedoch findet man demselben auch Weib und Kinder, die Lisunki, gesellt, behaarte Wesen von abschreckendem Aeußern. Eine kleinrussische ErzĂ€hlung berichtet, daß ein Menschenweib einmal einen neuge-boraen Ljeschi nackend und kreischend auf der Erde liegen fand. Sie hob ihn mitleidig auf und deckte ihn mit ihrem warmen Tuch. Bald darauf kam die Lisunka, die Mutter des Kleinen, und beschenkte das mitleidige Weib dankbar mit einem Topfe glĂŒhender Kohlen, die sich hinterher in Gold verwandelten. Im wesentlichen dieselbe Geschichte wird in ThĂŒringen von einem Holzweibchen erzĂ€hlt.2 Zuweilen entfĂŒhren die Ljeschie sterbliche Jungfrauen und machen sie zu ihren Eheweibern. Doch ob sie nun unter sich eheliche Verbindungen schließen, oder mit Sterb-

lichen, ihre VermĂ€hlung ist stets von lĂ€rmenden Festlichkeiten und heftigen StĂŒrmen begleitet. Geht der Hochzeitzug durch ein Dorf, so wird manches Haus zu Schaden kommen, geht er durch einen Wald, so kommt mancher Baum zu Falle. Selten wagt es ein Bauer auf einem Waldpfade sich hinzulegen, denn der Brautzug des Waldgeistes könnte des Weges kommen und ihn im Schlafe zermalmen. Im Gouvernement Archaugel gilt der Wirbelwind als der Tanz des Ljeschi mit seiner Braut. Den zweiten Tag nach seiner Hochzeit geht der Waldgeist nach allgemein russischer Sitte mit seinem jungen Weibe zum Bade und wenn ihnen dann ein Sterblicher begegnet, so bespritzt ihn das wĂŒrdige Paar mit Wasser und weicht ihn von Kopf bis zu Fuß ein. Wie Weiber raubt der Ljeschi Kinder, trĂ€gt sie in seine unterirdische Behausung und lĂ€ĂŸt sie erst nach Jahren ganz verwildert wieder heraus.1

§ 20. Peruanische und brasilianische Waldgeister.

Zum Vergleich mit diesen europĂ€ischen Waldgeistern und ehe wir noch einmal ihre lange Reihe prĂŒfend ĂŒberschauen, setze ich noch ein Beispiel aus einem entlegenen Weltteil und einer andern Zone her, an welchem einigermaßen gemessen werden kann, in wie weit die Apperception Ă€hnlicher KuturverhĂ€ltnisse zu Ă€hnlichen mythischen Gebilden sich verdichtet. Poppig 2 fand in den WĂ€ldern von Peru den Glauben an ein gespenstiges Wesen lebendig, Namens Uchuclla-chaqui.

„Wo der Wald am dunkelsten ist, wo die lichtscheuen Amphibien und Nachtvögel sich aufhalten, wohnt dieses gefĂ€hrliche Wesen und versucht in befreundeter Gestalt erscheinend den Indianer zu verderben. Es giebt die wohlverstandenen Zeichen, deren sich die geselligen JĂ€ger zu bedienen pflegen; es lockt den GetĂ€uschten selbst immer unerreichbar weiter und tiefer in die Oede und verschwindet mit lautem HohngelĂ€chter, wenn der RĂŒckweg verloren ist und die Schrecken der Wildniß durch die herabsinkenden Schatten der Nacht sich mehren. Bisweilen trennt es wohl auch die gemeinsam auf Jagd gezogenen, allein nie tĂ€uscht es den Erfahrenen, der in seinem Mißtrauen die Spur des Feindes untersucht. Kaum gewahrt er die ganz ungleiche GrĂ¶ĂŸe des Abdrucks der FĂŒĂŸe, so kehrt er eilig zurĂŒck und wohl lĂ€ngere Zeit wagt niemand einen Zug in die Wildniß, denn nur vorĂŒbergehend sind die Besuche des Unholds. In jener Fabel,“

fĂŒgt der ErzĂ€hler hinzu, „gewahrt man den Einfluß, den die unbeschreibliche Wildniß und Trauer der sumpfigsten und unbesuchtesten UrwĂ€lder selbst auf die sonst schwer bewegliche Phantasie des Amerikaners ausĂŒbt. Von ihr schafft sich kein EuropĂ€er ein Bild, denn die einsamsten Forste seines Weltteils bieten ihm nirgend etwas Aehnliches (?). Allgemein verbreitet ist der Glaube an jenes gespenstige Wesen, das sogar Nachts die im Freien schlafenden Reisenden umlauert, um sie nach halbem Erwachen unter erlogener Gestalt irre zu leiten. Viele Geschichten, zum Teile der neuesten Zeit angehörig, werden von solchem Verlieren besonders der Kinder erzĂ€hlt, und in der Tat ist nichts leichter möglich, als in solchem Walde nach wenigen Schritten Entfernung das Lager nicht wieder finden zu können, wenn weder ein Lichtschein noch rufende Stimmen die Richtung angeben.“ Ganz ĂŒbereinstimmende Erfahrungen machten in neuerer Zeit Bates und nach ihm R. Schlobach in Brasilien.1

Bates schildert den fremdartigen Eindruck, den die DĂŒsterheit und Stille im brasilianischen Walde hervorbringt, und spricht von dem betĂ€ubenden Geheul der Affen und dem plötzlichen Todesschrei von Schlangen und Tigern verfolgter Tiere, sporadischen Lauten, durch welche das GefĂŒhl der ungastlichen Einöde, das der Wald hervorruft, nur noch mehr erhöht wird. Außerdem hört man Töne, die man sich nicht erklĂ€ren kann, „und die Eingebornen waren dies — wie ich fand — noch weniger im Stande, als ich selbst.“

Zuweilen hört man Töne, als ob mit einer eisernen Stange an einen hohlen harten Baum geschlagen wĂŒrde, oder ein durchdringender Schrei hallt durch die Luft. Das darauf folgende Stillschweigen erhöht den unangenehmen Eindruck, den solche einzelne nicht wiederholte Töne auf das GemĂŒt

1) Bates, Naturforscher am Amazonenstrom. Lpzg. 1866. S. 40. Schlobach in d. Illnstrirten Zeitung v. 25. Mai 1872.

machen. Bei den Eingebornen ist es immer der Curupira, der wilde Mann, der Waldgeist, der diese unerklĂ€rlichen Töne hervorbringt. Dieser ist ein sehr geheimnißvolles Wesen, dessen Attribute sehr ungewiß sind, da sie nach der Oertlichkeit wechseln. Er hat Weib und Kind und kommt zuweilen in die Rocas (Pflanzungen), um Mandioca zu stehlen. Ein junger Mameluco in Bates Dienste, dessen Kopf mit den Sagen und Aberglauben des Landes angefĂŒllt war, zitterte am ganzen Leibe, so oft er im Walde die oben erwĂ€hnten Laute hörte, kroch hinter Bates und bat ihn umzukehren. Er wurde erst wieder ruhig, nachdem er ein Zaubemittel zum Schutze gegen den Curupira gemacht hatte. Zu diesem Zwecke nahm er ein junges Palmblatt, welches er zusammenflocht und einen Ring daraus bildete, den er an einem Aste auf dem Wege aufhing. Wollte er dadurch den Waldgeist an den Baum fesseln?

Vergleichen wir noch, was J. G. MĂŒller von den Waldgeistern der sĂŒdamerikanischen Völker meldet.1 „Die Gurupira sind neckische, schadenfrohe Waldgeister, die den Indianern unter allen Formen begegnen, sich auch einmal in ein GesprĂ€ch mit ihnen einlassen, auch Feindschaften zwischen einzelnen Personen erregen und erhalten. Bei den Botokuden heißen die Waldgeister, welche grĂ¶ĂŸer oder kleiner gedacht werden, Janchon; sie beunruhigen ebenfalls die Leute. Sonst gehört zu den Waldgeistern auch Uaiuara, bald ein kleines MĂ€nnchen, bald ein gewaltiger Hund mit langen klappernden Ohren. Er lĂ€ĂŸt sich, wie das deutsche wilde Heer, am furchtbarsten um Mitternacht vernehmen. Ein anderer berĂŒhmter Waldgeist ist der Caypora der KĂŒstenbewohner, der Kinder und junge Leute raubt, sie in hohle BĂ€ume verbirgt und dort fĂŒttert.“

§ 21. RĂŒckblicke und Ergebnisse.

Blicken wir noch einmal auf die lange Reihe der besprochenen Wald- und Feldgeister zurĂŒck, so wird das Beispiel der zuletzt aufgefĂŒhrten sĂŒdamerikanischen DĂ€monen uns hinreichend belehren können, daß unter ganz verschiedenen Himmelsstrichen, bei Völkern, deren Lage jeden Gedanken einer Entlehnung von einander ansschließt, aus einer Alt psychologischer Notwendigkeit sich ĂŒber-

1) Geschichte der amerikanischen Urreligionen. Basel 1855. S.259

 

raschend Ă€hnliche Mythengestalten erzeugt haben. Die Uebereinstimmung jener indianischen Vorstellungen vom Waldgeist ist am grĂ¶ĂŸten mit dem Volksglauben in Schweden und Rußland, zweien europĂ€ischen LĂ€ndern, deren Wald noch am meisten die Natur des Urwaldes bewahrte. Sie betrifft vorzugsweise CharakterzĂŒge und Handlungen, welche aus diesem Naturverhalt fließen, Rufen, HohngelĂ€chter, IrrefĂŒhren. Eine jedoch weit grĂ¶ĂŸere FamilienĂ€hnlichkeit mit einander tragen die nordeuropĂ€ischen Waldgeister au sich, sie sind offenbar VarietĂ€ten ein und derselben Art, deren verschiedene Abwandlungen wesentlich durch die Reflexe der localen NaturverhĂ€ltnisse bedingt werden. Zum Erweise dieser Behauptung stelle ich in ĂŒbersichtlicher KĂŒrze die ĂŒbereinstimmenden ZĂŒge zusammen. Aus denselben wird hervorgehen, daß wir die Waldleute (wilden Leute, Skogsnufvar, Ljeschie u. s. w.) anzusehen haben als eine Verschmelzung von Baumgeistern und Windgeistern; schwerlich spielt eine Erinnerung an wirkliche Menschen, rohe halbtierische Ureinwohner hinein, die sich vor unserer Race in die WĂ€lder zurĂŒckgezogen hĂ€tten und im VolksgedĂ€chtniß zu DĂ€monen geworden wĂ€ren, eine Ansicht, die neuerdings allerdings einige mehr oder minder consequente Vertreter (HyltĂ©n-Cavallius, Chr. Schneller u. s. w.) gefunden hat.

Die Gestalt der Waldgeister wird bald riesenhaft, bald zwergisch beschrieben, fĂŒr gewöhnlich menschenĂ€hnlich, aber in alle möglichen Tier- und Pflanzenformen verwandlungsfĂ€hig. Tiergestalt auf lĂ€ngere Dauer mißt man der gente salvatica S. 113, zeitweilige Geißgestalt den Ljeschie S. 138, Dialen S. 95, Delle Vivane S. 116 bei. Die vom wilden JĂ€ger gejagten ganz in Moos gekleideten Moosweibchen in Wildenmann trugen GĂ€nsefĂŒĂŸe.1 Die Skogsnufva trĂ€gt Tierfelle und Kuhschwanz S. 128, die ihr entsprechende dĂ€nische Waldfrau S. 126 verwandelt sich noch altertĂŒmlicher in eine Kuh.2 Wenn die Fangga sich in Wildkatzenfelle kleidet und Stutzkatze heißt, so erblicke ich darin einen Fingerzeig, daß dieses Wesen auch Wild-

katzengestalt annehmen konnte. Die Holzweiber, wilden Weiber und der Skougman sitzen auch wol als Eulen auf den BĂ€umen S. 127, der lettische mahjas kungs entweicht in Gestalt eines Vogels S. 53, auf der unersteiglichen Alpe Morin in Tirol sollen drei Selige wohnen, die in Geiergestalt die Gemsen beschĂŒtzen und den JĂ€gern feind, den Hirten freund sind.1 Das Aussehen der Waldgeister, wenn sie anthropomorphisch auf treten, enthĂ€lt manche ZĂŒge, welche darauf hindeuten, daß die Phantasie zu ihrer Ausstattung bei den BĂ€umen eine Anleihe machte. Sie tragen einen behaarten moosbewachsenen Leib oder grĂŒne Kleidung; 2 einen RĂŒcken, hohl wie ein morscher Baumstamm oder ein Backtrog;3 und ihre großen BrĂŒste dĂŒrften als ein sinnlich symbolischer Ausdruck der VegetationsfĂŒlle betrachtet werden;4 ihre langen gelben oder sonst weithin im

Winde flatternden Haare 1 erinnern an die Auffassung des (vom Sturme durch den Wald gejagten) Laubes als Baumhaar. Gradezu als Pflanzengeister treten sie auf, wenn ihr Leben und ihre GrĂ¶ĂŸe an das Leben der BĂ€ume und GrĂ€ser geknĂŒpft erscheint.2 Hiemit stimmen indirecte Zeugnisse ĂŒberein. Das SchrĂ€tlein zieht sich vom Teufel verfolgt in den Baum zurĂŒck S. 115; die Verwundung des seligen FrĂ€uleins wird bestraft, wie ein Axthieb in den Waldbaum S. 105. Um die Holzweibel, Seligen u. s. w. zu retten, muß man drei Kreuze in den Baum hauen, wĂ€hrend er fĂ€llt S. 83. 106. Auch die GarnknĂ€uel der HolzfrĂ€ulein, Seligen, Fanggen und wilden Weiber weisen nach S. 76 vielleicht auf MoosfĂ€den zurĂŒck.

Das Wesen der Waldgeister erweitert sich aber deutlich von Baumgeistern zu Genien der gesammten Vegetation. Die HolzfrÀulein walten auch im Gras- und Kornwuchs S. 77 ff, die Ljeschie sind Waldgeister und zugleich DÀmonen der niedem Kulturpflanzen S. 138; vgl dazu die hessischen Wildleute S. 87. Die nÀmliche Doppelrolle als Wald- und KorndÀmonen spielen die Dames vertes. Auch die wilden Weiber erscheinen als

Genien von KrĂ€utern S. 106. Die vom wilden JĂ€ger gejagte Frau lĂ€ĂŸt sich als Walpurgis in eine Garbe einbinden S. 121. Vgl. den russischen und den schwedischen Zaubersegen, um die Waldgeister herbeizurufen S. 142.

Andererseits springt deutlichst als durchstehende Vorstellung in die Augen, Wirbelwind, Sturm und Gewitter seien LebensĂ€ußerungen des nĂ€mlichen Geistes, der in ruhigen Momenten — wie wir sahen —- in WaldbĂ€umen verkörpert erscheint.1 Vom wilden JĂ€ger oder Teufel, resp. dem Donner gejagt finden wir die Moosleute, HolzfrĂ€ulein, Selige, SchrĂ€tlein, Wildfrauen in Steiermark, Unterirdische und weiße Weiber in Lauenburg und Mecklenburg, dĂ€nische Meerfrauen, Skogsnufvar in Schweden. Nach verschiedenen z. T. den Ă€ltesten bezeugten Varianten ist die gejagte Frau die Buhle des wilden JĂ€gers S. 125. Dem KĂŒssen gilt der Wirbelwind als der Hochzeitstanz des Waldgeistes mit seiner Braut S. 143. Da nun die Erscheinung der wilden Jagd meistenteils mit dem Gewittersturme zusammenfĂ€llt,2 dem Gewitter aber, das physikalisch betrachtet ja ĂŒberhaupt nur ein secundĂ€res Product des vom Boden aufsteigenden, oder von oben her hereinbrechenden und den entgegengesetzten Passat verdrĂ€ngenden Luftstromes ist, grĂ¶ĂŸtenteils merklich Wirbelwind vorangeht und heftigerer Wind nachfolgt;3 da der

Wirbelwind als fahrende Frau,1 Hexe,2 ThĂłrs pjĂ€ska (S. 128) Windsbraut,3 auch sonst in Gestalt eines weiblichen Wesens personifiziert wird, so halte ich es fĂŒr wahrscheinlich, daß anfĂ€nglich der im Wirbelwinde sein Dasein bekundende Waldgeist es war, der vom wilden JĂ€ger (dem nachfolgenden stĂ€rkeren Unwetter) gejagt erschien.4 Es ist auch deutlich, warum insonderheit die mĂ€nnlichen Waldgeister (wilder Mann, Hulte, Ljeschi) sodann aber auch z. T. eben jene weiblichen Waldgenien eben sowol fĂŒr sich allein im Winde daherfahrend oder als AnfĂŒhrer der wilden Jagd daherstĂŒrmend dargestellt werden konnten. Die angegebene Deutung trifft auf die GewitterstĂŒrme im Sommer und die Mehrzahl unserer Sagen vollkommen zu. Wenn aber daneben nach manchen Sagen der Umzug der wilden Jagd oder des wĂŒtenden Heeres und ebenso der unserer Waldgeister zu Weihnachten, in der Neujahrsnacht oder Dreikönigsnacht vor sich geht, wenn die Jagd auf das geisterhafte Weib sieben Jahre (d. h. doch wol die 7 Wintermonate von October bis Mai) dauern soll, so ist es bei der Seltenheit der Wintergewitter in unsem Gegenden allerdings offenbar, daß hier die Jagd auf das Waldweib die angegebene Bedeutung nicht haben kann. Vielmehr sprachen wir schon S. 124 unsere Meinung dahin aus, daß dabei der Gedanke zu Grunde zu liegen scheint, im Winter sei der weibliche Waldgeist, die Genie des BlĂ€ttergrĂŒns, gleichsam verzaubert und fliehe vor dem im Sturme ihm nachsetzenden GefĂ€hrten, der zum Maitag (vgl. St. Walpurgis S. 121) sie erreiche, und [nach urtĂŒmlichst roher Weise der Hochzeit durch Frauenraub] quer ĂŒber sein Roß lege.5 Ist diese Deutung richtig, so hat eine Verschiebung, eine Umdeutung eines ursprĂŒnglichen Gleichnisses in ein anderes stattgefunden. Die Probe wĂŒrde erst gemacht werden

können durch eine genaue Untersuelumg aller sonstigen Jagdobjecte des wilden JĂ€gers, denn es ist jedenfalls wichtig, zuvor zu wissen, ob die Eber, Rosse1, (Rinder?), Hirsche, (Rehe). Kaninchen, HĂŒhner, welche je in verschiedenen Landschaften statt der Waldfrauen den Gegenstand der Verfolgung von Seiten der wilden Jagd ausmachen, und deren Schenkel dem Spötter aus den Wolken zugeworfen werden, wie der Fuß des Waldweibes, entweder sĂ€mmtlich, oder doch teilweise nur eine andere Form desselben Gedankens sind, den die gejagten Waldleute ausdrĂŒckeu. Wir mĂŒssen davon abstehen diese schwierige Frage an diesem Orte weiter zu verfolgen.2 Es erscheint uns die zuerst von

W. Schwarte aufgestellte Deutung, wonach die von der wilden Jagd herabgeworfene Lende oder HĂ€lfte der Holzfrau, sowie die in Gold sich wandelnden Geschenke der thĂŒringischen und czechischen Waldweiber, Lisunki u. s. w. ursprĂŒnglich den Blitz bedeuten, nicht unwahrscheinlich, wenngleich keinesweges gesichert. Mit der Natur der Waldgeister als Wind- und Wetterwesen scheint auch der Zug zusammenzuhangen, daß die Waldfrauen einen GĂŒrtel schenken, welchen sie einen Menschen anlegen heißen. Der Beschenkte umgĂŒrtet damit aber zuvor einen Baum, und derselbe springt augenblicklich zerrissen und zersplittert in StĂŒcke,1 Einen ebensolchen GĂŒrtel verleiht nĂ€mlich auch der in der Windsbraut umfahrende Hexenmeister.2 Der den Wald erfĂŒllende Nebel oder weiße an den Bergen hangende Wölkchen gelten als die WĂ€sche der Waldfrauen. Dergleichen wird erwĂ€hnt bezĂŒglich der wilden und seligen FrĂ€ulein, der Wildfrauen in Steiermark, der Froberte, Skogsnufvar und Dames vertes, sowie der Pysslingar unter dem Apfelbaum zu Falsterbro (ob. S. 61). Da die menschliche Seele als Lufthauch (animus, spiritus) betrachtet wurde, 3 so steht es auch wol mit der Windnatur der Waldgeister in Verbindung, daß die HolzfrĂ€ulein in arme Seelen, die Seligen in die Geister todter MĂŒtter ĂŒbergehen.

Ihrem UrsprĂŒnge nach dunkler, als die bis hieher behandelten Eigenschaften, sind diejenigen Aussagen, welche den Waldfrauen das Streben nach der Verbindung mit sterblichen MĂ€nnern, dem

Waldmann die Sucht nach christlichen Frauen zuschreiben. Die HolzfrĂ€ulein, die Seligen, Fanggen, die Skogsnufvar und Ljesche gehen eheliche Vereinigungen mit Menschen ein S. 79. 87. 103. 135. 143. Der Gesang und die schöne Gestalt der Seligen und wilden Weiber lockt JĂŒnglinge und junge MĂ€nner an ihre Seite. Wenn manche Sagen dieses Verhaltnis außerordentlich zart und geistig darstellen (S. 101), so zeigen andere eine rohere, vermutlich Ă€ltere Form S. 102.

Rauhe Else naht, wie die Skogsnufva, dem am nÀchtigen Feuer Liegenden und verlangt nach seiner Minne S. 108. Vgl. die agrestes feminae bei Burckard v. Worms S. 113. Das badische Wildweib hat mit dem JÀger ein Kind 88, und die Dames vertes locken den betörten Liebhaber ins Dickicht S. 118. Der Kulte stellt christlichen Weibern nach S. 127, ebenso die lesni muzove in Böhmen S. 87.

Daneben wird behauptet, daß die Waldgeister kleine Kinder rauben oder an sich ziehen und tödten. Der Salvanel, die wilden Weiber am Untersberge, die Fanggen S. 90, die divĂ© zeny in Böhmen S. 87 stehlen1 kleine Kinder. Oder die böhmische Waldfrau lockt sie an sich S. 87. Die Tiroler LangtĂŒttin legt sie an ihre großen unheimlichen BrĂŒste S. 108. Die Seligen holen sogar Wöchnerinnen aus dem Kindbett weg S. 108. Steht dazu in irgend einem VerhĂ€ltniß der Zug des Irreleitens, der von den Froberte, den Dames vertes, der rauhen Else, der Skogsnufva und ihrem Gemahe, dem Hulte, den Ljeschie, wie dem peruanischen Uchuclla berichtet wird? Bei unseren Waldweibchen und Moosleuten schlĂ€gt dieser Zug gradezu in sein Gegenteil um. Die Moosweiblein in Wildemann z. B. leiteten Fremde, die sich verloren hatten, auf die rechte Straße und teilten ihnen Wurzeln und KrĂ€uter zur Nahrung und Gesundheit mit.2

Die Waldgeister zeigen sich auch sonst den Menschen gerne dienstbar und gehen in Hausgeister ĂŒber. Die HolzfrĂ€ulein in ThĂŒringen und Franken, die wilden Leute in Baden, die Saligen in Tirol helfen zur Erntezeit den Arbeitern. Aber auch stĂ€ndig treten Holzweiber und WaldmĂ€nncken, Fanggen, Salige, zuweilen

1) Vemaleken, Mythen und Branche 249, 55.

2) Pröhle, D. Sag. S. 37, 8. Vgl. auch ob. S. 84.

auch SkogsrĂĄ in den Dienst des Menschen, besorgen das Vieh im Stalle und segnen Vieh und Vorratekammer; auch die Schretel spielen die Rolle der Penaten S. 115. Die wilden Geißler (S. 96 ff.) stellen gewissermaßen Penaten der Dorfschaft vor. Wie hier in Hausgeister gehen die Waldgeister anderswo unmerklich in andere Elbe, namentlich in Höhlen und ebenes Feld bewohnende Zwerge ĂŒber. Die Fanggen verlieren sich in Fenggen und FĂ€nken. Die von Fanggen, Holzweiblein und wilden Frauen erzĂ€hlte Geschichte von Todansagen (S. 90) wird auch von Zwergen berichtet. Wilde Leute werden local zu Nörgeln und Norken (S. 110), die Seligen zu Schanhollen (S. 102). Und die Seligen selber, die in fast allen StĂŒcken den Wald- und Moosweibchen entsprechen, verlieren den Character eigentlicher Waldgenien fast ganz. In der norddeutschen Ebene vertreten die Unnererdschen und weißen Weiber die Waldgeister des deutschen SĂŒdens und skandinavischen Nordens (S. 124). Mit einem Worte Wald- und Feldgeister sind sowenig durch eine feste Schranke geschieden, daß sie vielfach in einander rinnen.

1) Die IdentitĂ€t der Seliger), witten Wiwer und Hollen erweisen die Mitteilungen von A. Kauffmann und Birlinger in Pfeiffers Germania XI, 411 ff. und XVII, 78, wonach in Aufzeichnungen des XVI. Jabrh. von niederrheinischen unter schiinen BĂ€umen und krausen BĂŒschen wohnenden Geistern die Bede ist, fĂŒr welche die Namen „selige frauwen,“ „holden,“ „wyße frauwen“ als Synonyma gebraucht werden.

Text aus dem Buch: Wald- und Feldkulte (1875), Wilhelm Mannhardt.

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Siehe auch:
Wald- und Feldkulte – Vorwort
Wald- und Feldkulte – Grundanschauungen
Die Baumseele

InhaltsĂŒbergreifend: Deutsche Mythologie

Die einzelnen Kapitel des Buches:
Deutsche Mythologie – Seelenglaube und Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Der Seelenglaube
Deutsche Mythologie – Die Seele als Atem, Dunst, Nebel, Schatten, Feuer, Licht und Blut
Deutsche Mythologie – Die Seele in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die Seele in Menschengestalt
Deutsche Mythologie – Der Aufenthaltsort der Seelen
Deutsche Mythologie – Der Seelenkultus
Deutsche Mythologie – Zauberei und Hexerei
Deutsche Mythologie – Der Maren- oder Alpglaube
Deutsche Mythologie – Schicksalsgeister
Deutsche Mythologie – Der MĂŒtter- und Matronenkultus
Deutsche Mythologie – Naturverehrung
Deutsche Mythologie – Naturerscheinungen in Tiergestalt
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Elfen und Wichte
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Zwerge
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Hausgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Wassergeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Waldgeister
Deutsche Mythologie – Die elfischen Geister – Feldgeister
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Name und Art der Riesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Luftriesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Berg- und Waldriesen
Deutsche Mythologie – Die Riesen – Wasserriesen
Deutsche Mythologie – Der Götterglaube
Deutsche Mythologie – Name und Zahl der Götter
Deutsche Mythologie – MythenansĂ€tze und Mythenkreise
Deutsche Mythologie – MythenansĂ€tze und Mythenkreise – Der Feuergott
Deutsche Mythologie – Mythenkreise – Licht und Finsternis. Gestirnmythen.
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Tius
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Foseti
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Wodan
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Donar
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Balder
Deutsche Mythologie – Die einzelnen Götter – Deus Requalivahanus
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen
Deutsche Mythologie – Die Mutter Erde
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nerthus
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Nehalennia
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Tanfana
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Hludana
Deutsche Mythologie – Die Göttinnen – Haeva
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Frija
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Ostara
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Baduhenna
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – WalkĂŒren
Deutsche Mythologie – Die himmlischen Göttinnen – Schwanjungfrauen
Deutsche Mythologie – Der Kultus
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Gottesdienst, Gebet und Opfer
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Opferspeise
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Opferfeuer
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst im Wirtschaftsverbande
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst itn Staatsverbande
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst im Kriege
Deutsche Mythologie – Der Kultus – Der Götterdienst des Einzelnen im tĂ€glichen Leben
Deutsche Mythologie – Das Priesterwesen
Deutsche Mythologie – Wahrsagerinnen und Priesterinnen
Deutsche Mythologie – Das Erforschen der Zukunft
Deutsche Mythologie – Ort der Götterverehrung
Deutsche Mythologie – Tempel
Deutsche Mythologie – Tempelfrieden
Deutsche Mythologie – Tempelschatz
Deutsche Mythologie – Götterbilder
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Der Anfang der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Die Einrichtung der Welt
Deutsche Mythologie – Vorstellungen vom Anfang und Ende der Welt – Das Ende der Welt