Die Radierungen von Heinrich Vogeler-Worpswede aus den Jahren 1890-1907

aus dem Kunstmuseum Hamburg
HEINRICH VOGELER IST DER JĂŒngste und Vielseitigste in dem Moordorf. Er hielt sich zeitweise auf der DĂŒsseldorfer Akade wo er bei Arthur Kampf Unterricht nahm, und spĂ€ter in Worpswede von Mackensen belehren, zu dessen realem GefĂŒhl sein schwĂ€rmerischer Sinn heute gerade den Gegenpol bildet.

Am Fuße des Weyerberges, dicht vor dem Wald, liegt ein altes, weißgestrichenes, niedersĂ€chsisches Bauernhaus. Sein Besitzer hat es im Laufe der Jahre nach den eigenen Neigungen umgebaut. Er hat eine trauliche Mansarde daraufgesetzt, im Geschmack des Empire, und sie mit dicken weißen Urnen flankirt. Er hat eine weiße Estrade vor das Haus gebaut, um die sich im Sommer rote Rosen ranken, und sie wiederum mit den geliebten Urnen geschmĂŒckt. GrĂŒne LĂ€den hĂ€ngen vor den niedlichen Fenstern, die mit altmodischen Blumen besetzt sind. Vor der TĂŒr und zu FĂŒĂŸen der Estrade stehen steife Oleander- und LorbeerbĂ€umchen.

Der breite Haupteingang zu diesem altvĂ€terlichen Haus liegt auf der einen Giebelseite und ist von den mĂ€chtigen Kronen zweier KastanienbĂ€ume beschattet. Betrittst Du die gerĂ€umige Diele, so siehst Du ringsher auf den Gesimsen alte GerĂ€te aus Zinn und andere Zieraten in den Formen der Vergangenheit prangen, schöne, anheimelnde Sachen, alten Familien in der Worpsweder Gegend entstammend. Hier zur Seite kommst Du in ein winziges Zimmerchen, das den kleinen BĂŒcherschatz des Bewohners birgt. Dort geht es in eine stille Stube mit seidenen Tapeten und alten Mahagonimöbeln. Lugt Dein Auge durch die niedrigen Fenster, so sieht es in einen bunten Blumengarten, der wiederum die altmodischen Neigungen seines Pflegers verrĂ€t, und hinĂŒber zu den schlanken StĂ€mmen und hĂ€ngenden Zweigen jungfrĂ€ulicher Birken. — Hinter dem kleinen BĂŒcherzimmer geht es in ein Atelier. Es kann geschehen, daß Du laut auflachst, wenn Du die Schwelle ĂŒberschreitest, weil Dir irgend eine große, ĂŒbermĂŒtig gepinselte Kapriole entgegenschaut, ein riesiges, rotes, blutendes Herz etwa, mit dem Pfeil der Liebe hindurch, oder ein MĂ€nnchen oder SchĂ€fchen aus einer Spielzeugschachtel oder Ähnliches. Aber es kann auch geschehen, daß Dir plötzlich ist als trĂ€test Du in einen freundlichen Raum des Friedens ein, wenn nĂ€mlich vor Dir auf der Staffelei ein Bild in maienzarten Farben sich erhebt, ein Hain von Linden und blĂŒhenden Rosen, darin am Rande eines BĂ€chleins, weit von der Welt und ihrem LĂ€rmen entfernt, zwei junge Menschen in der Umarmung der Liebe stehen. — Das Atelier zeugt von der vielfachen BeschĂ€ftigung seines Bewohners. Man sieht da Kupferplatten mit begonnenen Radirungen; Kohlen-, Feder-und Bleistiftzeichnungen; Studien in öl; Blumen, Zweige und bunte GrĂ€ser; EntwĂŒrfe zu Möbeln, zu Teppichen, zu Buntpapieren, zu Tapeten; Zeichnungen fĂŒr Buchschmuck und solche fĂŒr Stoffe und GewĂ€nder, Hier hĂ€ngt eine Guitarre und dort in einer Ecke steht ein ewig geöffnetes Klavier. Schaust Du aber durch die Fenster hinaus, so siehst Du wieder die lieblichen Zweige der Birke schwanken, des MĂ€gdleins unter den BĂ€umen.

Das weiße Haus am Weyerberg ist der Barkenhoff, und sein Bewohner ist der Maler Heinrich Vogeler. Dieser KĂŒnstler, der mit seiner dicken schwarzen Krawatte, seinen Vatermördern und Gamaschen ein Teil seines behaglichen HĂ€uschens zu sein scheint, betrachtet die Welt und ihre Erscheinungen bei Gott nicht mit den Augen des psychologischen Beobachters wie Mackensen, sondern vor Allem mit einem reichen poetischen Empfinden. Seine Landschaften sind Stimmungen mit dem vertieften Gehalt der mannigfachen Worpsweder Motive. Er ist nicht der Mann der gewaltigen Stimmungen, wie wir sie von Overbeck und Modersohn kennen. Er lebt sich nicht in den Aufruhr der Elemente hinein, er sucht nicht das Gewaltige der Natur zu bannen, wir haben keine Moorbilder, vom Sturm gepeitscht, oder drohende Wolkenmassen von ihm oder Gewitter, die ĂŒber den Weyerberg ziehen, Bilder, wie sie eigentlich alle anderen Worpsweder gemalt haben. Nein, seine Landschaften sind idyllisch, sanft, Friedensbilder. Er liebt vor Allem den FrĂŒhling und liebt ihn mit seinem ganzen schwĂ€rmerischen Herzen. Birke und Linde stehen ihm von den BĂ€umen am nĂ€chsten. Besonders die dĂŒnnen StĂ€mme und Zweige der FrĂŒhlingsbirke hat er immer wieder mit zarten Mitteln gedichtet. Die Linde verwendet er gern als dekorativen Hintergrund bei figĂŒrlichen Darstellungen. Seine FrĂŒhlingsbirken, die eine sehr persönliche Note haben, sind Ă€ußerst charakteristisch fĂŒr ihn. Sie sind fein und schlank und muten wohl zuweilen wie lebendige Wesen an, wie junge blasse Menschen mit trĂ€umenden HĂ€uptern, die im FrĂŒhling stehen und seinen Segen auf sich niedergehen lassen. — In dem GrĂŒn der Wiesen, das er malt, blĂŒhen die bunten Blumen des FrĂŒhlings, Krokus, Tulpen, Mar-gueriten und gelbe Butterblumen. Den fĂŒr die Worpsweder Gegend bezeichnenden KanĂ€len und flachen Ufern der Hamme begegnen wir auch bei ihm. Er liebt es, lange dunkle KĂ€hne mit ruhig emporragenden Segeln langsam auf dem schmalen Wasser dahintreiben zu lassen, wodurch eine bedeutende dekorative Wirkung erzielt wird. Das niedersĂ€chsische, strohgedeckte Bauernhaus mit seinen weißlich-grauen Kalk- oder roten BacksteinwĂ€nden fehlt nicht. Die Stilisirungen greifen gern auf eine freundliche Vergangenheit zurĂŒck. So sehen wir HĂ€user, fĂŒr die der Barkenhoff vorbildlich war, oder weiße Mauern, die einen Maiengarten begrenzen, mit einer TĂŒr, wie wir sie noch aus der Kindheit her von den GĂ€rten unserer Großeltern kennen.

Der Akzent von Vogelers Bedeutung liegt nicht in der Landschaft als solcher, wie bei den andern Worps-wedern, mit Ausnahme Mackensens. Vogeler interessirt da am meisten, wo er figĂŒrliche Darstellungen in die Landschaft hineinbringt; da, wo er sie mit dem FĂŒhlen still in ihr atmender Menschen vermĂ€hlt. Diese Menschen sind nun zumeist, wie die Landschaften selbst, Geschöpfe des FrĂŒhlings.

Vogelers FrĂŒhlingskinder sind keine Gestalten aus der Welt unserer Tage. Der poetische Sinn dieses KĂŒnstlers greift in romantischem Sehnen zurĂŒck in die blauen Tage einer Zeit, da der Ritter das FrĂ€ulein liebte, da es Knappen in weichem Sammet und schimmernder Seide gab, da das SchloßfrĂ€ulein auf den Zinnen der vĂ€terlichen Burg im Abendglanz stand und hinausblickte auf die ruhenden Felder, ob es den nahenden Geliebten nicht sĂ€he. Vogeler ertrĂ€umt sich mit Vorliebe so eine golden-romantische, etwa mittelalterliche Zeit, nicht so wie sie jemals wirklich war, sondern so, wie sie seinen TrĂ€umen hold erscheint, eine Welt, die eigentlich nur eine Welt der GefĂŒhle ist, losgelöst von Ort und Zeit. Er stellt junge Knappen in langen Röcken aus kar-moisinrotem Sammet dar, das Schwert an dem goldenen Gurt und eine stĂ€hlerne Haube auf dem lockigen Haupt. Schlanke MĂ€dchen mit großen Augen und langherabwal-lenden, lichten GewĂ€ndern. MĂ€dchen mit duftendem, ĂŒber die Ohren herabgekĂ€mmtem Haar und feinen Gliedern; mit still sinnenden ZĂŒgen unter dem blauen Auge und schmalen, weißen HĂ€nden, wie sie Rossetti liebte. Diese jungen Ritter und MĂ€dchen wandern durch den FrĂŒhling und lieben einander. Sie lieben sich tief und schweigend, mit einer Liebe, die keusch und heilig ist wie der FrĂŒhling, in dem sie blĂŒht. Vogeler versteht es vortrefflich, diese reine stille Liebe, die den einen Menschen zum andern mit tiefem Sehnen hinĂŒberzieht, zwischen zwei jungen Leuten zu gestalten und mit der umgebenden Natur in Einklang zu bringen. Er lĂ€ĂŸt seine Liebespaare in langsamem Schreiten und Arm in Arm unter hellen Birken wandern oder an knospenden Rosen mit hohen StĂ€mmen vorbei. Er lĂ€ĂŸt sie in einem blĂŒhenden Garten stehen und in stummer, weltvergessener Umarmung sich kĂŒssen, wĂ€hrend die Nachtigall aus dem Rosenbusch schlĂ€gt und hinten die runden Kuppeln grĂŒnender Linden rauschen. WĂ€hrend sie so beieinander stehen, will es scheinen, als seien die beiden Gestalten in ein großes, inniges GefĂŒhl verschmolzen. Er lĂ€ĂŸt sie auch gern auf einer einsamen Bank beisammen an einem HĂŒgel sitzen und trĂ€umend in die Ferne schauen, wĂ€hrend die Sonne vergeht und die Zinnen einer fernen Burg im Abendrot erglĂ€nzen; und das blonde Haupt des MĂ€dchens sinkt langsam an die Schulter des Geliebten nieder, der seinen Arm in glĂŒcklichem Empfinden um das Leibchen seines FrĂ€uleins legt. Vogeler hat dieses Thema verschiedentlich variirt, mit Vorliebe so, daß die Liebenden dem Beschauer den RĂŒcken wenden. Am glĂŒcklichsten ist das Motiv auf einer ziemlich großen Radirung „Idylle“ zum Ausdruck gebracht. Eine allegorische Figur der Minne, ein schönes MĂ€dchen mit langem Haar, sitzt hier zu FĂŒĂŸen des liebenden Paares im Grase und greift auf einer Laute große Accorde, die diese Szene menschlichen GlĂŒckes zu einer Symfonie verklĂ€ren. Auf einer anderen Radirung „Im Mai“ ist das Paar auf der Bank, dem Betrachtenden den RĂŒcken kehrend, ein Paar des Alters, das in beschaulichem Erinnern auf die werdende Natur und die stillen HĂ€user von Worpswede niederblickt.

Neben den Figuren aus einer erdichteten Ritterzeit ziehen den KĂŒnstler vorzĂŒglich die Menschen aus jenen altvĂ€terlichen Tagen an, wo die MĂ€nnlein mit langen farbigen Schoßröcken, Vatermördern und breitkrempigen Zylindern einherschritten, wĂ€hrend die MĂ€dchen ihr in großen Locken geringeltes Haar auf die Schultern niederfallen ließen und ĂŒber der Brust gekreuzte SpitzentĂŒcher trugen. Zu dem Stil jener friedlichen Epoche, die wir die Biedermaierzeit heißen, hat Vogeler reiche Beziehungen. Er liebt die Roscnguirlanden, die sich in einfachen Bogen schwingen, Urnen mit BlumenkrĂ€nzen und OleanderbĂ€umchen mit runden Kronen. Er trĂ€umt gar zu gern in der Vergangenheit und lĂ€ĂŸt die lĂ€rmenden Tage unserer Zeit in dem entlegenen Worpswede in nicht berĂŒhrender Ferne an sich vorĂŒberziehen. Er schafft sich im Gegensatz zu den schnelllebenden Menschen der Gegenwart leidenschaftslose, stille, glĂŒckliche Gestalten, die der Natur ganz nahe stehen, deren GlĂŒck in einer romantischen Sehnsucht und in der Liebe zu einem zĂ€rtlich empfindenden Herzen liegt; Menschen, die gern die Laute schlagen und die Glocken ĂŒber die Felder klingen hören; die auf den Sang der Vögel und das Gemurmel der Quellen lauschen; die ihren MĂ€dchen Veilchen pflĂŒcken und fromme Worte sagen; die in das GetĂŒmmel der großen Welt nicht passen wĂŒrden.

Es wĂ€re seltsam, wenn ein Mensch, der sich so gern in die weit- und zeitenfemen Gefilde naiven Empfindens hineintrĂ€umt, nicht zu einem KĂŒnder der Poesie des MĂ€rchens wĂŒrde. Und Vogeler ist in der Tat ein MĂ€rchenkĂŒnder wie sie nicht hĂ€ufig sind. Er hat sich fĂŒr seine mĂ€rchenhaften Darstellungen vorzĂŒglich der Radirung bedient, die er mit besonderem GlĂŒck pflegt. Seine Themata schließen sich teils an bekannte MĂ€rchen an, teils sind sie Kinder einer freien Fantasie. Das Dornröschenmotiv — da, wo der Ritter an das schlafende Prinzeßchen herantritt, um es zu wecken — kehrt mehrfach wieder. Wir sehen den Froschkönig aus dem Graben springen, einer goldenen Krone entgegen, die fein sĂ€uberlich auf einem am Rande des Grabens ausgebreiteten Schnupftuch liegt. Das MĂ€rchen von den sieben Raben und dem suchenden Schwesterlein hat ihm als Vorwurf gedient. Dann sehen wir kleine Prinzessinnen mit Kronen auf dem glĂ€nzenden Haar in den FrĂŒhling staunen und sehen buckelige Hexen, die, auf den Stecken gestĂŒtzt, nach giftigen KrĂ€utern und Pilzen suchen oder ĂŒber bösen Gedanken brĂŒten, in der DĂ€mmerung. In den MĂ€rchendarstellungen kommt auch Vogelers drolliger Humor am besten zum Ausdruck. Etwas Kindliches, Dumm-SĂŒĂŸes steigt auf. Es ist als wohnten zwei Seelen in diesem KĂŒnstler: Die eine zieht ihn zur Gestaltung des innigen, reinen GefĂŒhls; die andere lockt ihn auf das Feld des Schnurrigen, Sonderbaren. So hat er eine schlanke Prinzessin radirt, die von einer Höhe unfern der vĂ€terlichen Burg hinab in die blĂŒhende Landschaft schaut; in der Hand trĂ€gt sie einen knospenden Zweig und zugleich die Schnur, die zu einem wollenen SchĂ€fchen leitet, einem Spielzeug, das auf HolzrĂ€dern rollt, wie die Kinder es haben.

Wir sagten, daß Vogeler mit Vorliebe radiert. Vielleicht darf man behaupten, daß er in einigen seiner radirten BlĂ€tter, auf denen die Aquatinta immer eine Rolle spielt, bisher sein Bestes ĂŒberhaupt gegeben hat. Es gibt radirte Exlibris von ihm, unter die schönsten gehörend, die in letzter Zeit in Deutschland gemacht sind. Besonders gern bedient er sich der Radirung, wir wiederholen es, zur Verkörperung seiner MĂ€rchentrĂ€ume. Die FrĂŒhlingsmotive sind natĂŒrlich auch hier vorherrschend. Wieder sehen wir den FrĂŒhling belebt von jungen Menschen, die selbst wie der FrĂŒhling sind: von jungen MĂ€dchen zumal, in jenem zarten Alter, wo sich eben aus dem Kind die Jungfrau entfalten will. Sie sitzen unter silbernen Birken und schauen lauschend den Vögeln in den Zweigen zu, oder sie wandern sinnend durch das Land, und ihre verlorenen Augen gehen ĂŒber duftende Felder. Das junge Paar, das seine erste Liebe trĂ€umt, ist immer wieder zu finden. Es gibt ein liebes Blatt von ihm, auf dem wir durch die Zweige eines LĂ€rchenbaumes zwei zĂ€rtlich sich umfassende Menschenkinder in der DĂ€mmerung des Abends wandern sehen. — Das Thema des Todes hat ihn mehrfach beschĂ€ftigt. So hat er ein Blatt „Tod und Alte“ radirt, keine herbe, ergreifende Szene, wie sie Mackensen gegriffelt haben wĂŒrde, sondern ein Vorgang ohne Schmerzen und Grauen: der Tod fĂŒhrt die Alte mit sanften Armen, ein Spender des Friedens, der Heimat zu.

Es bleibt noch Einiges ĂŒber Vogelers TĂ€tigkeit auf dem Gebiete der angewandten Kunst zu sagen. Er hat sich angelegentlich mit der Ausstattung von BĂŒchern beschĂ€ftigt. FĂŒr die Zeitschrift „Die Insel“, durch die er mannigfach angeregt wurde, hat er Initialen und anderen ornamentalen Schmuck gezeichnet, meist in einer glĂŒcklichen Holzschnittmanier. Er hat einige vorzĂŒgliche, auch farbig interessante Überzug- und Vorsatzpapiere — die schönsten fĂŒr ein eigenes Versbuch „Dir“ und fĂŒr Hugo v. Hofmannsthals Dramolet „Der Tor und der Tod“ — sowie eine Reihe von TitelblĂ€ttern entworfen. Am reichsten trĂ€gt die Spuren seiner Hand das Buch „Dir“ (Verlag der „Insel“): hier stammt Alles von ihm, bis auf die selbstgeschriebene fantasievolle Schrift und die selbstgedichteten Verse. Eine FĂŒlle von anmutigen Linien und Liebesmotiven steckt in dem Buch, das im ĂŒbrigen freilich ganz nach der zeichnerischen Seite hin angelegt ist. Von anderen BĂŒchern, die Vogeler mit immer weiter sich entwickelnder Neigung zur Stilisirung geziert hat, seien die folgenden genannt: Jacobsen: Marie Grubbe (Verlag Eugen Diederichs), Kurd Laßwitz: Nie und immer (ebenda), Salus: EhefrĂŒhling (ebenda), Tieck-Brentano: MĂ€rchen (ebenda), Forbes-Mosse: Mezzavoce (Verlag Schuster und Loeffler), Bierbaum: Irrgarten der Liebe (Verlag der Insel), Rilke: Mir zur Feier (Heimatverlag Berlin) Bahr: Bildung (Insel), Hofmannsthal: Der Kaiser und die Hexe (ebenda), Schaukal: Pierrot und Colombine (Verlag Herrn. Seemann Nachf.), Bethge: Sonnenuntergang (Verlag Fischer und Franke).

Es gibt einige in Scherrebeck gewebte Wandteppiche von Vogeler, mit Blumen- und MĂ€rchenmotiven (Dornröschen). Ferner Stickereien, meist BlĂŒten, die von einem sorgfĂ€ltigen Naturstudium zeugen. Die Reihe der Exlibris, die er radirt und gezeichnet hat, ist groß. Er hat Möbel entworfen, mit sichtlichem Behagen an der GemĂŒtlichkeit unserer GroßvĂ€ter. Rosen- und Guirlanden-Motive applizirt er hier gern. Diese Möbel sind un-gemein wohnlich und anheimelnd, ohne jede Feierlichkeit. GerĂ€umige Schreibtische mit kleinen StĂ€bchengalerien und vielen KĂ€sten, hellgelbe Betten mit grĂŒnseidenen VorhĂ€ngen und behagliche StĂŒhle mit Armlehnen. In diesen StĂŒhlen lassen sich poetische TrĂ€ume spinnen und alte Erinnerungen, die fast vergessen waren, tauchen, wenn Du beschaulich in ihnen ruhst, wieder vor Dir auf.

Vogeler ist 1873 in Bremen geboren. Er schafft auf dem Boden der Heimat, von dem er sein Bestes empfangen hat. Seine Entwickelung ist noch in stetem Fluß. Eine Ă€sthetische Verfeinerung tritt immer stĂ€rker hervor. Er hat nahe Beziehungen zu Literatur und Musik. Sein Wesen ist eine trĂ€umerische Stille und Weltabgeschlossenheit. Englische EinflĂŒsse ĂŒber die PrĂ€rafaeliten her sind zu verzeichnen. In letzter Zeit macht sich eine Bestimmung durch Beardsley in der zeichnerischen Manier bemerkbar. Die zeichnerischen Elemente sind reicher bei diesem Worpsweder entwickelt als die malerischen. Er ist ein KĂŒnstler von Fantasie und einem Ă€ußerst zarten Empfinden. Ein poetischer SchwĂ€rmer, von romantischem Sehnen erfĂŒllt. Ein klares GemĂŒt, nachsinnend den blauen Tagen der Vergangenheit und ihren verklungenen Sagen. Ein lyrischer TrĂ€umer, vertraut mit dem duftigen Zauber des deutschen MĂ€rchens. Ein KĂŒnder des FrĂŒhlings und der Liebe. So ist er, einem suchenden Ritter aus einem zeitenlosen Lande vergleichbar, ein Mensch, der sich aus dem glĂŒcklichen Streben nach einem goldenen Ziel das Leben zur Kunst gestaltet.
























Bildverzeichnis:

Heinrich Vogeler – Erster Sommer
Heinrich Vogeler – Am Quell
Heinrich Vogeler – Die 7 Raben
Heinrich Vogeler – Die Amsel
Heinrich Vogeler – Die Hexe II
Heinrich Vogeler – Die Hexe
Heinrich Vogeler – Die LĂ€rche
Heinrich Vogeler – Die Lerche
Heinrich Vogeler – Die lieben SchwĂ€ne
Heinrich Vogeler – Dornröschen
Heinrich Vogeler – Fischer
Heinrich Vogeler – Froschbraut
Heinrich Vogeler – Froschkönig
Heinrich Vogeler – FrĂŒhling
Heinrich Vogeler – FrĂŒhlingsabend
Heinrich Vogeler – FrĂŒhlingsmorgen
Heinrich Vogeler – Im FrĂŒhling
Heinrich Vogeler – Im Mai
Heinrich Vogeler – Liebe
Heinrich Vogeler – MĂ€rchen
Heinrich Vogeler – MĂ€rznacht
Heinrich Vogeler – Minnetraum
Heinrich Vogeler – Nacht
Heinrich Vogeler – Nymphe
Heinrich Vogeler – Schlangenbraut
Heinrich Vogeler – Sommerabend
Heinrich Vogeler – Storch ĂŒberm Weiher
Heinrich Vogeler – Tod und Alte
Heinrich Vogeler – Um Mittag
Heinrich Vogeler – Vor Feierabend

Text aus dem Buch: Worpswede Hans am Ende, Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Fritz Overbeck, Carl Vinnen, Heinrich Vogeler, Author Bethge, Hans.

Siehe auch: