Die Kieler Woche 1914

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Die zwei weissen Völker! (The two white Nations!)

Am 22. Mai 1914 brachten die „Times“ folgende Nachricht: Besuch der Ostsee durch die Erste Flotte.

Die AdmiralitĂ€t teilt mit, daß vier Geschwader von Linienschiffen und Kreuzern im nĂ€chsten Monat in der Ostsee kreuzen sollen. Alle wichtigen HĂ€fen sollen dabei besucht werden, einschließlich Kiel, Kronstadt, Kopenhagen, Christiania und Stockholm. Diese Besuche haben eine Ă€hnliche Bedeutung, wie diejenigen, die britische Geschwader kĂŒrzlich österreichischen, italienischen und französischen HĂ€fen gemacht haben, den jetzt ein österreichisches Geschwader Malta macht, den ein russisches Geschwader im vergangenen Sommer Portland gemacht hat und den ein französisches Geschwader im nĂ€chsten Monat demselben Hafen machen wird. Sie sind zwischen den betreffenden Regierungen vereinbart, und da sie weder politische noch internationale Bedeutung haben, so darf man hoffen, daß sie nicht anders ausgenĂŒtzt werden, als zu dem ĂŒblichen Austausch von Gastfreundschaft, die bei solchen Besuchen zu erwarten ist. Diese Fahrten werden den Offizieren und Mannschaften sehr willkommen sein, da sie eine Erholung von der Einförmigkeit des tĂ€glichen Dienstes in den heimischen GewĂ€ssern bedeuten und zur Kenntnis von fremden HĂ€fen beitragen. Das letztemal, daß britische SeestreitkrĂ€fte in der Ostsee waren, war im Herbst 1912, als das Zweite Kreuzergeschwader Christiania, Kopenhagen, Stockholm, Reval und Libau besuchte.

Folgende Bewegungen von Sr. MajestĂ€t Schiffen der Ersten Flotte kĂŒndigt der SekretĂ€r der AdmiralitĂ€t an:

DerVizeadmiral des Zweiten Linienschiffs-Geschwaders wird an Bord seines Flaggschiffes „King George V.“ mit „Ajax“ „Audacious“ und „Centurion“ und der Kommodore des Ersten Kleinen Kreuzergeschwaders wird an Bord der „Southampton“ mit „Birmingham“ und „Nottingham“ Kiel vom 23.—30. Juni besuchen.

Die Nachricht von diesem beabsichtigten englischen Flottenbesuche in Kiel erregte in Deutschland und ĂŒberhaupt in der ganzen Welt allergrĂ¶ĂŸtes Aufsehen. Die einen wollten darin einen bedeutenden Schritt zur Entspannung der politischen Lage sehen, die andern sahen darin nur eine letzte Spionage vor dem unvermeidlichen Zusammenstoß. Die deutschen Zeitungen beschĂ€ftigten sich bald lebhaft mit dem zu erwartenden englischen Flottenbesuch, und die Marine traf allerlei Vorbereitungen zum Empfang der Schiffe in Kiel. Unter anderem befahl Seine MajestĂ€t der Kaiser, daß den beiden englischen Seebefehlshabern zwei deutsche Seeoffiziere zum persönlichen Dienst zugeteilt werden sollten. Noch im Mai erfuhr ich, daß ich zum Dienst bei einem der englischen Admirale vorgeschlagen sei, und Anfang Juni stand im Flottenbefehl, daß ich zum persönlichen Dienst bei Vizeadmiral Sir George Warrender und KapitĂ€nleutnant Kehrhahn zum persönlichen Dienst bei Kommodore Goodenough, dem FĂŒhrer der kleinen Kreuzer, kommandiert seien. Bei meinen Kommandos im Auslande, vor allem in Ostasien, sowie bei lĂ€ngerem Aufenthalt in England hatte ich stets gute Beziehungen zu EnglĂ€ndern, besonders zu gleichaltrigen englischen Seeoffizieren unterhalten. Ich hatte im Verkehr mit EnglĂ€ndern viele schöne Stunden verlebt, und so freute ich mich auch jetzt, als ich meine Kommandierung erfuhr, auf den zu erwartenden geselligen Verkehr mit den englischen Offizieren. Außerdem versprach ich mir mancherlei Anregungen fĂŒr meinen Beruf.

Am Dienstag, den 23. Juni, bestieg ich in Kiel zusammen mit dem englischen Marineattache in Berlin, captain Henderson, sowie dem fĂŒr das Einlotsen des englischen Flaggschiffes bestimmten Navigationsoffizier in aller FrĂŒhe eine Motorbarkasse, mit der wir dem englischen Geschwader bis zum BĂŒlker Feuerschiff, das etwa zehn Seemeilen von Kiel entfernt liegt, entgegenfuhren. Es war ein regnerischer, diesiger Tag, nur eine leichte Brise wehte. Beim BĂŒlker Feuerschiff trafen wir mit den sechs Motorbarkassen der Navigationsoffiziere zusammen, die die ĂŒbrigen Schiffe einlotsen sollten. Unsere kleine Flottille war gerade versammelt, als wir im Norden zwei, starke Rauchwolken ausmachten. In zwei Kolonnen steuerten die englischen Schiffe auf uns zu. Wir erkannten bald in der linken Kolonne die in Kiellinie fahrenden vier Linienschiffe, in der rechten mehr zurĂŒckstehenden Kolonne die drei kleinen Kreuzer. Von unserem niedrigen Standort aus gesehen, boten die englischen Linienschiffe einen imposanten Anblick. Die schwarz-graue Farbe wirkte auf dem nebelgrauen HintergrĂŒnde fast wie schwarz. DrĂ€uend schoben sich die Schiffskolosse heran, die grĂ¶ĂŸten Kriegsschiffe der Welt. Es waren die angekĂŒndigten Dreadnoughts „King George V.“, „Ajax“, „Audacious“ und „Centurion“ sowie die drei kleinen Kreuzer „Southampton“, „Birmingham“ und „Nottingham“. Auf dem Flaggschiffe, auf dem im Vortopp die englische Vizeadmiralsflagge wehte, ging ein Signal hoch, als man unser Winken bemerkte. Die Schiffe stoppten, die Maschinen schlugen zurĂŒck, und als die mĂ€chtigen Schiffe zum Stehen gekommen waren, legten unsere sieben Motorbarkassen fast gleichzeitig an den sieben englischen Schiffen an. Wir gingen lĂ€ngsseit vom Steuerbord-Seefallreep des „King George V.“, und kletterten, dort an Bord. Der erste Offizier des Schiffes, commander Goldie, empfing uns und geleitete uns zum Admiral, der mit den Offizieren seines Stabes auf der hochgelegenen AdmiralsbrĂŒcke stand. Captain Henderson stellte uns dem Admiral vor. Ich bewillkommte ihn im Namen des Chefs der Hochseeflotte und des Chefs der Marinestation der Ostsee und meldete ihm, daß ich fĂŒr die Dauer der Anwesenheit des englischen Geschwaders in Kiel zum persönlichen Dienst bei ihm befohlen sei. Der Admiral dankte sehr liebenswĂŒrdig und erfreut und machte mich sogleich mit den Offizieren seines Stabes bekannt. Dies waren der flag-captain (Kommandant des Flaggschiffes) und gleichzeitig Chef des Stabes captain Baird, der flag-commander (Admiralstabsoffizier) The Honourable Arthur Stopford und der flag-lieutenant (Flaggleutnant) Buxton. Vizeadmiral Sir George Warrender war eine gute Erscheinung mit aristokratischem Gesicht, guten blauen Augen, bartlos. Er mochte wohl etwa 55 Jahre alt sein, war leicht ergraut, aber in seinem Wesen von jugendlicher ElastizitĂ€t und liebenswĂŒrdiger Fröhlichkeit. In meinem dienstlichen Bericht, den ich gleich nach dem Besuch des englischen Geschwaders eingereicht habe, habe ich ĂŒber die Persönlichkeiten des Admirals und der Offiziere seines Stabes folgendes berichtet:

Vizeadmiral Sir George Warrender, Bart.

Vizeadmiral Sir George Warrender, Bart., ist ein vornehmer Weltmann von echt englischem Typ mit sicherem und bestimmten Auftreten. Die Offiziere seines Stabes und seiner Schiffe schĂ€tzen seine Eigenschaften hoch ein, und auch sonst soll er in seinem Geschwader infolge seiner Charaktereigenschaften und seiner persönlichen FĂŒrsorge fĂŒr die Mannschaften sehr beliebt sein.

Schon beim Einlaufen und auch spĂ€ter fiel mir bei ihm — wie auch bei fast allen ĂŒbrigen englischen Offizieren — das kurze, geschĂ€ftsmĂ€ĂŸige Erledigen aller dienstlichen Vorkommnisse auf. Kurze Befehle und kurze Antworten, wofĂŒr die englische Sprache ja besonders geeignet ist. Im Dienst kein außerdienstliches Wort. So machte die Handhabung des Dienstes trotz des Fehlens der meisten unserer militĂ€rischen FormalitĂ€ten in Anrede, Sprache und Haltung einen sehr militĂ€rischen und sachgemĂ€ĂŸen Eindruck. Warrender ist schwerhörig, die Offiziere seines Stabes sind aber so auf ihn eingespielt, daß er sie auch bei leisem Sprechen versteht. Im Verkehr mit den ĂŒbrigen Offizieren und mit Fremden hatte er Schwierigkeiten, besonders wĂ€hrend lebhaften allgemeinen TischgesprĂ€chs.

War ich mit dem Admiral allein oder nur noch mit Mitgliedern seines Stabes zusammen, so erkundigte er sich eingehend nach den deutschen MarineverhĂ€ltnissen, und zwar bemĂŒhte er sich besonders die Lebens- und DienstverhĂ€ltnisse und den Geist unserer Offiziere und Mannschaften kennen zu lernen. Außerdem bekundete er lebhaftes Interesse fĂŒr unsere Funkentelegraphie und fĂŒr Motore, besonders fĂŒr unsere U-Bootsmotore. Das Vergleichen ihrer eigenen Marine mit der unsrigen war ihm und seinen Offizieren zur zweiten Natur geworden. Sir George Warrender bewies sich mehrmals als ausgezeichneter Redner. Er versteht etwas deutsch, machte aber beim Sprechen keinen Gebrauch davon. Ich mußte ihm auf seine Bitte tĂ€glich die eingegangenen deutschen Briefe und die Zeitungsartikel, die sein Geschwader betrafen, ĂŒbersetzen.

Sir George Warrender gilt als guter Tennisspieler und als sehr guter Golfspieler. Von Sr. MajestĂ€t dem Kaiser und Sr. K. H. dem Prinzen Heinrich sprach er stets mit grĂ¶ĂŸter Hochachtung. Er war ĂŒber die Aufnahme, die er und seine Frau bei Sr. MajestĂ€t dem Kaiser und Sr. K. H. dem Prinzen Heinrich gefunden hatte, sehr beglĂŒckt. Auch sonst bemĂŒhte er sich, gegen alle deutschen Offiziere möglichst zuvorkommend zu sein. Gegen mich bewies sich Sir George Warrender stets sehr liebenswĂŒrdig und fĂŒrsorgend. Er betonte des öfteren, wie dankbar er es empfĂ€nde, daß ihm und dem Kommodore Goodenough deutsche Seeoffiziere attachiert worden seien. TatsĂ€chlich nahm er mich auch ganz wie einen persönlichen Adjutanten in Anspruch.

Zusammenfassend möchte ich ĂŒber Sir George Warrender folgendes Urteil abgeben: er ist eine vornehme Persönlichkeit, hat seine Offiziere und Mannschaften gut in der Hand, ist ein klarer Kopf voll Interesse und VerstĂ€ndnis fĂŒr seinen Beruf und die politischen VerhĂ€ltnisse und von fast jugendlicher ElastizitĂ€t.

Flag-captain Baird.

Ist Chef des Stabes und Kommandant des Flaggschiffes in einer Person. Von frĂŒh bis spĂ€t auf den Beinen. Er regelte in erster Linie alle Offiziers- und Mannschafts-Angelegenheiten, die das ganze Geschwader betrafen (Festlichkeiten, Urlaub, Sportsachen usw.). Er macht Ă€ußerlich einen verbrauchten Eindruck, ist aber ein kluger, energischer Offizier.

Flag-commander The Honourable Arthur Stopford.

Ist als Admiralstabsoffizier Geschwader-Artillerieoffizier. Kluger Kopf, ehrliche, freimĂŒtige Natur, mit besonderen Sympathien fĂŒr deutsche HĂ€uslichkeit und Lebensweise.

Secretary Hewlett.

Besitzt eine große Vertrauensstellung. Er rangiert vor dem flag-commander. Seine TĂ€tigkeit entspricht völlig der unserer GeschwadersekretĂ€re.

Gegen 9 Uhr morgens liefen wir am 23. Juni in den Kieler Hafen ein. Es machte mir Spaß, diese so oft befahrene Strecke einmal auf der AdmiralsbrĂŒcke eines englischen Flaggschiffes zurĂŒcklegen zu können. Vor der Förde kamen wir in eine tĂŒchtige Regenböe, doch klarte das Wetter an der ĂŒber Labö gehenden Wetterscheide auf, und wir sahen den schönen Kieler Hafen in strahlendem Sonnenschein. Zahlreiche Yachten und Marineboote umkreisten uns, die Ufer waren dichtbesĂ€t mit Neugierigen, die herbeigeeilt waren, um die Einfahrt der berĂŒhmten englischen Dreadnoughts anzusehen. Von Labö an begleitete uns die weiße Motorbarkasse des Prinzen Heinrich, der uns mit seinen Damen begrĂŒĂŸte. Der Admiral und Prinz Heinrich begrĂŒĂŸten sich durch lebhaftes MĂŒtzenschwen-ken. In guter Ordnung und mit seemĂ€nnischem Geschick machten alle Schiffe fast gleichzeitig an den ihnen bestimmten Bojen fest. Bald darauf versammelten wir uns zum FrĂŒhstĂŒck in der Admiralsmesse. Der Admiral verfĂŒgte ĂŒber ein sehr großes Speisezimmer, das von Bordwand zu Bordwand reichte und mit Mahagoni getĂ€felt war. Ferner ĂŒber einen Salon, der sehr elegant mit hellen Möbeln eingerichtet war und mit seinen vielen Kissen und hellen Tapeten wie ein Damensalon aussah. Diese beiden RĂ€ume waren fĂŒr den allgemeinen Gebrauch durch die Mitglieder der Admiralsmesse bestimmt, doch hielten sich diese in ihrer freien Zeit meistens in ihren gerĂ€umigen Kammern oder in der Offiziersmesse auf. Der Admiral hatte fĂŒr seinen persönlichen Gebrauch noch ein gerĂ€umiges Arbeitszimmer, ein großes Schlafzimmer, Bad und Toilette.

Wir frĂŒhstĂŒckten ausgiebig, und der Admiral besprach dabei mit mir die Einteilung fĂŒr den Tag. Vorgesehen war: 11 Uhr Besuchsaustausch auf S. M. S. „Friedrich der Große“. Danach Meldung beim Prinzen Heinrich. Abends: Essen beim Prinzen Heinrich. Der Admiral fragte mich, wo ich immer zu erreichen sei. Ich bat ihn darauf, auf dem „King George V.“ wohnen zu dĂŒrfen, was ihm sehr lieb war. Er stellte mir vorlĂ€ufig die fĂŒr den Botschafter bestimmten StaatsrĂ€ume zur VerfĂŒgung, und so zog denn mein Bursche, Matrose HĂ€nel, mit all meinen Sachen darin ein. Es war eine kleine abgeschlossene Wohnung fĂŒr sich, Wohnzimmer, bildhĂŒbsch eingerichtet, Schlafzimmer, Bad und Toilette. Leider dauerte das VergnĂŒgen nicht lange, noch am selben Abend kam der englische Botschafter an Bord, und ich bezog eine Kammer in einem unteren Deck, die zwar gerĂ€umig, aber recht ungemĂŒtlich und heiß war. Ich habe wĂ€hrend der ganzen Kieler Woche an Bord des „King George V.“ gewohnt, auch an Bord geschlafen. Durch das stĂ€ndige Zusammensein mit Admiral Warrender und seinen Offizieren und GĂ€sten hatte ich Gelegenheit, sie gut kennen zu lernen und mir ein Urteil ĂŒber den Geist zu bilden, der unter ihnen herrschte. Außer, dem englischen Botschafter wohnten noch dessen Sohn und ein Neffe des Admirals, ein junger Lord Erskine, als GĂ€ste des Admirals an Bord. Zur festgesetzten Zeit fuhren wir mit dem Admiralsboot, der „bĂ€rge“, einem sehr gerĂ€umigen und schön mit Mahagoniholz getĂ€felten Dampfboot, auf das Flottenflaggschiff „Friedrich der Große“, wo sĂ€mtliche in Kiel anwesenden Admirale und Kommandanten der Flotte zum Besuchsaustausch versammelt waren. Admiral v. Ingenohl und Admiral Warrender stellten gegenseitig die Offiziere vor. Die deutschen Offiziere verhielten sich kĂŒhl und reserviert, die EnglĂ€nder nicht viel anders, so daß man trotz den korrekten Formen die politische Spannung bemerken zu können glaubte. Bei spĂ€teren Festlichkeiten habe ich Ă€hnliches nicht bemerkt, besonders nicht bei dem Verkehr der jĂŒngeren Offiziere untereinander, die sehr schnell gut Freund miteinander wurden. Bei allen BĂ€llen und Bordfesten und bei den sportlichen Veranstaltungen sah man die jungen englischen Offiziere stets in bestem Einvernehmen mit den deutschen Offizieren und in eifrigsten Flirt mit den deutschen Damen. Auch wurden viele englische Offiziere von unseren verheirateten Seeoffizieren eingeladen und verbrachten so manche Stunde in deutscher HĂ€uslichkeit. Viele Offiziere und Mannschaften machten davon Gebrauch, daß ihnen freie Eisenbahnfahrt bewilligt worden war; tĂ€glich fuhren Hunderte nach Berlin und Hamburg. Infolgedessen fehlte in Kiel immer ein guter Teil der Offiziere und Mannschaften.

Von „Friedrich dem Großen“ fuhren wir zum Königlichen Schloß. Wir wurden vom Prinzen Heinrich, der Prinzessin, den jĂŒngeren Prinzen und dem Hofstaate empfangen. Die Königlichen Hoheiten unterhielten sich sehr eingehend mit den englischen Offizieren. Beide hatten ja bis zum Kriege eine besondere Vorliebe fĂŒr alles EnglĂ€ndertum, sprachen sie doch sogar untereinander fast nur englisch. Ich unterhielt mich lange mit dem jugendlichen Prinzen Siegismund, und spĂ€ter auch mit der Prinzessin Heinrich, die lebhaftes Interesse fĂŒr meine TĂ€tigkeit auf dem „King George V.“ bekundete. Alle EnglĂ€nder waren von der LiebenswĂŒrdigkeit und dem vornehmen Wesen des Prinzen Heinrich sehr entzĂŒckt.

Vom Königlichen Schloß ging’s wieder an Bord des „King George V.“, wo sich mittlerweile die beiden Marineattaches als GĂ€ste zum Lunch eingefunden hatten, KorvettenkapitĂ€n Erich v. MĂŒller, der aus London hierher gekommen war, und cap-tain Wilfred Henderson. KorvettenkapitĂ€n v. MĂŒller nahm mich gleich beiseite und sagte zu mir:

„HĂŒten Sie sich vor den EnglĂ€ndern! England ist bereit zum Losschlagen, wir stehen unmittelbar vorm Kriege und der Zweck dieses Flottenbesuches ist nur Spionierei. Sie wollen ein klares Bild von der Bereitschaft unserer Flotte haben. ErzĂ€hlen Sie ihnen besonders nichts von unseren U-Booten!“

Diese Mitteilung deckte sich vollkommen mit meiner eigenen Anschauung, ich war aber doch verblĂŒfft, sie so unverblĂŒmt ausgesprochen zu hören. Ich habe mich fĂŒr die Dauer des englischen Besuches streng an seinen Rat gehalten. Die Zukunft hat KorvettenkapitĂ€n v. MĂŒller völlig recht gegeben. Wieviel besser als sein Chef, der Botschafter FĂŒrst Lichnowsky, hat er die drohende Gefahr bereits vor dem Morde von Serajewo erkannt!

Nur wenige Minuten waren wir wieder an Bord, da machte Prinz Heinrich dort seinen Gegenbesuch, und ihm folgten bald der Flottenchef und der Stationschef.

Nachmittags begleiteten der Flaggleutnant Buxton und ich den Admiral zu Besuchen. Zuerst gingen wir in den Yachtklub, wo Warrender ein geradezu rĂŒhrendes Wiedersehen mit seinem Freunde Konteradmiral Sarnow feierte, mit dem er vor langen Jahren in Ostasien Freundschaft geschlossen hatte. Eine ganze Stunde lang saßen wir bei einem Glase Sekt mit den alten Herren zusammen, die sich nicht genug tun konnten, die Erinnerungen an gemeinsam verlebte Zeiten wieder aufzufrischen. Wir tranken darauf beim Chef der Marinestation der Ostsee, Admiral v. Coerper, Tee und gingen dann mit diesem und Frau v. Coerper zu den Tenniswettspielen um den Kaiserpreis auf den PlĂ€tzen vor der Marineakademie.

Als wir wieder an Bord kamen, war mittlerweile der englische Botschafter, Sir Edward Goschen, eingetroffen und hatte die feudalen StaatsrĂ€ume bezogen, in denen ich es nur zu einem MittagsschlĂ€fchen gebracht hatte. Ich habe den englischen Botschafter wĂ€hrend der nĂ€chsten Woche als einen besonders liebenswĂŒrdigen und geistvollen Menschen kennen gelernt, der uns Deutschen stets mit großer Herzlichkeit gegenĂŒbertrat. Er stammt aus der alten Leipziger BuchhĂ€ndlerfamilie der Göschen, ist also der Abstammung nach mehr ein Deutscher als ein EnglĂ€nder. Nach kurzem Zusammensein mit dem Botschafter zogen wir uns alle fĂŒr das Essen beim Prinzen Heinrich um. Großer Messeanzug, also Messejacke mit weißer Weste und goldenen Streifen an den Beinkleidern, war der vorgeschriebene Anzug. Kurz vor 8 Uhr fuhren wir alle in der gemĂŒtlichen „bĂ€rge“, in der wir die nĂ€chste Woche noch so manches Mal gefahren sind, zum Königlichen Schloß. Das Essen verlief sehr nett. Wir aßen im Weißen Saal an acht kleinen Tischen. Geladen waren außer den höheren englischen Offizieren die in Kiel anwesenden Admirale’mit ihren Damen und einige Mitglieder der Holsteinischen Ritterschaft. Zu dem lukullischen Mahle spielte eine vorzĂŒgliche Musikkapelle abwechselnd StĂŒcke von englischen und deutschen Komponisten.

Bald nach 10 Uhr bestiegen wir wieder die „bĂ€rge“ und fuhren auf den „King George V.“ zurĂŒck. Mit Stopford und Buxton ging ich dort noch in die Offiziersmesse, wo ich einige Offiziere des Schiffes kennen lernte. Bei einigen Whisky und Soda blieben wir noch lange vergnĂŒgt zusammen. Auf den englischen Schiffen verfĂŒgen die Offiziere fast stets ĂŒber zwei grĂ¶ĂŸere RĂ€ume fĂŒr den gemeinschaftlichen Gebrauch: die eigentliche Offiziersmesse, die fast nur als Speiseraum benutzt wird, und den smoking-room, der mit Klubsesseln und Ledersofas ausgestattet ist und in dem geraucht, gelesen und gespielt wird. Die Möbel sind Eigentum der Offiziere. Beide RĂ€ume waren auf dem „King George V.“ besonders geschmackvoll eingerichtet.

FĂŒr den 24. Juni war folgendes Programm festgesetzt: 10 Uhr Besuch beim StaatssekretĂ€r des Reichsmarineamtes.

1:30 Uhr nachmittags: Ankunft Sr. MajestĂ€t mit S. M. Y. „Hohenzollern“. Meldung der englischen Flaggoffiziere und Kommandanten auf der „Hohenzollern“ (gleich nach dem Festmachen).

7:30 Uhr abends: Essen beim englischen Konsul.

KapitĂ€nleutnant Kehrhahn, Buxton und ich begleiteten Admiral Warrender und Kommodore Goodenough zum StaatssekretĂ€r des Reichsmarineamtes, der seine Flagge auf S. M. S. „Friedrich Karl“ gesetzt hatte. Großadmiral v. Tirpitz empfing uns am Fallreep und fĂŒhrte uns in seine KajĂŒte. Er nahm dort mit den beiden englischen Flaggoffizieren an einem kleinen Tisch Platz, wir jĂŒngeren Offiziere mit seinem Adjutanten an einem anderen Tische. Es wurde nur englisch gesprochen, das der Großadmiral gut sprach. Warrender und Goodenough brachten ihm GrĂŒĂŸe von seinen vielen Freunden und Bekannten in der englischen Marine. Tirpitz sprach dann ĂŒber die Entwicklung unserer Flotte. Es wurde Sekt gereicht. Wir blieben etwa eine halbe Stunde, fuhren dann wieder auf den „King George V.“, wo man in lebhaften Vorbereitungen fĂŒr den Empfang der „Hohenzollern“ war. Die Mannschaft hatte wĂ€hrend des ganzen Aufenthaltes in Kiel nur Reinigungsdienst. Die Schiffe sahen infolgedessen auch tipp-topp aus. Jetzt wurden noch alle durch die Überfahrt entstandenen SchĂ€den am Farbenanstrich ausgebessert, die Decks gescheuert, die Reeling fĂŒr die Paradieraufstellung der Besatzung durch kleine Kreidestriche in gleichmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden markiert. Zur festgesetzten Zeit passierte die „Hohenzollern“ die Holtenauer Schleuse. Mit dieser Fahrt wurde der Kaiser-Wilhelm-Kanal dem öffentlichen Verkehr ĂŒbergeben; der Verbreiterungsbau war somit beendet. FĂŒr das Passieren von Großkampfschiffen waren allerdings noch einige Baggerungsarbeiten nötig, die aber mit Hochdruck gefördert wurden, Am 30, Juli 1914 hat die „Kaiserin“ als

erstes Großkampfschiff den Kanal passieren können, — der Kanal wurde somit gerade bei Beginn des Krieges fertig. Infolgedessen konnte Admiral v. Ingenohl, als wir Ende Juli 1914 aus den norwegischen HĂ€fen kamen, die Großkampfschiffe noch auf ihre HeimathĂ€fen Kiel und Wilhelmshaven verteilen. Als dann der Befehl zum Aufmarsch der Flotte in der Nordsee kam, fuhren die Kieler Großkampfschiffe zum ersten Male durch den Kanal, allerdings mit vorher geleerten Kohlenbunkern. Dadurch, daß der Krieg ungefĂ€hr am Tage der Fertigstellung des Kanals ausgebrochen ist, wurde eine Kriegsprophezeiung erfĂŒllt, die ich im Jahre 1911 getan hatte. Da ich die Überzeugung hatte, daß das wahnsinnige WettrĂŒsten aller großen Völker bestimmt einmal zum Kriege fĂŒhren mĂŒĂŸte, so wie in frĂŒheren Zeiten jede geschaffene Flotte auch zum Kampf eingesetzt worden ist, so prophezeite ich 1911 in Hamburg einigen dortigen Kaufleuten, daß wir Krieg haben wĂŒrden, sobald wir eine aus zwei Großkampfschiff-Geschwadern bestehende Hochseeflotte mit den dazu gehörigen Schlachtkreuzern, kleinen Kreuzern und Torpedobooten, sowie eine grĂ¶ĂŸere Anzahl U-Boote fertig hĂ€tten und sobald unsere geplanten KĂŒstenbefestigungen, besonders auf Helgoland, und der Kaiser-Wilhelm-Kanal fertig wĂ€ren. Am 1. August 1914 waren mit dem Fertigwerden des Kanals alle diese Voraussetzungen erfĂŒllt, der Tanz konnte nach meiner Prophezeiung beginnen — und er begann! Einer der Hamburger Kaufleute hat mich spĂ€ter auf die verblĂŒffende Richtigkeit meiner Prophezeiung angesprochen. Damals hĂ€tte ich allerdings gemeint, daß die Vorbedingungen wohl nicht vor FrĂŒhjahr 1915 erfĂŒllt sein wĂŒrden.

Als am 24. Juni die „Hohenzollern“ die Holtenauer Schleuse passierte, feuerten alle Schiffe den Kaisersalut. Mehrere Flugzeuge und ein Zeppelin-Luftschiff umkreisten die „Hohenzollern“. Leider stĂŒrzte ein Flugzeug ab, und der Offizier, KapitĂ€nleutnant Schroeter, verunglĂŒckte tötlich.

In rascher Fahrt passierte uns die „Hohenzollern“. Der Kaiser grĂŒĂŸte von der BrĂŒcke der „Hohenzollern“ zu uns herĂŒber, wo er Admiral Warrender stehen sah. Auf den Achterdecks der englischen Schiffe waren die rotröckigen Seesoldaten aufgestellt. Die Matrosen paradierten an der Reeling, jedes Schiff brachte drei Hurras aus, wobei die Matrosen bei jedem Hurra die MĂŒtzen schwenkten. Die Seesoldaten-Spielleute schlugen den PrĂ€sentiermarsch. Es war ein prĂ€chtiges, mir unvergeßlich gebliebenes Bild.

Nach dem Festmachen der „Hohenzollern“ sollte sofort die Meldung der englischen Offiziere auf der „Hohenzollern“ erfolgen. Wir warfen uns fĂŒr diesen Zweck schnell in Galauniform und waren zur Abfahrt bereit, als der Admiral wieder an Deck erschien. Den englischen Kommandanten war das Programm mitgeteilt. Aber noch war keiner der Kommandanten in Sicht. Wir sahen ĂŒberall die Rudergigs der Kommandanten an den Fallreeps liegen, aber kein Boot setzte sich in Bewegung. Ärgerlich ließ der Admiral das Signal heißen „SĂ€mtliche Kommandanten an Bord des Flaggschiffes kommen“. Es dauerte eine ganze Weile, bis das Signal auf allen Schiffen verstanden war. Dann setzten sich ĂŒberall die hĂŒbschen aber langsamen Rudergigs in Bewegung. Es ergab sich spĂ€ter, daß die Kommandanten geglaubt hatten, nicht eher an Bord kommen zu sollen, als bis dafĂŒr ein Signal geheißt war. Der Admiral war sehr ungnĂ€dig, und ich muß gestehen, daß auch mir dieser Mangel an Initiative seitens der Kommandanten nicht ganz verstĂ€ndlich war. Ihre schnellen Schiffsboote hatten sie nicht benutzt, weil es eine Vorschrift gibt, daß die englischen Kommandanten fĂŒr dienstliche Fahrten nur die Rudergigs benutzen sollen. Nun brachte uns die „bĂ€rge“ in rascher Fahrt zur „Hohenzollern“, wo man ĂŒber die etwa halbstĂŒndige VerspĂ€tung bereits in einiger Aufregung war. Der Kaiser stand auf dem oberen Promenadendeck und nahm hier die Meldung entgegen. Er war lebhaft und voller Humor wie gewöhnlich, und es war keiner der englischen Offiziere, der nicht ein vergnĂŒgtes Gesicht machte, so lange sich der Kaiser mit ihm unterhielt. Alle Offiziere Ă€ußerten sich auf der RĂŒckfahrt sehr beglĂŒckt.

Nach dem Lunch fuhr der Admiral mit Buxton und mir zum Bahnhof, wo wir seine Frau abholten. Lady Maud Warrender war eine sehr große, schöne Frau von vielleicht 40 Jahren, die typische englische Dame der Gesellschaft. Wie ich aus englischen Zeitschriften ersehen hatte, spielte sie in der Londoner Gesellschaft eine große Rolle; sie war bekannt als vorzĂŒglich geschulte SĂ€ngerin. Sie wohnte an Bord des Dampfers der Hamburg-Amerika-Linie „Viktoria Luise“, den Ballin regelmĂ€ĂŸig zur Kieler Woche nach Kiel schickte und auf dem sich allabendlich die in Kiel anwesende Gesellschaft ein Rendezvous gab.

Am Nachmittag stattete die Prinzessin Heinrich mit ihren Söhnen dem „King George V.“ einen Besuch ab. Ich war in jeder freien Minute mit dem Aufsetzen einer Liste fĂŒr die Einladungen zu einem großen Bordfeste an Bord des »King George V.“ beschĂ€ftigt, wobei mich der Flaggleutnant der Hochseeflotte und der Adjutant des Stationschefs unterstĂŒtzten. Außerdem mußte ich den englischen wachthabenden Offizieren, dem GeschwadersekretĂ€r, dem ersten Offizier des „King George V.“ und vielen anderen dauernd AuskĂŒnfte erteilen. HĂ€ufig wurde ich auch ans Telephon geholt, das an Bord des Flaggschiffes gelegt worden war, und mußte deutschen Offizieren und Behörden AuskĂŒnfte geben. Es wurden fabelhaft anstrengende Tage fĂŒr mich, wozu auch die fortgesetzten guten Essen mit vorzĂŒglichsten Weinen und das viele Cocktail- und Whisky-Soda-Getrinke zu allen Tag- und Nachtzeiten nicht unerheblich beitrugen.

Am 24. Juni abends versammelten wir uns im Hotel Seebadeanstalt, wohin der englische Konsul Sartori und Frau eingeladen hatten. Bei dieser Gelegenheit lernte ich den Kommodore Goodenough und die Kommandanten nĂ€her kennen. Einen besonderen Eindruck machte auf mich Goodenough, der FĂŒhrer der kleinen Kreuzer, der sich im Kriege spĂ€ter hervorragend betĂ€tigt hat. Besonders ist nach der Schlacht vor dem Skagerrak von Admiral Jellicoe seine TĂ€tigkeit in der Schlacht hervorgehoben worden. Er hat damals als FĂŒhrer der leichten AufklĂ€rungsschiffe FĂŒhlung an unserem Gros genommen und soll Jellicoe gut ĂŒber unsere Bewegungen auf dem laufenden gehalten haben. An diesem Abend zeigte er sich als humorvoller Gesellschafter. Als geistreichen Unterhalter lernte ich ferner den captain Dampier, Kommandant der „Audacious“, kennen. Ich lernte unter anderem einen amĂŒsanten Trinkspruch von ihm, er lautete:

I drink to myself and another,

And may that one other be she (he),

Who drinks to herseif (himself) and another,

And may that one other be me!

Die meisten Kommandanten machten einen ĂŒberanstrengten Eindruck. Dazu mag viel beigetragen haben, daß die auf der Ersten Flotte eingeschifften Offiziere ein ganz anderes Leben fĂŒhren, als wir an Bord der Schiffe unserer Hochseeflotte. Die Kommandos an Bord der Ersten Flotte dauern im allgemeinen zwei Jahre. WĂ€hrend dieser Zeit sind die Schiffe fast dauernd unterwegs oder liegen in immer wechselnden HĂ€fen. Ein Wohnen an Land ist den Offizieren nur in den seltensten FĂ€llen einmal gestattet. Unsere Schiffe dagegen kehrten nach ihren Übungsfahrten immer wieder in ihren sogenannten Hauptliegehafen zurĂŒck, und dann wohnten wir Offiziere an Land bei unseren Familien, und es blieben in der dienstfreien Zeit immer nur ein Ă€lterer Offizier und zwei jĂŒngere Offiziere als Wachoffiziere an Bord. Dadurch hatten wir immer wieder Gelegenheit, uns von dem aufreibenden Leben an Bord zu erholen. Die Folge von dem unsteten Leben der englischen Seeoffiziere,bei denen außerdem zwei- bis dreijĂ€hrige Auslandskommandos noch viel hĂ€ufiger sind, als bei uns, ist, daß die Verheirateten meistens gar kein eigenes Heim haben, sondern ihre Familie immer an den Ort kommen lassen, wo sie sich gerade mal eine etwas lĂ€ngere Zeit mit ihrem Schiffe aufhalten. Ihre Familien leben dann in den in England so zahlreichen Boarding-HĂ€usern, oder aber sie wohnen irgendwo mitten in England, wo die MĂ€nner sie dann gelegentlich besuchen. Mit RĂŒcksicht auf dieses stĂ€ndige An-Bord-Leben sind die WohnrĂ€ume der Offiziere an Bord viel gerĂ€umiger und wohnlicher eingerichtet, als bei uns. Meistens haben die Kammern einen Kamin, da es an Bord der englischen Schiffe keine Dampfheizung gibt. In keiner Kammer fehlt der große lederne Klubsessel. Im ĂŒbrigen sind die Mahagonimöbel der Kammern nach genau demselben Muster angefertigt, wie sie bereits zu Nelsons Zeiten an Bord waren. Nach zweijĂ€hrigem Kommando an Bord der Ersten Flotte wird die ganze Besatzung des Schiffes abgelöst — nur einzelne besonders wichtige Persönlichkeiten bleiben lĂ€nger an Bord — und dann bleibt die ganze Besatzung ein halbes Jahr an Land und erhĂ€lt wĂ€hrend dieser Zeit reichlichen Heimatsurlaub.

Am 25. Juni begannen die Regatten der Yachten, denen am 23. Juni die Kriegsschiffsboots-Regatta vorausgegangen war. Auf der Förde spielte sich das ĂŒbliche sportliche Treiben ab, dessen Anblick jedes Seemannes Herz erfreute. Der Start lag allerdings zu weit vom „King George V.“ entfernt, als daß wir die Einzelheiten des Startes von Bord aus verfolgen konnten. Es hatten sehr viele Yachten gemeldet, besonders auch viele auslĂ€ndische. Der „King Georg V.“ hatte an einer Boje in unmittelbarer NĂ€he der Bellevue-BrĂŒcke festgemacht, sĂŒdlich von ihm lagen das Flottenflaggschiff „Friedrich der Große“ und die „Hohen-zollern“, nördlich von ihm die englischen Schiffe und östlich die „Viktoria Luise“, zwischen zwei Bojen fest vertĂ€ut. Um 9 Uhr vormittags starteten die 8- und 5 m-Klasse, um 10 Uhr die 19- und 12 m-Klasse, um 11 Uhr die 15 m-Klasse und um 12 Uhr die Sonderklasse. So war fast den ganzen Tag die Förde mit Segeln bedeckt. FĂŒr den 25. Juni war ein reichhaltiges Programm vorgesehen: Mittags FrĂŒhstĂŒck beim Flottenchef. Nachmittags gleichzeitig drei Veranstaltungen: Sportfest der Stadt Kiel, Bordfest auf dem Flaggschiff des zweiten Geschwaders „Preußen“ und Gartenfest beim Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Ahlmann. Und schließlich abends: Einladung zur Kaiserlichen Tafel an Bord der „Hohenzollern“.

FrĂŒhmorgens kam ein Brief vom Kabinettschef Admiral v. MĂŒller, in dem dieser fĂŒr 12 Uhr mittags den Besuch des Kaisers auf dem „King George V.“ ankĂŒndigte. Zur festgesetzten Zeit stand die gesamte Besatzung des Schiffes in Paradestellung an Oberdeck angetreten. Der Kaiser kam in englischer Großadmiralsuniform an Bord, sehr frisch und gesund aussehend, anscheinend in bester Laune. Er war von Admiral v. MĂŒller und seinem FlĂŒgeladjutanten KorvettenkapitĂ€n Freiherr v. Paleske begleitet. Auf dem Achterdeck waren sĂ€mtliche englische Kommandanten und die Offiziere des „King George V.“ angetreten, KapitĂ€nleutnant Kehrhahn und ich standen am linken FlĂŒgel. Der Kaiser ließ sich alle Offiziere durch Admiral Warrender vorstellen. Als der Admiral auch uns vorstellen wollte, sagte der Kaiser: „I know my officers“ und gab uns dann mit den Worten „Können Sie sich denn einigermaßen mit den Leuten verstĂ€ndigen?“ die Hand. Der Kaiser schritt nicht, wie sonst bei solchen Besuchen ĂŒblich, die Front der angetretenen Besatzung ab, sondern begab sich sofort mit Admiral Warrender in die AdmiralskajĂŒte, wo er sich ĂŒber eine halbe Stunde mit ihm unterhalten hat. Vorm Von-Bord-Gehen schrieb er sich noch in das an Deck ausgelegte Buch des „King George V.“ ein, in das sich bereits zahlreiche hohe Persönlichkeiten eingetragen hatten. Er unterhielt sich noch eine Zeitlang mit dem jungen Lord Erskine, der zur Feier des Tages seine Highlander-Paradeuniform angezogen hatte, und verabschiedete sich dann sehr herzlich von Admiral Warrender und den englischen Kommandanten.

Das FrĂŒhstĂŒck beim Flottenchef Admiral v. Ingenohl verlief sehr nett. Es wurde an entzĂŒckend mit Blumen dekorierten kleinen Tischchen in der AdmiralskajĂŒte gegessen. Von einem ausgesuchten kleinen Streichorchester wurden nur StĂŒcke von deutschen Komponisten gespielt. Ich saß mit unserem ersten Flaggleutnant und, wie gewöhnlich, mit Stop-ford und Buxton zusammen. Ingenohl und Warnender hielten beide sehr gute Reden auf die englische bzw. deutsche Flotte. Warrender sprach sogar zweimal und widmete seine zweite Rede ganz der guten Kameradschaft, die immer zwischen unseren Marinen bestanden habe. Er fĂŒhrte all seine Freunde in der deutschen Marine auf, denen er im Laufe seiner Dienstzeit besonders nahegetreten sei, und erzĂ€hlte im besonderen von seiner Freundschaft mit Konteradmiral Sarnow.

Nachmittags hatten wir die schwierige Aufgabe, bei drei gleichzeitigen festlichen Veranstaltungen zu erscheinen. Mit Hilfe von schnellen Autos und der guten „bĂ€rge“ lösten wir diese Aufgabe leicht. Zuerst ging’s in mehreren Autos, die ich an die Bellevue-BrĂŒcke bestellt hatte, zum Sportfest, das die Stadt Kiel zu Ehren der englischen Mannschaften auf dem stĂ€dtischen Sport- und Spielplatz gab. Die Damen sahen den KĂ€mpfen von der TribĂŒne aus zu, wĂ€hrend sich der Admiral mit uns zu den KĂ€mpfern begab. Warrender hatte eine famose Art mit seinen Leuten umzugehen. Er unterhielt sich auch mit den einfachen Matrosen kameradschaftlich ĂŒber die WettkĂ€mpfe und ließ sich von ihnen ĂŒber die Ergebnisse berichten. Die KĂ€mpfe bestanden in Fußball-Wettspielen, Preisschießen, Staffettenlaufen, Tauziehen und Ă€hnlichem. Es war verblĂŒffend, wie unsere Leute in beinahe allen KĂ€mpfen den Sieg davontrugen. Wir kamen gerade zum Tauziehen. Viermal hintereinander wiederholte sich dasselbe Bild: In unwiderstehlichem, raschen Anlaufe zogen unsere Matrosen mit den englischen Mannschaften davon. Auch nicht einen einzigen Teilsieg konnten die EnglĂ€nder im Tauziehen erringen. Und Ă€hnlich erging es ihnen bei den anderen Spielen, nur im Fußballspiel waren die KrĂ€fte gleich. Mich wunderte der Sieg der deutschen Seeleute nicht besonders. Die englischen Matrosen waren meist kleine Kerls. Es waren viele sehr junge dabei — der „King George V.“ hatte allein 70 Matrosen unter 17 Jahren — und unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig viel alte. Die hochgewachsenen germanischen Typen sah man viel seltener als bei unseren Leuten. Ich fand sogar, daß ein großer Teil stark jĂŒdisch aussah, was mich in Erstaunen setzte, da mir bekannt war, daß die Juden eine grundsĂ€tzliche Abneigung gegen den Seemannsberuf haben. Es mochte wohl der starke romanische Einschlag sein, der sich bei den EnglĂ€ndern bemerkbar machte.

Vom Sportplatz aus ging’s im Auto zu der herrlichen Besitzung des Dr. Ahlmann. Leider fing es gerade an zu regnen, so daß das Fest nicht in dem am DĂŒsternbrooker Gehölz gelegenen Park, sondern in den schönen RĂ€umen des großen Hauses stattfinden mußte. Es wurde Tee getrunken, getanzt, geflirtet. Wir blieben nicht lange und fuhren dann mit Auto und „bĂ€rge“ zur „Preußen“. Mir war bezĂŒglich der Benutzung von Autos seitens des Stationskommandos plein pouvoir eingerĂ€umt worden, und auch nur so war es möglich, daß allen an den Admiral herantretenden Anforderungen entsprochen werden konnte. Auf der „Preußen“ waren Prinz und Prinzessin Heinrich anwesend, im ĂŒbrigen bot sich das gewohnte Bild eines Bordfestes. Die Decks waren hĂŒbsch dekoriert, es wurde fleißig getanzt. Zum Wahrnehmen der englischen GĂ€ste waren vom Flottenchef immer je zwei deutsche auf ein englisches Schiff verteilt worden, die deutschen Schiffe waren angewiesen worden, die englischen Offiziere zu FrĂŒhstĂŒcken und Bordfesten einzuladen. Infolgedessen sah man bei allen Veranstaltungen an Bord wĂ€hrend der Kieler Woche zahlreiche englische Offiziere, so auch auf der „Preußen“. Ich war dauernd damit beschĂ€ftigt den Admiral mit der Kieler Gesellschaft bekanntzumachen. Ich kannte so viele Menschen, die ich vorstellte, daß er mich ganz erstaunt fragte: „Kennen Sie denn alle Menschen?“

Zu 8 Uhr abends waren wir zur Abendtafel auf der „Hohenzollern“ befohlen. Es ist das letzte feierliche Essen gewesen, das auf der schönen kaiserlichen Yacht gegeben worden ist! Zum letzten Male hat sich an diesem Tage die „Hohenzollern“ im vollen Glanze ihrer prunkvollen Ausstattung gezeigt. Wir versammelten uns auf dem Promenadendeck, wo uns der Kaiser begrĂŒĂŸte. Er trug, wie auch wir GĂ€ste, den schlichten Messeanzug. Die Tafel war im großen Saale gedeckt, mit wundervoller Orchideendekoration. Es saßen Deutsche und EnglĂ€nder in bunter Reihe nebeneinander. Ich gebe die Tischordnung dieser letzten großen kaiserlichen Abendtafel an Bord der „Hohenzollern“ nebenstehend wieder. In der Tischordnung bedeuten die Buchstaben „K. Gr.“ vor den Titeln „Königlich Großbritannischer“.

Es wurden keine Reden gehalten. Es herrschte eine lebhafte Unterhaltung, wie es ja ĂŒberhaupt auf der kaiserlichen Yacht stets möglichst zwanglos zuging. Ich hatte das VergnĂŒgen, neben dem in der ganzen Marine und besonders auch von der Kaiserlichen Familie geschĂ€tzten Kommandanten der „Hohenzollern“, KapitĂ€n zur See v. Karpf, zu sitzen, der fĂŒr seinen prĂ€chtigen Humor bekannt ist. Wir ließen uns das vorzĂŒgliche Essen und die ausgesuchtesten Weine trefflich schmecken. Von einem Rheinwein versicherte KapitĂ€n v. Karpf, daß es der beste Tropfen sei, der im kaiserlichen Keller in Berlin lagere. Ich beobachtete, daß der Kaiser mit Admiral Warrender nicht recht zu Gange kam. UnglĂŒcklicherweise saß Warrender auch gerade mit seinem fast ganz tauben Ohre neben dem Kaiser, so daß dieser sich fast auschließlich mit dem englischen Botschafter unterhielt. Nach Tisch wurden auf dem Promenadendeck Kaffee und Zigarren gereicht und zwanglos geplaudert. Der Kaiser zog fast jeden seiner englischen GĂ€ste ins GesprĂ€ch; man merkte es ihm an, wie er sich bemĂŒhte, seinen GĂ€sten gegenĂŒber nur liebenswĂŒrdiger Gastgeber zu sein.

Ich unterhielt mich sehr interessant mit den englischen Kommandanten Dampier und Sir Arthur Henniker-Hughan ĂŒber die politische Lage und ĂŒber die Aussichten Deutschlands in der Welt. Beide vertraten den Standpunkt, daß England Deutschland nicht von der Welt absperren wolle; wenn es trotzdem zum Kriege kĂ€me, so mĂŒĂŸte er von Deutschland ausgehen, nicht von England. Ziemlich spĂ€t fuhren wir auf den „King George V.“ zurĂŒck, wo wir noch eine Zeitlang im smoking-room der Offiziersmesse zusammensaßen. Ich freundete mich bei solchen Gelegenheiten mit dem Artillerieoffizier des „King George V.a, commander Brownrigg, an. Er erzĂ€hlte mir viele interessante artilleristische Details, zeigte mir in seiner Kammer Schießlisten und Ergebnisse von PrĂŒfungsschießen und Zeugnisse ĂŒber erworbene Schießpreise. Wir fanden uns in unserer Liebhaberei fĂŒr das Schießen mit SchiffsgeschĂŒtzen. In der englischen Marine hat man es verstanden, die Artillerieoffizier-Laufbahn zur angesehensten und erstrebenswertesten fĂŒr alle Seeoffiziere zu machen. In der deutschen Marine war nicht die Hauptwaffe, die Artillerie, sondern eine Nebenwaffe, die Torpedowaffe, das Ziel der Sehnsucht aller tĂŒchtigen Offiziere geworden. Ich habe das immer sehr bedauert und fĂŒr einen großen Fehler gehalten. Diese Bevorzugung der , Torpedowaffe hatte ihre Berechtigung, als unsere Marine noch so schwach war, daß ein Kampf um die Seeherrschaft, die sich nur durch die Artillerie kampfkrĂ€ftiger Schiffe erkĂ€mpfen lĂ€ĂŸt, von vornherein aussichtslos erschien. Churchill hat wĂ€hrend des Krieges — nach der Skagerrak-Schlacht — sehr richtig gesagt:

„Die erste Seemacht verlĂ€ĂŸt sich auf das GeschĂŒtz; die zweite muß ihre Hoffnungen auf den Torpedo setzen“.

Dadurch, daß wir tatsĂ€chlich unsere Hoffnung im Kriege fast nur auf den Torpedo gesetzt haben, haben wir bis zu einem gewissen Grade auf die Kampfart einer ersten Seemacht verzichtet. Erst in der Skagerrak-Schlacht, also fast zwei Jahre nach Kriegsausbruch, hat der Flottenchef Admiral Scheer den Artilleriekampf auf hoher See gewagt, nachdem vorher seine VorgĂ€nger, die Admirale v. Ingenohl und v. Pohl, keine der sich öfters bietenden Möglichkeiten zur Hochseeschlacht ausgenĂŒtzt hatten. Commander Brownrigg erzĂ€hlte mir von SchieĂŸĂŒbungen, die er auf 150 hm*) Entfernung erfolgreich durchgefĂŒhrt hatte. Diese Entfernung kam mir ĂŒbermĂ€ĂŸig groß vor. TatsĂ€chlich ist im Kriege fast nur auf noch grĂ¶ĂŸere Entfernungen gekĂ€mpft worden!

FĂŒr Freitag, den 26. Juni, war Admiral Warrender vom Kaiser zum Segeln auf dem „Meteor“ eingeladen. Die großen Yachten starteten um 10 y4 Uhr zur Seewettfahrt. Da ich ihn hierbei nicht zu begleiten hatte, konnte ich mich den Vorbereitungen fĂŒr das große Bordfest widmen, das nachmittags auf dem „King George V.“ stattfinden sollte. Nachmittags veranstaltete außerdem der Kaiserliche Yachtklub eine Segelregatta fĂŒr die englischen Kriegsschiffsboote. FĂŒr den Abend war vom Offizierskorps der Ostseestation zu einem Ball in der Marineakademie eingeladen worden.

Admiral Warrender kam erst nachmittags vom Segeln zurĂŒck. Wir hatten unterdessen einen sehr vergnĂŒgten Lunch gehabt, bei dem Sir Eward Goschen prĂ€sidierte und zu dem einige junge Damen geladen waren. Der Admiral war sehr entzĂŒckt von der Regatta, bei der Konteradmiral Begas den „Meteor“ zum Siege gesteuert hatte.

Der „at home“, wie die EnglĂ€nder ihre Bordfeste bezeichnen, auf dem „King George V.“ wurde ein Massenfest ersten Ranges. Ganz Kiel war da, und alle Einladungen durch meine Hand gegangen: natĂŒrlich schnappten einige ein, daß sie nicht auch geladen waren. Lady Warrender machte sehr geschickt die Honneurs, wobei sie von einigen deutschen Damen, besonders von Lady Warrenders Freundin, Frau v. Meister, der Frau des RegierungsprĂ€sidenten in Wiesbaden, unterstĂŒtzt wurde. Die riesigen Decks des „King George V.“ fanden der großen TanzflĂ€chen wegen den ungeteilten Beifall der deutschen tanzenden Damen.

*) In der Marine rechneten wir fĂŒr die Waffenverwendung stets in Hektometern (1 hm = 100 m=0,l km), fĂŒr die Navigation in Seemeilen (1 sm = 1852 m).

Borchert aus Berlin hatte vorzĂŒgliche BĂŒfetts geliefert, deren Herrlichkeiten berechtigten Anklang fanden. Ich machte die Bekanntschaft des alten Lord Brassey, der mit seiner Yacht „Sunbeam“ in Kiel war, auf die er mich einlud. Er hat ĂŒber eine Weltumsegelung mit dieser Yacht ein bekanntes Buch geschrieben. Ich lernte auch seine Töchter, Lady Helen und Lady Marek kennen. Die Yacht ist ziemlich alt, doch sehr behaglich und groß. Tags darauf passierte dem Lord eine merkwĂŒrdige Geschichte. Er war in einem kleinen Boot seiner Yacht in den fĂŒr alle Zivilpersonen gesperrten U-Bootshafen der Kaiserlichen Werft gefahren, wo mehrere unserer neuesten U-Boote lagen, dort von einem Werftschutzmann festgenommen und stundenlang in einer Wachstube eingesperrt worden. Erst nachdem er sich durch einen ihm bekannten deutschen Offizier hatte legitimieren können, wurde er auf Befehl des Oberwerftdirektors freigelassen. In Kiel war man allgemein entrĂŒstet ĂŒber die große Taktlosigkeit des Lords, auch der Kaiser hat sich ziemlich scharf darĂŒber ausgesprochen.

Daß die EnglĂ€nder den lebhaften Wunsch hatten, die modernen Schiffe und Fahrzeuge unserer Flotte kennen zu lernen, erkannte ich schon am Tage nach der Ankunft der englischen Schiffe in Kiel. Admiral Warrender schickte mich an diesem Tage zu unserem Flottenchef, Admiral v. Ingenohl, und ich mußte diesem melden, daß Admiral Warrender die englischen Schiffe zur Besichtigung durch die deutschen Marineoffiziere zur VerfĂŒgung stelle. Admiral Warrender betonte dabei ausdrĂŒcklich, daß den deutschen Offizieren alles gezeigt werden wĂŒrde, was sie aus Berufsinteresse zu sehen wĂŒnschten. Admiral v. Ingenohl verhielt sich dem gegenĂŒber völlig ablehnend und trug mir auf, Admiral Warrender zu bestellen, daß er bedaure von dieser liebenswĂŒrdigen Aufforderung keinen Gebrauch machen zu können, da er nicht Gleiches mit Gleichem vergelten könnte, weil wir nach unseren Vorschriften viele Teile unserer Schiffe niemanden zeigen dĂŒrften. Ich meldete dies Admiral Warrender und dieser schickte mich Tags darauf wieder zu Admiral v. Inge-nohl und ließ bestellen, daß solche Vorschriften selbstverstĂ€ndlich auch bei ihnen bestĂ€nden, daß z. B. die KommandotĂŒrme, die TorpedorĂ€ume und die Funkentelegraphie nicht gezeigt werden dĂŒrften. Alles ĂŒbrige stĂ€nde zur VerfĂŒgung und er erwarte keinesfalls, daß seinen Offizieren etwas gezeigt wĂŒrde, was gegen unsere Vorschriften verstoße. Hierauf gab Admiral v. Ingenohl erst am 26. Juni in einem Schreiben an mich Antwort, in dem er schrieb, daß ich Admiral Warrender melden sollte, daß

„er fĂŒr die Bereitwilligkeit, den deutschen Offizieren die englischen Schiffe zu zeigen, danken ließe und bĂ€te, daß auch die englischen Offiziere die deutschen Kriegsschiffe besichtigten“.

Gleichzeitig erhielten die deutschen Schiffskommandos von Admiral v. Ingenohl den Befehl, daß den englischen Offizieren der Besuch der deutschen Schiffe gestattet sei, daß aber die fĂŒr Besichtigungen durch Fremde erlassenen Bestimmungen innezuhalten seien. Da diese Bestimmungen besagten, daß unsere modernsten Schiffe, die Schiffe des dritten Geschwaders und die Schlachtkreuzer sowie die modernsten Torpedobootszerstörer und alle U-Boote ĂŒberhaupt nicht von Fremden betreten werden dĂŒrften, so blieben fĂŒr die EnglĂ€nder nur die alten Linienschiffe der „Deutschland“-Klasse zur Besichtigung ĂŒbrig, — und da konnten sie uns wahrhaftig nicht viel absehen. Die EnglĂ€nder selber hatten ihre Schiffe, die ja tatsĂ€chlich die allermodernsten der englischen Marine waren, dadurch fĂŒr den Besuch durch die deutschen Offiziere vorbereitet, daß sie alle wichtigen Apparate, so besonders alle artilleristischen Feuerleitungsapparate sowie die Visiereinrichtungen, entweder entfernt oder mit Holzbekleidungen versehen hatten. Mir selber zeigte man allerdings öfters, ohne daß ich darum gebeten hatte, die Einrichtungen des „King George V.“ sehr genau. Commander Brownrigg fĂŒhrte mich bis in die entlegensten Ecken seiner GeschĂŒtztĂŒrme und Munitionskammern.

Nur den berĂŒhmten Percy Scoftschen „firing director“ umhĂŒllten alle Offiziere mit dem Schleier des Geheimnisses. Es war dies ein Apparat, mittels dessen Hilfe man alle GeschĂŒtze vom Kommandoturm oder vom Vormars aus richten und abfeuern konnte, eine Erfindung des englischen Admirals Percy Scott. NatĂŒrlich fragten die englischen Offiziere, die mich fĂŒhrten, meist auch nach unseren entsprechenden Einrichtungen, aber sie hatten damit nicht viel GlĂŒck bei mir.

Der von den Offizieren der Ostseestation unseren englischen GĂ€sten in den prĂ€chtigen RĂ€umen der Marineakademie am 26. Juni gegebene Ball war ein glĂ€nzendes Fest. Beim Blumenwalzer gab es Blumen in so verschwenderischer FĂŒlle, wie ich es selten erlebt, es war das reine Blumenfest. Bis spĂ€t in den Morgen hinein wurde getanzt.

FĂŒr Sonnabend, den 27. Juni waren wir mittags zu einem FrĂŒhstĂŒck der Stadt Kiel und nachmittags zu einem Gartenfest beim Chef der Marinestation der Ostsee geladen. FĂŒr den Abend hatte das Ehepaar Warrender zu einem Essen an Bord eingeladen.

Um 1 Uhr mittags fanden wir uns in den schönen RĂ€umen des neuen Kieler Rathauses zu dem von der Stadt Kiel zu Ehren der englischen Offiziere gegebenen FrĂŒhstĂŒck ein. OberbĂŒrgermeister Lindemann hielt eine Rede auf die EnglĂ€nder, dann Warrender eine ausgezeichnete Rede auf die Stadt Kiel und dabei auf alles, was ihm sonst aufgefallen war. Er schilderte, wie die deutschen Offiziere das Geschwader mit ihren Motorbarkassen empfangen hĂ€tten und wie die Offiziere auf hoher See an Bord gekommen seien. Auch meiner Person und meiner TĂ€tigkeit gedachte er mit anerkennenden Worten. Nachdem Großadmiral v. Köster als EhrenbĂŒrger der Stadt Kiel auf die englische Marine gesprochen hatte, sprach Warrender ein zweites Mal in glĂ€nzender Form. Das FrĂŒhstĂŒck dauerte dank der vielen Reden und Essenpausen so lange, daß wir gerade noch Zeit hatten mit Auto und „bĂ€rge“ an Bord zu eilen, um uns fĂŒr das Gartenfest umzuziehen.

Das historische Gartenfest beim Stationschef, zu dem jedesmal der Kaiser erwartet wird, zu dem er aber fast nie kommt, verlief bei strahlendem Wetter sehr nett. An FĂŒrstlichkeiten waren nur Prinz Heinrich mit seiner Familie und die Prinzessin Marie von Holstein-GlĂŒcksburg anwesend. Prinz Adalbert fehlte in diesem Jahre zum ersten Male in der Kieler Woche. Auch die Kaiserin, der Kronprinz und die ĂŒbrigen preußischen Prinzen waren diesmal gegen alle sonstige Gewohnheit nicht nach Kiel gekommen. Es wurde mir von unterrichteter Seite versichert, daß die Kaiserin und die Prinzen wegen des englischen Besuches nicht gekommen seien. Ich fand diese’ZurĂŒckhaltung gegenĂŒber einer Nation, deren Regierung die unsrige so hĂ€ufig brĂŒskiert hatte, sehr richtig, wie denn ĂŒberhaupt die kĂŒhle Reserviertheit aller maßgebenden deutschen Persönlichkeiten ihren Eindruck auf die EnglĂ€nder nicht verfehlt hat. — Das Gartenfest beim Stationschef bot in diesem Jahre ein besonders buntes Bild. Man stand herum, redete mit diesem und jenem, trank eine Tasse Tee, und die Jugend tanzte im großen Saale des Hauses des Stationschefs. Außerdem wurde .von Herren und Damen der Kieler Gesellschaft ein vorher eingeĂŒbter Lancier auf dem Rasen im Garten getanzt, bei dem auch ich beteiligt war. Auf dem Rasen hinter dem Haus war ein großer roter Teppich gelegt, auf dem einige Korbmöbel standen fĂŒr die höchsten Herrschaften.

Beim Gartenfest erhielt Admiral Warrender fĂŒr sich und seine Frau eine Einladung zur Abendtafel auf die „Hohenzollern“. Die fĂŒr die „dinner-party“ auf dem „King George V.“ eingeladenen GĂ€ste wurden daher wieder ausgeladen bis auf einige jĂŒngere Damen, mit denen wir dann abends sehr vergnĂŒgt tafelten. Sir Edward Goschen prĂ€sidierte wieder und unterhielt sich sehr gut mit den deutschen Damen, die ihn in seiner TĂ€tigkeit als Gastgeber unterstĂŒtzten. Nach dem Essen auf dem „King George V.“ tanzten wir etwas an Deck, ließen uns dann aber auf die „Viktoria Luise“ der Hamburg-Amerika-Linie ĂŒbersetzen und tanzten dort weiter. Noch mehr als anderswo trat hier der internationale Charakter der Kieler Woche zutage. Alle Sprachen wurden gesprochen. Da es zum Tanzen infolge ÜberfĂŒllung reichlich eng war, trommelten Stopford, Buxton und ich ein paar nette Menschen zusammen, zogen wieder auf den »King George V.“ und tanzten dort weiter. Unter anderen kamen die beiden jugendlichen Enkelinnen des FĂŒrsten Bismarck mit uns. Erst ziemlich spĂ€t fuhren die letzten GĂ€ste von Bord. So endete der letzte Tag vor dem ereignisschweren Tag von Serajewo fĂŒr uns in fröhlichstem Zusammensein mit unseren englischen GĂ€sten.

FĂŒr Sonntag, den 28. Juni war wieder ein reichhaltiges Programm vorgesehen. Mittags waren der Admiral und Lady Warrender zum FrĂŒhstĂŒck bei Großadmiral v. Tirpitz eingeladen. Nachmittags sollte großer Empfang im Königlichen Schloß sein und abends Essen beim Stationschef mit nachfolgendem Ball.

Zum Großadmiral v. Tirpitz war ich nicht mit geladen, ich aß infolgedessen mittags mal wieder in aller GemĂŒtsruhe zu Hause. Als ich nach Tisch- wieder auf dem „King George V.“ ankam, wurde ich ans Telephon gerufen und erhielt hier den vom Kaiser erteilten Befehl;

„Flagge halbstocks, Toppsflaggen halbstocks, österreichische Flagge im Großmast, anlĂ€ĂŸlich der Ermordung des österreichischen Thronfolgers.“

Admiral Warrender und Sir Goschen kamen gleich darauf vom „Friedrich Karl“ zurĂŒck. Beide sehr ernst, der Botschafter tief erschĂŒttert. Ich meldete ihnen den erhaltenen Telephonspruch. Ich stand noch eine Weile mit ihnen an Deck zusammen. Sir Edward Goschen hatte TrĂ€nen im Auge, so daß ich ihn fragte, ob er dem Morde eine ganz besondere Bedeutung beimĂ€ĂŸe. Er sagte darauf nur, daß er dem Thronfolger sehr nahegestanden und ihn wie einen Freund geliebt habe. Goschen sagte dann zu Warrender, sie wollten zusammen ein Telegramm an Sir Edward Grey aufsetzen. Ich zog mich infolgedessen zurĂŒck. Als Warrender wieder an Deck kam, war er noch ernster geworden. Er sprach mit mir ausfĂŒhrlich ĂŒber die Folgen, die der Mord haben könne. Er sprach als seine feste Überzeugung unumwunden die BefĂŒrchtung aus, daß dieser Mord den Krieg zwischen Serbien und Österreich zur Folge haben wĂŒrde, daß dann Rußland mit hineingezogen werden wĂŒrde und daß dann auch Deutschland und Frankreich nicht unbeteiligt bleiben könnten. Von England sprach er nicht, aber er sagte schließlich doch noch, daß dieser Mord wohl den allgemeinen Weltkrieg entfesseln wĂŒrde. Ich habe ĂŒber dieses GesprĂ€ch in meinem am 4. Juli 1914 eingereichten dienstlichen Bericht berichtet. Noch wĂ€hrend wir uns an Deck unterhielten, kam Prinz Heinrich an Bord, um die Nachricht von der Ermordung zu ĂŒberbringen und sich mit Sir Edward Goschen und dem Admiral darĂŒber zu unterhalten. Er berichtete bereits Einzelheiten ĂŒber den Mord.

Das Bild der Kieler Woche Ă€nderte sich jetzt mit einem Schlage von Grund auf. Der Empfang im Schloß und der Ball beim Stationschef wurden abgesagt. Die „Viktoria Luise“ erhielt von Hamburg Anweisung, am folgenden Tage nach Hamburg zurĂŒckzukehren. Die Regatten nahmen ihren Fortgang, aber die Tanzfestlichkeiten unterblieben. Es begann die gewitterschwĂŒle AtmosphĂ€re, die die Welt bis zum Kriegsausbruch erfĂŒllt hat. Nachmittags wurde mitgeteilt, daß der Kaiser am anderen Morgen abreisen wĂŒrde.

Am Montag, den 29. Juni fuhren wir schon in aller FrĂŒhe mit der „bĂ€rge“ zum Bahnhof, Warrender und Goodenough mit ihren StĂ€ben, sowie KapitĂ€nleutnant Kehrhahn und ich. Die befohlenen Admirale und Generale versammelten sich an der AnlegebrĂŒcke. Kurz vor der Ankunft des Kaisers kam Ihre MajestĂ€t die Kaiserin an, die im Auto von GrĂŒnholz herbeigeeilt war und nun den Kaiser nach Wien begleiten wollte. Sie war ganz in Schwarz und sah verweint aus.

Das Boot des Kaisers legte an, der Kaiser stieg mit seinem Gefolge aus. Der Kaiser sah todernst aus. Er nahm verschiedene Meldungen entgegen, so auch Warrenders und Good-enoughs Abmeldungen. Er unterhielt sich mehrere Minuten mit beiden. Dann sprach er lange mit Sir Edward Goschen, ferner mit Mr. Armours, dem Amerikaner, FĂŒrst MĂŒnster, Admiral v. Ingenohl und anderen. Wir folgten alle bis zum Zuge und grĂŒĂŸten beim Abfahren. Es herrschte eine ernste Stille, auch bei dem zahlreichen Publikum, das sich trotz der frĂŒhen Stunde eingefunden hatte.

Am Vormittag nahm der Admiral an der feierlichen Beisetzung des mit seinem Flugzeuge abgestĂŒrzten KapitĂ€nleutnants Schroeter teil. Mittags fand eine offizielle Tafel an Bord des „King George V.“ statt, zu der in der Hauptsache die deutschen Admirale mit ihren Frauen geladen waren. Wegen Platzmangels hatte aber nur eine beschrĂ€nkte Zahl geladen werden können. Unter den erschienenen GĂ€sten befanden sich Großadmiral v.Tirpitz, die Admirale v. Ingenohl, v. Coerper und v. Pohl. Es gab ein sehr einfaches Essen, das sich nur durch einige gute Weine von dem tĂ€glichen Lunch unterschied. Nach dem Essen erbot sich Admiral Warrender den deutschen Admiralen den „King George V.“ zu zeigen. Admiral v. Ingenohl nahm merkwĂŒrdigerweise an, wĂ€hrend Großadmiral v.Tirpitz und die ĂŒbrigen Admirale ablehnten. Admiral Warrender fĂŒhrte nun Admiral v. Ingenohl und seine Offiziere, denen ich mich anschloß, in einen 34,5 cm-GeschĂŒtzturm und es wurden uns dort von commander Goldie sĂ€mtliche maschinellen Einrichtungen des Turmes im Betrieb vorgefĂŒhrt.

Nachmittags begleitete ich allein den Admiral im Auto zum Werfterholungshaus, wo ein Mannschaftsfest stattfand, das die EnglĂ€nder unseren Mannschaften als Ewiderung fĂŒr die gegebenen Mannschaftsfeste gaben. Beim Betreten des Saales wurde Admiral Warrender mit donnerĂ€hnlichem Fußgetrampel empfangen, eine spontane Huldigung, die auf mich einen tiefen Eindruck machte. Warrender schwang sich sodann

mit jugendlicher ElastizitĂ€t auf einen Tisch und hielt eine begeisternde Rede auf die Freundschaft der beiden Völker, die in drei Hurras auf die deutsche Marine endete. Konteradmiral Mauwe antwortete, ebenfalls auf dem Tische stehend. Als er seine Rede beendet hatte und drei Hurras auf die englische Marine ausgebracht wurden, gab Warrender ihm die Hand und zeigte sich so den deutschen und englischen Mannschaften Hand in Hand mit dem deutschen Admiral in etwas theatralischer Pose. Ein wĂŒstes Beifallsgetrampel, das immer wieder von neuem begann, war die Antwort.

In diesen Tagen unterhielt sich Warrender öfters mit mir darĂŒber, wie sich wohl ein Seekrieg zwischen England und Deutschland gestalten wĂŒrde. Besonders interessierte mich dabei, daß er sagte, daß man in England erst durch mehrere Artikel deutscher Seeoffiziere auf die Bedeutung der Bucht von Scapa Flow aufmerksam geworden sei und daß man daraufhin darangegangen sei Scapa Flow als StĂŒtzpunkt fĂŒr die sogenannte weite Blokade der deutschen Bucht auszubauen. Er sagte wörtlich:

„Scapa Flow ist eine deutsche Erfindung.“

Er und die Offiziere seines Stabes spöttelten öfters ĂŒber den bekannten U-Bootsbrief des Admirals Percy Scott, in dem dieser ausgesprochen hatte, daß die U-Boote das Ende von Englands Seeherrschaft bedeuteten. Admiral Warrender meinte aber doch auch, daß die U-Boote in Zukunft die strategischen VerhĂ€ltnisse von Grund auf Ă€ndern wĂŒrden und daß wegen der U-Boote in Zukunft nur die weite Blokade — in den norwegischen GewĂ€ssern — möglich sein wĂŒrde.

Am Abend des 29. Juni fand das Herrenessen des Kaiserlichen Yachtklubs statt. Vorher war Preisverteilung, die Prinz Heinrich in Vertretung des Kaisers vornahm. Eine große Zahl Yachtbesitzer und Seeoffiziere hatte sich dazu im Yachtklub versammelt. Ich vergesse nie den prĂŒfenden Blick, mit dem Warrender jeden einzelnen der aufgerufenen jungen Offiziere musterte, um sich einen Eindruck von ihnen zu verschaffen. Besonders interessierte er sich fĂŒr die Offiziere der U-Bootswaffe, die er und seine Offiziere stets möglichst zahlreich kennen zu lernen versuchten.

Bei dem Essen im Klub sah man allerlei interessante Leute, Generalfeldmarschall v. d. Goltz, Krupp von Bohlen und Haibach, die Marineattaches der fremden Staaten u. a. Zum letzten Male schlief ich in dieser Nacht auf dem „King George V.“

FĂŒr Dienstag, den 30. Juni war die Abfahrt des englischen Geschwaders angesetzt. Ich bedauerte, daß die fĂŒr mich hochinteressante Zeit zu Ende war. Den mir stets freundschaftlich gegenĂŒbergetretenen Offizieren des Stabes, Stopford und Buxton, schenkte ich auf ihre Bitten mein Bild, wofĂŒr sie sich mit den ihrigen revanchierten. Ich stiftete außerdem jedem eine kleine Kiste mit gutem Rheinwein. DafĂŒr haben sie mir beide zusammen ein sehr schönes silbernes Tintenfaß geschenkt, das sie am 30. Juli 1914 von England abgeschickt haben und das mir Ende August 1914 durch Vermittlung des deutschen Admiralstabes zugestellt wurde!

Admiral Warnender gab mir zum Abschied eine wundervolle Nadel, einen großen Rubin mit Brillanten. Ich habe sie nur kurze Zeit besessen, im August 1914 habe ich sie dem Roten Kreuz zur VerfĂŒgung gestellt. Außerdem schenkte er mir sein Bild.

Ich blieb so lange an Bord, bis von der Boje losgeworfen wurde. Dann verabschiedete ich mich. Alle waren sehr herzlich zu mir. Ich schied mit dankbaren GefĂŒhlen. Die vĂ€terliche, fĂŒrsorgende Gastfreundschaft des englischen Admirals werde ich nicht vergessen, trotz allem Schlechten, was das englische Volk seitdem unserem Volke angetan hat, wodurch es jedem anstĂ€ndig denkenden deutschen Ehrenmanne zur Zeit unmöglich gemacht worden ist, mit einem EnglĂ€nder freundschaftlich zu verkehren. Durch die Forderung der Auslieferung unseres Kaisers ist eine unĂŒberbrĂŒckbare Kluft zwischen uns und den EnglĂ€ndern entstanden.

Ich bestieg mein Boot und sah die Schiffe in rascher Fahrt den Hafen verlassen. Auf den deutschen Schiffen wehte das Signal: „GlĂŒckliche Reise“.

Beim Auslaufen aus dem Hafen machte Warrender als Abschiedsgruß seines Geschwaders an die deutsche Flotte den Funkspruch:

„Friends in past and friends for ever!“

(„Freunde in der Vergangenheit und Freunde fĂŒr immer!“)

Text und Bild aus dem Buch: Die zwei weissen Völker! (The two white Nations!) Verfasser: Hase, Georg Oskar Immanuel von.

Text und Bild aus dem Buch: Die zwei weissen Völker! (The two white Nations!) Verfasser: Hase, Georg Oskar Immanuel von.

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Siehe auch:

Die zwei weissen Völker! (The two white Nations!)
Die Kieler Woche 1914
Erste Begegnungen mit englischen SeestreitkrÀften.
Die artilleristischen Grundlagen des Kampfes auf hoher See.
Der historische Wert persönlicher Darstellungen von Seegefechten.