Architektur im Dritten Reich – Geleitwort

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Wenn man dem Leser den Ausdruck der Bauten des Dritten Reiches anschaulich machen will, so bedarf es dazu der Anzeigung eines Doppelgesichtes: einmal des Gesichtes des Hauses, wie es als Zielbild im Sinne eines neuen Deutschland erscheint, zum anderen aber des Gesichtes der Bauten, die wir ablehnen, ja, die wir leidenschaftlich bekĂ€mpfen, da wir in ihnen die Vertreter einer Weltanschauung erblicken, die aus einem neuen Deutschland verschwinden muß.

Auch Bauten haben ein Gesicht, ein Gesicht mit einem ganz bestimmten seelischen Ausdruck, in welchem der Kundige zu lesen vermag, wie in einem menschlichen Antlitz. Da gibt es alle Schattierungen vom hellsten Licht zum dunkelsten Schatten, und auch das schauspielernde Gesicht, das seine Rolle im Leben weiter zu spielen versucht, fehlt bei den HĂ€usern nicht.

Zu dem, was das Dritte Reich ablehnt, gehört zunĂ€chst fast alles das, was das letzte Zweidrittel des gesamten neunzehnten Jahrhunderts hervorgebracht hat. Es lĂ€ĂŸt sich genau verfolgen, wo die Ursachen des Abstiegs zu suchen sind, und welche weltanschaulichen Wandlungen ihnen zu Grunde liegen. Kein tiefer Blickender kann heute daran vorbeisehen, daß diese unheilvolle Wende, wie sie das neunzehnte Jahrhundert brachte, nur mit der Abkehrung von einer blut- und bodengebundenen Kultur und der Übernahme einer liberalistisch-demokratischen Lebenseinstellung zu erklĂ€ren ist. Dies Gesicht, das im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts das allgemein herrschende geworden war, verĂ€ndert sich nun in der Nachkriegszeit und nimmt unverhĂŒllt anarchistische ZĂŒge an. Es gelingt fĂŒr kurze Zeit, den Schein einer Alleinherrschaft zu erzeugen, die unter denselben Zeichen auftritt, wie die gleichzeitige politische Macht: Gleichheit der Menschheit, InternationalitĂ€t, Kollektivismus und grimmige Verfolgung alles Blut- und Bodengebundenen.

Das deutsche Volk, das in seiner rĂŒhrenden Bravheit und GrĂŒndlichkeit nicht allein den ihm im Grunde durchaus wesensfremden Liberalismus ĂŒbernahm, hatte sich in den Kopf gesetzt, es sei seine sittliche Pflicht, auch erst einmal die kommunistischen Ideen am eigenen Körper wenigstens zu probieren, ehe es sie zur TĂŒr hinausweist. Und so lĂ€ĂŸt heute die brave GrĂŒndlichkeit des Deutschen, aber auch seine Gedankenlosigkeit und sein unaustilgbarer Respekt vor allem, was von jenseits der Grenzen kommt, es nicht zu, den baulichen Ausdruck einer ihm gĂ€nzlich artfremden Geistesrichtung mit entschiedener Deutlichkeit abzulehnen, sondern er hĂ€lt es sogar noch fĂŒr seine Aufgabe, auch dem Feinde, der nichts anderes vorhat, als ihn zu vernichten, „gerecht“ zu werden, und, anstatt zu kĂ€mpfen, ihn „objektiv“ zu betrachten.

Gott sei Dank lebt nun aber neben dieser Engels- und Lammesgeduld des Deutschen auch noch genug von dem furor teutonicus in ihm, der kĂ€mpferische Pflichten wachruft. Und wenn das Signal zum Sturm gegeben wird, dann wirft auch der Deutsche seine lĂ€hmenden Hemmungen beiseite. So ist heute der Aufbruch der Nation zu verstehen, der ĂŒber Nacht gekommen ist und uns zeigt, daß sich das deutsche Volk nicht gewandelt, sondern, daß es geschlafen hat. Eine große Wende ist im Anbruch, und mit ihr wird ganz von selbst mit der Befolgung der Lehren, die der Glaube an Blut und Boden lebensgesetzlich zur obersten Pflicht macht, auch das Gesicht aller Taten des Volkes sich wandeln. Also auch das seiner Bauten. Das ist ein Vorgang, der sich nicht kĂŒnstlich erzeugen lĂ€ĂŸt, denn die Bauten sollen nicht Gesichter schneiden lernen, sondern es sollen die Gestalten fĂŒhrend hervortreten, deren angeborenes Gesicht die ZĂŒge des echten Deutschen trĂ€gt.

Der rechte FĂŒhrer muß zielweisend vorangehen und im Kampfe seinen Mann stellen. Er muß aber auch dafĂŒr sorgen, daß sich in seine Truppe nicht ÜberlĂ€ufer oder gar VerrĂ€ter einschleichen. Der Stoßtrupp muß rein und stark erhalten bleiben. Nichts schwĂ€cht den Kampfgeist mehr, als eine Beimischung von Flauen und Feigen. So darf das Dritte Reich auch nicht einen Augenblick die Gefahr verkennen, die ihm von den ewig „Objektiven“ droht, von den Konjunkturisten, die sich bestĂ€ndig „umstellen“, von denen, die ĂŒberall dabei sein wollen, von denen, die sich rasch „auf den Boden der Tatsachen stellen“. All die Leute fehlen auch in dem Reich des Bauens nicht.

Es wĂ€re noch ein Wort ĂŒber den heute in Dilettantenkreisen eine so große Rolle spielenden Baustoff und seine Gesetze zu sagen. Es ist keine Entdeckung von heute, daß sich aus jedem Baustoff besondere und ihm eigentĂŒmliche Formen entwickeln. So fĂŒhrt der Holzbau zu anderen Werkformen wie der Steinbau, und so hat auch der Eisenbau seine besonderen Bedingungen, wobei man aber immer den journalistischdilettantischen Denkfehler vermeiden muß, als ob es ĂŒberhaupt einen in sich geschlossenen Eisenbaustil gĂ€be. Eisen bleibt immer das Material fĂŒr das tragende GerĂŒst, wie es etwa bei einer BrĂŒcke oder dem Eiffelturm eindeutig in Erscheinung tritt. Es ergeben sich also Ă€sthetische Erfahrungen im GerĂŒstbau, was aber noch in keiner Weise bindende SchlĂŒsse auf Bauten ziehen lĂ€ĂŸt, deren Sinn und Bedeutung in keiner Weise im tragenden GerĂŒst erschöpft ist —so wenig, wie ein Steingewölbebau, auf das nackte statische Moment beschrĂ€nkt, dadurch zum gotischen Dom wĂŒrde.

Neben den selbstverstĂ€ndlichen Folgerungen, die sich aus dem Baustoff hinsichtlich seiner ihm gemĂ€ĂŸen handwerklichen Behandlung ergeben, wird man im Dritten Reich aber auch nicht die volkswirtschaftliche Frage des Baustoffes ĂŒbersehen; ja es wird sie zu einem Grund- und Eckpfeiler ausbauen. Im liberalistischen Zeiltalter gaben allein hĂ€ndlerische Gesichtspunkte den Ausschlag. Wer die Stoffe lieferte, und wo sie gewonnen wurden, wer sie verarbeitete und in Form brachte, spielte ĂŒberhaupt keine Rolle, wenn nur am Umsatz verdient wurde.

Im Dritten Reich wird sich das grundsÀtzlich wandeln. Wenn auch sein Ziel nicht ein reines geschlossenes Wirtschaftssystem sein kann, so wird doch die unbedingte Bevorzugung des eigenen Erzeugnisses den Ton angeben. Und damit wird auch die Frage des Baustoffes wieder von ganz anderen Gesichtspunkten aus angesehen werden. Die Bedeutung der heimischen Erzeugung, die einfache Erreichbarkeit und die Verbundenheit mit den heimischen Handwerkern wird bei allen Bauten sehr mitsprechen, bei den meisten entscheidend werden.

Von all dem soll in diesem Buche ausfĂŒhrlicher die Rede sein. Zweck dieser Zeilen, die ihm das Geleit geben sollen, ist nur, in ganz kurzer Form die kulturpolitische Linie anzudeuten, die sich aus den GlaubenssĂ€tzen des Dritten Reiches ergibt.

Saaleck, Herbst 1932.

Prof. Dr. Paul Schulfze-Naumburg, M. d. R.

Text aus dem Buch: Die Architektur im Dritten Reich, Verfasser: Straub, Karl Willy

aus dem Kunstmuseum Hamburg

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