Diamantendiebstähle

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Bekanntlich werden Diamantendiebstähle ausserordentlich streng bestraft. Trotzdem aber werden immer wieder neue Wege gefunden, die kostbaren Edelsteine aut unerlaubten Wegen zu erwerben. In seinen „Erinnerungen an Kimberleys früheste Zeit“ in der „Century Press“ erzählt Louis Cohen, dass man Hunde so lange hungern liess, bis sie dem Tode nahe waren. Dann gab man ihnen Fleischstiicke zu fressen, die Diamanten enthielten und die sie hastig hinunterschlangen. War man sicher über den Vaalfluss gelangt, schnitt man den armen Tieren unbarmherzig den Leib auf und entnahm die Diamanten ihrem Magen. Dasselbe Experiment machte man auch mit Pferden, die man unter den Augen der Polizei über den Fluss trieb. Brieftauben waren dagegen ein unschuldiges Mittel und ein sicherer Weg, die teure Beute über die Grenze zu schmuggeln. Auch in ausgehöhlten Stiefelabsätzen fanden die hellen Steine oft ihren Weg zu stets bereiten Käufern auf nichtenglischem Gebiet, ebensolcher Schlauheit betrieben die Käufer ihre Sache, wenn sie eingeschmuggelte Diamanten verbergen wollten. Einst wollte die Polizei einem verdächtigen Händler eine Falle stellen. Ein Kapboy klopfte an die Tür des Mannes und verkaufte ihm einen 40karätigcn Diamanten, während gerade seine Frau dabei war, einen Gänsebraten zum Mittag herzurichten. Sofort erschien auch der Detektiv, um den Käufer zu verhaften. Das Haus wurde durchsucht, ein Diamant aber fand sich nicht. In die Füllung der Gans eingebettet, kam er wieder zum Vorschein, als der leckere Vogel verspeist wurde. Der Detektiv aber hatte das Nachsehen.

Weiteres aus der Reihe „Kolonie und Heimat“

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Wie Loki und Heimdall um Freyjas Halsband kämpften

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Viel ist verlorengegangen, was germanische Sagen von Taten und Leiden der Götter erzählten.

Der Skalde Ulf Uggissohn sang in einem berühmten Gedicht den Zweikampf Heimdalls mit Loki um das schönschimmernde Halsband der Göttin Freyja. Von diesem Gedicht und der Sage, die es besang, blieb nichts erhalten als ein paar Zeilen, daraus wir sehen, daß Heimdall den Sieg davontrug über den urgeu Gefährten der Götter. Auch sagt uns der weise Isländer Snorri, daß beide bei diesem Kampf in Seehundsgestalt waren. Dem Dichter sei vergönnt, aus den wenigen Trümmern das Bild des Ganzen nachzugestalten.

„Einmal, als Loki, der unstete Riesensproß, den die Götter unbedacht in ihre Gemeinschaft aufgenommen hatten, in Gestalt eines Falken über das Meer dahinflog, sah er einen großen Fisch dicht unter der Oberfläche, dessen Schuppen und Flossen von lauterem Golde blitzten.

In der Begierde, das Kleinod zu erjagen, stieß Loki auf die Wogen des Meeres hinunter, doch in dem Augenblick, da seine Fänge in das Wasser tauchten, um den kostbaren Fisch zu fassen, umschloß sie das unsichtbare Netz der Meerriesin Ran. Mit List hatte sie, ihm ein Blendwerk vorgaukelnd, den Habgierigen in diese Falle gelockt und zog ihn nun hinunter auf den Grund des Meeres in ihr düsteres Reich.

Neun Tage hielt sie ihn in unholder Haft unter ertrunkenen Seefahrer in glanzloser Tiefe, bis er mit heiligsten Eiden auf das Haupt seines treuen Weibes Sigrun gelobte, das herrliche Halsband Freyjas der häßlichen Herrscherin des Meeres als Lösegeld zu bringen.

Dieses Sternenhalsband der Göttin, das ihr in jeder klaren Nacht am Himmel funkeln seht, war der Götter Stolz und das Glück der Menschen. Niemals tat Freyja es vom Halse. Loki aber, der vielgewandte Sohn der Riesin Laufey, wußte, wie er sie bereden könne, ihm den himmlischen Schmuck anzuvertrauen.

Freyja, die schönheitstrahlende Göttin, die das Herz der Götter und Menschen entflammt und nach deren Anmut sich die plumpen Riesen in Sehnsucht verzehren, war selber eine unheilvoll Liebende. Einem Manne namens Od hatte sie ihr Herz zugewandt und sich ihm vermählt; doch er verließ sie, und in allen Landen suchte sie vergebens die Spur des Geliebten. Als Loki zurückgekehrt war nach Asgard, in die Burg der Götter, da ging er zu Freyja und sprach zu ihr:

„Ich hab Od gefunden, nachdem du verlangst. Ran, die raubende Riesin, hat ihn in ihr Todesnetz gezogen und hält ihn auf dem Grunde des Meeres gefangen. Doch will sie ihn dir wiedergeben, gewährst du ihr dein schimmerndes Halsbund als Lösegeld.“

Nie hätte Freyja sich von ihrem holden Halsschmuck getrennt, aber die Liebe fordert den höchsten Preis. Goldene Freudentränen raunen ĂĽber ihr Antlitz. „Nimm hin das Geschmeide!“ sprach sie. „Kein Kleinod ist mir zu kostbar fĂĽr dos Leben Ods, des Geliebten. FĂĽhre den Gemahl an mein Herz, und ich will ewig dir danken!“

Da löste Loki frohlockend ihr das Geschmeide vom Halse und tauchte in Seehundsgestalt zur Tiefe des Meeres, um der unerbittlichen Ran den erlisteten Schmuck zu bringen.

Einer aber hatte jedes Wort des Betrügers vernommen, Heimdall, der hohe Himmelswächter, dessen allspähendes Auge bei Tage und Nacht nie in Schlummer fällt und dessen Ohr so fein ist, daß er jedes Geräusch vernimmt. Er, der bis ins Herz der Erde blickt, wußte um Lokis Gefangenschaft bei Ran und durchschaute den Trug. Mit der Schnelle des Blitzes kleidete auch er sich in Seehundsgestalt und tauchte Loki nach.

In den Fluten des Meeres entspann sich ein wütender Kampf zwischen der Stärke Heimdalls und Lokis geschmeidiger List, der immer wieder dem Würgegriff des Wächters der Himmelsburg entglitt.

Ran, die Grimmige, wollte Loki zu Hilfe eilen, aber die neun Wogenmütter Heimdalls, des aus dem Meere Geborenen, drangen auf sie ein und hinderten sie. Gjalp, die Brausende, Greip, die Packende, Eistla, die Raschdahinstürmende, Eyrgjafa, die Sandspenderin. Ulfrun, die Wölfische, Angeyja, die Bedrängerin, Imd, die Rauschende, Atal, die Verderbliche, Jarnsaxa, die mit dem Eisenmesser, sie alle, die Heimdall gebaren, stürzten sich auf die raubende Riesin und hemmten die Heraneilende. daß sie nicht eingreifen konnte in den Kampf. So wütend wogten die Wogen, so zornig spritzte der weiße Schaum gen Himmel, daß die Schiffe der Menschen auf der Meerflut zerschmetterten und selbst das Land weithin erbebte.

Endlich gelung es Heimdall, Loki zu fassen und ihm das helle Geschmeide zu entreißen. Kraftlos sank Loki zurück. Heimdall aber enthob sich dem Meer und flog in Adlergestalt zur Götterhöhe empor.

„Wie konntest du dem Verderber trauen?“ schalt er Freyja. als er ihr das funkelnde Kleinod zurĂĽckgab. „Wisse, nie wieder wirst du Od schauen, ehe denn Ragnarök, die Götterdämmerung, hereinbricht. Vergeblich suchst du ihn bei Ran. Odin allein und ich wissen um das Geheimnis, das ihn verbirgt. Aber du sollst ihn Wiedersehn am Tage des Weltenkampfes, ehe durch Tränen und Blut die neue Welt aus den Fluten steigt. Und dann wird auch Loki seine Strufe empfangen, dessen Arglist so oft uns Göttern zum Unheil ward.“

Als der weiße Ase wieder an der Himmelsbrücke stand, wachend, damit nicht die Riesen vor der Zeit die Burg der Götter erstürmten, da nahm er einen Kerbstock hervor und schnitt eine Kerbe hinein zu den vielen, die Lokis Untaten dem Gedächtnis bewahrten. Als er aber den Schnitt tat, war es, als stieße ein Messer in das Herz Lokis, des Argen. Er, der daheim mit bitterem Lächeln auf dem Ruhebett lag, fühlte plötzlich einen schmerzenden Stich in der Brust und stöhnte auf in vorahnender Qual; doch Sigrun, sein getreues Weib, tröstete ihn.

Wer das Gute will

muß mit dem Bösen kämpfen

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Des Königs Richterspruch

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Auf dem alten Richterstuhle Karls des Großen unter der Linde, unweit des Fleckens Rottweil, saß König Heinrich, umgeben von seinen Pfalzrichtern, und im weiten Halbkreis um ihn das Volk.

Auch etliche Bischöfe waren beim König, denn es war das erstemal, daß er ohne Beistand seines königlichen Richteramtes waltete. Ein Freisasse klagte wider einen Klosterbruder, daß der ihm seine Tochter mit Gewalt entehrt hätte. Zwölf Eidhelfer standen dem Freibauern zur Seite, zwölf Eidhelfer, die Klosterbrüder des Angeklagten, standen diesem zur Seite. Zwölf Eide hoben sich gegenseitig auf.

Üble Dinge waren dem Könige mitgeteilt worden über das Treiben der Klostermönche, und von seinem Richterstuhle aus konnte König Heinrich gar wohl bemerken, daß das Volk auf seiten des Bauern stand und daß nur die Achtung vor dem König es hinderte, gegen die Mönche Schmähungen auszustoßen.

Mit seiner Tochter an der Hand stand der Bauer und forderte Recht. Ihm gegenüber standen die zeternden Mönche und nannten das Mädchen eine Dirne. —

Ein grollendes Murren ging durch die Reihen des Volkes. Der Angeklagte war aus vornehmem Hause, und seine Sippe hatte kein Mittel unversucht gelassen, den Freisassen einzuschüchtern — mit Feuer und Schwert hatten sie ihn bedroht, wenn er seine Klage nicht zurückziehe. Aber der wackere Mann war stark geblieben und schaute seinem König frei und offen ins Gesicht und forderte sein Redit.

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Prinz Eugen von Savoyen der edle Ritter

aus dem Kunstmuseum Hamburg

Tausende von Freiwilligen aus aller Herren Ländern befanden sich unter den bunt zusammengewürfelten deutschen Hilfsvölkern, die in den heißen Augusttagen des Jahres 1683 dönauabwärts strömten, dem drohenden Einbruch des Halbmondes zu wehren.

Unter den zahlreichen „Volontiers“ der französischen Krone war auch Prinz Eugen von Savoyen, der, in Paris erzogen, nach mancherlei Enttäusch ungen dem Lande seiner Geburt den RĂĽcken gekehrt hatte. Von dem nach Passau geflĂĽchteten Kaiser erbat und erhielt er das Kommando eines Dragonerregiments, an dessen Spitze er kurz darauf seine militärische Bewährungsprobe glänzend bestand.

Gleich am Beginn seines neuen Daseins wurde dem Prinzen das Glück eines richtungweisenden Erlebnisses zuteil: die Befreiungsschlacht am Kahlenberge bei Wien am 12. September 1683. Dieser überraschende und gewaltige Sieg, der aus der vereinten Kraft des gesamten deutschen Raumes heraus gewonnen ward, befreite das Abendland nicht nur von dem Albdruck einer türkischen Invasion, sondern eröffnete auch die Aussicht auf eine Neugestaltung des gesamten Südostens im deutschen Sinne. Ein Tor war aufgebrochen worden, durch das der Wind einen neuen Zeit in die stickige Atmosphäre des alten Reiches hereinwellte und das seit dem Dreißigjährigen Kriege dumpf hindämmernde Volk mit neuer Hoffnung erfüllte. Der savoyischc Fremdling aber, der eben erst den Boden des Reiches betreten hatte, sollte zum Träger dieser Hoffnung und zum glänzendsten Vertreter eines neuen Heldenzeitalters deutscher Geschichte werden. Im Gefolge der großen Reichsfeldherren Ludwig von Baden und Karl von Lothringen nahm der Prinz an dem Sturmlauf durch Ungarn teil, der die Kaiserlichen bis nach Siebenbürgen und vor Belgrad führte. Bereits in den ersten Gefechten konnte Eugen Proben persönlichen Mutes — er ist in kurzer Zeit zweimal schwer verwundet worden — und einer ungewöhnlichen militärischen Begabung ablegen. Gleichwohl dauerte es lange, bis er ein selbständiges Kommando erhielt. Erst nachdem er einige Jahre lang auch auf dem italienischen Kriegsschauplatz in untergeordneten Stellungen gegen die Franzosen befehligt hatte, wurde ihm 1697 der ersehnte Oberbefehl in Ungarn zuteil.

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